[Story-Samstag] Dein letztes Stündlein – Früher war alles besser

storysamstagWas ist der Story-Samstag? 

Der Story-Samstag hat nur zwei einfache Regeln: Tante Tex gibt ein kleines Thema vor. Und wir haben die Möglichkeit ganz kreativ darauf mit einem geschriebenen Beitrag – egal ob als Gedicht, Abhandlung, Erzählung, Witz oder sonstiger literarischer Art – zu reagieren. Man hat immer zwei Wochen Zeit um seiner Kreativität freien Lauf zu lassen…

Aus Gründen (vielleicht Aliens, möglicherweise waren aber auch Eichhörnchen oder Katzen daran Schuld) ist dir nur noch eine Stunde vergönnt, bevor das Internet auf Ewig nicht mehr funktioniert. Was würdest du mit deiner letzten Stunde Internet anfangen?


Sonntag Zehn Uhr – Was hat mich denn geweckt? Die Sonne. Es muss die Sonne sein, immer wenn die Sonne scheint dann beginnt die Völkerwanderung. Da schlappen die Menschen auf die Strasse und gehen spazieren. Äh spazieren. Wie Old-School. Das kann ich auch alles virtuell. Ich gehe an den Schreibtisch, und schalte den Laptop an. In der Zeit in der das Teil hochfährt stelle ich Kaffee auf und gehe ins Bad. Ich schaue in den Spiegel – Eigentlich sollte ich auch mal spazieren gehen. Ich bin weiss wie die Wand – bisschen Sonne würde meinem Teint auch gut tun. Aber ich höre schon das wohlbekannte Gedudel des Computers. Er ist schon da. Ich schlurfe in die Küche und schnappe mir  meinem Pott Kaffee und ein Cookie aus der Tüte. Ich schlurfe weiter an den Schreibtisch. Dann muss ich erstmal die Katze vom Laptop verjagen. Selbst die Katzen gehen mit der Zeit. Früher mussten sie sich auf die Zeitungen oder Bücher legen. Moderne Katzen nehmen den Laptop oder die Tastatur. Ja – Auch die Tiere gehen mit der Zeit.

Ich öffne als erstes mal meine Blog Seite. Da springt mich schon in roten Buchstaben an.

Weltuntergang steht bevor. Blogger aller Welt – unsere Zeit miteinander geht vorüber. Eine Stunde verbleibt uns noch. Dann wird das Internet für immer abgestellt.“

Irgendwie sitze ich nur dämlich, Kaffee schlürfend vor dem Monitor und raffe wirklich gar nichts. Jetzt verstehe ich auch die eigenartigen Geräusche, die mich geweckt haben. Das waren gar nicht die Spaziergänger, das waren meine Nachbarn, die ihre Entsetzensschreie losgelassen haben. Nämlich den, den ich gerade versuche an dem Kaffee vorbei, auszustossen.

Wie soll ich das denn verstehen. Und ab wann gilt den die Stunde, habe ich es schon verschlafen? Ich werde verrückt. Eine Stunde und dann nie wieder Internet. Was soll ich denn mit der ganzen Zeit machen. Vielleicht spazieren gehen? Ohhh neee. Dann begegne ich wohlmöglich noch den Nachbarn. Ob wir uns überhaupt noch normal unterhalten können ohne eine Tastatur unter den Fingern und ein Monitor vor der Nase? Oder müssen wir das von neuem erlernen. Ich klopfe mir auf die Stirn. Jetzt werde ich wach und hektisch. Eine Stunde. Was ist schon eine Stunde in der virtuellen Welt. Vergleichbar mit Hundejahren. Sieben Stunden entsprechen eine gefühlte virtuelle Stunde. Also ist eine Stunde in der virtuellen Welt – äh – zu wenig.

Ich fange an zu überlegen – stopp ich habe keine Zeit zu überlegen. Ich muss instinktiv handeln. Wie jemand der ein Unglück überleben will, da reagiert man nur noch, also wenn ich das wichtigste retten will – reagieren. Internet-Instinkt. Sofort schalte ich auf Automatik. Ratterratterratter. Die Finger fliegen über die Tastatur. Was mach ich als erstes. Was wollte ich denn schon immer machen. Das Pentagon hacken, die Deutsche Bank vernichten, Die Börse crashen. Jaaaa. Aber davon habe ich keine Ahnung. Verdammt. Also fange ich an – Emails unwichtig. Facebook – nicht wichtig. Aber ich brauche einige Kontaktdaten. Also Emails doch wichtig, Facebook doch wichtig. Kann ich das komplette Pinterest auf meiner Festplatte speichern? Wo sind meine Externen Platten? Keine Zeit, dafür  müsste ich aufstehen. Da verliere ich wertvolle Rettungszeiten.

Hab ich was in der Cloud? Kann nicht sein, die nutze ich gar nicht. Äh – Amazon? Das habe ich alles gesichert. Kann ich auch offline lesen. Ich tippe und rase noch mal über alle Seiten, die ich täglich so abgrase und ich verabschiede mich von der Bloggerwelt. Meine Geschichten sind gesichert. Und auf einmal – ich glaube ich habe es gehört. „Peng!“ ich sehe das kleine Rauchwölkchen aus meinem Monitor und schwarz ist alles. Nein da ein Testbild. Testbild. Nie wieder streamen. Jetzt muss ich wieder normal Fernsehen. Eine kleine Träne verlässt meinen Augenwinkel.

Das Testbild verschwindet.

Liebe Internetuser. Da ihr mittlerweile mehr Zeit im Netz als in der realen Welt verbracht habt, hat die Regierung beschlossen, die Welt vom Internet zu nehmen. Wir erinnern uns an das Leben vor dem Internet. Früher war alles besser. Ihr wart nicht so gut informiert und habt der Regierung alles geglaubt. Wir konnten euch damals noch durch die Mainstream Medien manipulieren. Aber durch die alternativen Medien im Internet erfahrt ihr zu viel von der Wahrheit. Das müssen wir wieder unterbinden. Ihr müsst wieder in Eure Blase tauchen und uns vertrauen. Deswegen wird jetzt eine kleine Abfolge verschiedener Bilder vor euren Augen erscheinen, die Euch „Früher war alles besser“ eingeben und ihr vergesst alles was mit dem Internet zu tun hat. Ihr lebt wie früher. Schreibt Briefe, lest Bücher, geht ins Kino und schaut TV. Ihr werdet wieder ein höriges Volk und wir können so weiter machen wie bisher, ohne ständig irgendeinen Verschwörungstheoretiker vor uns zu haben. Erfolgreiches Gelingen und eine ruhige Zunkunft eure Regierung.“

Plop: Ich habe das Gefühl am PC eingeschlafen zu sein. Mein Kaffee ist kalt. Ich stehe auf um mir noch eine Tasse zu holen und schaue aus dem Fenster. Die Sonne scheint. Warum sitze ich denn hier am PC statt spazieren zu gehen. Schnell fülle ich meinen Kaffee in eine Thermotasse, ziehe mich an und verlasse die Wohnung. Ich habe das Gefühl, meine Beine schon ewig nicht mehr benutzt zu haben. Ich laufe, als würde ich es erst lernen. Aber alle um mich herum bewegen sich ähnlich. Was ist nur passiert. Ach – der Nachbar. Wie war sein Name? Ich winke  – er zögert und winkt zurück. Dann fange  ich an zu laufen und die warme Sonne im Gesicht zu geniessen. Tief  in meinem Gehirn zuckt eine kleine Erinnerung an eine Zeit die am PC spielte. Aber warum denn am PC, den benutze ich doch nur für Texte und manchmal Spiele. Versteh ich nicht. Ich dreh mich um und fange  die an die Strasse entlang zu hüpfen. Das Leben ist schön.

ENDE

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