Erlebnis, Ich erzähl dir eine Geschichte...

Ich erzähl dir eine Geschichte…..Der gute Vorsatz

Annie von Ich erzähl dir eine Geschichte startet eine neue Schreibaktion mit wöchentlichen Schreibthemen.

Diese Woche geht es um Vorsätze. Die Hass-Liebe zu ihnen ist ungebrochen. Jedes Jahr wieder schleichen sie sich in unser Leben und erschweren es.

Diese Woche: Du führst eine Diskussion mit einem guten Freund über deine Neujahrsvorsätze. Wie sieht diese Unterhaltung aus?


„Hei Max, wie geht es dir? Ist schon wieder ein Jahr her, dass wir uns gesehen haben. Hahaha.“

„Echt jetzt, Rina? Diese olle Kamelle?“ „Ach komm, sei kein Frosch. Hast du es gut angefangen?“ „Jaaa, kann man so sagen. Du weißt doch, gute Vorsätze und so.“ „Vorsätze, pah. Kaum ausgesprochen, wird der erste schon gebrochen. Warte, ich glaube Abnehmen und Sport, halten sich da die Waage. Fünfzig-Fünfzig würde ich sagen.“

Verlegen schaute Max auf seine Schuhspitzen. „Nein, nein, dieses Jahr schaffe ich das. Was sind deine guten Vorsätze?“ Ich überlegte intensiv. Gute Vorsätze. Ich hatte mir keine vorgenommen, jeden Falls im klassischen Sinn. Ich hatte schon im letzten Jahr keine vorgenommen. Ich war letztes Jahr so deprimiert gewesen, dass sich doch eigentlich nur die Jahreszahl und nicht das Leben ändert. Ich  wollte nichts, was mich noch zusätzlich belastet, wie eine Diät, die wieder nicht funktioniert, oder mehr Sport, das ich eh nicht schaffe, da mich die körperliche Arbeit auslaugt. Nein. Keine Vorsätze für mich. „Ich hab keine Vorsätze. Ich lebe einfach so, ohne mich zu drücken. Aber warte, eigentlich stimmt das nicht. Ich habe mir schon was vorgenommen. Ich will viel, viel gelassener sein. Mir weniger Druck machen und mich noch mehr entschleunigen. Die Zeit rast mir zu schnell vorbei. Ich will sie bewusster wahrnehmen. Vielleicht sollte ich wieder Tagebuch schreiben? Hm.“ „Das ist doch kein Vorsatz. Vorsätze braucht der Mensch um überhaupt voran zu kommen. Sonst steht man ewig auf der Stelle. Und eine Diät würde dir schon gut tun.“ „Sei froh, dass du ein Freund bist. Denn keiner kann über meinen Körper entscheiden. Wenn ich Dick bin und bleibe ist das meine Entscheidung. Ich mache seit Dreißig Jahren Diäten. Immer irgendwas Neues und kasteie mich. Wenn ich es tatsächlich das Jahr schaffe zehn Kilo zu verlieren, bringt mir Weihnachten fünfzehn Kilo drauf. Hätte ich niemals eine Diät gemacht, hätte mein Körper die Chance gehabt sich selbst einzustellen. Nein, nein mein Freund. Ich quäle mich nicht mehr mit irgendwelchen Dingen, die mich deprimieren. Ich will eine Elefantenhaut – und nicht nur wegen meiner Figur – eine Elefantenhaut an der alles Unliebsame abperlt oder ich entspannt abwischen kann. Ich habe mir vorgenommen, die Arbeit auszublenden, noch langsamer zu arbeiten und meine Freizeit bewusst wahrzunehmen. Selbst wenn ich nur die Wohnung sauber mache – das will ich erleben.“ Max schüttelte den Kopf. „Du bist komisch.“ „Ja, und das ist es was du doch magst, oder?“ Er lachte, drückte mich und winkte zum Abschied. „Bis nächstes Jahr, mein lieber.“ „Bis nächstes Jahr, Rina. Dann versuche ich mein Glück erneut. Du weißt, wir inneren Schweinehunde sind sehr hartnäckig.“ Ich lachte und ging meines Weges.

ENDE


Meine Empfehlung – lasst die guten Vorsätze wo sie sind….weit weg. Sie beschweren eure Seele und belasten euch nur.