Schreibkicks, WG

Schreibkicks – Rückkehr der Freunde

Hallo ihr Lieben. Es ist wieder Schreibkickszeit. Ich bin dieses mal etwas spät. Es kam bisschen was dazwischen.

Aber hier habt ihr wieder einen kleinen Auszug aus dem Leben meiner schrägen WG.

Heute ist das Thema imaginärer Freund. Wer hatte keinen? Haben Kinder in der digitalen Welt heute noch einen? Ich hoffe es.

Bisher erschienen:

  1. Schreibkicks – die vererbte Zeitkapsel
  2. Schreibkicks – Weihnachstspezial – Die Sache mit dem Rentier
  3. Mach was…mit einer Festtags-Leckerei
  4. Schreibkicks – Märchen der guten Vorsätze

Mit dabei waren dieses Mal:

Das Thema für den 01. März lautet:

 

 

Schreibkicks, WG

Schreibkicks – Märchen der guten Vorsätze

Ich hoffe ihr habt das Jahr sicher und gut gestartet? Bei uns war es lustig und entspannt. Jetzt muss nur noch die Bowle aus dem Blut verschwinden ;-)

Ich nutze die Schreibkicks wieder für mein neues Team. Aber ich muss noch kurz erwähnen, dass den Schreibkickern ein Teil vielleicht entgangen ist, da ich eine Überleitung zu der heutigen Geschichte brauchte. HIER könnt ihr gerne nachlesen, ist aber nicht wichtig für diesen Teil. Ein ganz kurzer Teil nur.

Mit dabei waren:

Keya, die neue Freundin ist eine Baumnymphe, die den Weihnachtsbaum beschützt. Nur so kurz.

Bisher erschienen:

Schreibkicks – die vererbte Zeitkapsel

Schreibkicks – Weihnachstspezial – Die Sache mit dem Rentier

Mach was…mit einer Festtags-Leckerei


Schreibkicks – Das Märchen der guten Vorsätze

Unser erstes Silvester. Nach einigen kleinen Zwischenfällen ist es richtig gut geworden. Das Feuerwerk war einfach traumhaft. Ich war ja nicht wirklich Fan davon, aber sogar ich konnte mich nicht dieser Schönheit entziehen. Ich – ja wenigstens ich und Richard, waren halt auch nur Menschen.

Amelia, unser guter Hausgeist, war ja bisschen angesäuert, weil wir so leckere Sachen essen konnten. Als Geist wurde ihr dieses Vergnügen ja leider verwehrt. Keiner so wirklich auf ihr Gejammer eingegangen. Keiner achtete wirklich auf sie. Während wir also noch das hübsche Feuerwerk bewunderten, versetzte sie unsere alkoholfreie Bowle, mit allem möglichen alten Flaschen aus dem Weinkeller. Ein dämonisches Lachen entwich ihr.

Schwatzend kamen wir aus der Eiseskälte wieder herein. Da das Haus noch nicht komplett eingerichtet war, holte ich schnell meinen MP3 Player – ja bisschen antiquiert – aber ich hätte auch noch einen mobilen CD-Player – also ist der MP3 Player schon modern. Dort ließ ich meine Play List laufen. Alles Lieder der achtziger. Die Musik machte einfach Laune. Sofort fing ich an zu tanzen. Ich schnappte mir Morphi und wir tanzten. Ich tanzte und Morphi versuchte seine Bandage zusammen zu halten. Denn bei jeder Drehung wickelte sich ein Stück ab. Keya, unsere neue Freundin, ging richtig aus sich heraus. Wo doch Baumnymphen eher zurückhaltend sind. Sie schnappte sich ein aufgewickeltes Ende und wickelte sich immer näher an Morphi. Das gefiel ihm so garn nicht. Er zog und zog, damit wirbelte er sie herum, so dann sie am Ende in Franks Armen landete. Der so perplex war, dass er sie gleich wieder fallen ließ.

Dracula brachte die Bowle – er hatte sich seine mit bisschen Blut angereichert – oder eher umgekehrt.

„Kommt, wir müssen noch unser Tischfeuerwerk entzünden und Bleigießen spielen. Ein Wunder, dass du noch ein Set bekommen hast. Ist doch dieses Jahr verboten worden.“ „Ich hab so meine Quellen.“ „Hört, hört – unser heimlicher Bad Boy?“ Richard errötete leicht. Ich hatte mittlerweile schon so einige Gläser von der Bowle und mir ging es immer besser. Ich konnte kaum aufhören zu lachen. Wir zündeten die Wunderkerzen an und mussten dabei noch Morphi löschen, der es nicht lassen konnte und auch unbedingt eine zünden wollte. Die alten Bandagen brennen recht schnell.

Wir tanzten ausgelassen durch die große Halle. Dann fielen wir alle ermattet und ziemlich betrunken auf den Boden. Von allen, sagen wir Menschen, die meisten anderen waren ja irgendwie tot, hob sich die Brust außer Atem. Und dann kam das Monster. Es klopfte an die Tür, glaube ich. Oder es schallte einfach nur wie ein Todeshauch durch die Halle. Ich übertreibe nicht – so habe ich das in Erinnerung – der Alkohol mag das verstärken, aber es wisperte sehr laut. „Vorsätze, sagt mir eure Vorsätze. Ich brauche eure guten Vorsätze.“ „Pst, flüsterte Minerva, habt ihr das gehört?“ Dracula war stocksteif geworden, Morphi versteckte sich hinter Frank, Keya tarnte sich an dem Weihnachtsbaum. Richard und ich blickten uns verständnislos an. „Was ist denn?“ Meinte Richard. „Vorsätze. Das Monster der Vorsätze sucht die Häuser heim.“ „Na, das ist doch normal, oder. Man macht Vorsätze, um sie dann eh zu brechen, dann fühlt man sich mies. Der Lauf des Silvester/Neujahr Tags.“ Minerva schnaubte: „Menschen, sie wissen es nicht. Es gibt ein altes Märchen, und ihr wisst ja wie das mit Märchen ist. Es steckt immer ein Stück Wahrheit drin.  Hört zu.“

Wir rutschten in die Mitte des Raums, in dem ein Lagerfeuer erschien. Um uns herum entstand ein dichter Wald. Es war einfach fantastisch mit Fabelwesen zu leben, sagte mir mein umnebeltes Gehirn. „Das Monster, der guten Vorsätze. Seit die Menschen rational denken gibt es dieses Monster.  Es schleicht sich zum Jahreswechsel in die Gehirne der Menschen.  Seine Aufgabe ist es, sie zu manipulieren. Du!“ Ich zuckte zurück. „Wie oft hast du dir irgendwas vorgenommen im neuen Jahr?“ „Äh, isch glaub, jedes Jahr.“ Nuschelte ich. „Und wie oft hast du es gebrochen?“ „Isch glaub jedes Jahr.“ Wiederholte ich. Richard stimmte mir nickend hinzu. „Seht ihr. Jedes Jahr, jeder Mensch. Bei uns klappt das nicht – das hat das Monster aber auch schon probiert. Aber schnell aufgegeben, da wir ihm die Energie entzogen haben, die er so mühevoll aufgesammelt hat.

Also.“ Stoppte Minerva geheimnisvoll. „Ihr wisst, die Menschen sind so ziemlich das schlimmste, was es auf der Erde gibt. Keine Rasse hat so viel  Zerstört. Und in den dunklen Zeiten, als der Glaube an die mächtigen Götter noch stark verbreitet waren, beichteten die Menschen zum Neujahr ihre Sünden. Und schworen ihnen ab, da sie die Bestrafung der Götter fürchteten. Aber, da die Menschen sich nie bessern würden, entstand dieses Monster. Es ist quasi ein Abfallprodukt, der Menschlichen Verfehlungen. Es streicht durch die Wohnstätten der Menschen und haucht ihnen den Willen der Vorsätze ein. Dann labt es sich an den Verzweiflungen, wenn sie nicht eingehalten werden. Es ist widerlich. Denn, es raubt dir immer ein ganz kleines Stück deiner Seele. Jedes Jahr ein bisschen. Die Menschen verzweifeln und jammern, dass sie nicht Willensstark genug sind und diese Verzweiflung, ist die Nahrung des Monsters.“ „Aber, wenn keiner gute Vorsätze hätte, würde überhaupt eine Veränderung stattfinden?“ Fragte ich. „Was meinst, du? Würdest du eine Schokotorte essen, wenn du es dir nicht verboten hättest?“ „Bäh, wohl eher nicht?“ „Siehst du. Dein gesunder Menschenverstand, würde dich daran hindern. Ebenso würdest du von dir aus, mit Sport anfangen, oder was du sonst gerne machen würdest. Je mehr Druck du dir machst umso eher ist es zum Scheitern verurteilt und so mieser fühlst du dich. Und das Monster der Vorsätze wächst und wächst.“  Entschlossen stand ich auf. „Gut, mit dem heutigen Tag, werden die guten Vorsätze hier verbannt. Es wird nie wieder gute Vorsätze geben, nur glückliche Menschen.“ In meiner Hand erschien, durch Zauberhand ein Glas Sekt. „Darauf erheben wir die Gläser. Hier wird es nur entspannte Menschen geben.“ Sie blickten mich alle zweifelnd an. „Gut, ich ändere es. Es wird Menschen geben, die aus sich heraus, das Beste machen, nicht weil sie es sich aufdrängen lassen. Das Monster der guten Vorsätze hat hier keinen Zutritt.“ Ich meinte ein tiefes grummeln draußen vor der Tür zu hören. Aber das Glas Sekt, spülte alles hinunter. Und wir feierten entspannt das neue Jahr.

 

Schreibkicks, WG

Schreibkicks – Weihnachstspezial – Die Sache mit dem Rentier

Hallo ihr Lieben – ich hoffe ihr habt einen entspannten Heiligen Abend. Und da es einfach passt, gibt es ein schönes Weihnachtspezial von Sabi.

Die Sache mit dem Rentier.

Mit dabei waren:

Und ich habe tatsächlich eine Fortsetzung zu der Zeitkapsel geschrieben.

Kommt mit und besucht Lissi zum Weihnachtsfest.

Die Sache mit dem Rentier

„Vielen Danke Tante Ernestine.“ Fluchte ich, als ich versuchte das geerbte Haus zu entstauben und zu entmüllen. Es bewahrheitete sich ein Klischee, das sie schon bei ihrer Oma beobachtet hatte: Alte Leute sammelten und horteten alles. Und alles war bei ihrer Tante noch untertrieben. „Lissi?“ rief jemand von unten zu mir in den ersten Stock herauf. Mit Spinnenweben im Haar und staubverschmierter Nase tauchte ich unter dem riesigen Bett auf. Wenn ich mal sauber machte, dann richtig. Und ihr könnt nicht glauben, was so Fabelwesen für einen Dreck machen. Da könnte ich mir auch einen Hund halten. Apropos. Das musst ich vielleicht mit den….äh – ja Bewohnern mal besprechen. Ein Wachhund wäre nicht die schlechteste Idee.

Ach – aber ihr wisst ja nicht um was es geht. Ich hatte ein Haus von meiner Urgrosstante, Ernestine geerbt. Toll, oder? In Gewisser Weise schon. Finanziell hat sie mich abgesichert, da ich nicht mehr zum Arbeiten kommen würde. Nach einigen Wochen dort verstand ich auch warum. Die Bewohner bedürften die volle Aufmerksamkeit. Die Bewohner – Sie waren was Besonderes. Ernestine war eine Weltenbummlerin und Sammlerin. Nicht nur Krimskrams, den ich jetzt nach und nach ausmistete. Auch Artefakte fanden ihren Weg in dieses besondere Haus. Es war eine Art Zufluchtsstätte für Fabelwesen.

Ja – ihr lest richtig. Fabelwesen. Hier wohnten ein Geist, ein Vampir, eine Mumie, eine Hexe, ein Dschinn, und eines von Frankensteins Monstern. Und es musste irgendwo ein Orakel sitzen, das mich als Nachfolgerin auserwählt hatte – aber das hatte ich noch nicht kennen gelernt. Sie soll wohl sehr viel Wert auf ihre Privatsphäre halten.

Von Privatsphäre hatte ich mich, seit ich hier wohnte schon verabschiedet. Schon der Geist machte es unmöglich. Ständig glitschte sie durch die Wände und erschrak mich. Jetzt nicht mehr so schlimm. Außer ich kam aus der Dusche. Das sah schon immer recht witzig aus, wenn sich in dem Duschnebel eine menschliche Figur ohne feste Konturen bewegt.

Amelia, der Geist rief aufgeregt von unten her. „Lissi? Wo bist du denn?“ Ich bin in Morphis Zimmer – Das war die Mumie – jetzt könnt ihr euch vorstellen, warum es da so staubig war.

Ich stapfte also etwas angesäuert hinunter. „Was! “ Vor mir schwebte ein Tablett. “Egg Nogg?” “Dafür rufst du mich runter?„ schnauzte ich Amelia leicht an. Sie manifestierte sich und das erste was ich zu sehen bekam, war ein Schmollmund. „Ich dachte ich überrasche dich mit was Leckerem.“ Schniefte sie. Sie war schon sehr sensibel. „Es ist Weihnachten und du schuftest so viel.“ Kam ein bisschen bockig von ihr. Ich ließ die Schultern hängen. „Entschuldige. Es ist nur so viel Arbeit.“ Amelia lächelte sofort wieder und schwebte mit dem Egg Nogg vor mir her. Ich versuchte ihn zu fangen, bevor sie noch mehr verschüttete. „Hmmm.. der ist lecker.“ „Hat Frank gemacht.“

Im Geiste sah ich die Küche vor mir. Frank war toll, aber durch seine Größe war er etwas ungelenk. So sah es auch dann immer aus, wenn er auftauchte. Und er backte so gerne. Innerlich seufzte ich und trank den Rest. „Apropos Weihnachten.“ Murmelte Amelia. Es ist schon soooo lange her, dass ich Weihnachten feiern durfte, so etwa hundert Jahre. Wir würden so gerne feiern.“

„Äh, Okay, und wie denkt ihr euch das? Wer soll das organisieren.“ Eine leichte Röte legte sich auf ihre durchscheinenden Wangen. „Oh, du musst gar nichts machen. Wir kümmern uns um alles.“ Ich blickte sie zweifelnd an.

In dem Moment kam Minerva, die Hexe die Treppe herunter. „Was ist denn hier schon wieder für ein Trubel. Ach – Amelia, natürlich, wo du bist ist immer irgendwas los.“ „Wir feiern Weihnachten.“ Sang sie und schwebte vom Boden zur Decke und wieder hinunter. „Und du musst zaubern.“ „Was muss ich – ich muss schon mal Garnichts. Weihnachten. So ein Humbug. Das ist doch nur was für Kinder.“ Aus dem Keller stampfte Morphi, die Mumie hoch. „Morphi, glaub nur. Lissi hat ja gesagt zu Weihnachten.“ „Was hab ich?“ Aber sie überhörten mich gerade.

„Was meint denn Richard dazu?“ Amelia hielt still und schien zu überlegen. Würde sie mir eine Lüge auftischen? Es sah ganz so aus. „Der hält sich raus. Er meint, das musst du entscheiden. Ist ja dein Haus.“ Na klar. Der adrette Richard, der mir die letzten Wochen wirklich eine große Hilfe war, hält sich neutral raus. Aus der Küche hörte ich es scheppern. „Was macht Frank?“ „Na kein Weihnachten ohne Plätzchen, oder? Er backt schon die ganze Nacht. Riechst du es nicht.“ „Jetzt wo du es sagst. Tatsächlich, nach dem sich Morphis Staub sich aus meiner Nase verabschiedet hat, rieche ich es. Hmmmm.“ Ich ignorierte das nächste Scheppern.

In dem Moment öffnete sich die Eingangstür und Richard kam herein gestampft. Er stöhnte und schnaufte. Dann trat er sich den Schnee ab. „Oh Mann. Das schneit und schneit.“ Hinter ihm konnte ich einen Schatten erkennen. Der Schatten eines Weihnachtsbaums. Ich stemmte  meine Hände in die Hüften. Dann blickte ich zu Amelia, die gerade dabei war sich aufzulösen. „Moment mal meine Liebe. Wie war das mit dem, wenn ich mein Okay gebe. Wieso hat Richard dann einen Weihnachtsbaum dort hinten versteckt.“ Richard drehte sich und sah, dass er nicht wirklich erfolgreich beim Verstecken war. Er zog entschuldigend die Schultern nach oben.

„Tada.“ Meinte er. Ich runzelte die Stirn. „So nach dem Motto, wenn der Baum schon mal da ist, dann wird sie schon nicht nein sagen?“ „Ja so in der Art.“

„Also wirklich. Ihr seid mir schon welche. Und wann soll ich….“ „Nein nein, du musst nichts machen. Wirklich. Wir kümmern uns um alles.“ Bestätigte Richard, die Aussage von Amelia. Und die schüttelte heftig bejahend ihre blonden Löckchen, mit denen sie schon wie ein Weihnachtsengel aussah.

Ich schnaufte, und hob meine Arme zur Seite. „Nun gut, dann überrascht mich.“ „Yeah.“ Und schon schwebte sie um mich herum. „Hör auf, mir wird ganz schwindelig.“ „Verschwinde jetzt. Leg dich in die Wanne und wenn das Glöckchen läutet ist alles fertig.“ „Und das Putzen?“ „Na, das läuft doch nicht weg, das kannst du doch nach Weihnachten auch noch machen.“ Na danke. „Da könntet ihr auch mal helfen.“ So schnell hatte ich die Truppe noch nie verschwinden sehen. Richard murmelte etwas vom Baum. Minerva davon, die Weihnachtdekoration zu planen und Amelia von Frank in der Küche helfen. Der einzige, der nur verloren herum stand und sich hin und her drehte war Morphi. „Ja, ja schon gut. Mit deinem Zimmer bin ich eh fertig.“ Blinzelnd blickte er mich an und ein staubreiches Danke verließ stöhnend seinen bandagierten Mund. Ich winkte ab und ging nach oben. Dort wollte ich mir Wasser einlassen und mich auf den Weihnachtsabend freuen.

 

Während ich mich in das warme Wasser sinken ließ, ging es in der Küche und im restlichen Haus hoch her. Im Hintergrund ließ ich Weihnachtsmusik laufen und einige Kerzen beleuchteten sanft meine Seifenblasen. Ich war fest bereit alles um mich auszublenden. Das sollten die anderen alles organisieren.

„Frank, Frank. Wie sieht es denn hier aus? Lissi wird ausflippen.“ Er tapste unbeholfen durch die Mehlpampe, die er großflächig in der Küche verteilt hatte. Amelia schwebte aufgeregt um ihn herum und machte es noch schlimmer, da er mit den Armen wedelte und noch mehr herunter holte. Die Milch schwankte gefährlich. In dem Moment als sie fallen wollte, war nur ein Windhauch zu fühlen. Eine Hand schoss hervor und fing sie auf. „Dracula. Was ein Glück bist du da. Wir feiern Weihnachten.“ Flötete Amelia, die heimlich für den stattlichen Fürst schwärmte. „Weihnachten?“ Kam es, in  seiner Grabesstimme, die ihr eine Gänsehaut verursacht hätte, wenn sie noch ein Mensch gewesen wäre. Verliebt blinzelte sie ihn an. „Jaaaa. Weihnachten, ist das nicht toll?“ „Mpf“ kam es nur von ihm.

Richard betrat gerade die Küche. Er stockte. Dann blickte er zu Frank, der unbeholfen zurück blickte. „Tschuldigung.“ Richard seufzte. „Dracula, hier dein Weihnachtsblut.“ „Weihnachtsblut?“ „Ha, ja du wirst lachen. Im Mysteryladen – du weißt schon, in der dunklen Gasse, da verkaufen sie Weihnachtsblut. Angereichert mit Zimt, Nelken und Kardamom. Ist das nicht cool.“ „Was ist das für ein neumodiges Zeug?“ brummte er. „Und dann noch kalt. Das waren noch Zeiten, als ich Transsilvanien unsicher gemacht habe. Die Jungfrauen fürchteten und verehrten mich. Und ihr Blut war so lieblich, es brauchte nicht künstlich angereichert zu werden.“ „Ja, ja. Meinte Minerva, die gerade dazu kam.“ „Ach je Frank!“ Er blickte sie bittend an. Sie seufzte. Schnippte mit den Fingern und die Küche blitzte wieder. „Warum hilfst du eigentlich Lissi nicht beim Putzen?“ Fragte Richard. „Hei, sie muss sich doch nützlich fühlen, oder? Wenn ich alles mit einem Fingerschnipp erledigen würde, wie würde sie sich fühlen? So ohne Nutzen?“ Richard erhob drohend den Zeigefinger. „Verrat mich nicht, sonst verzaubere ich dich. Vielleicht in einen Frosch? Ach, das ist schon so lange her, dass ich das gemacht habe.“. „Schon gut, schon gut. Kommt helft mir bei dem Weihnachtsbaum. Und Frank, die Plätzchen riechen hervorragend. Auch der Braten im Ofen. Du bist einfach ein Meister im Kochen und im Chaos verursachen.“

Sie waren alle gerade in der großen Halle, als es klopfte. „Wer kann das sein?“ „Der Weihnachtsmann.“ Meinte Amelia hoffnungsvoll. Richard blickte sie augenrollend an. „Ja klar.“ Er stapfte zu Tür, während Amelia um den Baum herum schwebte und die Lichterketten anzuhängen. Minerva, stand dabei und beobachtete. Sie plante schon die restliche Deko, die sie ständig hin und her fliegen ließ.

Richard öffnete die Tür. Er stutzte. Drehte sich um und sagte: „Hei Leute. Ich glaube wir müssen den Stall aktivieren.“ Sie blickten alle zur Eingangstür und sahen ein Rentier.

„Rentier.“ Schrie Frank und stampfte aufgeregt zu ihm, mit ausgestreckten Armen. Erschrocken fing die Nase des Rentiers rot an zu blinken. „Rudolph?“ Fragte Richard unsicher?

„Ja, wer denn sonst.“ Schnauzte er unfreundlich. „Hei, warum so grimmig?“

„Lass ihn rein Richard, er bringt den ganzen Schnee und die Kälte ins Haus.“ Blaffte Minerva von der Treppe aus. Richard öffnete die Flügeltür, damit Rudolph mit seinem Geweih durch die Tür kam. „Was machst du hier? Heute ist Weihnachten. Musst du nicht den Schlitten des Weihnachtsmann leiten?“ „Pah, der Weihnachtsmann, der kann mir mal gestohlen bleiben.“ Alle blickten sich ratlos an. „Was ist passiert?“ Fragte Dracula unheilschwanger. „Ihr werdet es nicht glauben. Er nannte mich Fett. Ich sei in den letzten Monaten zu Fett geworden um den Schlitten anzuleiten. Ja was soll ich denn machen. Außerhalb von Weihnachten ist es so tot langweilig am Nordpol und der Bäcker backt und backt und backt. Ich bin halt so ein Süssmaul und jetzt. Schaut euch meine Wampe an.“ Er drehte sich zur Seite und sie konnten einen beachtlichen Bauch bewundern. „Äh, ja. Und was macht der Weihnachtsmann jetzt?“ „Das ist mir doch egal. Soll er sich ein Navi nehmen und zusehen, wie er damit die Kinder findet. Pah.“ Er setzte sich und schlug seine Vorderbeine trotzig übereinander.

„Okay. Und warum kommst du hier her?“ „Ach das weiß doch jeder, dass Ernestine uns aufnimmt, wenn wir in Not sind. Und das ist ja wohl eindeutig eine Notsituation. Ich werde gemoppt. Jawoll.“ „Ernestine ist verstorben. Das Haus gehört ihrer Großnichte Lissi.“ „Oh, meint ihr sie wird mich aufnehmen?“

„Wen soll ich aufnehmen?“ Fragte ich. Der Tumult hatte mich aus der Wanne geholt. Und ich konnte meinen Augen nicht trauen. In meiner Halle saß ein Rentier, dessen Nase aufgeregt rot blinkte. „Äh, wer ist das?“ Sie blickten mich alle zweifelnd an. „Wie meinst du das, wer ist das?“ Fragte Amelia. „Rudolph!! Von ihm wirst du wohl schon gehört haben.“ „Ja schon, aber was….“ „Der Weihnachtsmann moppt ihn, weil er etwas zugenommen hat.“ Unterbrach mich Richard.

„Na klar, Mobbing am Arbeitsplatz macht nirgendwo halt.“ Meinte ich sarkastisch. „Und wo soll er schlafen? Und was ist mit Weihnachten und…“ „Warte – wir haben einen gemütlichen Stall, den kann Minerva schnell herrichten. Oder?“ Richtete er entscheidend seine Frage an sie. „Äh, ja klar. Ich gehe schnell bisschen auskehren und Heu auffüllen.“ Und schon war sie weg. Ich schüttelte meinen Kopf.

Ich blickte von oben über den Haufen zum Treppenende. Wo war ich nur hier herein geraten. Ein halbfertiger Baum stand in der Halle, und ein Rentier saß davor und schmollte.

„Richard, komm doch bitte mal mit mir in die Bibliothek.“ „Äh, ja okay.“ Wir gingen in die Bibliothek. Ich schloss langsam die Tür und dann explodierte ich. „Was, zum Teufel machen wir jetzt. Wir haben das Leitrentier vom Weihnachtsmann in der Halle sitzen. Ein RENTIER!“ „Ja, das war nicht zu übersehen. Diese Sache mit dem Rentier…“ „Die Sache? Die Sache!“

„Beruhig dich, das wird schon alles gut gehen. Ich werde..ja ich werde zum Orakel gehen und sie bitten mir einen Tipp zu geben.“ „Das Orakel. Oh, ja. Da komm ich mit.“ „Äh, nö.“ „Was heißt hier, nö?“ „Man geht nicht zum ersten Mal unaufgefordert zum Orakel. Sie lässt einen holen“ „Wie bitte? Wir haben hier wohl eine besondere Sache, da wird sie bestimmt eine Ausnahme machen.“ „Ich weiß nicht…“ „Schnauze. Auf bring mich zum Orakel.“

Wir betraten einen geheimen Raum, dessen Tür ich nicht mal erahnt hatte. „Äh – Orakel. Wir haben ein Problem.“ „Richard, komm rein. Ach Lissi. Na schön dich endlich mal kennen zu lernen. Wie gefällt es dir denn hier?“ Ich drehte meinen Kopf schief zu Richard und blickte ihn herausfordernd an. Mein Blick sagte nur: „siehst du.“ „Ja gut, danke. Es ist eine interessante Erfahrung, muss ich sagen. Mal was anderes.“ „Ah, sie hat Humor, das ist toll. Was ist das Problem?“ „Wir haben da eine Sache mit einem Rentier.“ Meinte ich. „Ach ja, das hab ich vernommen. Rudolph, nicht wahr? Er ist immer bisschen sensibel. Ich werde den Weihnachtsmann informieren. Der sucht bestimmt schon nach seinem Liebling. In der Zwischenzeit könnt ihr ihn bisschen in Weihnachtstimmung bringen. Lieber, Plätzchen und so..“ „Besser keine Plätzchen, er ist etwas zu pummelig, meint der Weihnachtsmann.“ Das Orakel lachte. „Ja, ja, diese träge Zeit von Weihnachten zu Weihnachten, da ist Rudolph nicht der einzige, der da Probleme bekommt, oder warum meint ihr, ist der Weihnachtsmann so dick? Nicht von den paar Plätzchen von den lieben Kinderlein. So, jetzt lasst mich alleine, ich schaue gerade meine Lieblingsserie, Greys Anatomie, so rührselig.“

Schon standen wir wieder draußen und gingen zurück in die Halle. Wir berichteten was das Orakel und aufgetragen hatte und ließen Weihnachtslieder erklingen. Während des Schmückens sangen wir so falsch wir konnten und Rudolph lockerte langsam auf. Er stand auf und wackelte mit seinem Hintern zu den Liedern und sang kräftig mit.

Dann klopfte es heftig an der Tür. Rudolph versteifte sich. „Das ist er. Ich erkenne sein Klopfen.“ Meinte er trotzig. „Ich will nicht mit ihm reden.“ Ich ging zur Tür. Tatsächlich. Meine Kinnlade viel gerade nach unten. Der Weihnachtsmann stand vor meiner Tür. Er schob mich beiseite und trat ein. „Rudolph, hier steckst du, ich hab mir Sorgen gemacht.“ „Ach ja, klar. Ich bin doch viel zu Fett um übersehen zu werden.“ „Oh Rentier, das war doch nicht so gemeint.“ „Oh doch, du wolltest mich nicht anspannen. Ich würde den Schlitten nicht richtig hochbekommen bei meinem Gewicht. Der Bauch würde dann auf der Erde schleifen.“

Wir zogen geräuschvoll die Luft ein. „Äh – ja das war nicht richtig. Aber ich war gerade nicht so gut drauf, da mir Frau Weihnachtsmann gerade selbst die Leviten gelesen hatte. Sie musste meinen Anzug auslassen. Da bin ich auf dich losgegangen. Verzeih mir mein alter Freund.“ „Ich weiß nicht. Das hat mich ganz schön verletzt.“ Der Weihnachtsmann trat auf das Rentier zu und streichelte es am Kinn. Schon schmiegte er seinen pelzigen Kopf auf dessen Schulter. „Na gut. Und was machen wir mit meinem Bauch jetzt?“

Minerva betrat gerade den Raum. „Vielleicht kann  ich helfen. Es gibt einen Trank gegen fettleibige Rentiere.“ „Das ist nicht dein Ernst, oder?“ Fragte ich. „Klar, denkt ihr das war das erste Mal, dass so was passierte. Ihr seid doch nicht die erste Weihnachtsmann-Rudolph Generation. Also bitte. Wartet hier, ich braue ihn schnell zusammen, dann wird Rudolph schnell seine alte Figur bekommen. Und nein, bevor ihr fragt, das gibt es nur für Rentiere, alle anderen müssen sich anstrengen. Gesetze.“ Lachte sie.

Sie gab Rudolph den Trank und ein glimmern umgab ihn. Da stand er rank und schlank. In voller Pracht. Sein Geschirr lag ihm auch schon an und bei jeder Bewegung klangen die Glocken lieblich. Wir alle hatten offene Münder. Er war einfach so hübsch anzusehen. Der Weihnachtsmann lachte. Dann gab er ein Ho-Ho-Ho von sich und die beiden verließen das Haus. Wir stürmten ans Fenster und konnten gerade noch den Schweif des Schlittens sehen und hörten die anderen Glocken der Rentiere.

„Und allen ein Wohlgefallen.“ Sagte ich. „Jetzt ist das Weihnachtsfest gerettet. Und ich hätte gerne noch ein Glas von dem leckeren Egg Nogg.“

Wir drehten uns zum Baum, der auf zauberhafte Weise fertig dekoriert war. Minerva blickte stolz auf ihr Werk. Der Baum blinkte und blitzte. Die Lichter leuchteten und wurden in den Augen der Truppe gespiegelt. Wie von Geisterhand schwebte vor ihnen ein Tablett mit leckerem Egg Nogg. Und der Schnee legte sich sanft über die Spuren des Schlittens und hüllten das Geheimnis der Weihnacht in eine watteweiche Decke ein.

HoHoHo – euch allen ein frohes Weihnachtsfest.

 

Schreibkicks, WG

Schreibkicks – die vererbte Zeitkapsel

Zeitkapsel, das ist das Wort für den 1.12.18 bei Sabis Schreibkicks. Erst fiel mir nichts dazu ein. Ich googlete bisschen und fand einige eingemauerte Zeitkapseln und auch Dachbodenfunde. Und so ist die Idee zu meiner vererbten Zeitkapsel entstanden.

Ich lade euch in Lissis Haus ein.

Das Thema für den 01.01.2019 lautet:

Mit dabei waren dieses Mal:

Es wird ein Weihnachtsspezial geben: Am 24.12.18 Die Sache mit dem Rentier 


Schreibkicks – Zeitkapsel

Ich erbte ein Haus. Eine verschollene Tante – oder eher Urgrosstante, von der keiner so richtig wusste. Sie wusste aber von mir. Wie auch immer. Ich bekam irgendwann Post von einem Notar. Ein Termin zur Testamentseröffnung. Ich fragte meine Eltern und sie erinnerten sich sehr, sehr dunkel an eine Tante. Sie soll verrückt geworden sein. Sie hatte sich zurückgezogen in ein gruseliges Haus tief im Wald.

Das war eigentlich nicht das Problem. Ich mochte gruseliges. Aber warum hatte sie mich ausgewählt, aus dem ganzen Familienclan? Genaueres würde mir vielleicht der Notar mitteilen können.

Endlich war es soweit. Nachdem ich öfter mit meinen Eltern telefonierte, die vor einigen Jahren nach Spanien ausgewandert waren, war keiner zu einer zufriedenstellenden Lösung gekommen. Die einzige, die mir helfen konnte, war meine Großmutter. Sie warnte mich. „Engelchen, ich weiß nicht ob du dieses Erbe annehmen solltest. Ernestine war immer schon eher seltsam gewesen. Irgendwie affin mit der Geisterwelt. Sie veranstaltete Seancen und ist quer durch die Welt zu besonderen Orten, wie Transsilvanien gereist. Wer weiß, was sie in ihrem Haus so alles gebunkert hat. Nicht dass du dir Tetanus, oder die Gelbsucht holst.“ Innerlich musste ich lachen. Oma war immer eher die pessimistische in der Familie. Ich war gespannt. Heute würde ich mehr erfahren.

Ich suchte ewig einen Parkplatz. Ich fuhr nicht oft in die Innenstadt, aber es ließ sich halt nicht vermeiden. Endlich saß ich im Büro des Notars. Ich war alleine. Was für eine Testamentseröffnung war das, ohne den Rest der Familie?

„Frau Anges?“ „Ja, Herr Herold. Ich bin sehr neugierig, was meine Urgrosstante von mir wusste. Ich wusste nichts von ihrem Dasein.“ „Ja, Ernestine war besonders. Sie war eine Einsiedlerin. Eine sehr dominante und einnehmende Persönlichkeit. Setzen sie sich doch. Möchten sie einen Kaffee?“ „Ja, gerne. Ich bin schon bisschen unterwegs gewesen um hier her zu kommen.“ „Frau Schmidt, würden sie uns bitte einen Kaffee und paar Kekse bringen? Danke. Kekse zum Kaffee, das muss sein. So, dann wollen wir mal.

Ihre Urgrosstante hatte sich vor etwa fünfzig Jahren ein altes marodes Haus gekauft und dort eine Art Einsiedler Dasein gefristet. Sie hatte sich von der Familie zurückgezogen. Auch sonst hatte sie wenig soziale Kontakte. Wie gesagt, sie war nicht die angenehmste Persönlichkeit. Vielleicht wissen sie ja, dass sie viel durch die Welt gereist war. Und sie hat so das ein oder andere seltsame Artefakt mitgebracht. Aber sie hat ihnen einen persönlichen Brief hinterlassen. Der ist noch verschlossen und wird ihnen mit den Schlüsseln zum Haus übergeben, sollten sie das Erbe annehmen.“ Ich nippte an meiner Tasse Kaffee und tunkte einen trockenen Keks ein. Es gab nichts besseres, als einen getunkten Keks. Ich nickte verständnisvoll und wartete auf weitere Erläuterungen. „Wo liegt dieses Haus?“ „Im dunklen Schwarzwald.“ Er legte mir paar Bilder hin. Es war riesig und düster. Es hätte locker eine Kulisse in einem Haunted House Horrorfilm spielen können. Eine leichte Gänsehaut überzog meine Arme. Was würde ich da erben? Ein Geisterhaus? Als hätte der Notar meine Gedanken gelesen: „es sieht schon sehr gruselig aus, oder? Auch von innen. Ich hoffe sie sind nicht ängstlich oder abergläubig? Sie werden hier eine Zeitkapsel erben. Das wird einige Arbeit erfordern. Aber keine Angst, mit dem Haus werden sie auch ein beträchtliches Vermögen erben. Ihre Tante wusste, dass dieses Haus ein Fulltimejob sein wird. Da sie sehr sparsam war, hat sie einiges an Geld anhäufen können.“ „Ok. Aber warum ich, und warum fordert keiner seinen Pflichtanteil?“ „Die Familienmitglieder sind alle schon abgefunden worden. Das hat ihre Tante schon im Laufe der letzten Jahre erledigt. Auch ihre Eltern.“ „Warum haben sie nichts erzählt. Versteh ich nicht.“ „Das werden sie wohl mit ihnen klären müssen. Ich verlese jetzt das Testament.“ Ich saß in einem äußerst bequemen Sessel, den ich dem Notar gerade mal abkaufte. Er war etwas überrascht, aber nicht zögerlich. „Nehmen sie das Erbe ihrer Urgrosstante Ernestine Anges an?“ Ich brauchte nicht lange zu überlegen, das klang nach einem Abenteuer. Warum sollte ich nicht? „Ja, ich nehme das Erbe an.“ „Sehr schön, dann übergebe ich ihnen die Schlüssel, die Unterlagen, den Brief und einen Lageplan. Sie können sofort einziehen. Es gibt einen Hausverwalter, der sich seit dem Ablegen gekümmert hat und auch vorher schon einige Reparaturen für ihre Tante erledigt hatte.“ „Sehr schön. Ich bin sehr aufgeregt und bedanke mich erst mal. Wenn ich noch Fragen habe, darf ich mich an sie wenden?“ „Natürlich, so fern ich ihnen helfen kann, bin ich immer da. Wenn sie mögen, würde ich mich auch als ihr Notar anbieten?“ „Ja, gerne.“ Somit verabschiedete ich mich von Herrn Herold.

Am Auto angekommen saß ich erst mal ein paar Minuten und atmete tief durch. Ich war Hausbesitzerin. Ich würde bald  die Reise starten. Da war noch einiges zu erledigen. Keine Minute wollte ich mehr hier bleiben. Ich hatte mich noch nie in der Stadt wohlgefühlt. Ich kündigte meine Wohnung und meine ungeliebte Arbeit. Leierte eine Auflösung meines Hausstandes an und war zwei Wochen später mit meinen wenigen wichtigen Habseligkeiten unterwegs in den Schwarzwald.

Ich fand den Weg sofort. Es war als würde mich ein unsichtbarer Faden dorthin ziehen. Den Brief meiner Tante wollte ich erst im Haus öffnen. Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass dies der einzig wahre Ort war, in dem er gelesen werden sollte. Ich hatte im Internet versucht etwas über meine Tante und ihr Haus heraus zu finden. Aber es gab nicht so viel Einträge. Manchmal wurde sie erwähnt, wenn sie im Zoll Probleme mit ihren Artefakten bekam, aber ansonsten gab es nicht viel. Das Haus war schon sehr alt. 1695 wurde es von einem Fabrikanten gebaut. Aber sonst gab es nichts Außergewöhnliches.

Es gab eine kleine Auffahrt und dann stand ich vor meinem Haus. Es war wirklich riesig. Die Fassade war schon sehr mitgenommen. Grau und teilweise sogar schwarz. Aber ich mochte es und würde bestimmt nichts ändern. Das machte den Charme dieses Hauses aus. Was sollte ich mit so einem riesigen Haus anfangen? Ein Hotel? Wir würden sehen. Ich wühlte in meiner Tasche nach dem Schlüssel. Es war noch so ein richtig alter mit einem tollen Bart. Ich steckte den Schlüsseln ins Schloss und drehte ihn um. Das Schloss war geölt, die Scharniere nicht. Die Tür gab einen tiefen ächzenden Ton von sich, als ich es aufdrückte. Eine große Vorhalle empfing mich kalt. Ich hatte den Grundriss studiert und wusste ungefähr wo sich die ganzen Zimmer befanden. Ich suchte als erstes die Küche auf. Dort fand ich auch, wie erwartet, Holzscheite. Sofort entschloss ich mich ein gemütliches Feuer in dem nostalgischen Ofen zu machen. Dann machte ich mich auf den Weg die Bibliothek aufzusuchen. Das würde ganz bestimmt mein Lieblingszimmer werden. Ich öffnete die Tür und stand vor gefüllten Regalen. Bis zur Decke. Ich überflog die Titel. Und ich stutze. Das waren alles Okkulte Bücher. Geister, Mumien, Werwölfe, Vampire. Nun, ich mochte dieses Thema ja auch. Also war ich schon auf einer Wellenlänge mit meiner Tante. Auch hier schürte ich schnell ein Feuer. Dann ging ich weiter. Ich begab mich nach oben um mir ein Zimmer auszusuchen. Ich wandte mich nach links. Da war eine wunderschön verzierte Tür mit zwei Flügeln. Ich drückte sie auf und fühlte mich wie Sissi. Ein wunderschönes Zimmer empfing mich. Ein Himmelbett mit wunderschönen Vorhängen und antike Möbel. Ich war eine Prinzessin. Ich stürmte auf das Bett zu und warf mich hinein. Die Matratze verschluckte mich und ich wollte nie wieder aufstehen. Wiederwillig verließ ich das bequeme Bett und setzte mich an einen Sekretär. Jetzt erst bemerkte ich, dass es hier schon warm war. Ich blickte mich um und sah ein Feuer im Kamin prasseln. Seltsam. Vielleicht war er Verwalter schon hier gewesen und hatte mir ein Feuer gemacht. Aber ich hatte mich gar nicht angekündigt. Egal, das würde schon stimmen. Ich würde jetzt den Brief meiner Tante öffnen und sehen, was sie denn vorhatte.

Liebste Lissi.

Du wirst dich bestimmt wundern, dass du mein Haus geerbt hast. Mittlerweile dürftest du wissen, dass ich als verschroben gelte. Verrückt und eine Einsiedlerin wurde. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Familie mich verschwiegen hat. Vielleicht sogar aus der Familienbibel gestrichen?

Es gab eine Familienbibel? So was.

Ich will dich nicht zu lange aufhalten. Du wirst das Haus erkunden wollen. Es gibt wenig Regel in diesem Haus. Nur! Achte drauf wo du hingehst. Jedes Zimmer ist bewohnt.

Bewohnt? Hä?

Ja, du liest richtig. Dieses Haus ist nicht unbewohnt. Aber ich denke Richard wird dir noch bisschen erklären können. Ein hübscher junger Knabe, der mir hier sehr oft geholfen hat. Dieses Haus ist was besonders. Ich habe viele Artefakte in Laufe meines Lebens gerettet. Und jedes Artefakt hat einen Bewohner. Sie waren alle in Gefahr. Wenn sie in ein Museum, oder einer anderen Privaten Sammlung gelandet wären, hätte das übel enden können. Hier in dem Haus ist alles abgesichert. Die Menschen außerhalb und die Bewohner hier drinnen. Ich empfehle dir dich erst mal einzurichten und auf Richard zu warten. Er wird dir Näheres erklären. Ein wirklich adretter Bursche. Solltest du noch ledig sein….meinen Segen hast du.

Sie war witzig. Ich hätte sie gerne kennen gelernt.

Ach ja, warum habe ich dich erwählt? Ich war es nicht. Die Geister dieses Hauses haben dich gewählt. Das hier ist ein Familienunternehmen. So zu sagen. Ich bin die erste in dieser Reihe und hoffe, dass du dieses Unternehmen ehrenvoll weiterführen wirst.

Unbekannter Weise umarme ich dich und wünsche dir so viel Spaß in diesem Haus wie ich hatte. Und glaub mir. Es wird manchmal spaßig, manchmal gruselig und auch nervig. Aber du wirst es lieben.

Ich verabschiede mich und übergebe dieses Haus vertrauensvoll in deine Hände ,meine Liebe Nichte.

Ernestine Anges.

HÄ? Ich war bisschen überfordert. Ich würde wohl auf diesen adretten Richard warten müssen. Er würde mich durch diese, wie nannte der Notar es? Zeitkapsel führen.

Am nächsten Morgen wachte ich von dem Geruch frisch aufgebrühten Kaffees und Croissants auf. Ein Tablett stand neben meinem Bett. Sogar eine Rose war darauf. Dieser Richard war seltsam. Ich genoss mein Frühstück. Dann stand ich auf, bereit das Haus zu erkunden. Ich würde nicht warten. Wenn Richard auftauchte, gut, wenn nicht auch egal.

Ich startete mit dem Dachboden. Es war ein Aufgang mit richtiger Treppe. Ich öffnete die Tür und erschrak sofort. Vor mir stand eine Mumie. Fast wäre ich rückwärts wieder runter gefallen. Dann musste ich lachen. Ja, jetzt verstand ich den Witz mit der Zeitkapsel. Ich konnte mir vorstellen, dass manche Artefakte die meine Tante mitbrachte nicht ganz so legal hier waren. Ich schob die Mumie beiseite und begann meinen Rundgang. Ein Sarg. Der Sarkophag der Mumie. Eine alte Öllampe wie aus Aladdin. Es fanden sich noch viele andere Dinge, die ich noch nie gesehen hatte. Hinter mir raschelte es. Ich schreckte auf und drehte mich um. Die Mumie stand in meine Richtung. Es sah aus, als würde sie mich beobachten. Ich schüttelte meinen Kopf und ging weiter. Ein Schaukelstuhl stand am Fenster. Ich musste irgendwie dran gekommen sein. Er wackelte. Ich wollte ihn stoppen, da bekam ich einen Schlag auf die Hand. Vor mir verfestigte sich eine Figur. Ich stand mit offenem Mund da und konnte nicht mehr atmen. „Hände weg, das ist meiner. Ich habe ganz schön kämpfen müssen um den zu bekommen. Du bist ein Mensch, du kannst dir einen eigenen besorgen. Was glotzt du denn so. Hat Ernestine dich nicht auf uns vorbereitet? Morphi sie weiß wohl nichts von uns.“ Ich drehte mich um und erschrak. Die Mumie stand direkt neben mir. „Hallo.“ Ein staubiger Ton entwich seinen verbunden Lippen. Und ich fiel in Ohnmacht.

„Hättet ihr nicht bisschen einfühlsamer sein können? Sie muss euch doch erst kennen lernen.“ „Aber sie wollte meinen Schaukelstuhl. Irgendwo sind doch Grenzen. Schließlich hat sie schon ein Frühstück und Feuer von mir bekommen. Aber beim Stuhl hört es echt auf. Warum bist du so spät Richard? Du hättest da sein sollen, bevor sie hier anfängt zu stöbern.“ „Ja ich weiß. Aber ich wurde aufgehalten. So ist das halt in der Menschenwelt.“ „Ja, ja reib es uns nur rein, dass wir hier gefangen sind.“ „Nicht gefangen, sicher. Ihr wisst, dass ihr fast alle schon gefangen wärt wenn Ernestine euch nicht aufgenommen hätte. Und jetzt ist Lissi an der Reihe. Schließlich hat das Orakel sie ausgewählt.“ „DA! Sie ist wieder wach.“ Ich blinzelte und sah in ein nettes bisschen verknautschtes Männergesicht. „Hi, ich bin Richard.“ „Hi, ich bin Lissi und glaube träume.“ „Äh, nein leider nicht. Das hier ist die Realität. Also wenn man es Real nennen kann. Du wirst hier noch einiges Seltsames erleben. Komm ich helfe dir erst mal auf und wir gehen in die Bibliothek. Frank? Kannst du uns einen Kaffee und Kekse besorgen?“ Ich drehte mich zum angesprochenen um und wollte nicht mehr leben. Frank – Frankensteins Monster? Nein. Ich blickte zu Richard und er hob entschuldigend die Schultern. „Komm mit ich erkläre dir einiges.“

In der Bibliothek setzte ich mich in meinen, schon angelieferten Sessel. „Dann leg los, ich bin ganz Ohr.“ „Ich weiß nicht was Ernestine dir schon mitgeteilt hat.“ „Auf keinen Fall Frankensteins Monster.“ „Äh, ja dann wohl auch nicht Dracula und den Geist in der Flasche. Nun. Sie hat diese Figuren alle gerettet. Sie waren vor der Entdeckung und wären dann in Laboren gequält worden. Leider gibt es einige, die sie nicht retten konnte. Aber den meisten konnte sie ein Zuhause bieten. Aber sie brauchen Wächter. Also dich. Und mich als rechte Hand.“ „Okay. Ich hab ja schon was Schräges erwartet, aber so was im Leben nicht. Wie soll das jetzt hier ablaufen?“

„Nichts Besonderes. Wir sind eigentlich nur da um aufzupassen, dass hier kein ungebetener Gast auftaucht. Die Hexe schläft noch, sie hat einen Schutzzauber verhängt, dass keiner rein und auch keiner raus kann. Außer wir. Wir werden hier leben und happy Family spielen.“ Ich sprang auf. „Gut. Ich bin bereit. Das wird toll, oder?“ „Ähm. Ja.“ Und schon hörte ich ein gepolter und Porzellan das zerbrach. Gut. Es würde eine Herausforderung werden. Aber ich fühlte mich dem voll und ganz gewachsen. Ich würde die Hausmutter einiger der berühmtesten Fabelwesen werden. Und der adrette Richard würde mich unterstützen. Ich war wirklich sehr gespannt auf mein neues Leben.

Ende