Schreibkicks, WG

Schreibkicks – Weihnachstspezial – Die Sache mit dem Rentier

Hallo ihr Lieben – ich hoffe ihr habt einen entspannten Heiligen Abend. Und da es einfach passt, gibt es ein schönes Weihnachtspezial von Sabi.

Die Sache mit dem Rentier.

Mit dabei waren:

Und ich habe tatsächlich eine Fortsetzung zu der Zeitkapsel geschrieben.

Kommt mit und besucht Lissi zum Weihnachtsfest.

Die Sache mit dem Rentier

„Vielen Danke Tante Ernestine.“ Fluchte ich, als ich versuchte das geerbte Haus zu entstauben und zu entmüllen. Es bewahrheitete sich ein Klischee, das sie schon bei ihrer Oma beobachtet hatte: Alte Leute sammelten und horteten alles. Und alles war bei ihrer Tante noch untertrieben. „Lissi?“ rief jemand von unten zu mir in den ersten Stock herauf. Mit Spinnenweben im Haar und staubverschmierter Nase tauchte ich unter dem riesigen Bett auf. Wenn ich mal sauber machte, dann richtig. Und ihr könnt nicht glauben, was so Fabelwesen für einen Dreck machen. Da könnte ich mir auch einen Hund halten. Apropos. Das musst ich vielleicht mit den….äh – ja Bewohnern mal besprechen. Ein Wachhund wäre nicht die schlechteste Idee.

Ach – aber ihr wisst ja nicht um was es geht. Ich hatte ein Haus von meiner Urgrosstante, Ernestine geerbt. Toll, oder? In Gewisser Weise schon. Finanziell hat sie mich abgesichert, da ich nicht mehr zum Arbeiten kommen würde. Nach einigen Wochen dort verstand ich auch warum. Die Bewohner bedürften die volle Aufmerksamkeit. Die Bewohner – Sie waren was Besonderes. Ernestine war eine Weltenbummlerin und Sammlerin. Nicht nur Krimskrams, den ich jetzt nach und nach ausmistete. Auch Artefakte fanden ihren Weg in dieses besondere Haus. Es war eine Art Zufluchtsstätte für Fabelwesen.

Ja – ihr lest richtig. Fabelwesen. Hier wohnten ein Geist, ein Vampir, eine Mumie, eine Hexe, ein Dschinn, und eines von Frankensteins Monstern. Und es musste irgendwo ein Orakel sitzen, das mich als Nachfolgerin auserwählt hatte – aber das hatte ich noch nicht kennen gelernt. Sie soll wohl sehr viel Wert auf ihre Privatsphäre halten.

Von Privatsphäre hatte ich mich, seit ich hier wohnte schon verabschiedet. Schon der Geist machte es unmöglich. Ständig glitschte sie durch die Wände und erschrak mich. Jetzt nicht mehr so schlimm. Außer ich kam aus der Dusche. Das sah schon immer recht witzig aus, wenn sich in dem Duschnebel eine menschliche Figur ohne feste Konturen bewegt.

Amelia, der Geist rief aufgeregt von unten her. „Lissi? Wo bist du denn?“ Ich bin in Morphis Zimmer – Das war die Mumie – jetzt könnt ihr euch vorstellen, warum es da so staubig war.

Ich stapfte also etwas angesäuert hinunter. „Was! “ Vor mir schwebte ein Tablett. “Egg Nogg?” “Dafür rufst du mich runter?„ schnauzte ich Amelia leicht an. Sie manifestierte sich und das erste was ich zu sehen bekam, war ein Schmollmund. „Ich dachte ich überrasche dich mit was Leckerem.“ Schniefte sie. Sie war schon sehr sensibel. „Es ist Weihnachten und du schuftest so viel.“ Kam ein bisschen bockig von ihr. Ich ließ die Schultern hängen. „Entschuldige. Es ist nur so viel Arbeit.“ Amelia lächelte sofort wieder und schwebte mit dem Egg Nogg vor mir her. Ich versuchte ihn zu fangen, bevor sie noch mehr verschüttete. „Hmmm.. der ist lecker.“ „Hat Frank gemacht.“

Im Geiste sah ich die Küche vor mir. Frank war toll, aber durch seine Größe war er etwas ungelenk. So sah es auch dann immer aus, wenn er auftauchte. Und er backte so gerne. Innerlich seufzte ich und trank den Rest. „Apropos Weihnachten.“ Murmelte Amelia. Es ist schon soooo lange her, dass ich Weihnachten feiern durfte, so etwa hundert Jahre. Wir würden so gerne feiern.“

„Äh, Okay, und wie denkt ihr euch das? Wer soll das organisieren.“ Eine leichte Röte legte sich auf ihre durchscheinenden Wangen. „Oh, du musst gar nichts machen. Wir kümmern uns um alles.“ Ich blickte sie zweifelnd an.

In dem Moment kam Minerva, die Hexe die Treppe herunter. „Was ist denn hier schon wieder für ein Trubel. Ach – Amelia, natürlich, wo du bist ist immer irgendwas los.“ „Wir feiern Weihnachten.“ Sang sie und schwebte vom Boden zur Decke und wieder hinunter. „Und du musst zaubern.“ „Was muss ich – ich muss schon mal Garnichts. Weihnachten. So ein Humbug. Das ist doch nur was für Kinder.“ Aus dem Keller stampfte Morphi, die Mumie hoch. „Morphi, glaub nur. Lissi hat ja gesagt zu Weihnachten.“ „Was hab ich?“ Aber sie überhörten mich gerade.

„Was meint denn Richard dazu?“ Amelia hielt still und schien zu überlegen. Würde sie mir eine Lüge auftischen? Es sah ganz so aus. „Der hält sich raus. Er meint, das musst du entscheiden. Ist ja dein Haus.“ Na klar. Der adrette Richard, der mir die letzten Wochen wirklich eine große Hilfe war, hält sich neutral raus. Aus der Küche hörte ich es scheppern. „Was macht Frank?“ „Na kein Weihnachten ohne Plätzchen, oder? Er backt schon die ganze Nacht. Riechst du es nicht.“ „Jetzt wo du es sagst. Tatsächlich, nach dem sich Morphis Staub sich aus meiner Nase verabschiedet hat, rieche ich es. Hmmmm.“ Ich ignorierte das nächste Scheppern.

In dem Moment öffnete sich die Eingangstür und Richard kam herein gestampft. Er stöhnte und schnaufte. Dann trat er sich den Schnee ab. „Oh Mann. Das schneit und schneit.“ Hinter ihm konnte ich einen Schatten erkennen. Der Schatten eines Weihnachtsbaums. Ich stemmte  meine Hände in die Hüften. Dann blickte ich zu Amelia, die gerade dabei war sich aufzulösen. „Moment mal meine Liebe. Wie war das mit dem, wenn ich mein Okay gebe. Wieso hat Richard dann einen Weihnachtsbaum dort hinten versteckt.“ Richard drehte sich und sah, dass er nicht wirklich erfolgreich beim Verstecken war. Er zog entschuldigend die Schultern nach oben.

„Tada.“ Meinte er. Ich runzelte die Stirn. „So nach dem Motto, wenn der Baum schon mal da ist, dann wird sie schon nicht nein sagen?“ „Ja so in der Art.“

„Also wirklich. Ihr seid mir schon welche. Und wann soll ich….“ „Nein nein, du musst nichts machen. Wirklich. Wir kümmern uns um alles.“ Bestätigte Richard, die Aussage von Amelia. Und die schüttelte heftig bejahend ihre blonden Löckchen, mit denen sie schon wie ein Weihnachtsengel aussah.

Ich schnaufte, und hob meine Arme zur Seite. „Nun gut, dann überrascht mich.“ „Yeah.“ Und schon schwebte sie um mich herum. „Hör auf, mir wird ganz schwindelig.“ „Verschwinde jetzt. Leg dich in die Wanne und wenn das Glöckchen läutet ist alles fertig.“ „Und das Putzen?“ „Na, das läuft doch nicht weg, das kannst du doch nach Weihnachten auch noch machen.“ Na danke. „Da könntet ihr auch mal helfen.“ So schnell hatte ich die Truppe noch nie verschwinden sehen. Richard murmelte etwas vom Baum. Minerva davon, die Weihnachtdekoration zu planen und Amelia von Frank in der Küche helfen. Der einzige, der nur verloren herum stand und sich hin und her drehte war Morphi. „Ja, ja schon gut. Mit deinem Zimmer bin ich eh fertig.“ Blinzelnd blickte er mich an und ein staubreiches Danke verließ stöhnend seinen bandagierten Mund. Ich winkte ab und ging nach oben. Dort wollte ich mir Wasser einlassen und mich auf den Weihnachtsabend freuen.

 

Während ich mich in das warme Wasser sinken ließ, ging es in der Küche und im restlichen Haus hoch her. Im Hintergrund ließ ich Weihnachtsmusik laufen und einige Kerzen beleuchteten sanft meine Seifenblasen. Ich war fest bereit alles um mich auszublenden. Das sollten die anderen alles organisieren.

„Frank, Frank. Wie sieht es denn hier aus? Lissi wird ausflippen.“ Er tapste unbeholfen durch die Mehlpampe, die er großflächig in der Küche verteilt hatte. Amelia schwebte aufgeregt um ihn herum und machte es noch schlimmer, da er mit den Armen wedelte und noch mehr herunter holte. Die Milch schwankte gefährlich. In dem Moment als sie fallen wollte, war nur ein Windhauch zu fühlen. Eine Hand schoss hervor und fing sie auf. „Dracula. Was ein Glück bist du da. Wir feiern Weihnachten.“ Flötete Amelia, die heimlich für den stattlichen Fürst schwärmte. „Weihnachten?“ Kam es, in  seiner Grabesstimme, die ihr eine Gänsehaut verursacht hätte, wenn sie noch ein Mensch gewesen wäre. Verliebt blinzelte sie ihn an. „Jaaaa. Weihnachten, ist das nicht toll?“ „Mpf“ kam es nur von ihm.

Richard betrat gerade die Küche. Er stockte. Dann blickte er zu Frank, der unbeholfen zurück blickte. „Tschuldigung.“ Richard seufzte. „Dracula, hier dein Weihnachtsblut.“ „Weihnachtsblut?“ „Ha, ja du wirst lachen. Im Mysteryladen – du weißt schon, in der dunklen Gasse, da verkaufen sie Weihnachtsblut. Angereichert mit Zimt, Nelken und Kardamom. Ist das nicht cool.“ „Was ist das für ein neumodiges Zeug?“ brummte er. „Und dann noch kalt. Das waren noch Zeiten, als ich Transsilvanien unsicher gemacht habe. Die Jungfrauen fürchteten und verehrten mich. Und ihr Blut war so lieblich, es brauchte nicht künstlich angereichert zu werden.“ „Ja, ja. Meinte Minerva, die gerade dazu kam.“ „Ach je Frank!“ Er blickte sie bittend an. Sie seufzte. Schnippte mit den Fingern und die Küche blitzte wieder. „Warum hilfst du eigentlich Lissi nicht beim Putzen?“ Fragte Richard. „Hei, sie muss sich doch nützlich fühlen, oder? Wenn ich alles mit einem Fingerschnipp erledigen würde, wie würde sie sich fühlen? So ohne Nutzen?“ Richard erhob drohend den Zeigefinger. „Verrat mich nicht, sonst verzaubere ich dich. Vielleicht in einen Frosch? Ach, das ist schon so lange her, dass ich das gemacht habe.“. „Schon gut, schon gut. Kommt helft mir bei dem Weihnachtsbaum. Und Frank, die Plätzchen riechen hervorragend. Auch der Braten im Ofen. Du bist einfach ein Meister im Kochen und im Chaos verursachen.“

Sie waren alle gerade in der großen Halle, als es klopfte. „Wer kann das sein?“ „Der Weihnachtsmann.“ Meinte Amelia hoffnungsvoll. Richard blickte sie augenrollend an. „Ja klar.“ Er stapfte zu Tür, während Amelia um den Baum herum schwebte und die Lichterketten anzuhängen. Minerva, stand dabei und beobachtete. Sie plante schon die restliche Deko, die sie ständig hin und her fliegen ließ.

Richard öffnete die Tür. Er stutzte. Drehte sich um und sagte: „Hei Leute. Ich glaube wir müssen den Stall aktivieren.“ Sie blickten alle zur Eingangstür und sahen ein Rentier.

„Rentier.“ Schrie Frank und stampfte aufgeregt zu ihm, mit ausgestreckten Armen. Erschrocken fing die Nase des Rentiers rot an zu blinken. „Rudolph?“ Fragte Richard unsicher?

„Ja, wer denn sonst.“ Schnauzte er unfreundlich. „Hei, warum so grimmig?“

„Lass ihn rein Richard, er bringt den ganzen Schnee und die Kälte ins Haus.“ Blaffte Minerva von der Treppe aus. Richard öffnete die Flügeltür, damit Rudolph mit seinem Geweih durch die Tür kam. „Was machst du hier? Heute ist Weihnachten. Musst du nicht den Schlitten des Weihnachtsmann leiten?“ „Pah, der Weihnachtsmann, der kann mir mal gestohlen bleiben.“ Alle blickten sich ratlos an. „Was ist passiert?“ Fragte Dracula unheilschwanger. „Ihr werdet es nicht glauben. Er nannte mich Fett. Ich sei in den letzten Monaten zu Fett geworden um den Schlitten anzuleiten. Ja was soll ich denn machen. Außerhalb von Weihnachten ist es so tot langweilig am Nordpol und der Bäcker backt und backt und backt. Ich bin halt so ein Süssmaul und jetzt. Schaut euch meine Wampe an.“ Er drehte sich zur Seite und sie konnten einen beachtlichen Bauch bewundern. „Äh, ja. Und was macht der Weihnachtsmann jetzt?“ „Das ist mir doch egal. Soll er sich ein Navi nehmen und zusehen, wie er damit die Kinder findet. Pah.“ Er setzte sich und schlug seine Vorderbeine trotzig übereinander.

„Okay. Und warum kommst du hier her?“ „Ach das weiß doch jeder, dass Ernestine uns aufnimmt, wenn wir in Not sind. Und das ist ja wohl eindeutig eine Notsituation. Ich werde gemoppt. Jawoll.“ „Ernestine ist verstorben. Das Haus gehört ihrer Großnichte Lissi.“ „Oh, meint ihr sie wird mich aufnehmen?“

„Wen soll ich aufnehmen?“ Fragte ich. Der Tumult hatte mich aus der Wanne geholt. Und ich konnte meinen Augen nicht trauen. In meiner Halle saß ein Rentier, dessen Nase aufgeregt rot blinkte. „Äh, wer ist das?“ Sie blickten mich alle zweifelnd an. „Wie meinst du das, wer ist das?“ Fragte Amelia. „Rudolph!! Von ihm wirst du wohl schon gehört haben.“ „Ja schon, aber was….“ „Der Weihnachtsmann moppt ihn, weil er etwas zugenommen hat.“ Unterbrach mich Richard.

„Na klar, Mobbing am Arbeitsplatz macht nirgendwo halt.“ Meinte ich sarkastisch. „Und wo soll er schlafen? Und was ist mit Weihnachten und…“ „Warte – wir haben einen gemütlichen Stall, den kann Minerva schnell herrichten. Oder?“ Richtete er entscheidend seine Frage an sie. „Äh, ja klar. Ich gehe schnell bisschen auskehren und Heu auffüllen.“ Und schon war sie weg. Ich schüttelte meinen Kopf.

Ich blickte von oben über den Haufen zum Treppenende. Wo war ich nur hier herein geraten. Ein halbfertiger Baum stand in der Halle, und ein Rentier saß davor und schmollte.

„Richard, komm doch bitte mal mit mir in die Bibliothek.“ „Äh, ja okay.“ Wir gingen in die Bibliothek. Ich schloss langsam die Tür und dann explodierte ich. „Was, zum Teufel machen wir jetzt. Wir haben das Leitrentier vom Weihnachtsmann in der Halle sitzen. Ein RENTIER!“ „Ja, das war nicht zu übersehen. Diese Sache mit dem Rentier…“ „Die Sache? Die Sache!“

„Beruhig dich, das wird schon alles gut gehen. Ich werde..ja ich werde zum Orakel gehen und sie bitten mir einen Tipp zu geben.“ „Das Orakel. Oh, ja. Da komm ich mit.“ „Äh, nö.“ „Was heißt hier, nö?“ „Man geht nicht zum ersten Mal unaufgefordert zum Orakel. Sie lässt einen holen“ „Wie bitte? Wir haben hier wohl eine besondere Sache, da wird sie bestimmt eine Ausnahme machen.“ „Ich weiß nicht…“ „Schnauze. Auf bring mich zum Orakel.“

Wir betraten einen geheimen Raum, dessen Tür ich nicht mal erahnt hatte. „Äh – Orakel. Wir haben ein Problem.“ „Richard, komm rein. Ach Lissi. Na schön dich endlich mal kennen zu lernen. Wie gefällt es dir denn hier?“ Ich drehte meinen Kopf schief zu Richard und blickte ihn herausfordernd an. Mein Blick sagte nur: „siehst du.“ „Ja gut, danke. Es ist eine interessante Erfahrung, muss ich sagen. Mal was anderes.“ „Ah, sie hat Humor, das ist toll. Was ist das Problem?“ „Wir haben da eine Sache mit einem Rentier.“ Meinte ich. „Ach ja, das hab ich vernommen. Rudolph, nicht wahr? Er ist immer bisschen sensibel. Ich werde den Weihnachtsmann informieren. Der sucht bestimmt schon nach seinem Liebling. In der Zwischenzeit könnt ihr ihn bisschen in Weihnachtstimmung bringen. Lieber, Plätzchen und so..“ „Besser keine Plätzchen, er ist etwas zu pummelig, meint der Weihnachtsmann.“ Das Orakel lachte. „Ja, ja, diese träge Zeit von Weihnachten zu Weihnachten, da ist Rudolph nicht der einzige, der da Probleme bekommt, oder warum meint ihr, ist der Weihnachtsmann so dick? Nicht von den paar Plätzchen von den lieben Kinderlein. So, jetzt lasst mich alleine, ich schaue gerade meine Lieblingsserie, Greys Anatomie, so rührselig.“

Schon standen wir wieder draußen und gingen zurück in die Halle. Wir berichteten was das Orakel und aufgetragen hatte und ließen Weihnachtslieder erklingen. Während des Schmückens sangen wir so falsch wir konnten und Rudolph lockerte langsam auf. Er stand auf und wackelte mit seinem Hintern zu den Liedern und sang kräftig mit.

Dann klopfte es heftig an der Tür. Rudolph versteifte sich. „Das ist er. Ich erkenne sein Klopfen.“ Meinte er trotzig. „Ich will nicht mit ihm reden.“ Ich ging zur Tür. Tatsächlich. Meine Kinnlade viel gerade nach unten. Der Weihnachtsmann stand vor meiner Tür. Er schob mich beiseite und trat ein. „Rudolph, hier steckst du, ich hab mir Sorgen gemacht.“ „Ach ja, klar. Ich bin doch viel zu Fett um übersehen zu werden.“ „Oh Rentier, das war doch nicht so gemeint.“ „Oh doch, du wolltest mich nicht anspannen. Ich würde den Schlitten nicht richtig hochbekommen bei meinem Gewicht. Der Bauch würde dann auf der Erde schleifen.“

Wir zogen geräuschvoll die Luft ein. „Äh – ja das war nicht richtig. Aber ich war gerade nicht so gut drauf, da mir Frau Weihnachtsmann gerade selbst die Leviten gelesen hatte. Sie musste meinen Anzug auslassen. Da bin ich auf dich losgegangen. Verzeih mir mein alter Freund.“ „Ich weiß nicht. Das hat mich ganz schön verletzt.“ Der Weihnachtsmann trat auf das Rentier zu und streichelte es am Kinn. Schon schmiegte er seinen pelzigen Kopf auf dessen Schulter. „Na gut. Und was machen wir mit meinem Bauch jetzt?“

Minerva betrat gerade den Raum. „Vielleicht kann  ich helfen. Es gibt einen Trank gegen fettleibige Rentiere.“ „Das ist nicht dein Ernst, oder?“ Fragte ich. „Klar, denkt ihr das war das erste Mal, dass so was passierte. Ihr seid doch nicht die erste Weihnachtsmann-Rudolph Generation. Also bitte. Wartet hier, ich braue ihn schnell zusammen, dann wird Rudolph schnell seine alte Figur bekommen. Und nein, bevor ihr fragt, das gibt es nur für Rentiere, alle anderen müssen sich anstrengen. Gesetze.“ Lachte sie.

Sie gab Rudolph den Trank und ein glimmern umgab ihn. Da stand er rank und schlank. In voller Pracht. Sein Geschirr lag ihm auch schon an und bei jeder Bewegung klangen die Glocken lieblich. Wir alle hatten offene Münder. Er war einfach so hübsch anzusehen. Der Weihnachtsmann lachte. Dann gab er ein Ho-Ho-Ho von sich und die beiden verließen das Haus. Wir stürmten ans Fenster und konnten gerade noch den Schweif des Schlittens sehen und hörten die anderen Glocken der Rentiere.

„Und allen ein Wohlgefallen.“ Sagte ich. „Jetzt ist das Weihnachtsfest gerettet. Und ich hätte gerne noch ein Glas von dem leckeren Egg Nogg.“

Wir drehten uns zum Baum, der auf zauberhafte Weise fertig dekoriert war. Minerva blickte stolz auf ihr Werk. Der Baum blinkte und blitzte. Die Lichter leuchteten und wurden in den Augen der Truppe gespiegelt. Wie von Geisterhand schwebte vor ihnen ein Tablett mit leckerem Egg Nogg. Und der Schnee legte sich sanft über die Spuren des Schlittens und hüllten das Geheimnis der Weihnacht in eine watteweiche Decke ein.

HoHoHo – euch allen ein frohes Weihnachtsfest.

 

Schreibkicks, Weihnachten

Schreibkicks – Weihnachtsspezial – Unter dem Weihnachtsbaum

 

Bei Sabines Schreibkick gibt es heute ein Weihnachstspezial.

Quelle

Allen ein frohes Weihnachtsfest und eine schöne besinnliche Zeit mit euren Familien und Freunden.

Mit dabei waren:

Das Thema für den 1.1.18 ist: Jahresuhr

Hier meine kleine Geschichte.


Unter dem Weihnachtsbaum

Annacat lief die Mauern entlang – alles war weiß. Sie mochte zwar wie es aussah, aber nicht wie es sich an ihren sanften Pfoten anfühlte. Natürlich blieb es nicht aus, manchmal halt doch in das weiße Nass zu springen. Aber meist konnte sie es vermeiden in dem sie über die Mauern, Fensterbänke und sonstige Vorsprünge lief.

Sie liebte diese Zeit. Alles war ruhig und friedlich – außer man kam in die Innenstadt – da war es einfach nur furchtbar. Die Menschen waren immer schon schlimm, aber zu dieser besonderen Zeit – die Menschen nennen sie Vorweihnachtszeit – waren sie einfach unausstehlich. Da war es schon besser, man ging ihnen aus dem Weg. Sonst konnte es schon mal passieren, dass man auf den Schwanz getreten bekam oder sogar getreten wurde. Annacat, kannte das schon ausführlich. Schon einige Jahre beobachtete sie das Schauspiel. Deswegen mied sie zu dieser Zeit die Innenstadt – meist ging sie abends hin, wenn alle weg wäre, da stöberte sie nach Essensresten, die hier sehr großzügig verteilt auf dem Boden lagen.

So auch heute – sie schlenderte in die Stadt – ihr Fell sah so toll aus. Sie liebte ihr Winterfell – es war immer so schön fluffig und weich und hielt sie so schön warm – einfach eine Pracht. Es war einfach immer was Besonderes an den beleuchteten Schaufenstern vorbei zu laufen – es blinkte und blitze – es waren schöne Gegenstände und Kulissen aufgebaut.

Weihnachten – das war wirklich die schönste Zeit – Die Menschen hatten ihre Häuser geschmückt und alles wirkte einladend. Manchmal wünschte sie sich ein Zu Hause – aber sie war schon so lange auf der Strasse – ob sie es überhaupt bei Menschen aushalten würde. Sie blickte oft durch die Fenster und gerade in den Nächten wenn es wirklich klirrend kalt war und sie die Hauskatzen in ihren Kissen vor den Kaminen liegen sah, oder auf dem Schoss ihrer Menschen und sich den Bauch kraulen ließen – da war sie schon mal neidisch. Aber wer würde schon eine alte Katze aufnehmen?

Sie seufzte tief und ging weiter  – die Lichter blinkten und begleiteten sie zu den Essensresten des Weihnachtsmarktes. Da roch es einfach so herrlich – das war zwar immer eine harte Zeit – aber Essen fand Annacat immer. Während sie weiter suchte lief sie an einer Bank vorbei. Dort saß ein kleiner Kater – er sah etwas struppig und verwahrlost aus.

„Hei – Hei – was ist los mit dir – warum siehst du so mitgenommen aus? Hier gibt es doch so viel zu essen.“

Er blickte verwirrt in ihre Richtung – Er zitterte und seine Augen füllten sich mit Tränen. „Hei – was ist denn mit dir?“ Annacat flitze zu ihm und strich um ihn herum um ihn zu beruhigen. „Ist was passiert?“

Er schluchzte „I-ich h-hab mich verlaufen.“ „Wie verlaufen? Wie kann sich denn eine Katze verlaufen?“

„Ich weiß nicht, wir sind erst hergezogen und ich konnte nicht abwarten und bin durch ein offenes Fenster ausgebüxt. Aber alles riecht hier so fremd und sieht so fremd aus. Ich weiß nicht wo ich hin muss.“

„Ach du Armer. Was machen wir denn jetzt? Oh weh – jetzt komm erst mal und wärm dich auf. Dort hinten ist eine tolle Wärmequelle.“ Sie zog ihn am Ohr und er kam mit hängenden Schultern hinter ihr her.

Vor einem besonders schön geschmückten Schaufenster blieb sie stehen. Er kam neben sie und wunderte sich. „Was ist das alles hier?“ „Das – das ist was der Mensch Weihnachten nennt. Aber leider hat er vergessen um was es wirklich geht an Weihnachten. Ich kannte eine alte Frau, bei der ich immer mal untergekrochen bin – sie erzählte mir oft von dem Weihnachten ihrer Kindheit. Die Menschen trafen sich in der Kirche und hörten den Gottesdienst – danach gingen sie heim, schmückten ihre Bäume mit Nüssen und Plätzchen und Beeren. Die Kinder bekamen in ihre Socken Obst, Nüsse, Plätzchen und das ganz besondere war eine Orange – die waren selten und kostbar. Der Geruch und Geschmack. Einmalig. Nichts für uns – uns beißt es in der Nase – aber für die Menschen ist es ein solcher Wohlgeruch – und eine Geschmacksexplosion.

Sie freute sich das ganze Jahr auf diese eine Orange – das war das schönste Geschenk. Und heute – hast du die Menschen mal beobachten können?“ sie blickte den kleinen Kater an und der zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht – ich bin ja erst noch so klein – ich kenne gar nichts. Das ist mein erstes Weihnachten.“ „Ach –ja klar – aber heute rennen sie von Laden zu Laden und kommen mit Tüten beladen wieder heraus. Manche haben ihre Welpen dabei die, die ganze Zeit nur rumnölen. Das ist nicht das, was ich mir vorstelle, wenn ich an die Geschichte der alten Frau denke.“

„Ich habe bei einer Frau gewohnt – sie war auch schon älter – sie hat mich auf der Straße gefunden, meine Mutter war weg und meine Geschwister habe ich auch verloren. Ich wäre fast gestorben, als sie mich entdeckte. Seit dem lebe ich bei ihr – aber ich muss immer wieder raus. Sie hat mir gesagt, ich soll mich noch bisschen gedulden – aber ich wurde so kribbelig.“ „Keine Angst Kleiner – wir werden schon eine Lösung finden – jetzt genieß die Wärme, die von hier unten kommt und das schöne Schaufenster. Hier eine kleine Wurst.“

Während der Kleine sich zusammenkauerte und die Wärme genoss schlief er ein. Annacat hatte das Gefühl, dass er schon lange unterwegs sein musste. Er war wirklich erschöpft gewesen. Wie sollte sie ihn wieder nach Hause schaffen? Sie hatte schon Anschläge von Katzen auf Bildern an den Bäumen gesehen und die Menschen belauscht – das waren Vermisstenanzeigen. Vielleicht gab es von ihm auch so was. Da sah sie was – eine Kapsel an seinem Halsband, das von dem dichten Fell verdeckt war. So was hatte sie schon mal gesehen. Da sind meist die Adressen der Katzen enthalten. Aber wie sollte sie das denn aufbekommen – außerdem konnte sie ja nicht lesen. Sie bräuchte Hilfe. Und sie wusste auch genau wo. Es gab eine nette junge Frau, die ihr immer mal wieder ein Schälchen Sahne heraus gestellt hatte. Wenn sie mit dem Kleinen dahin ging und er erbärmlich jammern würde, würde sie ihn bestimmt hochnehmen und die Kapsel entdecken. JA. Das war die Idee. Sanft rüttelte sie den Kater wach. „Ich habe die Lösung – auf komm mit. Ich habe jemanden, die uns helfen wird.“ Noch wackelig vom Schlaf folgte er ihr.

Langsam tapste er hinter ihr her. „Du – Annacat – was ist das eigentlich für ein weißes Zeug, das  meine Pfoten so kalt werden lässt?“ „Hm? Ach das – ja das sieht schön aus, gell. Das nennt man Schnee – Wenn es richtig kalt ist, kommt statt Regen der Schnee – er sieht so viel schöner aus, als Regen. Aber es kann ganz schön  unangenehm werden. Deswegen musst du über Mauern und Fensterbänke laufen – komm ich zeig es dir.“ Und schon sprang sie auf eine Fensterbank – dort blieb sie sitzen und blickte hinein. „Schau – da – die Katze dort – die hat es gut – sie liegt im Warmen und muss sich nie Gedanken um Futter machen. Ich werde alt – sollte es auch einen Weihnachtsmann für Katzen geben wünsche ich mir ein Zuhause.“ Morton – so hieß der kleine Kater – blickte in das Fenster und wurde sofort traurig. „So war das bei  mir auch. Ich hoffe ich finde wieder nach Hause. Außerdem wird sich meine Mitbewohnerin schon sorgen machen.“ „Das wird schon. Warts ab.“

Sie schlüpfte um die Ecke und Morton hechtete hinter ihr her. „Wir sind da – schau Cassie ist da – sie wird uns helfen. Jetzt bist du dran – du musst so erbärmlich wir du nur kannst jammern.“ „Wie so dass denn?“  Annacat klärte Morton auf und er nickte. Cassie sah die beiden und bückte sich. „Hallo Freundin – na hast du deinen Sohn dabei?“ Annacat schüttelte sich – Sohn – nein – Kinder hatte sie nie. „Der Kleine ist aber bisschen struppig – bist du ein Ausreiser?“ Das war Mortons Stichwort. Sofort fing er so herzzerrreisend wie er konnte zu jammern. „Meeoooow.“ „Ach du Armer – komm her – ich tröste dich bisschen. Ha – schau – du hast eine Adresskapsel – dann lass uns doch mal sehen, wer auf dich wartet.“  Sie drehte die Kapsel auf und fand die Adresse darin. „Das ist nicht so weit von hier – warte ich hole meine Jacke – dann bring ich dich da hin – und dich auch meine alte Freundin?“ Annacat schlich um ihre Beine – eigentlich würde sie lieber bei Cassie leben – aber Cassie hatte ihr schon erklärt, warum sie sie nicht aufnehmen kann – sie war nie zu Hause. Ihr Job war sehr Zeitaufwendig und sie wollte kein schlechtes Gewissen haben, dass Annacat so lange alleine wäre. Annacat verstand das – sie wollte ja auch einen Menschen, an den sie sich schmiegen könnte.

Cassie schnappte ihre Jacke und einen Korb in den sie die beiden Katzen setzte. „So ihr zwei – auf geht’s.“  Und sie lief los. Es dauerte etwa Fünfzehn Minuten da waren sie da. Sie klingelte und die Tür öffnete sich. Eine ältere Frau öffnete die Tür und sah Cassie verwundert an. „Ja bitte?“ „Hallo, mein Name ist Cassie – ich habe ihre Katze gefunden.“ „Ach – Was – oh kommen sie doch rein. Ich dachte Morton wäre für immer weg. Er ist schon seit zwei  Wochen verschwunden, der kleine Racker. Ich hatte ihm gesagt, er muss noch bisschen warten, bis er raus kann. Kommen sie, kommen sie.“ Cassie streckte ihr den Korb entgegen und die Frau stutzte. „Zwei Katzen?“ „Ja – sie hier ist eine alte Freundin von mir – sie hat Morton zu mir gebracht, so dass ich die Adresse lesen konnte – sie hat ihren Morton gefunden. Eine tolle Katze. Was meinen sie – könnten sie ihr vielleicht ein Zuhause geben und dürfte ich sie manchmal besuchen? Ich weiß, das ist eine große Bitte – aber es ist bald Weihnachten und vielleicht könnte das ein kleines Weihnachtswunder werden? Was meinen sie?“ „Jetzt kommen sie erst mal rein. Wir trinken einen Kaffee und essen Plätzchen. Dann reden wir.“ „Ja gerne.“

Sie gingen in das Wohnzimmer. Dort stand ein Weihnachtsbaum. Morton war verzückt. Es roch so toll und er sprang schnell auf den Baum. Annacat ging etwas langsamer und blickte sich um. Es wirkte alles sehr gemütlich und liebevoll. Diesmal zog Morton Annacat am Ohr. „komm, komm – hier ist es toll. Ich bin zu Hause  und du bleibst bei mir. Ich weiß es. Schau – hier ist mein Körbchen, das ist groß genug für uns beide. Da unter dem Weihnachtsbaum. Siehst du?“ Annacat war gerührt. Die beiden Frauen kamen mit Tassen und Teller zurück und setzten sich. „Natürlich darf die Katze hier bleiben. Schauen sie. Morton hat sie schon eingeladen. Da kann ich doch  nicht nein sagen. Und ich würde mich sehr freuen, wenn sie mich immer mal besuchen würden. Das wäre wirklich sehr schön.“ Die beiden Frauen unterhielten sich noch etwas und Annacat blendete sie aus. Das einzige dass sie noch sah, war das blinken und leuchten des Weihnachtsbaums. Draußen, vor dem Fenster hörte sie kleine Glocken und sie huschte schnell hin. Sie sah hinauf in den Himmel und sie meinte zu sehen, wie ein Schlitten am Firmament entlang flog und sie glaubte ein tiefes dunkles Lachen zu hören. „HoHoHo – Auch für Katzen. Ein herzliches HoHoHo.“

ENDE