Wochenrückblick

Wochenrückblick 12.11.18-18.11.18 Geschichtszauberei

Hallo ihr Lieben – schon wieder ist eine Woche vorüber. Erschreckt euch das auch, dass jetzt überall schon Weihnachten entgegenschreit? Werbung, Schaufenster – ja ich hab sogar schon Lust selbst hier alles zu dekorieren, obwohl ich meist erst am ersten Advent anfange. Hm….Nun – kommen wir zu meiner Schreibwoche.

 

Ich hab zwei Beiträge veröffentlicht. Einmal etwas humorvolles und ein bisschen Tierhorror.

 

 


Kommen wir noch zu den Kreativen Ideen


Herba und die Pö´s  Thema  – Mach was…mit einem Traum!‘ läuft noch bis zum 25.11 – hier ist sämtliches Repertoire an Kreativität erwünscht.


Bei Christiane  werden jetzt 3 Worte in maximal 300 Wörter verpackt –

Raureif
sündig
verrücken.

die nächsten Wörter gibt es am 2. Dezember


Die Themen für Writing Friday

Schreibthemen / Schreibaufgaben November

  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Henriette war eine ganz einfache Fee. Was jedoch niemand wusste war…“ beginnt.
  • Erzähle wie die Welt aussehen würde, wenn es überall nur noch eine Jahreszeit geben würde.
  • Du bist eine kleine Schneeflocke, plötzlich wird beschlossen, dass es keinen Winter mehr geben wird. Erzähle wie du dich fühlst.
  • Wenn du zwischen den Fähigkeiten „Fliegen“, „Durch die Zeit reisen“, „Gedanken lesen“ und „Zaubertränke herstellen“ wählen könntest, welche würdest du haben wollen und was würdest du damit anstellen?
  • Ein Schneemann erzählt aus seinem Leben.

By the Way hat Elizzy angefragt, ob jemand Lust hab einen schriftlichen weihnachtlichen/winterlichen/neujährlichen Blogger-Tageskalender mitzuwirken? Wer interesse hat, es werden noch Schreiberlinge gesucht. HIER findet ihr mehr.


So das war es auch schon wieder von mir – ich wünsche euch viel Spass und wir hören bzw. lesen voneinander.

 

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[abc.etüden]

Schreibeinladung für die Textwochen 45.46.18 – Das dunkle Universum einer Handtasche

Ach endlich komme ich wieder mal dazu hier mit zu schreiben. Die Tage sind so kurz. Jetzt haben wir schon zwei Wochen Zeit und ..naja….aber heute bin ich wieder dabei, bei Christianes Etüden.

Die neuen Wörter für die Textwochen 45 und 46 des Schreibjahres 2018 stiftete Bettina vom Wortgerinnsel. Sie lauten:

Knirps
grotesk
notieren.

Und hier ist mein Text dazu mit 275 Worten.


Das ist schon irgendwie grotesk, dachte ich mir. Ich suchte in meiner Handtasche nach einem Zettel um mir meine nächsten Gedanken zu notieren. Warum haben Frauen immer so große Handtaschen. Ich schwöre euch, ich könnte jetzt sofort auswandern. Mit dieser Tasche umgehängt, wäre ich mindestens eine Woche lebensfähig. Frauen auf der ganzen Welt nicken doch jetzt mit ihrem Kopf. Letzt habe ich einen Spruch gelesen, wie ging der? „Wie schwer deine Handtasche wirklich ist, merkst du erst wenn das Auto dir sagt, dass dein Beifahrer nicht angeschnallt ist.“ Hahaha. Ja wie wahr. Ist euch eigentlich klar, dass ich jetzt seit einer geschlagenen halben Stunde einen Zettel suche. Und was wollte ich mir eigentlich notieren? Vielleicht sollte ich einfach mal hineinklettern und direkt nach suchen. Wartet. Ich stelle sie gerade auf den Boden. Wie mache ich das? Kopf voran – ja am besten. Ach Mist – hier ist mein Knirps – den habe ich beim letzten Regenguss gesucht. Hätte ich gewusst, dass er linkt neben der Handcreme ist, wäre ich nicht nass geworden. So ist das. Wisst ihr was? Eigentlich ist es sogar ganz bequem hier. Es ist warm, ein Buch ist auch hier, mein Thermobecher mit meinem Kaffee und eine Verpackung Kekse. So wichtig kann es nicht sein, was ich notieren wollte. Ich bleibe einfach hier drin und lese endlich mal mein Buch weiter, und wenn ich müde werde, mache ich mir aus den Halstücher, Handschuhen und Taschentüchern ein gemütliches Lager. Eine Taschenlampe gibt es auch noch. Fast wie zu Hause. Solltet ihr eine Blaue Handtasche einsam stehen sehen, lasst sie stehen – es ist kein Terroranschlag, ich schlafe wahrscheinlich nur gerade eine Runde und erhole mich vom Alltagsstress.

 

Und hier noch was zum Lachen

Projekt TXT*

Das elfte Wort | 2018 – Nein – Tödliches Campen

Das elfte Wort von Projekt TXT lautet dieses mal NEIN

Diese Geschichte entstieg einem Traum. Und zwar hatte ich einen seltsamen Traum mit einer Schneisse zu einem Bunker in dem Tierspuren zu sehen waren in einem Grauen Sand. So wie ich es beschrieben hatte. Nur die Nebenszenen hatten was mit meiner Arbeit zu tun…Seltsamer Mix. Aber das Bild hat mich verfolgt und so ist diese Story entstanden….Achtung – mal wieder blutig. 


Irgendwie war das eine komische Idee gewesen. Mark wollte unbedingt mal was anderes. Den Uni-Stress mal ablegen und offline gehen. Wir hatten die letzten Monat nur gelernt und Praktika  absolviert. Hausarbeiten und Referate. Wir standen alle kurz vor einem Burn Out.

„Campen. Äch. Neee – warum nicht in irgendeinen tollen Spa? Sich verwöhnen lassen. Massieren, Hot Stone, Klangmuschel?“ Fragte Camille. „Ich brauch was Bodenfestes. Etwas was mich wieder erdet und mir zeigt, dass ich den richtigen Weg eingeschlagen habe. Diese ganze Lernerei und für was? Dass ich noch Jahrelang einem Prof den Kaffee vortragen kann und seine Sekretärin spielen darf?“ Antwortete Mark. „Nein – ich brauche frische Luft, Sonne und Freiheit. Wenn du nicht mitwillst- Wir Männer können auch gut einen Männertrip machen, hä Jungs?“ Im Hintergrund hörte man die Jungs Beifallklatschen. „Siehst du, wir brauchen keine Frauen, geht ihr nur schön ins Spa.“ Meinte er höhnisch.

„Nein – ich will nicht in ein Spa.“ Meinte ich. „Ich brauch auch was Waschechtes. Dreck, Grillen, Bier, Gespenstergeschichten am Lagerfeuer. Für mich kein Spa. Tut mir leid Camille.“ „Pah – na gut, dann wälze ich mich halt in einer Wildschweinkuhle, dann hab ich auch mein Schlammbad.“ Schmollte sie. „Super. Wer kommt noch mit?“ „Ich, Jan, Patrick und Wolle. Bei euch Mädels?“ „Camille, ich, vielleicht bekomme ich noch Maritta und Anita an den Start, die könnten auch mal Abstand gebrauchen. Dann wären wir zu acht. Haben wir so viel Platz?“ „Platz? Wir sind in der freien Natur – wenn die nicht genug Platz für uns hat…..Morgen um acht Uhr geht es los. Seid pünktlich Andrea – und ungeschminkt. Hahaha“. Ich zeigte ihm den Stinkefinger und streckte ihm die Zunge raus.

Bis ich euch die Geschichte weiter berichte, stelle ich uns kurz vor. Wir sind Studenten. Alle aus verschiedenen Bereichen, die sich in einem Kurs – Statistik – treffen. Das ist ein Fach, das nun wirklich keiner braucht. Wie sagte der Prof? Trau keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Toll, oder. Das ist auch nicht unbedingt mein stärkstes Fach. Aber wir sind uns alle einig – in der Situation in der wir uns bei unserem Trip befanden, hätte kein Studienzweig etwas gebracht – keiner studierte etwas Brauchbares. Es war BWL, Literatur, Kunst, Rechtswissenschaft dabei. Also nichts was uns hätte retten können. Ich will schnell weiter machen, damit ich zur eigentlichen Story kommen kann.

Also wir waren zu acht. Ich, Andrea, Camille, meine beste Freundin, die leider etwas zu verwöhnt ist. Maritta und Anita kenne ich eigentlich eher aus der Mensa. Wir haben sonst keinen großen Kontakt. Sie gehören eher zu den Jungs. Die Jungs – das sind Mark, den ich echt mag, Jan – kenne ich kaum. Patrick ist einer der netten und Wolle ist ein Schwätzer. Das könnte schon bisschen anstrengend werden. Aber wie Mark schon sagte – die Natur hat genug Platz um sich auch aus dem Weg gehen zu können. Wir trafen uns also am nächsten Tag um acht Uhr. Mehr oder weniger Fit. Steigt mit ein und beobachtet.

Wir fuhren mit zwei Bullis. Mark und Jan hatten sie aufgetrieben. Keine Ahnung wo her. Aber wir hätten alle darin schlafen können. Im Notfall. Aber das hätte ja keiner wissen können, dass tatsächlich einer eintreffen würde.

Wir waren krass drauf, für Studenten des digitalen Zeitalters. Für die Anzahl der Tage, die wir nicht festgelegt hatten, ließen wir unsere Handys zu Hause. Großer Fehler. Dieser Offlinewahn, den Mark predigte kostete einige Leben. Vielleicht hätte es anders ausgehen können, wenn wir ein SOS hätten los schicken können.

„Hei – mach mal passende Musik – Beach Boys oder so, etwas für die Stimmung.“ Blökte Maritta von hinten. Mark fuhr den ersten Bus. Der zweite Bus wurde von Jan gefahren. „Wo wollen wir eigentlich hin?“ Fragte ich Mark. „Noch haben wir kein Ziel. Es sind Ferien und wir sind ungebunden. Wir fahren bis es dunkel wird. Dann werden wir uns ein Plätzchen suchen.“ Ich ließ mich hinten auf die Bank nieder und schnappte mir ein Buch. Endlich mal wieder einen Roman lesen – das vergisst man während der Uni-Zeit total. Ich war ziemlich vertieft als der Bus zum Stehen kam. „Pinkelpause, Leute und vielleicht eine Kleinigkeit essen.“ Ich streckte mich – meine Muskeln waren etwas eingeschlafen, ich genoss es endlich mal auszusteigen. Wir waren auf einem Rastplatz. Es war überhaupt nichts los. Wo waren wir? „Ich weiß nicht. Jan hat mich vorhin überholt und ich bin ihm einfach nachgefahren. Kein Plan, wo wir hier sind. Aber es ist ziemlich abgelegen.“ Das sah ich. Aber das war ok. Einsamkeit war ja das was wir suchten.

Nach paar Minuten Pause fuhren wir weiter. Bis es dämmerte. Mark fuhr auf einer Schotterpiste hinter Jan her. Bestimmt eine halbe Stunde später kamen wir dann zum Halten. „Wir sind da – hier wird heute geschlafen.“ Ich stieg aus. Es war noch hell genug um sich etwas umzuschauen. Es war ein seltsamer Ort. „Wo sind wir hier, Jan?“ „Ich weiß nicht, ich glaub hier hatten die Amis früher ihren Truppenübungsplatz.“ „Na ja, schön ist anders. Sind das da hinten Bunker?“ Wolle drehte sich zu dem von mir gezeigten Platz um. „Ja – das sind Bunker – da können wir uns nachher noch einquartieren. Das wird doch cool. Ein Pfeifchen und dann in einem gruseligen Bunker die Nacht verbringen – ultimativer Kick.“ „Nein Danke.“ Meinte Camille – da hab ich ja mal gar kein Bock drauf.“ „Komm sei kein Frosch.“ Sagte Mark. Und ich kleines verliebtes Huhn nickte wie eins. „Ja Camille, komm, das wird bestimmt lustig.“ Sie blickte mich bittend an. Ich wusste, dass sie eigentlich ungerne in dunkle geschlossene Räume geht. Und es war wohl kaum davon auszugehen, dass es dort Fenster gab. Aber da sie mir vertraute, stimmte sie zu.

Am nächsten Tag starteten wir gemütlich. Wir erkundeten das Gebiet. Es war schon aufregend. Wir fanden alte Schiessstände an denen noch die Ziele hingen – sie waren schon teilweise zerrissen und verrottet, aber die Einschüsse waren gut erkennbar. Dann kamen wir zum Drillplatz. Die Wand – die berühmte, die man immer in den Filmen sah. Ich konnte nicht widerstehen. Ich rannte und klatschte scheiternd an diese besagte Wand. Also ich blamierte mich fürchterlich. Mark nahm Anlauf und überflog sie fast. So kam es mir jeden Falls vor. Ich glaube ich idealisierte ihn ein kleines bisschen. Aber wenigstens scheiterten die anderen Mädels auch. Sogar Wolle scheiterte. Zum Glück.

Wir landeten alle lachend vor der Wand und zogen uns gegenseitig auf. Am späten Nachmittag gingen wir zum Bunker. Eigentlich war mir das auch schon zu spät. Er wirkte schon gruselig. Verfallen, obwohl er aus massiven Platten errichtet war. Irgendwie haftete ihm etwas Unheimliches an. In den Ritzen wuchs Unkraut – aber am Boden war alles frei von Grün. Es führte eine Einfuhrschneise vor ein riesiges Tor. Ich denke, dass dies für Panzer gedacht war. Diese Schneise war mit einer Art grauen Sand ausgestreut. Und in diesem Sand konnte man Tierspuren erkennen. Ich bückte mich und hielt meine Hand dagegen. Sie wirkte klein dagegen. Was für ein Tier war das? „Ich glaube das sind Hundespuren?“ „Nein – das sieht anders aus. Ich glaube das sind Löwenspuren.“ „Löwen, vielleicht hat mal ein Zirkus hier campiert?“ „Vielleicht.“ Murmelte ich. Aber irgendwie sahen mir die Spuren viel zu frisch aus. Jan ging zur Tür runter, ich folgte ihm. Auf dem Absatz befand sich ebenfalls dieser graue Sand und in diesem Sand war ein perfekter Abdruck. Aus dem Bunker heraus. Man konnte es genau erkennen. Wir blickten uns an. „Meinst du hier wurden mal Löwen gehalten?“ „Nein, das macht kein Sinn. Das war bestimmt ein Zirkus.“ Meinte er. Mich schauderte es. „Lass uns zu den anderen zurückgehen Den Bunker können wir auch morgen erkunden. Ich hab keine Lust mehr heute.“ „Ja – geht mir auch so. Lasst uns ein Lagerfeuer machen und was grillen. Ich bekomme Hunger.“ Jan rannte zu den anderen. Ich folgte ihm langsam. Dann blieb ich ruckartig stehen. War da gerade ein Geräusch? Kam aus dem Bunker ein Geräusch. Konnte man da überhaupt etwas hören? Ach, du bildest dir was ein, Andrea. Zuviel Fantasie. Und ich ging etwas schneller zu den anderen, als ich es ursprünglich vorhatte.

Wir hatten einen schönen Abend. Jeder erzählte eine Anekdote aus der Uni. Irgendwelche Fehler, die einem während der Praktika oder Referate passierten – und auch Professoren wurden auseinander genommen. In jedem Fachbereich gab es immer einen, der irgendwie seltsam war. Überheblich oder Schräg.  Es war wirklich sehr amüsant. Wir tranken alle etwas zu viel und als es Zeit wurde sich in die Zelte zurückzuziehen, gab es einige Zusammenschlüsse.  Camille ließ sich von Jan entführen. Maritta  ging mit Patrick. Nur ich, Mark, Wolle und Anita blieben zurück. Ich blickte schüchtern zu Mark. Ich hätte nichts dagegen – aber so richtig wollte ich auch nicht. Nein – das wäre mir doch zu schnell – also sprang ich auf und wollte schnell in mein Zelt. Aber ich hatte doch bisschen zu viel getrunken und schwankte stark. Mark sprang schnell auf um mich zu halten. „Geht es?“ „Mhm – ja danke.“ Murmelte ich. Er ließ mich trotzdem nicht los und brachte mich zu meinem Zelt. „Gute Nacht, Andrea.“ Meinte er und drückte mir einen Kuss auf die Wange. Ich fühlte mich wie ein Teenager – meine Hand wanderte auf die geküsste Stelle und ich wurde rot und glücklich. Er mochte mich.

Ich zuckte zusammen – da war wieder das seltsame Geräusch, das ich am Bunker gehört hatte. Ich drehte mich einmal schnell um mich herum und versuchte den Schwindel zu ignorieren. Schnell schlüpfte ich in mein Zelt. Schloss den Reisverschluss und schlüpfte in meinem Schlafsack. Jetzt wäre ich froh, Mark wäre mit in mein Zelt geschlüpft. Ich hatte bisschen Angst alleine. Ich rollte mich zusammen und versuchte mit zusammengekniffenen Augen einzuschlafen.

Es gelang – ich schlief ein – aber ein Geräusch weckte mich – oder war es meine Blase – ich konnte es nicht nachvollziehen. Aber definitiv – meine Blase war voll. Bier. Ja Bier trieb – das hätte ich wohl doch vorher bedenken sollen. Ich überlegte wie lange ich es wohl aushalten würde. Ich kam zu dem Schluss – nicht lange. Vorsichtig befreite ich mich aus dem Schlafsack und zog leise den Reisverschluss des Zeltes auf. Ich lauschte. Ich hörte meine Ohren rauschen. War das mein Blut?

Ich griff nach der Taschenlampe, die ich am Eingang deponiert hatte. Ich schaltete sie an und leuchtete durch die Gegend – im Dunkeln wirkte das hier so unheimlich, das ich wirklich noch mal überlegte, ob ich wirklich herausmusste. Aber es half nichts – ich musste. Leise schlich ich an den Rand der Zelte – ich wollte einfach nicht zu weit weg gehen – mir egal, dass ich fast in unser Camp pinkelte. Scham war in meinen Augen nicht wichtig.

Da – schon wieder – ein Geräusch. Während ich immer noch in gebückter Haltung verharrte, hörte ich was. Ein Reisverschluss. Ich atmete aus. Ich stand auf und blickte mich um. Patrick kam aus seinem Zelt. Er kratzte sich und blickte sich um. Dann sah er mich. Er winkte und torkelte in die andere Richtung. Da musste wohl noch jemand sein Bier loswerden.

Ich schmunzelte. Und stutze. Ich hörte ein plumpsen. Patrick war wohl umgefallen. Aber ich hörte auch ein wimmern. Dann kam der Schrei. Ich stolperte rückwärts. In den anderen Zelten gingen die Lichter an. Wolle und Mark waren die ersten, die ihre Zelte verliesen. Um das Camp sah ich Schatten. Irgendwas umkreiste unser Camp. Ich rannte wieder zurück. Stellte mich zu Mark und Wolle. Aus den anderen Zelten kamen Jan, Camille, Anita und Maritta. „Was ist hier los.“ Fragte Camille verschlafen. „Geh zurück und zieh dir eine Hose an – hier stimmt was nicht und du wirst gescheite Kleidung brauchen. „Fauchte ich ihr zu.  Sie stand in einem Shirt und Höschen vor mir und blickte mich verständnislos an. Mein Blick musste sie so verunsichern, dass sie schnell ihre Hose und Schuhe aus dem Zelt holten und sich anzog. Dann nahm ich sie bei der Hand. Ich wollte sie nicht loslassen. Sie war in diesem Moment mein Anker. Die Männer hatten sich zusammengestellt und blickten noch leicht betrunken aus dem Kreis heraus und versuchten etwas zu erkennen. Ich war die einzige mit einer Taschenlampe. Ich versuchte zu leuchten – aber  der Lichtkegel war nicht stark genug. Er ging nicht bis hinter die Zelte. Immer noch konnten wir nur Schatten erkennen.

Wieder hörten wir den Schrei – dann wurde aus dem Schrei ein gurgeln und dann Stille.

Maritta und Anita fingen an zu wimmern. Ich merkte, dass auch Camille anfangen wollte. „Reis dich zusammen – wir brauchen unsere Konzentration. Lass das die anderen beiden erledigen. Das hier ist nicht nur ein Fake – hier ist irgendwas Tödliches. Und ich glaube ich weiß auch was, oder denke es.“ Ich ging zu Jan. „Jan – kannst du dich an die Spuren am Bunker erinnern? Ich glaube da lebt noch was drinnen, das hier um uns herum läuft.“ „Was? Meinst du Löwen?“ „Ja.“ „Du spinnst doch. Wo sollen die denn herkommen?“ „Aus dem Bunker, du Idiot. Wir sind auf Militärgelände der Amis. Wir wissen doch, dass die immer Experimente durchgeführt haben.“ „Oder irgendein Zirkus hat seine Tiere hier entsorgt, dann sind das altersschwache Viecher.“ „Ich weiß nicht.“ „Doch bestimmt. Nur alte Tiere greifen Menschen an.“ Ich zweifelte immer noch, als Mark zu uns kam. „Was ist los?“ Ich unterrichtete ihn über unseren Fund und unsere Theorien.

„Löwen? Ich weiß nicht. Das klingt bisschen zu sehr nach Hollywood.“ „Na klar, die Amis waren ja auch hier.“ Erwähnte ich bisschen angesäuert, weil er mir nicht glauben wollte. Was sonst hatte wohl Patrick erledigt? „Wie kommst du drauf, dass Patrick tot ist? Vielleicht ist er nur unglücklich gestürzt und hat sich den Schädel in seinem Suffkopf angehauen?“ Das war natürlich auch eine Option. Aber ich glaubte nicht dran. „Und was schleicht um das Camp?“ „Füchse? Wildschweine? Was weiß ich?“

„Ach.“ Meinte ich mit einer wegwerfenden Handbewegung. Ich stand auf und ging zu Camille. „Hör zu. Hier stimmt was nicht. Wir müssen zusammen bleiben. „ Sie blickte mich verunsichert an und schaute zu den Männern. „Sollten wir nicht zu ihnen gehen? Sie können vielleicht helfen – sie sind immerhin stärker als wir.“ Ich blickte mich ärgerlich zu den beiden Männern um. „Nein, die glauben mir nicht. Aber wir werden angegriffen.“ „Andrea – ich weiß, dass du immer gleich das Schlimmste annimmst – aber vielleicht ist es auch nur der Alkohol, der aus dir spricht?“ Mein Kopf ruckte zu ihr um. Meine beste Freundin hielt mich für überzogen? Ich war  vorsichtig. Vielleicht zu misstrauisch – aber nicht hysterisch. Im Gegenteil. Ich war die Ruhe selbst. Ich krabbelte in mein Zelt und wühlte in meinem Rucksack. Ein Messer – wo war mein Messer. Ich ging nie ohne Messer aus dem Haus. Ok – das klang jetzt doch bisschen hysterisch – aber Leute – die Situation in unserem Land ist nicht ohne – da kann Frau auch mal ein Messer zum Selbstschutz haben, oder? Ah hier – und das Pfefferspray war auch da. Wie gut – es war ja zur Tierabwehr. Sonst durften sie es ja nicht verkaufen. Passt doch.

Während ich im Zelt wühlte, hörte ich erneut Schreie. Eine Frau – schnell schälte ich mich wieder raus. „Camille?“ „Ich bin hier – ich weiß nicht wer das war. Maritta oder Anita – ich kenn ihre Stimmen noch nicht. Ich spurtete in die Richtung aus der der Schrei kam. Da stand Maritta. Sie hatte die Arme um sich geschlungen und war in die Hocke gegangen. Sie wippte aufgewühlt vor und zurück. „Maritta, Maritta? Was ist los?“ schrie ich sie an. Sie reagierte nicht. Ich knipste die Lampe an und leuchtete nach vorne. Da – eine Spur – der Boden war aufgewühlt. Und eine Schleifspur verlies den Platz. Ich rannte hin – in der einen Hand das Messer, in der anderen die Lampe und verfluchte mich, dass ich nicht an die Stirnlampe gedacht hatte. Blut – die Schleifspur war voll Blut. Und dort? Ich musste würgen. Im Staub lag ein Arm. Ein Frauenarm. Die Männer kamen angerannt. Jan, Wolle und Mark. Ich deutete aufgeregt auf die Stelle mit dem Arm. „Ein Fuchs? Ein Wildschwein? Machen die so was? Ich glaube kaum. Das hier war ein Raubtier. Und kein kleines?“ „Vielleicht ein Wolf?“ Meinte Mark. „Nein, das glaube ich nicht – schau dir die Spuren an – das sind keine Wolfsspuren. Die sehen anders aus. Da kann man keine Krallen im Abdruck sehen. Das hier sind nur Fußballen. Ich sage euch, das sind Löwen. Hört mir doch zu.“ Alle blickten mich entgeistert an. Ich nahm einen Schatten von rechts wahr. Bevor ich eine Warnung ausrufen konnte, sprang der Schatten. Im Sprung schnappte er sich Wolle. Dieser Löwe war riesig. Das war doch kein normaler Löwe. Die anderen drehten sich schnell um und schnappten nach Luft. Sofort gerieten sie in Panik. „Wartet, wartet. „ Schrie ich. Bleibt doch zusammen. Sonst…“ und schon hörte ich den nächsten Schrei. Wieder eine Frau. „Camille? Camille?“ „Andrea.“ Hörte ich sie schluchzend schreien. „Ich bin hier – zwischen den Zelten. Was war das. Ich….Ahhhh“ Mir gefror das Blut. Irgendwas hatte Camille angegriffen. Ich rannte zu der Stelle, die sie mir genannt hatte. Dort lag sie. Sie hatten sie nicht mitgenommen. Warum? Aber da sah ich ihn – ein majestätisches Tier. Den Namen König der Tiere hatte er wahrlich verdient. Ich rannte auf ihn zu. Fuchtelte mit den Armen und schrie. Ich schrie, bis ich fast heiser wurde. Der Löwe blickte mich irritiert an und ließ von Camille ab. Er drehte sich weg und verließ den Platz. Schnell rannte ich zu Camille. „Camille? Camille?“ Ich schüttelte sie sanft. Im Schein der Taschenlampe konnte ich sehen, dass sie eine tiefe Wunde am Oberschenkel hatte. Was ich erkennen konnte,  zum Glück war nicht die Hauptschlagader betroffen, da es zwar heftig, aber nicht sprudeln blutete. Ich zog mein Shirt aus und schnitt es mit dem Messer in Streifen. Schnell machte ich einen unbeholfenen Verband. Dann schnappte ich mir ihren Gürtel und legte noch einen Druckverband an. Ich hoffte das würde die Blutung erst mal stillen. Dann nahm ich sie von hinten unter den Armen und zog sie weiter in den Schatten. Ich wusste nicht, wie ich sie verbergen sollte – aber erst mal weg vom Tatort. Währenddessen schaute ich ob ich Mark oder Jan irgendwo sah. Nichts. Sie hatten uns alleine gelassen. Was Helden. Gut – jeder also für sich. Kein Problem. Das würde ich schaffen, hoffte ich.

Ich startete einen Versuch die verbleibenden Männer zu finden. „Mark? Jan? Wo seid ihr? Camille ist verletzt. Ich könnte eure Hilfe gebrauchen.“ Nichts. Waren sie schon gefressen worden? Hatte ich ihre Schreie überhört, da ich mit Camille beschäftigt war? Ich wusste es nicht. Camille war ohnmächtig. Das war nicht gut. Besser wäre es, sie könnte laut schreien um die Löwen zu verunsichern. Ich musste sie ins Auto bringen. Da wäre sie sicher. Wieder schnappte ich sie unter den Armen. Ich zog sie rückwärts Richtung Auto. Sie stöhnte, ich stöhnte. Ich blieb stehen und lauschte. Nichts. Sie machten keine Geräusche beim Jagen. Da, da war eins der Autos. „Bitte, bitte sein nicht abgeschlossen.“ Betete ich. Ich kam an die Tür, zog am Türgriff – zu. „Warum? Warum habt ihr hier draußen denn abgeschlossen? Wer soll denn das Auto klauen, ihr Idioten.“ Schrie ich verzweifelt. Ich ließ Camille liegen und rannte ums Auto herum. Vielleicht war eine der anderen Türen offen? Nein. Wo war das andere Auto? Ah, da. Schnell rannte ich hinüber. Auf halben Weg spürte ich ihn. Einer der Löwen stürmte auf mich zu. Ich blieb stehen. Ich drehte mich zu ihm. Auf einmal wurde ich ganz ruhig. Alles kam mir wie in Zeitlupe vor. Ich erkannte wie der Löwe zum Sprung ansetzte. Ich hob meinen Arm, machte eine Faust und schlug zu. Ich traf. Ich traf! Ich war überraschter als der Löwe. Ich hatte ihn mitten auf die Stirn getroffen. Zwischen den Augen. Er schüttelte den Kopf und entfernte sich von mir. Fragt nicht, ich konnte meine Hand nicht mehr spüren. Sie war taub – war sie noch da, oder hatte er sie abgebissen? Ich konnte es nicht sagen. Kurz danach setzte der Schmerz ein. Ich glaube, ich hatte mir was gebrochen, aber egal. Erst mal konnte ich zum anderen Auto weiter sprinten. Auch hier versuchte ich alle Türen. Auch alle abgeschlossen. Das konnte doch nicht wahr sein. Ich drehte mich zu Camille um. Was sollte ich nur machen? Ich stand zwischen den beiden Autos und wusste nicht weiter.  Wenn ich die Scheiben einschlug, wäre es kein Schutz mehr –Kurzschließen konnte ich nicht – ich brauchte also sowieso einen Schlüssel. Ich musste einen der Männer finden. Mark oder Jan, das war mir gerade egal. Tod oder Lebendig, war mir auch egal. Sie hatten uns schließlich im Stich gelassen. Ich ging zurück zu Camille. Ich zog sie unter das Auto. Es war ein Versuch. Die Löwen konnten sie erreichen, aber nicht ohne Schwierigkeit. Das war erst mal das wichtigste.

Ich schlich mich in die Richtung der Zelte. Am liebsten hätte ich den Atem angehalten. Ich konnte mich laut atmen hören und mein Herz schlug wie ein Schlagzeug. Für die Löwen musste ich aussehen wie ein phosphoreszierendes Fresschen. Ich war mir sicher, dass ich auch hätte normal laufen können. Denn die Löwen sahen und hörten mich. Da hatten sie mir einiges voraus. Ich konnte nämlich keinen von ihnen entdecken. Dann hörte ich Schritte. Mark. Ich konnte ihn sehen, er kauerte sich hinter das Zelt von Maritta. Und daneben kniete Jan. Ich atmete auf. Sie waren doch noch da. Ich winkte ihnen. Sie winkten zurück. Ich rannte geduckt zu ihnen, und kam mir total lächerlich vor. Die Löwen spielten Katz und Maus mit uns. „Hei, warum habt ihr Idioten die Autos abgeschlossen?“ „Gewohnheit.“ Meinte Mark. „Camille ist schwer verletzt. Ich will sie im Auto in Sicherheit bringen. Gebt mir einen Schlüssel.“ Die beiden schauten sich an. Ich konnte gerade erkennen, wie der Groschen fiel. Die Autos. Nicht zu fassen, dass sie nicht selbst drauf gekommen waren. „Gebt mir einen Schlüssel.“ Forderte ich. Ich hatte etwas beängstigendes im Auge der beiden aufblitzen sehen. Sie würden uns hier lassen. Ich konnte es erkennen. Fast riechen. „Jan! Gib mir den Schlüssel.“ Ich stand vor ihm und hatte das Messer in der Hand. Er blickte mich nicht mal an. Und dann sprangen die beiden auf und rannten los. Ich fluchte und hängte mich an ihre Fersen. Aber ich war viel zu langsam. Nein, nein, nein. Sie durften nicht an die Autos kommen. „Jan! Mark! Bitte. Lasst uns nicht im Stich. Gebt uns eine Chance, lass den Schlüssel da.“ Rief ich verzweifelt.

Ich hörte ein Schnaufen hinter mir. Ich blieb sofort stehen. Drehte mich um und blickte in die Augen des nächsten Angreifers.  Ein wunderschönes Tier mit prächtiger Mähne stand mir genau gegenüber. Ich tastete in meiner Hosentasche nach meinem Pfefferspray. Langsam zog ich es hervor. Langsam hob ich meinen Arm und drückte das Spray. Ich erinnerte mich an die Infos und schloss sofort meine Augen, um nicht selbst was davon abzubekommen. Ich hörte das schmerzvolle und wütende Gebrüll des Löwen. Noch immer mit geschlossenen Augen, warf ich mich zu Boden und rollte mich weg. Im Hintergrund hörte ich wie die Männer sich anbrüllten. „Schnell, Mark schließe die scheiss Tür auf. Mach schon, komm gib her.“ Dann hörte ich ein Gerangel und ein klimpern. Der Schlüssel war auf den Boden gefallen. Ich konnte eine gewisse Genugtuung nicht verhindern. Hektisch fielen die beiden über den Schlüssel her und behinderten sich gegenseitig. Sie bemerkten nicht, wie sie dabei umzingelt wurden. Erst Mark hörte auf sich um den Schlüssel zu bemühen. Während Jan ihn beiseite schubste um den Schlüssel aufzuheben, hatte Mark schon registriert, dass sie keine Chance mehr hatten. In dem Moment, als Jan versuchte den Schlüssel aus dem Bund zu entwirren, stürzten die Löwen auf sie zu. Mark sprang auf und versuchte zu flüchten. Aber er hatte keine Chance. Auf seinem Rücken landete ein mächtiger Löwe. Er begrub Mark unter sich, und ich konnte nur noch die Angst und Hilflosigkeit in seinen Augen erkennen. Jan kämpfte noch und schlug sich tapfer – aber er hatte keine Chance. Er wurde regelrecht zerfetzt. Ich wendete meinen Blick ab. Jetzt lag es an mir. Ich brauchte immer noch den Schlüssel.

Camille lag noch unter dem Fahrzeug. Direkt neben ihr wurden die beiden Männer gefressen. Ich war froh, dass sie ohnmächtig war. Es war ein grausames Bild und die Geräusche waren eklig. Wenn ich nicht gerade unter Adrenalin stehen würde, wäre ich zusammengebrochen. Aber das konnte ich mir nicht erlauben. Ich wollte überleben. Ich musste also abwarten, bis die Löwen fertig waren. Ich drehte mich um. Langsam entfernte ich mich von diesem grausamen Szenario. Sollte ich zu dem Bunker gehen. War ich da sicher, gab es da irgendwas zur Abwehr? Ich könnte mir vorstellen, dass dort Waffen wären. Aber ich konnte eh nicht schießen. Und wer weiß, wie viel Löwen dort noch drin waren. Nein. Jetzt wünschte ich, wir hätten die Handys nicht zu Hause gelassen. Ich zog mich in den Schatten der Bäume zurück und wartete. Ich beobachtete. Am Rande der fressenden Gruppe konnte ich einen weiteren Löwen erkennen. Er war grösser als die anderen, und die waren schon wirklich groß. Er beobachtete. Er überblickte die Gegend. Und dann sah er mich. Ein Brüllen entwich ihm und sein Rudel hörte auf zu fressen. Ich beobachtete ebenfalls. Ich konnte Signale erkennen, die die Löwen untereinander gaben. Das waren doch keine normalen Löwen. Einer der Kleineren löste sich von der Gruppe. Erst ging er langsam in meine Richtung. Ich konnte sehen, wie der Große die Situation beobachtete. Der Kleine blieb langsam. Er trotte auf mich zu. Es wirkte fast spielerisch. Bis kurz vor mir, dann sprintete er auf mich zu. Ich sprang auf, zog mein Messer und trat mit meinem Fuß erst mal in seine Richtung. Ich traf ihn an der Brust. Ein Röcheln entwich ihm. Ich zögerte nicht und stürzte mich mit dem Messer auf ihn. Ich stach auf ihn ein, wie benommen. Ich stach, stach und stach. Das Tier brach zusammen und war tot. Schon kam der nächste auf mich zu. Ich rannte auf ihn zu. Schrie und fuchtelte mit meinen Armen. Er blickte mich verunsichert an. Aber im Hintergrund ging ein leichtes brüllen von dem Großen aus. Und der Löwe stürzte sich mir entgegen. Ich ließ mich fallen. Ich schlitterte unter ihn, mit gezogenem Messer. Seine Gedärme landeten warm dampfend auf mir. Wenn ich Zeit gehabt hätte zu denken, hätte ich mich übergeben. Aber Zeit war Luxus. Denn schon stand der nächste Löwe mir gegenüber. Ich war noch immer aufgepumpt mit Adrenalin und zögerte nicht lange. Mit einem lauten Schrei stürzte ich mich ihm entgegen. Er sprang auf mich zu und landete schwer auf mir. Meine Luft entwich. Ich hatte das Gefühl zu ersticken. Sein Gewicht auf mir war kaum zu ertragen. Er bräuchte mich gar nicht zu zerfleischen. Wenn er auf mir liegen bleiben würde, wäre ich in wenigen Minuten erstickt. Zum Glück war meine Messerhand frei. Ich versuchte sie anzuheben. Was nicht leicht war – aber ich schaffte es und stach zu. Nicht tödlich, aber es war ausreichend um ihn von mir herunter zu treiben. Schnell setzte ich mich und robbte rückwärts von ihm weg. Er brüllte wütend und stürmte wieder auf mich zu. Ich war noch nicht in der Lage aufzustehen. Ich rollte mich weg und er rannte an mir vorbei. Dann versucht ich mich aufzurichten. Es gelang. Meine Kräfte schwanden. Aber ich gab noch mal alles und stürmte hinter ihm her. Ich warf mich auf seinen Rücken und stach ihm in den Nacken. Das Tier brach sofort zusammen. Ich zog zur Sicherheit noch das Messer über seine Kehle. Er sollte nicht gelähmt leiden.

Ich wunderte mich über diesen Gedanken, konnte aber nicht verweilen. Der nächste Löwe stürzte sich auf mich und biss mir in die Wade. Ich schrie laut auf und trat nach ihm. Zum Glück hatte ich Treckingschuhe an. Sieleisteten mir jetzt gute Dienste. Ich traf ihn an der Schnauze. Die Nase platze auf und blutete. Er jammerte und ich trat weiter zu. Meine Wade schmerzte fürchterlich. Ich spürte mein warmes Blut an meinem Bein entlanglaufen. Der Schmerz entzündete meine Wut. Ich richtete mich auf und umklammerte seinen mächtigen Hals Ich konnte ihn nicht ganz umfassen, deswegen krallte ich mich in seiner Mähne fest. Er versuchte mich abzuschütteln. Aber ich blieb hartnäckig. Ich zog mich an ihm hoch und erwischte sein Ohr. Ich biss zu. Dann spuckte ich ein Teil seines Ohrs aus. Er stieg hoch und erwischte mich mit seinen Tatzen. Er riss mir die Haut am Bauch auf. Ich schrie und lies los. Ich hielt meine Hand auf meine Wunde – drei tiefe Kratzer zogen sich über meinen Körper. Schmerzhaft, aber nicht tödlich. Stark blutend, wurde meine Wut noch mehr angespornte. Ich sammelte meine restliche Kraft und stürmte auf ihn zu. Mein Messer landete seitlich in seinem Hals. Eine Fontäne Blut ergoss sich über meine Hand. Das Tier brach zusammen und riss mein Messer mit sich. Oh nein, mein Messer. Hektisch versuchte ich es aus ihm herauszuziehen. Der Griff war vom Blut ganz glitschig. Ich rutschte ständig ab. Verdammt. Ich zog mein Top aus und umwickelte den Griff. Kräftig zog ich und mit einem eklig schmatzenden Geräusch konnte ich es herausziehen. Ich landete auf meinem Hintern und legte mich hin. Mein Atem ging stoßweise. Ich wollte nicht mehr. Aber Camille brauchte mich, und ich wollte leben.

Ich zog mich langsam zum Auto. Meine Beine waren Wackelpudding. Ich würde nie wieder aufstehen können. Quatsch, Andrea. Reis dich zusammen. Du hast es soweit geschafft. Jetzt wirst du nicht sterben. Steh auf. Ich kniete mich hin. Camille war wach. Sie stöhnte und versuchte unter dem Auto hervor zu kommen. „Camille, bleib unter dem Auto, bitte.“ Schrie ich, dachte ich. Aber mehr als ein Flüstern kam nicht mehr hervor. Ich blickte hoch. Der Große bewegte sich in Richtung meiner Freundin. „NEIN!“ Schrie ich. „NEIN – das kommt nicht in Frage. Lass sie in Ruhe. Komm zu mir, lass sie in Frieden.“ Er blickte zu mir. Ich könnte schwören, dass er lächelte. Er zeigte seine Zähne. Es war einfach beeindruckend. Wenn ich nicht so viel Angst hätte, hätte ich den Anblick bewundern können. Ich stand auf. Wankend versuchte ich mich so schnell wie mir möglich war, zu ihnen zu gelangen. Vor dem Auto brach ich zusammen.

Mit dem Messer in der Hand drohte ich ihm. Seine Schnauze war mit dem Blut meiner Freunde rot verschmiert. Zwischen seinen Zähnen konnte ich Fleischfetzen erkennen. Sein stinkender Atem in meinem Gesicht. Mein Gesicht, verschmiert mit dem Blut seines Rudels. Wir blickten uns fest in die Augen. Mein Messer war stichbereit. Seine Zähne waren bereit zuzubeißen. Auge in Auge, blutverschmiert sahen wir uns an. Ich konnte so was wie Respekt in seinen Augen erkennen. Er brüllte mich an. Meine Haare, wenn sie nicht vom Blut nass gewesen wären, hätten sich wie in einem Sturm nach hinten gelegt. Ich öffnete meinen Mund und brüllte zurück. Er legte den Kopf schräg. Schnupperte, schaute mir tief in die Augen, trat drei Schritte zurück und drehte sich um. Er ging hoheitsvoll weg. Ohne sich umzublicken, bewegte er sich in Richtung des Bunkers. Er verschonte mich und Camille. Hatte er Respekt vor mir als Kämpferin? Oder hatte er einfach kein Interesse mehr, weil er satt war? Ich wusste es nicht.

Ich robbte schnell zu dem blutigen Haufen von Jan und Mark. Es war widerlich, aber ich brauchte den Schlüssel. Ich wühlte mich durch Gedärme und Haut und fühlte dann das kühle Metall. Der Schlüssel.

Ich schluchzte. Schnell versuchte ich zum Auto zu gelangen. Ich steckte den Schüssel ins Schloss und er passte. Ein kleines Stoßgebet gen Himmel schickend, lief ich zu Camille. „Camille, wir haben es geschafft. Wir haben überlebt. Komm, Steh auf – versuch es. Du musst schnell ins Auto.“ Sie stöhnte. „Andrea, ich kann nicht…“ „Doch, streng dich an. Hilf mir. Bitte.“ Ich würde bald zusammenbrechen. Sie musste mir einfach helfen. Ich merkte wie ein Ruck durch sie ging. Sie versuchte aufzustehen. Ich stütze sie. Dann half ich ihr ins Auto. Schlug die Tür zu und atmete durch. Ich hatte es geschafft. Ich hangelte mich an der Motorhaube entlang auf die Fahrerseite. Das Schloss klickte, und ich öffnete die Tür. Bevor ich einstieg, blickte ich zum Bunker. Die Sonne ging auf und auf einem Hügel konnte ich den König der Tiere sehen. Er saß dort. Um seine Füße wuselten kleine Löwen herum. Die nächste Generation Killermaschinen. Seine Kulisse vor dem Sonnenaufgang war imposant. Ein Brüllen entwich seiner Kehle. Ich stieg ein, zündete den Motor und fuhr los.

Ich konnte es kaum glauben. Ein Blick in den Spiegel zeigte mir eine andere Andrea. Blutverschmiert mit einer unbekannten härte in den Augen. Ein Blick, den nur Überlebende hatten. Wir hatten überlebt. Aber nicht gewonnen.

ENDE.

 

 

Wochenrückblick

Wochenrückblick 05.11.18-11.11.18

Diese Woche habe ich es nicht geschafft was zu veröffentlichen – ich schreibe zwar an einer kleinen Geschichte – aber ich hänge gerade bisschen.

Deswegen schauen wir doch einfach auf die aktuellen Inspirationen


Die neuen Themen für Writing Friday

Schreibthemen / Schreibaufgaben November

  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Henriette war eine ganz einfache Fee. Was jedoch niemand wusste war…“ beginnt.
  • Erzähle wie die Welt aussehen würde, wenn es überall nur noch eine Jahreszeit geben würde.
  • Du bist eine kleine Schneeflocke, plötzlich wird beschlossen, dass es keinen Winter mehr geben wird. Erzähle wie du dich fühlst.
  • Wenn du zwischen den Fähigkeiten „Fliegen“, „Durch die Zeit reisen“, „Gedanken lesen“ und „Zaubertränke herstellen“ wählen könntest, welche würdest du haben wollen und was würdest du damit anstellen?
  • Ein Schneemann erzählt aus seinem Leben.

Bei Christiane sind noch die Worte aktuell. Es werden jetzt 3 Worte in maximal 300 Wörter verpackt – die nächsten Wörter gibt es am 18. November

Knirps
grotesk
notieren.


Das elfte Wort von Projekt TXT ist auch draussen – es lautet: NEIN


Das war es wieder mal von mir für diese Woche – ich wünsche euch einen kreativen Start in die neue Woche.

Wochenrückblick

Wochenrückblick 29.10.18-04.11.18

Eine schreibintensive Woche ist vorüber gegangen.

Diese Woche war ich wirklich sehr produktiv.

Das sechste Wort | 2018 – Selten ein bisschen von mir in Märchenform.

Schreibkicks – Verwunschene Dörfer bisschen was mystisch-romantisches

Eine Detektivgeschichte mit Mord in vier Teilen könnt ihr HIER nachlesen.


 

Schauen wir noch schnell in die nächsten kreativen Projekte

Die neuen Themen für Writing Friday

Schreibthemen / Schreibaufgaben November

  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Henriette war eine ganz einfache Fee. Was jedoch niemand wusste war…“ beginnt.
  • Erzähle wie die Welt aussehen würde, wenn es überall nur noch eine Jahreszeit geben würde.
  • Du bist eine kleine Schneeflocke, plötzlich wird beschlossen, dass es keinen Winter mehr geben wird. Erzähle wie du dich fühlst.
  • Wenn du zwischen den Fähigkeiten „Fliegen“, „Durch die Zeit reisen“, „Gedanken lesen“ und „Zaubertränke herstellen“ wählen könntest, welche würdest du haben wollen und was würdest du damit anstellen?
  • Ein Schneemann erzählt aus seinem Leben.

 

Bei Christiane sind noch die Worte aktuell. Es werden jetzt 3 Worte in maximal 300 Wörter verpackt – die nächsten Wörter gibt es am 18. November

Knirps
grotesk
notieren.


Das waren die neuen Projekte – ich wünsche euch viel Spass dabei und schaut noch mal meine alten Wochenrückblicke an – dort findet ihr auch noch offene Writing Prompts.

Projekt TXT*

Das sechste Wort | 2018 – Selten

Ein Vorfall auf der Arbeit erschütterte mich. Nein, eigentlich nicht – es machte mich eher traurig, wie dunkel mancher Menschen Seele doch ist. Hier mein Aufarbeiten zu dem sechsten Wort von Projekt.TXT

 

Es war einmal….fangen nicht gerne Märchen damit an? Und enden sie nicht für gewöhnlich …und wenn sie nicht gestorben sind…?

Es war einmal.

Eine junge Maid, mit viel Energie startete sie regelmäßig ihren Tag. Behütet war sie aufgewachsen. Selten machte sie ärger. Ihre Eltern waren stolz auf sie und erhofften sich viel. War sie doch schlau und ehrgeizig. Ein braves und hübsches Mädchen. Sie war immer sehr schüchtern und zurückhaltend. Aber als sie in die Blüte kam, wurden auch die jungen Männer auf sie aufmerksam.

Trotzdem war sie immer besonnen. Natürlich hatte sie auch viele tränenreiche Nächte, weil wieder mal ihr kleines Herzchen einen Riss bekam. Aber gebrochen war es nie – dafür war sie zu realistisch. Sie ging ihren Weg und wusste früh, was sie wollte und was nicht. Selten hat sie sich ablenken lassen. Gefühle waren gestattet, durften sie aber nicht hindern. Je älter sie wurde umso gefestigter wurde sie in ihrem Dasein.

Sie hatte großes vor. Aber irgendwo auf dem Weg zu dem großen Abenteuer verlor sie sich. Sie übernahm sich. Der Druck wurde zu groß und sie kam zu der Gewissheit, dass sie zwar schlau, aber nicht schlau genug war, für den eingeschlagenen Weg.

Aber, war sie auf ihrem Weg doch immer erfolgreich. Ihre Arbeit, in der war sie gut und nicht lange, da wurde sie gefördert. Sie war beliebt. Ein netter Mann trat in ihr Leben, der sie nahm wie sie sich anbot. Sie hatten Vorstellungen und er keine Hindernisse. Die Allianz wurde beschlossen. Sie hatten kein leichtes, aber ein gutes Leben.

Dann kam ein dunkler Fürst. Er brachte ihre Welt und Ziele zum Einsturz. Falsches Zeugnis legte er ab und brachte das glückliche Paar zu Fall. Sie erhoben sich, kämpften und siegten. Aber die Gilde, der der dunkel Fürst angehörte war mächtig. Das Paar durfte dort weiter arbeiten, aber nur noch niedere und schwere Tätigkeiten ausführen. Selten gab es noch gute Tage. Schulden drückten, schmerzen plagten und die Menschen mit denen sie sich umgeben mussten, waren Falsch.

Sie wussten es, mussten sich aber mit ihnen umgeben. Sie brauchten Essen und ein Dach über dem Kopf – ihnen blieb nicht viel anderes übrig.

Sie überlebten, sie lebten. Die Tage wurden qualvoll aber ihre Liebe war ein Strahl, dem sie immer folgten. Sie würden das überstehen.

Die Frau arbeitete mit anderen Frauen. Man weiß, dass Frauen nicht miteinander können. Es gibt immer Falschheit und Neid. Die Frau war genügsam. Sie tat, was ihr aufgetragen wurde. Selten wehrte sie sich.

Manchmal vergaß sie die Falschheit derer, die sie umgaben. Sie wurde dorthin und dahin geschickt um die schweren Tätigkeiten zu leisten. Während die jungen Frauen und Männer die erst neu in der Gilde erschienen, mit leichten Tätigkeiten belohnt wurden, für Leistungen, die sie niemals tätigen würden. Ihr Kreuz wurde ihr lahm. Ihre Füße wollten sie nicht mehr tragen. Und die Falschheit umschlang sie, zog sie in die Tiefe. Ein Schätzchen hier und ein Schätzchen dort – sobald sie sich umgedreht hatte, zeigten sie die Fratzen. Die Monster, die in ihnen steckten, blickten hinter der Fassade hervor. Selten, aber intensiv bemerkte die Frau dies.

Der Mann und die Frau dachten viel nach und erkannten das Muster. Die Frau hatte erkannt, dass ihre Gildenführerin sie verraten und verkauft hatte. Ihr aber immer wieder versicherte, dass das Oberhaupt der Gilde dafür verantwortlich sei. Wie oft? Fragten sich die Frau und der Mann. Wie oft hat diese Führerin falsches Zeugnis abgelegt und die Schuld ihrer Taten den anderen zugeschoben.

Nicht selten – das Böse Blut, das sie vergossen hat, zog sich zäh und dunkel durch das Denken und Fühlen der Frau. Es kam in Wallung, mit der Erkenntnis, dass sie niemanden außer ihren Mann, hatte, dem sie trauen konnte. Und was eine Last war, wurde zu einer Leichtigkeit. Endlich erkannte sie, das falsche Antlitz der Führerin. Und sie schwor sich, dass sie nur noch selten den Kontakt zu der Gildenführerin suchen durfte. Noch musste sie den Schein wahren. Noch war die Rebellion nicht ausgereift. Aber im Kessel schmorte es schon. Es würde überquellen und die Gildenführer würden endlich zur Rechenschaft gezogen werden. Solange würden die Frau und der Mann in einander Kraft finden. Und wenn sie nicht gestorben sind – würden sie irgendwann endlich in Freiheit und Liebe leben können.

Ende

 

Schreibkicks

Schreibkicks – Verwunschene Dörfer

Im Moment bin ich wirklich sehr romantisch – gut auch oft gruselig-brutal – aber diese romantische Ader ist etwas erstaunlich. Bin ja eigentlich nicht so die Romantikerin. Hier habe ich wieder eine längere Geschichte. Ich hoffe es ist nicht zu lange.

Das Thema für den 1.11.18 lautete Herbstmomente

Mit dabei waren dieses Mal:


Ich hab mir hier bisschen künstlerische Freiheit gegönnt. Eigentlich wird die Zeit auf den Februar festgelegt – ich finde es passt besser in den Herbst.


Ich bin Parapsychologin. Ein belächelter Studienzweig und auch nicht so einfach einen Platz darin zu bekommen. Die Einschreibeliste ist ellenlang. Also man muss schon wirklich Glück haben. Ich hatte es und mein Mentor – Professor Pan – ja ich weiß wie sich das anhört. Vielleicht ist er es. Mich würde es nicht wundern. Er ist auf jeden Fall eine Koryphäe auf diesem Gebiet. Ungeschlagen –vielleicht sind noch in den USA vergleichbar gute Wissenschaftler da – aber hier in Deutschland – Professor Pan. Ich erforsche also ganz wild übersinnliche Phänomene. Wobei sich herausstellt, dass die meisten Einbildungen oder Humbug sind – oder sogar Betrügereien. Wobei die Betrügereien mittlerweile wirklich abgenommen haben, da die Menschen zu skeptisch diesen Phänomenen gegenüber geworden sind. Keiner glaubt mehr so richtig an das Übersinnliche.

Ich schon – deswegen habe ich ja auch Parapsychologie studiert. Ich stehe jetzt vor meiner Doktorarbeit. Und ich will das Phänomen Brigadoon erkunden. Die Hundert Jahre sind fast vorbei. Es wird also Zeit nach Schottland zu fahren und mehr darüber heraus zu finden.  Parallel dazu will ich die Legende von Germelshausen stellen. Freude gegenüber dem Bösen.

Laut der schottischen Legende ist Brigadoon ein Dorf in den Highlands. Es ist unsichtbar und taucht alle hundert Jahre für einen Tag auf. Das ist ein Tag der Freude und des Festes. Man kann es dann besuchen und wenn man die wahre Liebe findet auch dort verweilen. Nur darf nie einer der Bewohner das Dorf verlassen – ansonsten ist der Zauber gebrochen und das Dorf verschwindet für immer im Nebel. Ach wie romantisch.

Während Germelshausen als Ort des Bösen bekannt wurde. Es soll bei Dillstedt liegen. Auch dieses verwünschte Dorf erscheint einen Tag alle hundert Jahre. Eine Glocke soll den Weg weißen. Wenn man in der Nähe sei, sollen die Glocken einen in seinen Bann ziehen und in das Dorf locken. Betritt man das Dorf wurde man nie wieder gesehen. Böse Mächte sollen hier ihr Unding treiben. Allerdings gibt es eine Sage, dass hier die Liebe einen jungen Mann gerettet hat.

Ich wollte einfach die beiden Phänomene nebeneinander stellen und vergleichen. Brigadoon – das freundliche und friedliche Dorf, das Liebende betreten können und Germelshausen, das Unbedarfte in seine dunklen Fänge lockt. Bei beiden wird getanzt und gesungen und gefeiert.

Ich hatte gelesen, dass Brigadoon eher im Frühling und Germelshausen eher die düsteren Herbstmomente nutzt und da auftaucht. Noch war ich mir nicht bewusst, wie ich das gestalten würde. Aber die Highlands wollte ich schon immer mal sehen.

In wenigen Wochen würde ich also Brigadoon suchen. Ich war sehr aufgeregt.

Endlich war es soweit. Ich stand in den Highlands – hier sollte Brigadoon auftauchen. Ich hatte mich vorbereitet. Ein Zelt und genügend Vorräte sollten mir die Wartezeit verkürzen. Ich ging meine Unterlagen durch und wartete. Eine Woche später merkte ich eine Veränderung. Ich erhob mich und blickte durch die Gegend. Dort hinten – da schimmerte etwas. Ich hielt den Atem an. Eine Brücke erschien im Nebel. Ich konnte es nicht glauben. Musik drang an mein Ohr. Schnell rannte ich auf die Brücke zu. Brigadoon. Es gab es wirklich. Ich sprintete über die Brücke, als ich abrupt zum Stehen kam. Ich war nämlich genau in die Arme eines jungen Mannes gestürmt, der mich auch prompt auffing und einmal herum wirbelte. „Hallo. Das ist aber mal eine stürmische Begegnung. Wohin so schnell?“ „Oh, Entschuldigung. Ich war nur so außer Häuschen, dass Brigadoon auftaucht. Das es Brigadoon überhaupt gibt.“ „Warum soll es uns nicht geben? Es gibt uns schon sehr, sehr, sehr lange.“ „Ja aber ihr erscheint nur alle hundert Jahre.“ „Ach dieses Ammenmärchen. Das haben wir schon öfter gehört, aber wir sind doch immer da.“ „Vielleicht – aber nicht für uns Außenstehenden Sichtbar.“ Er blickte mich verständnislos an. „Ach, egal. Darf ich kommen?“ „Klar, warum nicht. Wir fangen gerade mit unserer Party an. Komm ich bringe dich zu unserem Dorfältesten, unser Oberhaupt.“

Ich war so aufgeregt, dass ich wie ein kleines Mädchen hinter ihm hersprang. Das Dorf war so malerisch. Alles wirkte so alt und hübsch. Auch der Mann, dem ich folgte. Seine Kleidung war so altmodisch. Es war einfach klasse hier. „Wie heißt du?“ Fragte ich ihn. „Arnold.“ Welch ein seltsamer Zufall. Arnold hieß auch der gerettete junge Mann aus Germelshausen. Sollte da eine Verbindung bestehen? Oder war es einfach Zufall. Gab es in der Parapsychologie überhaupt Zufälle? „Wie heißt du?“ fragte er mich. Gertrud – ja – ich weiß Zufälle und so. Vielleicht – vielleicht.

Er blieb vor einem Haus stehen und klopfte. „Herein.“ „Magnus? Wir haben einen Gast.“ Er drehte sich schnell um. „Wir hatten schon lange keinen Gast mehr. Herein, herein. Willkommen.“ „Gertrud.“ „Ah – Deutsche. Schön, dass du da bist. Setz dich.“ Ich drehte mich zu einem Stuhl um und setzte mich. „Was führt sie hier her?“ „Sie wissen doch bestimmt warum ich da bin?“ „Ich kann es mir denken. Welches Jahr haben wir? Ich hab den Überblick verloren.“ „“2018“ „Ach, was ist die Zeit doch vergangen. Ja – sie sind wegen der Legende da. Natürlich. Vor hundert Jahren war das noch ein Zufall, dass wir entdeckt wurden – aber heute kann ich mir vorstellen, dass sich viel modernisiert hat. Wollen sie mir von ihrer Welt erzählen, dann erzähle ich von meiner.“ „Ok.“ Ich fing an ihm zu umreißen was die letzten hundert Jahre so passiert war und modernisiert wurde. Er staunte und gab oft Geräusche des Erstaunens von sich. Arnold sah aus wie ein Fragezeichen. „Das ist erstaunlich. Gut, jetzt bin ich dran. Ich bin etwa 500 Jahre hier.“ Ich staunte. „Sie sind nicht hier geboren?“ „Nein. Ich bin der Liebe wegen geblieben. Meine Frau ist in der Kirche um das Fest vorzubereiten. Wir treffen sie später. Wie sie ja wissen waren wir verflucht und Gott hat uns gerettet – aber mit der Auflage einmal alle 100 Jahre zu erscheinen und unverändert zu bleiben.“ „Ja, so besagt es auch meine Unterlagen, die ich gefunden habe.“ „Immer wieder kommt jemand mal zu uns. Manche bleiben, aber nur aus Liebe – andere Gründe duldet das Dorf nicht – oder sie gehen und tragen diese Legende aus.“ Wir unterhielten uns noch einige Zeit. „Jetzt wird es aber Zeit zum Dorfplatz zu gehen. Sie bleiben doch noch bisschen?“ „Ja natürlich. Ich kann es nicht abwarten den Rest zu sehen.“ Arnold nahm mich bei der Hand. Leichtes kribbeln machte sich breit. Er war wirklich ein gut aussehender Mann. Wir tanzten die ganze Nacht. Und ich verlor mein Herz. Etwa eine halbe Stunde vor Mitternacht kam Magnus zu mir. „Gertrud – es wird Zeit sich zu entscheiden. Gehen oder bleiben?“ Ich schaute nach Arnold. Ich hatte mich verliebt – aber reichte es aus für immer und ewig hier zu bleiben? Meine ganze Zukunft und Forschung über Bord zu werfen? „Wie soll ich mich entscheiden? Ich mag Arnold – aber ich will auch nicht meine Zukunft weg werfen.“ „Du zweifelst – zweifeln darfst du nicht. Komm, ich bringe dich an die Stadtgrenze. Dort wird dir die Entscheidung einfacher fallen. Du musst sie ganz alleine treffen.“ Dann stand ich an der Grenze. Es war nur noch wenige Minuten bis Mitternacht. In der Mitte der Brücke blieb ich stehen. Ich blickte mich um. Arnold stand dort. Ich war hin und her gerissen. Liebe oder Arbeit. Ich blickte mein Notizbuch an und ging langsam rückwärts die Brücke hinunter in meine Welt. Dann schlug die Uhr. Beim letzten Schlag hatte ich mich entschieden und die Brücke verlassen. Mein Arnold blickte traurig und verschwand im Nebel.

In diesem Moment wusste ich, es war die falsche Entscheidung. Mein Herz brach. Ich brach.

Monate später – ich hatte mich in die Arbeit vertieft um mich abzulenken. Der Herbst stand vor der Tür. Ich wollte alles aufgeben – aber ich hatte viel geopfert für diese Arbeit. Also packte ich wieder mein Zelt und machte mich auf den Weg nach Thüringen. Der Wald hatte schon sein herbstliches Gewand angelegt und die Stimmung die das goldene Licht warf, beruhigte mich. Ich kam noch nicht mal dazu mein Zelt aufzubauen, da hörte ich die Glocken. Verstimmt und unmelodisch lockten sie mich in ihren Bann. Ich ging wie aufgezogen. Dann lichtete sich der Wald – Germelshausen. Ich übertrat die Schwelle und wurde sofort eingefangen von einer Gruppe Jugendlicher. „Hallo schöne Maid. Ihr seid hübsch, wenn auch seltsam gekleidet.“ Ich war seltsam gekleidet? Die Trachten, die getragen wurden kannte ich noch nicht mal. So alt mussten sie sein. „Kommt, kommt. Ihr seid heute genau richtig angekommen. Heut wird gefeiert – bis wir wieder bereit dazu sind. Kommt zu unserem Schulzen. Er wird euch empfangen wollen.“ Ich ließ mich von ihnen mitziehen. Mein erster Eindruck von diesem Dorf war ernüchternd. Es wirkte verfallen und düster. Die Scheiben waren Blind und die Häuser verfallen. Die Menschen auf der Straße grüßten nicht und guckten mich noch nicht mal an. Ein dunkler Nebel verschluckte die Straße. Ich betrat das Haus des Schulzes. Er war nicht so erfreut mich zu sehen. Aber er hieß mich willkommen. „Kommt junge Frau. Esst, trinkt und feiert mit uns später. Es gibt eine Feier zu ehren diesen Tages. Bis wir wieder feiern können, dauert es einige Zeit.“ „Ja ich weiß – hundert Jahre.“ Er blickte mich erstaunt an und dann böse. „Ihr wisst über dieses Dorf bescheid?“ „Ja. Aber es gibt nicht viel Überliefertes. Deswegen bin ich hier. Ich will mehr erfahren.“ „Es gibt nichts zu berichten. Meine Tochter wird sich um euch kümmern. Tut uns den Gefallen und feiert mit uns.“ „Gut, das will ich tun.“ Die Tür öffnete sich und ein hübsches Mädchen in grauen Kleidern erschien. „Kommt mit mir, ich will euch vorbereiten.“ Mich vorbereiten? Das klang bedrohlich. Ich hatte schon Geschichten gehört. Menschen, die dieses Dorf betraten, sollen nie wieder gesehen worden sein. Mir wurde etwas mulmig zu mute. Hatte ich mich hier übernommen und würde hier meinem Schicksal begegnen. Ich dachte an Arnold und mein Herz schmerzte. Eine kleine Träne stahl sich aus meinem Augenwinkel. „Warum weint ihr?“ Fragte mich das Mädchen. „Wie ist dein Name?“ „Annalena“ sagte sie schüchtern. Ich berichtete ihr von Brigadoon und Arnold. „Ihr liebt diesen Mann?“ „Ja – ich liebe ihn und habe mich falsch entschieden. Wenn ich nur die Chance hätte – aber ich werde keine hundert Jahre leben und wenn wäre ich eine alte Frau.“ Sie blickte mich traurig an. „Kommt lasst uns feiern gehen.“ Ich folgte ihr. Wir tanzten und tanzten – ich kam mir vor wie in Trance. Und ich wurde trauriger und trauriger. Die Leute hier waren kalt und abweisend. Sie sangen, tanzten, lachten – aber es wirkte aufgesetzt. Dann spürte ich eine kleine Hand, die sich in meine Schob. „Kommt mit mir.“ Sagte Annalena „Aber seid vorsichtig, dass uns keiner sieht.“ Ich folgte ihr unauffällig. Sie brachte mich an die Dorfgrenze. „Geht. Wenn ihr jetzt nicht geht, könnt ihr nie wieder von hier fort. Und hier ist es nicht schön. Eure Seele wird hier gequält und festgehalten. Wo ihr doch einen Ort habt in der ihr Glücklich werden könnt. Geht nach Brigadoon und betet. Betet, betet, betet. Vielleicht erhört euch jemand und ihr werdet eine Überraschung erleben. Lebt wohl, liebe Gertrud, vergesst mich nicht – hier in dem verfluchten Dorf, aus dem nie einer wieder entkommen kann.“ Und schon verdichtete sich der Nebel. Sie war verschwunden. Im Hintergrund konnte ich die letzten Schläge der verstimmten Glocke hören und schon war das Dorf weg.

Schnell rannte ich zurück zum Auto. Ich packte alles hinein und fuhr Richtung Schottland.

Und hier stehe ich jetzt. Meine Notizen habe ich fertig – ich lasse sie im Auto – für euch. Ich stehe an dem Flecken, den ich damals sah. Ich bete und bete und bete. Ich gebe nicht auf. Ich entschuldige mich und warte. Nichts geschieht. Aber ich will nicht aufgeben. Ich bete. Und auf einmal erscheint eine Brücke. Magnus steht drauf. „Gertrud. Komm schnell. Die Zeit ist knapp. Dieses Wunder geschieht nur sehr, sehr selten. Dein Gefühl muss wirklich sehr tief und innig sein. Komm, komm. Sei Willkommen bei uns. Du musst besonders sein.“ Ich rannte und warf mich in seine Arme. „Ach Magnus – ich war so betrübt über meine Entscheidung.“ Dann sah ich ihn. Er stand am anderen Ende der Brücke. Ich löste mich von Magnus und rannte schleunigst in seine Arme. Meinen Seelenverwandten. Auch hier war jetzt Herbst und das goldene Herbstlicht tauchte mich und Arnold in einen heiligen Schimmer. Wir waren vereint. Nie wieder würden wir uns trennen, für alle Ewigkeiten. Das war ein ganz besonderer Herbstmoment, den ich wirklich jedem wünsche.

Ende.

Quellen

(https://www.glenlaurel.com/about-us/blog/the-legend-of-brigadoon)

(http://www.ancientpages.com/2016/11/02/legend-of-brigadoon-mythical-village-where-time-stands-still/)

http://gutenberg.spiegel.de/buch/germelshausen-5680/1

https://de.wikisource.org/wiki/Th%C3%BCringer_Sagenbuch._Erster_Band/Das_verw%C3%BCnschte_Dorf

Allgemein, Einzelaktionen

Schreib‘ mir eine Detektivgeschichte! Part 4 von 4

Und kommen wir zum Abschluss. Damit es noch in den Oktober passt habe ich heute zwei Parts veröffentlicht.

Ich bedanke mich bei allen Lesern, die diese lange Geschichte verfolgt haben.

Mehr findet ihr bei Annie. 

Part 1 findet ihr HIER

Part 2 findet ihr HIER

Part 3 findet ihr HIER

 

HIER findet ihr die gesamte Geschichte in einem Teil

 


Am Freitag nahm ich mir vor, so wenig wie möglich auf den Fall einzugehen. Ich wollte einfach nur Martas Gegenwart genießen. Wir gingen gemütlich Essen. Dann noch auf einen Kaffee in ein kleines gemütliches Lokal und unterhielten uns vorzüglich. Wir kamen uns näher, je später es wurde. Ich lud sie zu einem Absacker in meine Wohnung ein und dort verbrachten wir noch weiter genüssliche Stunden. Wir lagen im Bett, sie hatte es sich auf meiner Brust gemütlich gemacht. Sie fing an: „Was meinst du wer Marcello getötet hat?“ „Marta, ich darf dir leider zu den Ermittlungen nichts sagen, aber ich höre mir gerne deine Theorien an. Vielleicht finde ich noch einen Schlüssel zu meinen.“ Sie blickte mich an und mein Herz klopfte. Sie war perfekt.

„Lass mich überlegen.“ Sagte sie leicht verschlafen. „Vega – sie könnte es getan haben, weil sie unbedingt erben wollte. Ihr Bruder war eine Gefahr.“ Ich nickte. „Jan, er will unbedingt das Gut erben, er würde bei mir an erster Stelle stehen.“ Wieder nickte ich. „Dann Sarah. Sarah war es bestimmt nicht. Warum sollte sie? Ich weiß, dass sie Vega das Gut geben wollte und Marcello Geld. Wenn dann hätte man eher sie umgebracht, bevor sie das Testament schrieb.“ Wieder nickte ich. Sie war so weit wie ich in meinen Ermittlungen. Nur hatte ich noch einige Geheimnisse herausgeholt, die sie wohl nicht wusste, oder mir verschwieg. Aber genug davon. Ich zog sie hoch und küsste sie um den Abend perfekt enden zu lassen.

+++

Es wurde Zeit den Fall zu lösen. Dafür nahm ich Kontakt mit dem Butler auf und teilte ihm mit, dass ich am nächsten Tag vorbei kommen wollte um eine letzte Befragung durchzuführen.

+++

Ich fuhr die beeindruckende Auffahrt zum Haus hoch. Gefolgt von zwei weiteren Polizeiautos, die ich aber anwies sich bedeckt zu halten. Sie sollten die Ausgänge sichern, da ich von einem Fluchtversuch des Mörder ausgehen musste.

Im Salon traf ich tatsächlich alle Familienmitglieder an. „Guten Tag. Schön, dass sie sich alle Zeit nehmen konnten, und wir das hier klären können. Wo ist Vincenco und Marta? Die beiden sollten doch bitte auch teilnehmen an dieser illustren Runde.“ Sarah klingelte nach den beiden.

„Wo wir jetzt so zahlreich versammelt sind, werde ich ihnen die Fakten meiner Ermittlungen darlegen. Ich werde ihnen erst mal die Motive aufzeigen und dann am Ende mein Ergebnis.“ „Sie machen es aber spannend, Herr Inspektor.“ Sagte Jan. Ich blickte ihn tief an und genoss seine Unruhe.

„Ja, das ist doch der schönste Teil meiner Arbeit. Den Mörder entlarven. Vega, “ Fing ich an. Sie rutschte nervös in dem Sesseln hin und her. „Sie sind die Haupterbin des Weingutes. Ihre Mutter wird ihnen alles vermachen und hatte vor Marcello mit Geld abzuspeisen, obwohl er geeigneter gewesen wäre, von seinem Wissen und Kontakten. Ich denke er hat sie unter Druck gesetzt um ihre Mutter zu beeinflussen. Er wollte, dass sie in ihren geliebten Lehrerberuf nachgehen und mit dem Geld, das er eigentlich bekommen sollte hätten sie ausgesorgt. Aber so ganz verzichten wollten sie doch nicht. Denn Finelli ist ein guter Name und man hätte ihn zu Finelli und Scherke ausbauen können. So einen berühmten Namen kann man sehr gut einsetzen. Ihr Bruder ist ihnen zu dicht aufgerückt. Da sind sie beim Gassi gehen im Weinberg aneinander geraten und sie haben ihn geschupst. Dabei gerat er ins Stolpern und fiel unglücklich. Ein Missgeschick. Ein Unfall.“ Sie blickte mich an wie ein Reh vor einem Autolichtkegel. „Aber ich war es nicht. Ich liebte Marcello und er hätte das Gut haben können. Ich muss nicht die Leitung hier haben. Das ist mir viel zu viel Verantwortung, Mutter.“ Sagte sie und drehte sich zu Sarah um. „Aber Kind, ich will, dass das Gut in weiblicher Hand bleibt. Dein Bruder war zu unbesonnen. Vielleicht hätte er es gut leiten können, aber ohne Familie. Er wollte nicht heiraten und sesshaft werden. Das war mir einfach zu unsicher.“

„Wo wir doch gleich zu ihrem Motiv kommen, verehrte Frau Finelli. Marcello war einfach uneinsichtig. Er wollte immer mehr und mehr, er wollte das Gut noch grösser heraus bringen. Aber dafür hat er sich mit den falschen Leuten eingelassen. Er hat die Mafia mit ins Spiel gebracht und so ihr Allerliebstes in Gefahr gebracht. Sie wollten auf keinen Fall die Mafia in ihrem Unternehmen rumfuschen haben. Waren sie ihr doch in Italien davon gekommen. Ihr Sohn war eine Bedrohung. Als sie ihn auf dem Weinberg zu rede stellten, gerieten sie in einen heftigen Streit. Er stolperte und fiel auf die Rebenverankerung.“ „Was für ein Blödsinn. Ja, er hatte tatsächlich Kontakte zur Mafia geknüpft um deren Lokale mit günstigen Schwarzgebrannten zu versorgen. Ein Zweig, den er ohne mein Wissen eröffnet hatte. Weder wollte ich harten Alkohol noch den Kontakt zur Unterwelt. Das ist ein ehrliches Unternehmen. Aber ich würde doch meinen einzigen Sohn nicht töten. Ich hätte ihn vielleicht nach Italien geschickt, Mehr nicht.“ Ich nickte

„Jan, mein Favorit. Sie haben das stärkste Motiv Marcello los zu werden. Sie sind hier nicht sehr beliebt. Nicht unbedingt der Traumschwiegersohn. Sie haben sich hier in die Familie gedrängt, indem sie Vega überstürzt heirateten nur um hier das Erbe abzusahnen. Sie waren Mittellos und die Gläubiger saßen ihnen im Nacken. Das Arbeitshaus hatte schon angeklopft. Da trafen sie zufällig auf die liebevolle, leicht zu beeindruckende Vega. Nichts für ungut.“ Meinte ich zu Vega, da ich sie nicht beleidigen wollte. Sie nickte nur ermattet. „Marcello wollte sie nicht in der Familie haben und nicht bei seiner Schwester. Außerdem wusste er, dass sie Vega betrogen. Schon kurz nach der Hochzeit sind sie regelmäßig Fremd gegangen.“ Ich beobachtete Vega. Sie zuckte zusammen, wie nach einem Schlag. Mehr nicht. Sie wusste es. Sie duldete es. Sarah schnaufte. „Was? Jan? Du Hurenbock. Du betrügst meine Tochter und bringst Schande über diese Familie. Wie konntest du nur. Hast du Marcello getötet?“

„Nein. Er hat mich angezählt. Er meinte ich solle das lassen mit der Betrügerei, oder er würde dafür sorgen, dass Vega mich verlassen würde. Ich wollte auch aufhören, aber …bei Vega und mir läuft es nicht so gut – ich bin auch nur ein Mann. Ich hab Bedürfnisse.“ Vega schluchzte. „Musst du unser Schlafzimmer hier ausbreiten? Warum meinst du wohl, warum ich mich zurückgezogen habe? Denkst du ich kann dich noch ansehen, wenn ich weiß, dass du mit jeder hergelaufenen Hure ins Bett gehst?“ Das waren starke Wort, die ich von ihr nicht erwartet hätte. „Ja, das wäre mein Motiv, für sie. Sie wollten Marcello still legen. Also trafen sie sich im Weinberg. Hier haben wir Motiv, Gelegenheit und Kraft. Jan? Sie sind einer meiner Favoriten.“ „Ich war es nicht. Ich war nicht mal in der Nähe. Ich war bei Mime Violetta.“ „Das weiß ich, aber nur bis einundzwanzig Uhr. Der Mord wurde gegen Mitternacht verübt.“ Jan schwieg. „Wo waren sie danach?“ „Im Gästezimmer.“ „Ein schwaches Alibi, das müssen sie schon zugeben.“

„Vincenzo. Sie wissen ja was man im Volksmund so sagt: Der Butler war es, oder der Gärtner. Aber wieso immer der Butler? Ich denke sie haben das Motiv, da sie Marcellos Verhalten nicht guthießen. Sie wussten von der Mafia, ein Butler weiß immer alles. Sie wollten ihn Stoppen, aber das ging tödlich aus.“ „Aber nein, ich wusste, dass Marcello nicht immer legal operierte. Aber ich hätte eher der gnädigen Frau Bescheid gesagt. Nur wollte ich sie nicht belasten, also habe ich geschwiegen.“

„Marta?“ „Christian?“ „Du bist die perfekte Frau. Ich würde alles geben eine solche Frau an meiner Seite zu wissen. Du hast eine schwere Zeit hinter dir.“ Marta blickte mich misstrauisch an. Ich beobachtete jeder ihrer grazilen Bewegungen. „Du kamst mit Nichts aus Italien hier an. Irgendwo musstest du unterkommen. Aber mit der Sprachbarriere ist das nicht so einfach hier Fuß zu fassen. Gegen Ausländer ist man hier immer etwas zurückhaltend.“ Sie wurde etwas nervös. „Was willst du andeuten? Ich bin immer loyal der Familie gegenüber.“ „Das stimmt. Der Familie gegenüber, das hast du richtig ausgedrückt. Marcello war mit dabei bei der „Familie“ Aber er wollte aussteigen, da er wusste, dass seine Mutter nie zustimmen wollte. Aber die „Familie hatte schon investiert. Und den Patron betrügt man nicht. Oder sollte ich eher Patronin sagen?“ Ihr blick wurde hart. „Ich verstehe nicht was du sagen willst.“ „Marcello ist auf dich zugekommen um dich um Geld anzupumpen. Er wusste, dass du zur hiesigen Mafia gehörst, dass du sie leitest. Aber er wollte sich zurückziehen. Das konntest du nicht zulassen. Du hättest als Köchin nie die Chance gehabt hier was zu erben. Selbst wenn sie sagen, du gehörst zur Familie – es ist nie so. Du bist eine Angestellte. Vielleicht hättest du bisschen Geld bekommen, aber mehr nicht. Dafür hast du hier zu viel investiert. Marcello sollte deine Eintrittskarte sein. Irgendwann hätte dir die Hälfte gehört – aber er hat Angst bekommen. Er wollte alles seiner Mutter beichten. Das wäre nicht drin gewesen. Du wusstest dass Sarah nichts mit der Mafia zu tun haben wollte. Sie hätte dich mit Schimpf und Schande vom Gut vertrieben und deine Arbeit wäre zunichte gewesen. Also hast du den Auftrag erteilt Marcello zu entledigen. Einer deiner Schergen hat die Schmutzarbeit für dich getätigt, während du in der Küche alles für den nächsten Tag vorbereitet – dein Alibi ausgebaut hast.“ „Was für ein Blödsinn. Wie willst du das beweisen?“  „Man muss nur bisschen zuhören und die Augen öffnen. Ich hab mich bei den Arbeitern umgehört und es gab Gerüchte einer weiblichen Mafiachefin. Ich hab dann Polizeiarbeiten getätigt und dein Leben zurückrecherchiert. Er brach mir das Herz. Dass du tatsächlich eine Mafiosa bist und wie du überhaupt in den Kreis gelangt bist. Alte Polizeiberichte mit deinem Namen sind aufgetaucht. Dass du deinen Namen behalten hast, war sehr überheblich. Du warst dir einfach zu sicher. Ich hab deinen Werdegang verfolgen können. Von kleinen Diebstählen zur Prostitution und zum Betrug. Ich konnte deinen Lebenslauf anhand deiner Fall Akte verfolgen. Wirklich überheblich.“ „Es war nie geplant, dass es soweit kommen würde. Mein Name hätte eigentlich schon aus den Akten verschwunden sein sollen. Ich hatte meine Leute, die das erledigen sollten. Das war wohl nichts. Da werden wohl einige Köpfe rollen. Da hat bestimmt einer meiner Konkurrenten die Finger im Spiel. Das kannst du dir vorstellen, Ein weiblicher Pate. Meine männlichen Gefährten fanden das nicht so toll. Aber ich habe mir den Platz schwer erkämpft und so leicht gebe ich nicht auf.“ Kaum hatte sie ausgesprochen fing sie an zu laufen. Sie drehte sich Richtung Fenster und sprang. Sie sprang durch das geschlossene Fenster. Ich war im ersten Moment bewegungslos. Dann spurtete ich ihr hinter her. Die Frau war schnell. Meine Kollegen standen alle an den Türen – keiner rechnete damit, dass eine Person aus dem Fenster springen würde. Ich verfolgte sie, wurde aber  langsamer. Ich sollte an meiner Ausdauer arbeiten.  Sie war weg. Meine Kollegen waren mittlerweile aufgeschlossen und wir drehten das gesamte Weingut um. Sie war weg. Verdammt. Sie hatte mich überrumpelt. Sie war weg. Ich ließ sie zur Fahndung ausschreiben, wusste aber, dass ich sie nie fangen würde. Sie war schon zu lange an der Spitze um sich erwischen zu lassen. Sie würde untertauchen, endlich ihren Namen ändern und ihr Erscheinungsbild. Sie würde aus meinem Leben verschwinden. Ein Stich ging mir durchs Herz, die Frau hatte mich tief berührt.

Zurück im Haus, traf ich auf eine aufgelöste Gruppe der Finelli-Familie. „Herr Inspektor, haben sie sie erwischt?“ „Nein, meine Männer sind noch auf der Suche, aber sie hatte wohl schon einen Fluchtweg geplant. Jemand der so hoch in der Mafia angesiedelt ist, legt sich immer einen Fluchtweg zurecht.“ „Sie war so lange bei uns gewesen, hat meine Kinder mit aufgezogen. Ich habe in ihr eine Freundin gesehen. Jetzt so was. Es erschüttert mich bis ins Mark. Wie soll ich je wieder jemanden trauen?“ „Das weiß ich nicht verehrteste. Das wird nicht leicht, aber sie haben ihre Tochter an ihrer Seite. Mit ihr werden sie das schon schaffen.“ Sie drehte sich zu Vega um und winkte sie zu sich. Die beiden Frauen lagen sich weinend in den Armen. Das hier war zu Ende.

+++

Vega saß auf der Terrasse. Sie hatte einen Brief in der Hand. „Liebste Freundin, schade, dass wir uns so plötzlich voneinander trennen mussten. Aber ich hoffe alles ist zu deiner Zufriedenheit ausgegangen. Ein neues Leben erwartet dich. Und wenn die Umstände sich ändern, werden wir uns vielleicht mal wieder sehen. Achte gut auf dich und deine kleine wachsende Familie. Für immer in Liebe deine Tante M.

Sarah strich sich behutsam über den leicht gewölbten Bauch. Irgendwann würde sie ihre Freundin wieder treffen. Solange würde sie sich gut um ihr Erbe kümmern um es für ihre Tochter zu sichern.

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Ich beendete meinen Bericht über den Fall Finelli. Es ärgerte mich, dass ich zu lange gebraucht habe um Marta zu entlarven. Oder ärgerte es mich, dass ich sie entlarvte? Sicher war ich mir nicht. Ein Brief landete auf meinem Tisch. „Danke Oskar“, rief ich dem Postjungen hinter her. Er winkte nur ab. Ich öffnete ihn. Ein Flyer fiel mir entgegen. Es war ein Weingut in Italien. In der Nähe von Palermo. Eine Einladung zur Besichtigung und Verköstigung. Ein kleiner Zettel war im Inneren befestigt. „Wenn du jemals nach Italien kommst. Vergiss mich nicht.“

ENDE

 

Allgemein, Einzelaktionen

Schreib‘ mir eine Detektivgeschichte! Part 3 von 4

Es geht weiter in meiner Mordermittlung – eine Einladung von Annie

Part 1 findet ihr HIER

Part 2 findet ihr HIER

Ich betrat die Küche und beobachtete Marta etwas bei ihrer Tätigkeit. Sie hatte gerötete Wangen und ihre Haare waren schon etwas aufgelöst. Sie sah einfach toll aus. Still mein Herz….

„Christian, schön dass du noch mal vorbei kommst. Hast du Hunger? Ich hab eine leckere Kürbiscremesuppe. Eine meiner Spezialitäten.“ „Wenn du mich so nett einlädst, kann ich wohl kaum nein sagen.“ Sie führte mich zum Stuhl und drückte mich herunter. Dann landete schwungvoll ein Teller vor mir und mit einer gekonnten Bewegung schenkte sie mir die Suppe ein und sie hatte nicht übertrieben. Sie war einfach köstlich. Ich würde dick werden mit dieser Frau.

Nach dem Essen saßen wir noch gemütlich bei einem Kaffee und Kerzenlicht am Esstisch. Ein massiver Tisch aus Holz – sehr gemütliche Atmosphäre. Ein bisschen romantisch. Aber leider musste ich die Stimmung etwas dämpfen. Ich musste sie fragen. „Sag mal. Ich habe mit Vincenco geredet. Er ist nicht so familiär eingestellt wie du. Er wird wohl nicht so integriert?“ „Ach, das liegt aber auch bisschen an ihm. Er ist sehr distanziert. Und ich habe ja auch bei den Kindern geholfen. Da war die Beziehung zur Familie bisschen anders.“ Hm stimmt wohl. „Erzähl mir doch bisschen was über die Familie.“ „Ich weiß nicht, ich will nicht tratschen.“ „Ich werde sowieso alles herausfinden, ich bin wirklich gut in meinem Job.“ „Und so bescheiden.“ Schmunzelte sie. Ich musste mich zurückhalten meinen Kopf nicht auf meiner Hand abzustützen und sie anzuhimmeln.

„Gut. Wo fange ich an?“ „Erzähl am besten bisschen über Marcello. Ich will ihn besser kennen lernen. Er ist der Einzige, der mich nicht mehr belügen kann.“ „Hei.“ „Na, Anwesende immer ausgenommen.“ Zwinkerte ich ihr zu. „Ich hatte dir ja schon gesagt, dass er ein toller Junge war. Er konnte einen wirklich um den Finger wickeln. Diese großen braunen Augen. Ich sag dir, man konnte nur schmelzen in seiner Nähe. Kein Wunder, dass er so viel Mädchen in seinem kleinen schwarzen Buch stehen hatte. Sie gaben sich wirklich die Klinke in die Hand. Aber binden wollte er sich nicht. Obwohl es besser gewesen wäre. Er hätte eher die Chance gehabt zu Erben. Sarah ist müde, sie will sich bald zurückziehen. Sie weiß schon dass Marcello besser geeignet wäre, aber sie will eigentlich, dass das Gut in Frauenhand bleibt. Sie will alles Vega vererben und wollte Marcello auszahlen. Aber das weißt du auf keinen Fall von mir.“ „Was ist mit Jan?“ „Jan, er ist kein guter Mensch. Er hat Vega umgarnt und unter Druck gesetzt. Er will definitiv alles Erben, deswegen haben sie so schnell geheiratet im letzten Jahr. Erst dachten wir, es wäre was Kleines Unterwegs, weil es so plötzlich kam. Aber er hat sie nur manipuliert.“ „Will Vega denn das Weingut führen?“ „Ich glaube nicht. Sie könnte es, aber eigentlich ist sie zu nett. Das wäre dann wohl Jans Part. Sie wäre gerne Lehrerin, da geht sie wirklich drin auf. Aber sie könnte das Gut führen, ich traue es ihr zu. Sie müsste nur etwas härter werden.“ Ich nickte. Es war spät. Ich erhob mich. Ich sollte jetzt gehen. Es fiel mir schwer, da ich die Gesellschaft von Marta wirklich genoss, aber ich musste noch etwas arbeiten.

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Im Revier angekommen sammelte ich nochmal die Fakten.

Sarah wollte das Gut abgeben, am liebsten an Vega.

Jan wollte auf jeden Fall das Gut Erben – ein Motiv um Marcello los zu werden

Marcello hatte eigentlich kaum Chance auf das Gut. Er war Sarah wohl zu unbeständig, obwohl er geeignet gewesen wäre.

Meine Motive hielten sich in Grenzen.

Morgen würde ich mich mal bisschen bei den Arbeitern umhören. Die hatten meist den besseren Überblick und die Gerüchteküche brodelte dort meist am stärksten.

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Am nächsten Morgen versuchte ich noch mal mein Glück Sarah Finelli abzupassen, aber ich wurde schon wieder vertröstet. Ich solle es einfach später versuchen. Das würde ich, und es würde Frau Finelli nicht gefallen.

Ich begab mich unter die Arbeiter und fragte hier und da etwas die Leute aus. Sie waren sehr redselig. Eigentlich wurde die Polizei immer etwas auf Distanz gehalten, da nicht immer jeder Gelegenheitsarbeiter unbescholten war. Ich war sehr erfreut hier einige Gerüchte aufzufangen. Da gäbe es doch einiges aufzuarbeiten. Ich hatte einiges an Geheimnissen aufschnappen können. Das Bild der Familie verdichtete sich. Ich fing an den Mörder einzukreisen, dachte ich.

Zurück im Revier dauerte es keine halbe Stunde, als mir mein Gast angekündigt wurde. Im Verhörraum saß eine ziemlich angesäuerte Frau Finelli. „Frau Finelli, schön, dass sie es endlich einrichten konnten mit mir zu sprechen.“ „War das nötig? Es sollte doch diskret von statten gehen.“ „Sie liessen mir keine andere Wahl, gnädigste. Ich hatte mehrfach versucht sie in ihrem Haus anzutreffen, aber sie haben mich immer vertröstet. Ich bin nicht ihr Hampelmann. Das ist eine ernste Sache und für ihre Familie sieht das hier nicht ganz so rosig aus. Es gibt einige Motive.“ „Motive. Wer aus meiner Familie sollte ein Interesse daran haben meinen Sohn zu töten? Ich vielleicht?“

„Dazu werde ich noch später kommen. Ich will jetzt erst mal von ihnen wissen, wo sie am besagten Tag waren?“ „Ich war zu einem Abendessen bei Freunden geladen. Den Micellis, da können sie gerne nachfragen. Ich bin so gegen zweiundzwanzig Uhr dort weg. Mein Butler kann ihnen bestätigen, dass ich etwa eine halbe Stunde später zu Hause ankam. Natürlich bin ich alleine gefahren, ich habe schon lange keine Chauffeur mehr. Also für diese halbe Stunde habe ich kein Alibi. Aber ich benötige diese Zeit um von den Micellis zu mir zu kommen. Das können sie testen. Also kann ich meinen Sohn nicht getötet haben. Ich bin gleich auf mein Zimmer gegangen und meine Zofe kann dies bestätigen. Ich habe mir von ihr ein Schlafmittel geben lassen, da ich unter Schlafstörungen leide. Das können sie alles erfragen.“ Mir ging ihre überhebliche Art ziemlich auf die Nerven. Aber ihr Alibi klang belegbar.

„Das werde ich natürlich alles gegenchecken. Was ist mit Marcello. Haben sie eine Ahnung mit wem er sich in den Weinbergen getroffen hat?“ „Nein, mein Sohn hat mir schon lange nicht mehr mitgeteilt, was er wann mit wem unternimmt. Er war ein erwachsener Mann. Nicht einfach aber sehr selbständig.“ „Gut. Sehen sie, es hat doch gar nicht wehgetan. Ich bedanke mich für ihr entgegenkommen. Mein Assistent wird sie hinausbegleiten.“ Sie schnaubte verärgert über die verschwendete Zeit. Innerlich ging mir das runter wie Öl.

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Als ich am nächsten Tag wieder bei den Finellis auftrat, ging ich gleich in die Küche. Die Tür war angelehnt und ich konnte einen heftigen Streit zwischen Marta und Sarah hören. Sie stritten sich auf Italienisch. Verdammt. Eine wirklich sehr emotionale Sprache, die wirklich erotisch klang, wenn gestritten wurde. Ich hörte die Tür zum Treppenhaus zu schlagen und betrat die Küche. „Christian, wieder hier?“ „Kann ich denn weg bleiben? Wo doch die Verlockung so groß ist? Aber ich bin zum Arbeiten hier. Was war denn los, bei euch beiden?“ „Hm? Ach Sarah. Sie ist manchmal sehr hitzköpfig. Sie erwartet am Samstag Gäste und hat wieder mal ausgefallene Wünsche. Aber ich bin alleine in der Küche und das ist nicht so leicht zu stemmen. Jetzt bekomme ich eine Aushilfe. So ist das wenn zwei italienische Frauen streiten.“ Lachte sie. Trotzdem war ich skeptisch, das klang nicht nach einem Haushaltsstreit für mich. Aber was wusste ich schon.  Wir plauderten noch etwas und verabredeten uns schließlich für den Freitag zum Essen und natürlich um noch über den Fall zu reden.

Ich ging noch mal zum Tatort. Die Spurensicherung hatte alles abgesperrt. Aber die meisten Spuren waren auch schon verwischt. Nach der Aufnahme war es nicht mehr wichtig ihn aufrecht zu erhalten. Ich wunderte mich schon, dass Sarah nicht drauf drängte ihn frei zu geben um die beschädigte Rebe zu beschneiden.

Ich ging zurück zum Auto und verließ erst mal ohne neue Kenntnisse den Ort. Im Revier angekommen stellte ich mich wieder an die Tafel und pikte neue Erkenntnisse daran.

Der Kreis zog sich immer enger um Jan Scherke. Er hatte Motiv, Gelegenheit und die Kraft. Ich brauchte nur noch Beweise.

Allgemein, Einzelaktionen

Schreib‘ mir eine Detektivgeschichte! Part 2 von 4

Weiter geht es in meiner Detektivgeschichte, die eine Einladung von Annie war.

HIER kommt ihr zum Part 1


 

Ich stand in dem pompösen Salon und hätte mir liebend gerne ein Glas Bourbon eingeschenkt. Aber ich war ja im Dienst. Das wurde wirklich, mittlerweile, sehr eng genommen. „Inspektor, was verschafft mir ihren Besuch? Haben sie Neuigkeiten über den unglücklichen Sturz meines Sohnes?“ „Frau Finelli, entschuldigen sie mein frühes Auftauchen, aber sie wissen ja – alles soll schnellstens erledigt werden. Die Statistiken und der Bürgermeister und, und, und. Sie sehen hervorragend aus.“ Sie war etwas überrumpelt von meiner Begrüßung und nickte nur hoheitsvoll.

„Sind das Fräulein und ihr Gatte auch zugegen?“ „Ich denke sie schlafen noch, sie waren noch nicht beim Frühstück. Müssen sie dabei sein?“ „Das wäre natürlich hervorragend. Danke für das Angebot sie holen zu lassen.“ Ich grinste frech in mich hinein. Ich liebte es einfach die oberen Zehntausend etwas zu überrumpeln. Sie zog an einem Bändchen, das an einer Klingel im Untergeschoss bei den Angestellten endete. Kurz darauf erschien der Buttler. „Bitte holen sie doch Vega und Jan zu uns in den Salon. Es ist wichtig, sie sollen nicht trödeln.“ „Sehr wohl, gnädige Frau.“

„Wollen sie mir schon erzählen, was sie herausgefunden haben?“ „Ach, wir warten doch auf die beiden anderen, ich wiederhole mich so ungerne. Wie wird dieses Jahr der Wein? Es war ja recht trocken. Ist das ein gutes Weinjahr?“ Wieder stutzte sie. „Äh, ja trockene Jahre bescheren oft einen guten Wein. Es ist zwar nicht unbedingt einfach die Wasserversorgung aufrecht zu halten, aber es ist wesentlich besser wenn es trockener ist, als wenn die Wurzeln der Reben im feuchten Matsch stehen. Kennen sie sich aus mit Weinen?“ „Eigentlich nicht – ich trinke sie gerne und habe so ein bisschen Laienwissen um die Damen zu beeindrucken.“ Bevor sie etwas erwidern konnte, öffnete sich die Tür und zwei verschlafene Gestalten betraten den Raum.

„Ah, Herr und Frau Scherke. Schön, dass sie zu uns treffen. Da kann ich doch gleich mit meinen Ermittlungen weitergehen.“ „Ermittlungen?“ Fragte Jan verschlafen. „Ja, ja. Ermittlungen. Wie sich herausstellte, war es leider kein Unfall an dem Herr Finelli verstarb. Er wurde gestoßen.“ Vega zog scharf die Luft ein. Jan blickte verunsichert im Raum umher. Die einzige, die eiskalt blieb, war Sarah. Die Eisweinkönigin. Ich beobachtete die drei. Es war wirklich die beste Zeit die Verdächtigen anzutreffen. Noch ungeschminkt und ungeschützt. Da konnte man die Emotionen am besten beurteilen. Außer bei Sarah. Sie war ein Vollprofi in Gefühlen verstecken. Das würde nicht leicht werden.

+++

„Wie kommen sie darauf, dass er gestoßen wurde?“ Frage Jan. „Anhand der Spurensicherung. Wir können einen Sturz rekonstruieren. Die Fußabdrücke zeigen, dass er nicht stolperte. Wenn man die Höhe der Streben bedenkt, hätte sie ihn nie aufspießen können, wenn er einfach nur gefallen wäre. Er muss angehoben und draufgespießt worden sein. Anders ist das nicht möglich. In seinem Blut befand sich kein Alkohol. Ein Unbetrunkener versucht einen Sturz abzufangen. Das war hier nicht der Fall. Außerdem konnten wir feststellen, dass jemand versucht hat, seine Fußabdrücke zu verwischen. Ist natürlich bei so trockenem Boden recht einfach – aber nicht natürlich herstellbar. Ein geübtes Auge erkennt das. Und meine Leute im Labor haben schon einige Tatorte inspiziert.“

Jan blickte nachdenklich zu seiner Frau, die schluchzend auf dem Sofa saß. „Und jetzt, Herr Inspektor? Wie wird es weiter gehen?“ Fragte Sarah. „Nun, wie soll es wohl weiter gehen, gnädige Frau. Ich werde jetzt die Ermittlungen aufnehmen und einige Personen befragen.“ „Kann man das unter Ausschluss der Öffentlichkeit machen? Sie wissen, der gute Ruf. Solange nichts Genaues bekannt ist, würde ich gerne Gerüchten vorgreifen.“ „Ich kann ihnen nichts versprechen. Sie wissen wie die Reporter sind. Wenn sie einen Knochen finden, stürzen sie sich wie verhungernde Hunde darauf. Ich werde mein Möglichstes tun.“ Im Prinzip war es mir eigentlich egal, ob die Presse davon Wind bekam. Manchmal setzte ich sie als strategisches Druckmittel ein. Wir würden sehen, wie weit ich sie hier brauchen würde.

„Wenn es ihnen alle Recht ist, würde ich meine Befragungen gerne hier im Haus vornehmen. Das ist doch gemütlicher als auf dem Revier. Wäre das in Ordnung Frau Finelli?“ „Ähm, ja natürlich. Ich habe noch ein Zimmer, das können sie nutzen, da ist auch ein Schreibtisch und Utensilien vorhanden. Wenn es denn sein muss.“ „Ja, da werden wir wohl nicht drum herum kommen. Wenn es passt würde ich doch am liebsten mit ihnen anfangen Frau Scherke. Fühlen sie sich in der Lage mit mir zu sprechen?“ Sie schaute mich wie ein verängstigtes Häschen an. Ich glaube ihre Nase wackelte auch. Ich musste mich zusammenreisen um nicht zu lachen. Es sah einfach zu ulkig aus. Wie unprofessionell von mir. Sie nickte ergeben und wir zogen uns in das zugeteilte Zimmer zurück. „Könnte ihr Butler uns vielleicht etwas zu trinken bringen?“ Sarah nickte.

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In dem Zimmer war es wirklich gemütlich. Es gab den angekündigten Schreibtisch, einen gemütlichen Sessel, einen Kamin, der leise vor sich hin flackerte. Hier könnte ich mich wohlfühlen. Ich hoffte auch, das Vega sich etwas entspannen würde. Eine heulende Befragung war wirklich sehr anstrengend. „Darf ich ihnen was zu trinken einschenken?“ Sie nickte und schnäuzte sich noch mal kräftig. Dann straffte sie die Schultern, bereit dem sich entgegenzustellen, was auf sie zukommen würde. „Erzählen sie mir doch bisschen was von sich.“ Sagte ich und setzte mich ihr gegenüber. Einen Notizblock vor mir, wartete ich auf ihre Erzählung. „Von mir? Ich dachte es geht um Marcello?“ „Ich will mir ein umfassendes Bild machen. Dazu brauche ich auch einige private Informationen von ihnen.“ Sie errötete leicht. „Ähm. Gut, ähm. Mein Name ist Vega Scherke, geborene Finelli. Ich bin achtundzwanzig und mit Jan Scherke verheiratet. Seit letztem Jahr. Ich bin Lehrerin in der Grundschule. Ich liebe es zu unterrichten.“ „Ach, Lehrerin, ich dachte sie würden auch hier eingespannt arbeiten?“ „Wenn man hier aufgewachsen ist, arbeitet man unweigerlich immer mit. Bei der Ernte, bei der Presse, bei der Abfüllung, bei der Buchhaltung. Das ist so bei einem Familienbetrieb. Mich wundert’s, dass meine Eltern nicht noch mehr Kinder hatten, dann könnte man gut Personal sparen.“ Die letzten Worte klangen etwas bitter und ich lauschte aufmerksam ihrer Stimmungsschwankung. „Werden sie als Lehrerin arbeiten, oder hier einsteigen?“ „Meine Mutter möchte dass ich hier einsteige, aber ich würde am liebsten als Lehrerin arbeiten. Es macht so Spaß mit den Kindern. Sie sind so aufnahmefähig. Wie ein Schwamm. Sie wollen alles wissen.“ Ihre Augen leuchteten, als sie berichtete. „Was ist mit Marcello? Wie war er so?“ Sie seufzte. „Marcello? Er war ein Lebemann, aber immer sehr ehrgeizig. Er wollte schon als kleiner Junge immer der Beste sein. Er hatte, trotz seiner Ausschweifungen, immer gute Noten. Er ist, er war einfach ein Naturtalent. Alles was er anfasste gelang ihm. Ich musste immer schwer arbeiten um meine Noten zu erhalten, er konnte die Nacht davor feiern und bestand seine Prüfungen am nächsten Tag mit Bravour.“ Ich hörte den leichten Neid, aber auch erhebliche Bewunderung heraus. „Können sie sich vorstellen, wer etwas gegen ihren Bruder hatte. Hatte er mit irgendjemanden streit?“ „Er hatte immer irgendwie Streit. Er war ein Hitzkopf und es gab auch so ein oder anderen gehörnten Ehemann. Die Liste ist nicht unerheblich.“ Innerlich stöhnte ich, das waren Informationen, die eine umfassende Befragung im Dorf erforderten. „Wo waren sie gestern, wenn ich so direkt fragen darf?“ Sie blickte rechts, links sie überlegte, was sie mir sagen durfte. „Ich war in meinem Zimmer.“ „Den ganzen Tag?“ „Die meiste Zeit. Natürlich war ich zu den Mahlzeiten zugegen, aber mir ging es gestern nicht so gut, und ich zog mich zurück.“ „Das kann jemand bestätigen?“ Sie blickte mich erschrocken an? „Verdächtigen sie mich?“ „Aber nein, ich muss nur ein umfassendes Bild erschaffen, dazu brauche ich doch alle Informationen.“ Sie nickte verstehend. „Ähm. Das Zimmermädchen, Jan und meine Mutter dürften die meiste Zeit bestätigen können.“ „Gut, vielen Dank Frau Scherke. Das war es erst mal. Seien sie so nett und halten sie sich zu meiner Verfügung, wenn ich noch Fragen haben sollte. Also bitte keine weiteren Ausflüge.“ Ich lächelte ihr freundlich zu und half ihr aus dem Sessel. „Wenn sie so nett währen ihren Mann herein zu bitten.“ Sie nickte und verließ den Raum mit gesenktem Kopf.

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Ich dachte kurz nach, über die gute Vega. Sie war wohl das schwächste der Familienmitglieder. Ein liebes Mädchen, aber immer irgendwie unterdrückt. Nun – vielleicht wollte sie auch nur ausbrechen aus diesem Trott. Sie hatte ihre Träume und vielleicht wollte sie endlich mal etwas für sich und nicht immer für die Familie machen? Ich versah sie mit einem zögerlichen Fragezeichen.

Es klopfte herrisch und die Tür wurde fast aufgestoßen, als Jan Scherke den Raum betrat. Sein gesamtes Auftreten strahlte schon Unsympathie aus. Ich mochte ihn nicht. Aber ich wollte meinem Motto der Unvoreingenommenheit treu bleiben. Also atmete ich tief ein, betrachtete meinem neuen Gast und wartete. Er hatte sich in der Zwischenzeit umgezogen. Der Schlafanzug und sein Morgenmantel waren einer sportlichen Hose und einem Hemd gewichen, darüber hatte er eine Weste gezogen. Er sah aus wie ein wichtiger Mann. Wir würden sehen.

„Was soll das hier werden?“ polterte er gleich los. „Nehmen sie doch erst einmal Platz. Einen Kaffee?“ Er zog sich einen Stuhl heran und ich schenkte ihm einen Kaffee ein. Er winkte ab, als ich Milch und Zucker hinzufügen wollte. „Also, was soll das, sie verdächtigen die Familie. Wie kommen sie darauf?“ „Im Moment verdächtige ich noch niemanden, Herr Scherke. Ich nehme lediglich ihr Wissen und ihre Beobachten auf um mir ein Gesamtbild der Situation um Marcello zu verschaffen. Das ist einfache Polizeiarbeit, reine Routine.“ Er schnaufte. Ein Zyniker und Querulant. Na toll. „Was wollen sie wissen?“ „Wie war ihr Verhältnis zu Marcello?“ „Wie mein Verhältnis? Nicht so gut. Ich wurde nie wirklich als Familienmitglied anerkannt. Ich war Geduldet nicht Erwünscht. Das wird ihnen Sarah bestimmt noch ausführlich mitteilen.“ „Wie kommt das?“ „Ich bin ehrgeizig. Und als ich Vega traf, war ich vielleicht etwas zu forsch und drängend, was die Heirat anging. Man unterstellte mir, dass ich nur an ihr Vermögen wolle. Aber das stimmt nicht, ich liebe Vega. Und warum soll ich lange warten, mit der Heirat, wenn ich die Frau, die ich liebe gefunden habe? Oder, was meinen sie?“ „Das kann ich nicht beurteilen, ich bin nicht verheiratet. Wie war, also ihr Verhältnis mit Marcello? Feindlich?“ „Nein keines Wegs. Ich bewunderte sein Wissen. Er kannte sich sehr gut mit dem Weingut und Wein generell aus. Er war zwar vielleicht etwas sprunghaft, aber er war ja auch ein junger Mann, der Spaß haben wollte. Er würde bestimmt alles mal erben, wenn die Gutsherrin mal abdanken würde. Er war immer der Liebling von allen. Niemand war ihm lange böse. Ein Charmeur, der sich gut verkaufen konnte. Und er konnte gut mit den Weinhändlern. Er hat immer gute Preise rausgehauen. Er hatte Verkaufs Talent. Aus ihm hätte mal ein großer Weingutbesitzer werden können.“ Die letzten Worte presste er aus zusammengekniffenen Lippen hervor, während er auf den Boden starrte. Dann, als ihm wohl bewusst wurde, dass ich ihn beobachtete, ging ein Ruck durch ihn und er setzte sich aufrecht hin. Sei n Blick war provokativ. „Wo waren sie gestern Abend?“ „Hier, im Haus. Meiner Frau ging es nicht gut und da wollte ich nicht so weit weg gehen. Sie hat manchmal solche weiblichen Anwandlungen mit Depressionen und Migräne. Wie Frauen halt so sind. Ich habe mich hier im Haus rumgedrückt.“ „Kann das einer bestätigen?“ „Hm, Vega wohl und vielleicht das Personal. Ich habe nicht darauf geachtet, wer noch im Haus mit mir herumwandert.“ „Okay. Ich bedanke mich. Bitte verlassen sie die Gegend nicht. Es kann sein, dass ich nochmal Fragen habe.“ Er stand ruckartig auf und verließ den Raum. Ich rief ihm noch hinterher, dass er doch bitte Sarah reinschicken solle.

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Es klopfte. Der Butler steckte den Kopf herein: „Gnädige Frau lässt sich entschuldigen. Ein wichtiger Termin ist ihr dazwischen gekommen. Sie bedauert es sehr.“ Gut, sie wollte die Machtverhältnisse klären. Das war kein Problem für mich. „Danke. Wenn sie schon da sind, kommen sie doch kurz zu ein paar Fragen herein.“ Er blickte mich unsicher an. Drehte den Kopf aus dem Zimmer heraus und schloss die Tür von innen. Ich war mir sicher, damit hatte Sarah nicht gerechnet. Ha! „Wie ist ihre Name?“ „Vincenco.“ Auch ein Italiener, das hätte ich mir denken können. „Wie lange arbeiten sie schon für Frau Finelli?“ „Ich habe schon für ihren Vater gearbeitet. Da war sie etwa zehn Jahre.“ „So, dann gehören sie ja schon sehr lange zu der Familie.“ „So würde ich das nicht nennen. Ich bin ein Angestellter und das wird einem gezeigt.“ Aha. Also keine happy Familie mit den Angestellten. Da würde ich Marta noch mal fragen müssen, bei ihr klang das anders. „Wie empfanden sie das Verhältnis der Familienmitglieder untereinander?“ „Darüber zu sprechen wäre indiskret.“ „Bei einer Mordermittlung ist nichts indiskret.“ Wies ich ihn darauf hin. „Mord? Ich dachte er wäre gestürzt?“ „Nein, er wurde gestoßen.“ Diese Eröffnung entsetzte den Butler. Er hielt sich die Hand vor den Mund. Wahre Betroffenheit sprach aus seinen Augen. „Ermordet? Wer? Warum?“ „Dafür bin ich da. Um das heraus zu finden. Was können sie mir also erzählen. Das Personal bekommt doch immer mit, was so zwischen den Wänden passiert.“

Er blickte mich an. Ich konnte den inneren Kampf erkennen. „Marcello war ein guter Junge, aber er hatte sich mit den falschen eingelassen. Er war immer sehr ehrgeizig und wollte immer besser als die anderen sein. Auch hier wollte er besser als sein Vater und seine Mutter sein. Er wollte mehr verkaufen, die Ernten ertragreicher machen. Ich habe manchmal seltsame Telefongespräche mitgehört. Er sprach über Geld, Macht und wie er alles hier auf puschen wolle. Ich weiß nicht worauf er sich eingelassen hatte. Aber manche Gespräche klangen sehr aufgewühlt. Ich denke, er steckte vielleicht in etwas illegalem drin. Das würde zu dem Jungen  Heißsporn passen.“ Vinzenco knetete unruhig seine Hände. „Wann haben sie ihn das letzte Mal gesehen?“ „Das war an dem Tag des Unfalls, Mords. Er hatte telefoniert – ich habe das Gespräch nicht mitbekommen. Aber es wurde sehr laut und heftig. Dann hatte er den Hörer aufgeknallt. Er ist aufgewühlt aus dem Haus gestürmt und mit dem Auto weggefahren. Danach hab ich ihn nicht mehr gesehen.“ „Wo waren sie am Abend dieses Tages?“ „Im Haus. Ich habe mich um das Essen und die Organisation für den nächsten Tag gekümmert. Ich muss von einigen Leuten des Personals gesehen worden sein.“ „Vielen Dank, Vinzenco.  Das war es erst mal. Sollte ihnen noch was einfallen, kommen sie bitte zu mir.“ Er nickte und verließ geknickt den Raum.

Ich würde mich noch mal zu Marta begeben. Ich hoffte etwas zu Essen abzubekommen und ihre nette Gesellschaft genießen zu können. Dabei würden vielleicht noch paar Geheimnisse gelüftet.

 

Fortsetzung folgt