Horror, writing friday

[#WritingFriday] – Lasst die Party beginnen. 2 von 2

Gestern konntet ihr den Anfang dieser Geschichte lesen. Heute sollt ihr erfahren wie sie ausgeht. Hier kommt der 2. Teil zum Writing Friday .

Part 1

Was bisher geschah.

Jenny, Bibi, Patrick, Peter folgen einem Plakat, das eine besondere Halloweenparty verspricht. Das Dorf liegt sehr abseits und die Einwohner sind sehr freundlich und offen. Bis der Gong erklingt und zur Jagd aufgerufen wird.

 

Alex setzte sie auf eine Bank und bedeutete ihr sitzen zu bleiben. Jenny nickte nur abwesend. Sie hielt Ausschau nach Patrick, Peter und Bibi, konnte sie aber nicht sehen. Sie wollte jetzt heim und erhob sich. Langsam bewegte sie sich nach draußen. Sie versuchte die Tür zu öffnen, als sie von außen aufgerissen wurde. Dadurch kam sie ins Stolpern und fiel auf die Knie. Ein starker, als Werwolf verkleideter Mann half ihr aus. Die Maske wirkte so echt, dass Jenny sogar Sabberfäden erkennen konnte. Wahnsinn, dachte sie. Er führte sie langsam hinaus. Draußen standen die anderen und noch, weitere Menschen, die ihr unbekannt waren. Sie wirkten wie in die Mitte zusammen getrieben. Um sie herum standen die ganzen maskierten Einwohner. Dann erklang ein Schuss. Dieser Schuss bewirkte, dass sich die Gruppe voneinander trennte, wie Kugeln auf einem Billardtisch, die von der weißen Kugel getroffen wurden.

Auch Jenny war so erschrocken, dass sie floh. Das Adrenalin hatte die Betäubung wie weggewischt. Kopflos rannte sie nach rechts, nach links, nach vorne, wieder zurück. Sie blieb stehen und sah sich um. Was war hier los? Sie sah, wie die anderen Menschen angegriffen und zu Boden gerungen wurden. Blutlachen bildeten sich unter den Körpern und Schreie erklangen aus allen Ecken. Sie war wie betäubt.

Ein Stoß von hinten ließ sie aus ihrer Starre erwachen. Jemand nahm sie am Ellenbogen und zerrte an ihr. Sie versuchte sich loszureißen und wehrte sich gegen ihren Angreifer. „Jenny, Jenny.“ Er blieb stehen und ergriff sie an den Schultern. Dann schüttelte er sie sanft und sie fokussierte sich auf ihr Gegenüber. Alex. „Alex, was ist hier los? Was soll das. Ihr greift die Besucher an? Was ist das hier?“ Er wand sich ergriffen und versuchte auszuweichen. Jenny blieb eisern und blickte ihn an. „Was soll das hier?“ „Es ist Halloween. Und an diesem einen Tag jagen wir.“ „Was?“ „Das hier ist keine gewöhnliche Stadt. Hier leben nur – wie soll ich das sagen? – Fabelwesen? Ja, Fabelwesen. Also das, was ihr als Vampir, Werwolf, Monster kennt.“ Sie trat paar Schritte zurück. „Du willst mich verarschen, oder? Das ist so ein Versteckte-Kamera-Ding oder?“ „Nein, leider nicht. Wir jagen, um dann wieder ein Jahr in unserer menschlichen Form dastehen zu können.“ Sie drehte sich kopfschüttelnd um. „Ich verstehe gar nichts.“ Vor ihr tauchte der Werwolf auf, der sie vorher hinausbegleitet hatte. Er fauchte und schaukelte bedrohlich vor ihr, hin und her. „Verpiss dich, ich bin echt nicht in der Stimmung auf eurer komisches Theater. Lass mich in Ruhe, sonst könnte das echt übel für dich werden.“ Der Werwolf hörte nicht auf sie. Er sprintete auf sie zu, sie rannte von ihm weg und ließ Alex verdutzt stehen. In einer dunklen Ecke kam sie zum Stehen. Sie griff in ihre Tasche und zog ein Messer. Nicht mit ihr. Diese Idioten würden sie nicht töten, oder sonst was mit ihr machen. Der Werwolf stürzte um die Ecke und konnte sie nicht sehen. Sie war in der Zwischenzeit auf eine der Mülltonnen geklettert. Als er ankam, sprang sie ihm auf den Rücken und stach zu. Direkt in die Halsschlagader. Das Messer hätte dem Werwolf nichts getan, aber der Griff, den Jenny mit in die Stichwunde versinken ließ, denn der war aus Silber.

Alex stürmte hinter ihnen her. Er sah den Werwolf auf dem Boden und die versteinerte Jenny stand daneben. Blutbesudelt.  Er handelte schnell. Ein Mensch, der einen von ihnen tötete, wurde hingerichtet.

„Gib mir mal das Messer. Jenny! Das Messer.“ Ihr Kopf zuckte. Sie blickte sich um und sah das Messer neben sich. Sie sprang beiseite und öffnete den Mund zu einem lautlosen Schrei. Hilflos blickte sie Alex an. „Bück dich einfach, nimm das Messer und gib es mir.“ Ein Nicken bestätigte ihm, dass sie ihn verstanden hatte. Sie griff nach dem Messer und reichte es ihm. Er nahm es und steckte es in seinen Hosenbund. Dann ging er auf sie zu. „Es muss sein, sonst werden sie dich töten und nicht auf die sanfte Art.“ Sie blickte ihn verständnislos an. Er kam auf sie zu. Seine Augen blitzen gelb und er verwandelte sich. Er war ein Werwolf. „Oh nein.“ Schluchzte sie. „Oh nein.“ Sie hob die Hände um ihn abzuwehren, aber nichts half. Er sprang sie an und biss ihr in die Schulter. Sie schrie. Dann verließen sie die Kräfte und sie wurde ohnmächtig. Dass etwas an ihr zerrte, spürte sie nicht mehr.

Ein Jahr später – Halloween.

„Hei, hallo willkommen. Schön, dass ihr hergefunden habt. Ich hoffe ihr habt gute Laune mitgebracht? Dort hinten ist das Buffet und da die gut gefüllte Bar. Alles aufs Haus. Das einzige, mit dem ihr später bezahlen müsst, ist euer Blut. Hahaha – ein Scherz. Ich bin Jenny. Lasst die Party beginnen.“ Sagte sie, und drehte sich um, um die Tür zu schließen. Dabei blitzten ihre Augen gelb auf.

ENDE

 

 

Allgemein, Horror, writing friday

[#WritingFriday] – Lasst die Party beginnen. 1 von 2

Horrorgeschichten sind echt einfach mein Ding. Deswegen kommt auch zum heutigen Writing Friday im Horroctober eine schöne passende Geschichte.

Schreibthemen Oktober

  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Er wischte sich das Blut von den Händen und…” beginnt.
  • Schreibe aus der Sicht eines Hexenbesens.
  • Wovor fürchtest du dich am meisten? Erzähle uns davon.
  • Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: erdrosselt, vergraben, blutig, Schrei, Blutmond
  • Das Böse herrscht – Egal ob Buch, Film oder Videospiel wer ist dein liebster Bösewicht und wieso? Könnte er auch gute Seiten an sich haben?

Ich habe mich heute entschieden:

Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Er wischte sich das Blut von den Händen und…” beginnt.

Da ich wieder mal kein Ende gefunden habe, werde ich es wieder auf 2 Parts aufteilen, dann könnt ihr es besser lesen, ohne mit den Augen zu rollen, da es nicht enden will. :-)


Er wischte sich das Blut von den Händen und dachte zurück. Einige Stunden früher war alles noch in wie geplant verlaufen. Jetzt blickte er auf seine blutverschmierten Hände und überlegte, wie er weiter machen sollte. Er drehte sich um und Jenny stand hinter ihm. Tränen hatten ihr aufwendiges Makeup zerstört. Sie schluchzte und versuchte wieder ihren Atem zu beruhigen. Neben ihr lag das blutige Messer. „Gib mir mal das Messer. Jenny! Das Messer.“ Ihr Kopf zuckte. Sie blickte sich um und sah das Messer neben sich. Sie sprang beiseite und öffnete den Mund zu einem lautlosen Schrei. Hilflos blickte sie Alex an. „Bück dich einfach, nimm das Messer und gib es mir.“ Ein Nicken bestätigte ihm, dass sie ihn verstanden hatte.

***

Es war stockdunkel. Nur der fast volle Mond warf ein unwirkliches Licht auf das Szenario. Es war Freitagabend. Am Freitagabend gab es in der Bowling Bar immer ein Treffen der Dorfjugend. Die Dorfjugend bewegte sich hier bis in die Anfang dreißig. Da sich die Leute sowieso alle kannten, war das hier nicht so streng getrennt. Es wurde Musik gespielt die aus den Fünfzigern bis in die Achtziger ging. Alles tolle Partymusik. Die Leute waren ausgelassen und konnten die stressige Woche, die hinter ihnen lag ausblenden.

Ganz selten verirrte sich ein Auswertiger hier her. Sie waren nicht gerne gesehen und wurden meist auch schnell vertrieben. Das war eine geschlossene Gesellschaft. Hier war man unter sich. Man konnte alles Mal fallen lassen. Jeder musste sich in seinem Alltag zusammenreißen. Die einen hatten einen Job in der nächsten Stadt, oder die nächst höheren Schulen lagen auswärts. Da war man so oder so mit den ganzen Auswärtigen in Kontakt. Es war da schon immer anstrengend genug.

Es gab nur einen Tag im Jahr, an dem Besuch erwünscht war.

Halloween. Das war ein ganz besonderer Abend in der Gemeinde. Erst wurde ausgelassen der Abend begrüßt und dann wurden die Türen geöffnet. Aber natürlich war man vorsichtig. Die Halloweenparty wurde immer in verschiedenen Orten angekündigt. Nie wurden mehrere Orte aufgesucht. Viel zu viel Aufwand und Aufmerksamkeit. Nein, nein. Alles musste ganz geheim bleiben.

***

„Das soll die Party des Jahres sein. Hast du von dem Ort schon mal gehört, Patrick?“ Fragte die hübsche blonde vom Rücksitz. Patrick kannte sie gar nicht. Er hatte sie in einer Kneipe aufgegabelt. Sie und ihre Freundin, Jenny, waren ihm und seinem Freund Peter aufgefallen. Hübsch und hoffentlich leicht herum zu kriegen. Als sie auf dem Weg zur Tankstelle waren, um Nachschub zu holen, stießen sie auf ein Plakat einer Halloween Party der besonderen Art. Warum nicht, dachten er und Peter. Je lockerer die Mädchen waren, umso besser. Also machten sie sich auf dem Weg. Die Beschreibung stand auf dem Plakat.

Sie fuhren durch einen stockdunklen Wald. Die Lichtkegel des Autos brachten nicht viel Helligkeit. Es war als würde die Dunkelheit, das Licht einfach verschlucken. Patrick fuhr langsamer. Das letzte, das er wollte war jetzt noch mit einem Baum zusammen zu stoßen. „Perfekt.“ Meinte Jenny. „Jetzt kommt auch noch Nebel auf. Wollen wir nicht lieber zurück fahren?“ Sie drehte sich um und entdeckte erschrocken, dass auch hinter ihnen eine Nebelbank erschienen war. Die Rücklichter und der Mond, verwandelten den Wald in der Heckscheibe zu einem Gruselkabinett. Sie meinte irgendwelche Schatten hin und her rennen zu sehen. Ein leichtes Zittern übermannte sie und sie drehte sich schnell wieder um. Ihr Atem ging schneller und sie griff nach Bibis Hand. Ihre beste Freundin hatte sie so bekniet heute mit ihr raus zu gehen. So langsam bereute sie ihre Entscheidung.

„Da – schaut, da ist eine Brücke und ein Wegweiser zur Party. Wir sind richtig.“ Meinte Patrick erleichtert. Der Nebel teilte sich vor ihnen und gab den Weg frei – es schien, als würde er ihnen die Richtung diktieren. Patrick betrachtete das ganze misstrauisch. Sagte aber nichts, um nicht noch mehr Panik zu verbreiten.

Endlich kamen sie bei einem Wendehammer an. Vor ihnen lag eine  Bowlingbahn. Sie war hell erleuchten und fetzige Musik drang zu ihnen. Das Auto wurde abgestellt und alle vier sprangen aus dem Auto wie ein Kastenteufel aus der Box. Bloß endlich Kontakt zu anderen.

Die Bowlingbahn schien aus den Fünfzigern zu stammen und war stark amerikanisch angehaucht. Die Menschen, die ein und ausgingen, waren in sehr kunstvoll und realistischen Kostümen gekleidet. Jenny bewunderte die Vielfalt. Es wirkte so echt. „Wahnsinn. Wer hat denn hier die Maske gemacht. Das ist ein Künstler, der eigentlich ins Filmbizz gehört.“

Alex sah die Gruppe als erstes. Mit dem Ellbogen schubste er seinen Freund an und die beiden gingen zu ihnen. „Hei, schön, dass ihr hier seid. Willkommen. Fühlt euch wie zu Hause. Die Getränke gehen aufs Haus. Da hinten ist das Buffet.“ „Geil.“ Patrick wartete nicht lange und stürzte gleich zur Bar.

Bibi hängte sich bei Peter an und folgte ihm. Jenny blieb verloren zurück. Sie schaute zu Alex und er kam zu ihr. „Hei, mein Name ist Alex. Wie kommst du zu dieser Truppe?“ „Wieso? Bibi, meine Freundin hat mich überredet.“ „Nur so, du scheinst nicht so dazu zu gehören. Irgendwie bist du anders.“ „Das verstehe ich nicht.“ „Ach ist doch egal. Was willst du trinken?“ „Eine Bloody Mary.“ Grinste Jenny. „Gute Wahl. Warte hier.“

Jenny blickte sich um. Irgendwas war komisch an der Kulisse. Auf den Tischen standen kleine Snacks in Fingerform oder Augen. Also typisches Halloween-Fingerfood. Sie ging an einen der Tische und wollte sich gerade so einen Finger nehmen, als Alex wieder zurückkam. Er hielt ihren Arm fest, als sie gerade zugreifen wollte. „Ach besser nicht. Das ist schon alt und total knatschig.“ Sie blickte ihn fragend an und zuckte mit den Schultern. Er führte sie zu einer Bahn und sie bowlten. Ihre Begleitung hatte sie total vergessen.

Dann erscholl ein Gong. Sie erschrak und schaute auf Alex. Er seufzte. „Jetzt ist es leider soweit.“ „Was denn?“ Fragte Jenny. „Die Jagd.“ „Jagd, nach was?“ „Euch.“ Jenny kam sich etwas schwerfällig vor. „Uns?“ „Ja. Euch. Es wird Zeit nach draußen zu gehen.“ „Gehen.„ lallte sie und es wurde ihr schwindelig. „Was ist los mit mir? Mir ist so schwindelig.“ „Eine leichte Betäubung. Damit es nicht so weh tut.“ „Ich versteh kein Wort von dem was du erzählst.“ „Bleib hier. Ich hole dich gleich.“

Fortsetzung folgt. 

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#Writing Friday – Der brennende Regen 3 von 3

So der finale Teil des letzten #Writing Fridays.

Teil 1 findet ihr HIER

Teil 2 findet ihr HIER

Was bisher geschah:

Nach der ersten Nacht gingen Bea und Emily zurück zu dem Platz an dem sie angegriffen wurden. Weitere Überlebende treten heraus. Sie schliessen sich einer Gruppe an. Als sie sich erneut verstecken wollten, gerät Emily in Gefahr.

Emily schrie auf. Sie robbte nach hinten, weg von der Kreatur. Aber es war vergeblich. Die Hand des Scheusals schloss sich um Emilys Knöchel. Sie zog dran und holte Emily damit näher zu sich. Bea blieb stehen. Unfähig weiter zu laufen sah sie diesem Schauspiel zu. Sie konnte es nicht fassen. Die Kreatur hob Emily etwas in die Höhe und versuchte in den Fuß des Mädchens zu beißen. Zum Glück waren die Schuhe noch im Weg. Emily schrie und trat nach dem Monster. Aber es war stärker. Ein weiterer Versuch in Emilys Bein zu beißen schien erfolgreich zu werden.

Aus dem Augenwinkel sah Bea einen Schatten heran stürmen. Ein tiefes Knurren erklang. Ohne lange zu warten schoss ein Wesen aus dem Schatten und stürzte sich auf das Monster, das gerade seine Zähne in Emilys Wade rammen wollte. Emily fiel. Der Körper wurde von dem angreifenden Wesen von Emily weggedrängt. Es sprang hoch und verbiss sich in dessen Kehle. Ein gurgeln erklang und die Kreatur fiel zu Boden.

Emily rappelte sich auf und rannte in die Richtung in der Bea und Ben angewurzelt standen. Dann blieb sie stehen und drehte sich um. Ganz ruhig betrachtete sie die grausame Szene. Sie wartete. Das Wesen löste sich von dem Monster und drehte sich zu ihnen um. Es war blutverschmiert und Schmutz verkrustet. Emily ging in die Knie. Bea hielt den Atem an.

Das Tier trabte auf sie zu. Legte seinen Kopf auf ihre Schulter und Emily drückte seinen Hals. „Emil.“ Emil. Ja natürlich. Welches Tier hätte sich sonst so aufgeopfert, wenn nicht der geliebte Hund. Bea und Ben rannten zu Emily. Sie schnappten das Mädchen und der Hund folgte ihnen. Sie mussten von der Straße runter.

Schnell rannten sie in die Richtung in der die Wohnung lag, in der sie den Tag davor Schutz gefunden hatten. Hinter ihnen konnten sie Dora und noch einige andere sehen, die sich ihnen anschlossen. Allerdings konnte sie auch sehen, dass noch mehr der Monster auferstanden waren. Und wie Ben schon befürchtet hatte, auch diejenigen, die den Tag davor ihr Leben verloren hatten. Die Menschen, die sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten wurden gnadenlos von den Kreaturen angegriffen und getötet. Es war furchtbar.

Als sie an dem Haus ankamen hatten sich auch an ihre Fersen schon einige der Monster gehängt. „Schneller, schneller.“ Rief Ben. Ein älterer Mann, der nicht schnell genug rennen konnte, blieb zurück und wurde eingeholt. Ein Schrei und Bea wäre fast in Dora hinein gerannt, die plötzlich stehen blieb um dem Mann zu helfen. Bea schnappte sich ihren Arm und zog sie weiter. „Das geht nicht. Er ist verloren. Lauf, lauf.“ Da war die rettende Tür. Bea stieß sie auf und hoffte, dass es dahinter immer noch leer war. Sie winkte den anderen sich zu beeilen. Als der letzte eintrat schmiss sie die Tür zu und verriegelte sie.

Sie schaute zur Gruppe. „Das wird erst mal halten. Wir gehen in den zweiten Stock. Am Ende des Gangs ist eine Wohnung, die dürfte sicher sein.“ Sie bewegten sich nach oben. In der Wohnung suchte sich jeder einen Platz und verhielt sich ruhig.

„Emily, was meinst du, gehen wir ins Bad und waschen Emil, so dass er wieder hübsch ist?“ Sie nickte heftig.

Es war beruhigend den Hund zu waschen. Während sie ihn einseiften machte sich Bea Gedanken, wie sie weiter verfahren sollten. Sie mussten auf jeden Fall raus aus der Stadt. Sobald der Morgen dämmerte würden sie sich sammeln und die Autos besteigen.

Ben saß in der Küche. Bea setzte sich zu ihm. Er hatte Kaffee gekocht. Sie genoss den bitteren Geschmack. „Morgen sobald es hell wird brechen wir auf. Wir brauchen einen sicheren Ort. Er muss zu verteidigen sein.“ Bea überlegte. Was wäre einfach zu verteidigen aber auch zu bewirtschaften? „Wie sieht es mit Vorräten aus?“ „Bevor wir angegriffen wurden, haben die Leute gut gesammelt. Wenn wir rationieren, dann kommen wir paar Überlebende zurecht. Das Problem dann werden wir später lösen. Uns muss klar werden, dass sich mit dem gestrigen Vorfall unser gesamtes Leben geändert hat.“ Bea nickte. Ja, das Leben, das sie kannten und schätzten war vorbei. „Ich weiß was. Eine Burg. Oder ein Schloss. Die haben hohe Mauern und ein Tor. Oder ein Kloster. Die haben sogar schon Gärten angelegt.“ „Ein Kloster. Das klingt gut. Lass uns mal sehen wo eines in der Nähe ist.“ Sie zückten ihre Handys und suchten in der Umgebung nach erhaltenen Klöstern. „Da. Ein Kloster. Perfekt. Das ist eine sehr gute Idee, Bea.“ Sie lächelte. Ein Silberstreif am Horizont. „Lass uns bisschen schlafen. Ich denke hier sind wir sicher genug, dass wir keine Wachen brauchen.“

Emily hatte sich an den noch feuchten Emil gekuschelt und drückte ihn fest. Sie würde ihn bestimmt so schnell nicht mehr los lassen. Ein Klosterleben. Man musste nehmen was kommt.

Als das erste Licht durch die Scheiben leuchtete, waren sie schon fleißig am Auto packen. Es waren noch vierzehn Überlebende jeden Alters dabei. Sie fuhren in drei Autos. Oft mussten sie Leichen ausweichen. Langsam fuhren sie weiter. Bloß keinen Unfall bauen. Sie wussten nicht, ob das mit den Angriffen wirklich abhängig von der Tageszeit war. Nichts riskieren. Bea schaute hinaus. Die Welt zog wie in Zeitlupe an ihr vorbei. Was würde sie erwarten? Eine ungewisse Zukunft erwartete sie. Aber sie sah es positiv. Sie hatten überlebt.

Sie erreichten das Kloster. Die Tore standen offen. Das war kein gutes Zeichen. Langsam fuhren sie in den Klosterhof. Das schlimmste war eingetroffen. Es lagen viele Mönche vor ihnen auf dem Boden. Überall Blut. „Was machen wir jetzt?“ Fragte Bea. Ben war im ersten Moment sprachlos. „Wir müssen die Leichen hinausbringen. Schnell. Wir teilen uns auf. Die einen schaffen die Leichen hinaus und die anderen schauen sich um, ob es noch mehr gibt. Wir müssen uns beeilen.“

Sie erläuterten den Plan mit den anderen und gingen schnell zu Werke. Die Männer schafften die Leichen hinaus. Sicherheitshalber schlug Dora vor, dass sie verbrannt würden. Sie wussten ja aus der Stadt, dass sie wieder auferstehen würden. Währenddessen suchten die Frauen das übrige Gelände ab. Aber es schien keiner mehr am Leben zu sein. Im hinteren Teil fanden sie noch einige Leichen. Mit ihnen wurden ebenso wie mit den anderen verfahren.

„Schnell schließt die Tore. Es dämmert. Wir sollten uns einen Raum suchen, den wir abschließen können, für den Fall dass wir jemanden übersehen haben.“

Sie trafen sich in der Klosterküche. Dort gab es sogar noch viele Lebensmittel. Die Frauen bereiteten kleine Häppchen vor. Dann war Warten angesagt. Es war still. Keinerlei Laute drangen zu ihnen. Das Kloster lag abseits genug von der nächsten Stadt. Und das Klostergelände hatten sie wohl sorgfältig gereinigt. Die Spannung fiel von der Gruppe ab.

Die nächsten Tage und Wochen waren sie damit beschäftig die Mauern und Tore zu verstärken und sicherer zu machen. Die Frauen kümmerten sich um die inneren Räume und Gärten. Die Männer um die Verteidigung. Die Kinder halfen überall fleißig und Stolz mit.

Sie hatten weniger Angst vor den Monstern zu denen die getöteten geworden waren, als vor den Monstern die überlebt hatten. Das soziale Gefüge, das die Gesellschaft gebändigt hatte, gab es nicht mehr. Es war nur eine Frage der Zeit in der plündernde Gruppen zu ihnen stoßen würden. Sie wussten nicht was mit den Untoten geschehen würde. Würden sie irgendwann verhungern und sterben, oder würden sie in eine Art Koma fallen? Das würde sich zeigen. Aber die Lebenden, die waren immer unberechenbar.

Bea und Ben standen auf der Mauer und beobachteten die Gegend. „Das wird unser neues Leben werden. Bist du bereit?“ fragte Ben. Sie nahm seine Hand und drückte sie. „Ja, das bin ich.“ Ein neues gefährliches Leben würde sie erwarten. Aber sie würden es willkommen heißen.

ENDE

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#Writing Friday – Der brennende Regen 2 von 3

Da ich mich ja beim letzten #Writing Friday nicht kurz halten konnte – das ist ein Thema, bei dem schweife ich leider immer wieder gerne aus. Also hier kommt die Fortsetzung. Teil 1 könnt ihr HIER noch mal lesen.

Was bisher geschah.

Bea wird von einem ätzenden Regen überrascht. Die Menschen auf der Strasse suchen Unterschlupf. Bei ihrer Flucht trifft sie auf ein kleines Mädchen mit ihrem Hund. Emily und Emil. Als sie auf der Suche nach ihrer Mutter sind kommt es zu einem Angriff. Die beiden fliehen erneut. Dabei werden sie von dem Hund getrennt.

Wenige Minuten, oder waren es doch Stunden? Bea hatte jegliches Zeitgefühl verloren, wachte sie auf. Etwas hatte sie geweckt. War es das Geräusch, das diese mutierten Menschen verursachten? Nein. Es war die Stille, die sie geweckt hatte. Das Fehlen jeglichen Geräusches in der Stadt war extrem unheimlich. Sie ging leise zum Fenster und schob vorsichtig die Vorhänge beiseite. So leise wie möglich, öffnete sie das Fenster und lehnte sich hinaus. Nichts. Im Dämmerlicht des Morgens war die Straße leer gefegt. Emily schlief noch. Sollte sie die Kleine wecken? Ja, es wäre besser, sie würden zusammen die Lage abklären.

Sanft rüttelte sie Emily wach. „Emily? Komm Süße, aufwachen. Wir müssen mal gucken was da draußen los ist.“ Emily sprang auf wie ein Kastenteufel. „Ja und wir müssen Emil suchen.“ Das Leuchten in den Augen des Mädchens versetzte Bea einen Stich. Hoffentlich fanden sie nicht seine Leiche. Sie streichelte ihr über den Kopf und schickte sie ins Bad. Zwischenzeitlich packte Bea einige Vorräte ein. Im Bad suchte sie nach Erste Hilfe Material. Sie stopfte alles in einen gefundenen Rucksack und Schulterte ihn auf. Dann nickte sie Emily zu. „Auf geht es.“

Sie gingen die Treppe hinab. Vorsichtig. Vielleicht hätte sich etwas im Flur versteckt. Aber es war leer. Vor der Tür stehend, atmete Bea tief ein. Mit einem Ruck zog sie die Tür auf. Sie gingen hinaus. Immer noch waren keine typischen Geräusche zu vernehmen. Selbst die Vögel, die normal den neuen Tag begrüßten, waren still.

Sie gingen zurück zu dem Platz vor dem Gebäude, in dem Emilys Mutter arbeitete. Es war schlimmer als Bea jemals erwartet hätte. Sie drückte Emily an ihre Seite. Leider konnte sie ihr nicht ersparen die ganzen Leichen zu sehen. Sie hatte Angst sie irgendwo zurück zu lassen. Sie wollte vermeiden, dass sie irgendwie getrennt wurden. Die Tür, die der Mann vorher nicht öffnen wollte um die beiden einzulassen, war zerstört. Vorsichtig näherten sie sich um zu sehen, dass die Halle mit Leichen übersät war. „Mami?“ Oh nein. Bitte, lass nicht ihre Mutter dabei sein. Betete Bea still. Bitte nicht. Aber das Schicksal war nicht gnädig. Emily rannte zu einer Frau. Sie war tot. Zum Glück sah sie nicht so verstümmelt aus, wie die Körper die ihnen sonst so unter die Augen gekommen waren.

Leise weinte Emily. Ganz vorsichtig streichelte sie über die leblose Hand ihrer Mutter. Dann blickte sie zu Bea. „Mami. Sie ist tot.“ Bea hatte einen Kloss im Hals. „Ja Emily. Sie ist tot.“ Emily nickte, während ihr die Tränen leise über die Wangen liefen. Sie erhob sich und ging zurück zu Bea. Dann steckte sie ihre kleine Hand in die ihre. „Komm, lass und Emil suchen.“ Sie schniefte noch etwas und wischte sich verärgert die Tränen von der Wange. Ein tapferes Mädchen, dachte Bea.

Von den Kreaturen war nichts zu sehen. Bea bezweifelte, dass sie alle gestorben waren. Sie vermutete, dass sie sich tagsüber versteckt hielten. Das war gut. Sie mussten also immer des Nachts eine sichere Unterkunft finden. Das sollte doch zu schaffen sein. Der Tag brach endgültig durch. Rechts und links erschienen weitere Überlebende. Alle sahen so geschockt aus, wie Bea sich fühlte. Eine kleine Gruppe stand in der Nähe. Eine ältere Frau winkte ihnen zu. „Kommt ihr beiden.“ Bea zögerte nicht. In einer Gruppe war man immer stärker. „Hallo ihr zwei. Kommt hier seid ihr erst mal sicher.“ „Hallo, wir sind Bea und Emily. Schön, dass es noch paar geschafft haben. Was sind das für Kreaturen?“ Ein junger Mann meldete sich zu Wort. „Ich bin Ben. Soweit wir das beobachten konnten ist dieser ätzende Regen verantwortlich. Die, die keinen Schutz finden konnten sind:“ Er machte Gänsefüßchen.“ „Gestorben“. Aber irgendwie nicht richtig. Sagen wir mal ich vermute, dass die Instinkte erhalten blieben, aber das menschliche ist gestorben. So ein bisschen wie Zombies. Wir wissen ja auch nicht, ob die von ihnen getötete vielleicht auch wieder aufstehen. Auf jeden Fall verstecken sie sich bei Tageslicht. Da dieser Regen nicht natürlich ist, kann man vielleicht von einer Biowaffe ausgehen.“ Bea nickte. So etwas hatte sie ja selbst schon vermutet. „was machen wir jetzt?“ Wir müssen aus der Stadt raus. Es gibt zu viel hier. Aber wir können nur Tagsüber gehen. Also müssen wir immer irgendwie in Nähe eines Unterschlupfes sein.“ „Was ist mit Autos?“ „Ja.“ Ben drehte sich zur Gruppe um. „Ist irgendwer mit seinem Auto heute hier?“ Die Gruppe umfasste etwa zwanzig Leute. Aber sie konnte am Rande erkennen, dass immer mehr Menschen sich anschlossen. Überall traten überlebende Heraus und suchten Sicherheit. Aber wie Groß durfte eine Gruppe werden um noch sicher zu sein, fragte sich Bea. Emily stand am Rand und ließ ihren Blick in alle Richtungen schweifen. Aber Emil war nirgends zu sehen. Sie ließ ihre Schultern hängen.

„Wie viel Autos können wir nutzen?“ Fragte Bea Ben. „Soweit ich das sehe, sind etwa fünf Leute mit Autos da. Das ist ziemlich gut. Da können wir schon etwa fünfundzwanzig Leute unterbringen. Aber wir müssen uns aufteilen. Zu große Gruppen sind unübersichtlich.“ Ben wandte sich den Leuten zu. „Hört zu. Wir müssen uns aufteilen. Ich denke Gruppen zu zehn Leuten ist zu bewältigen. Wir müssen aus der Stadt raus bevor es dunkel wird.“

Aufgeregtes Gemurmel erhob sich. Ein etwas älterer Mann erhob sich. „Aber wie entscheiden wir das?“ „Na das wird doch zu machen sein. Hier wird nicht gewählt. Von mir aus stellt euch in eine Reihe und zählt zehn ab. Es geht doch auch nur darum hier sicher raus zu kommen. Später treffen wir uns und schauen wie es weiter gehen soll.“ Es schwoll ein lautes Raunen an. Keiner war so richtig zufrieden mit dieser Lösung. Bea konnte nicht nachvollziehen warum sich die Leute so schwer taten.

„Hört zu. Es wird Zeit. Wir müssen hier raus. Aber wir brauchen auch Vorräte. Also jammert nicht herum sondern fangt an produktiv zu werden. Geht in die Häuser und Büros, nehmt alles was verwertbar ist mit und wir treffen uns dann alle wieder hier, aber denkt daran, wir müssen Schutz haben wenn es dunkel wird. Ist das allen klar?“ rief Bea genervt in die Runde. Alle nickten und die Gruppe löste sich langsam auf.

Emily stand so verloren da und kämpfte mit den Tränen. Bea brach das Herz. Die Kleine hatte ihren Hund und ihre Mutter verloren und der Vater? Daran mochte sie nicht denken. „Komm Emily, lass uns bisschen shoppen gehen, ja?“ Emily zuckte mit den Schultern und die beiden gingen auf Beutezug.

Einige Stunden später sammelten sich die Leute nach und nach am Treffpunkt. Die Zeit war viel zu schnell vergangen. Es wurde schon wieder duster. Ängstlich blickte sich Bea nach Ben um. Dort stand er und unterhielt sich mit der älteren Dame, die sich als Dora vorgestellt hatte.

„…..es ist schon so spät geworden. Wir hätten schon längst unterwegs sein müssen.“ Stellte Ben fest. „Was bedeutet, das? Kommen wir heute nicht raus?“ „Ich bin mir nicht sicher. Einem Angriff werden die Autos nicht standhalten. Vielleicht sollten wir uns in einem Haus verbarrikadieren?“

In diesem Moment hörten sie die Geräusche. Sie waren zu spät dran und die Kreaturen zu früh. Entsetzt griff Bea nach Bens Arm. „Oh nein, sie kommen. Wir sind zu spät. Wir müssen weg. Kommt. Wir hatten gestern einen guten Unterschlupf. Ich hoffe, der ist noch sauber. Schnell, schnell.“ Sagte sie hektisch zu Ben und Dora. „Wo ist Emily? EMILY. EMILY wo bist du? Wo ist sie nur.“ Ben drehte sich um seine Achse. „Dort. DA hinten steht sie.“ Oh nein. Emily. Ganz in der Nähe konnte sie einen Schatten ausmachen. Eine der Kreaturen bewegte sich noch etwas steif auf das Mädchen zu. Aber Emily merkte nichts. Ben und Bea rannten los, aber sie waren zu weit weg. Diese Kreatur würde das Mädchen vor ihnen erreichen. „Emily. Emily lauf.“ Schrie Bea. Emily drehte sich langsam zu ihnen um. Ein Geräusch ließ sie zusammenzucken. Sie drehte ihren Kopf in dessen Richtung und sah die Kreatur auf sie zu kommen. Sie wich zurück, stolperte und konnte sich nicht auffangen. Sie fiel rücklings auf den Boden. Die Kreatur war nur noch eine Handbreit von dem Mädchen entfernt und streckte schon die Arme nach ihr aus. Bea wurden die Knie weich. Sie durfte Emily nicht verlieren. Sie war ihr Anker. Ben versuchte schneller zu rennen, aber immer noch waren sie zu weit weg. Sie würden es nicht schaffen.

Horror, writing friday, Zombies

#Writing Friday – Der brennende Regen 1 von 3

Es ist #Writing Friday Time.

Man merkt wenn ich mich in meinem Wohlfühlgenre bewege – ich finde kein Ende. Deswegen muss ich leider ankündigen: Es wird ein Mehrteiler. Entschuldigt. Aber ich hoffe ich kann es wenigstens spannend für euch machen.

Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Der Regen brannte auf ihrer Haut, weil…” beginnt

Der Regen brannte auf ihrer Haut, weil vom Himmel gelber Regen fiel. Sie und alle anderen auf der Straße blickten nach oben. Bea hielt schützend ihre Hand über die Augen. Zum Glück, denn die Tropfen wurden stärker und schmerzhafter. Sie schaute sich nach einem Unterstand um, nur um fest zu stellen, dass alles in der Nähe schon besetzt war. Die Leute auf offener Straße schrien und rannten wie kopflose Hühner durch die Gegend. Sie behinderten sich selbst bei ihrer Flucht. Bea drückte sich an die Hauswand. Auf ihrer Haut erschienen kleine Blasen.

Dankbar, ihre große Handtasche dabei zu haben, hielt sie diese über ihren Kopf und rannte los. Sie brauchte Schutz. Ein kleines Mädchen mit einem Hund an der Leine stand am Straßenrand. Ganz alleine und die Menschen um sie herum rannten an ihr vorbei, ohne sie zu beachten. Bea überlegte einen Wimperschlag lang und rannte zu den beiden wehrlosen Geschöpfen. Sie schnappte sich die die Kleine mit ihrem Hund und rannte so schnell es mit ihnen möglich war.

Da war ein Fahrradständer – überdacht. Was ein Glück, dachte Bea. Schnell zog sie die beiden mit unter das Dach und versuchte ihren Atem unter Kontrolle zu bringen. Sie blickte zu dem Mädchen, das sich gekniet hatte und ihren Hund fest umarmte. Bea befürchtete schon, dass sie ihn erwürgen würde. Er leckte beruhigend über ihr Gesicht. Seine Nase hatte auch einige der giftigen Tropfen abbekommen. Aber er war tapfer und spendete seiner kleinen Freundin Trost.

„Hallo, ich bin Bea und wie heißt ihr zwei?“

Das Mädchen schaute sie mit riesigen Augen an. „Ich bin Emily und das ist Emil.“

„Emil und Emily – das ist ja schön. Wo kommt ihr zwei her. Wo ist deine Mutter?“ Ein tiefer Schluchzer löste sich und ließ Emily erschaudern. „Ich weiß es nicht. Ich sollte mit Emil warten, da er nicht mit in dieses Gebäude durfte, wo wir standen.“ Das Gebäude war von ihrem Platz aus nicht zu sehen. Bea überlegte. Aber sie hätte keine andere Entscheidung treffen können. „Wir werden deine Mutter finden. Aber erst mal muss der Regen aufhören.“ Aber der Regen wollte nicht aufhören. Bea verzweifelte. Die Schreie, aus der Richtung aus der sie kamen waren immer noch zu hören, wenn auch leiser. Es wurde dunkel. Emily zitterte. Bea zog ihren Pullover aus stülpte ihn über Emilys kleinen Körper. Sie mussten irgendwo nach drinnen kommen.

Geräusche. Was waren das für Geräusche? Der Hund knurrte. Emily hatte sich an ihn geschmiegt und schlief. Der Regen hatte endlich aufgehört. Es war gespenstisch Still – nur diese, ihr unbekannten Geräusche waren zu hören. „Bleib hier bei Emil und seid leise.“ Der Hund schaute mich an, als hätte er wirklich verstanden, wie wichtig es jetzt war ruhig zu sein. Er stellte sich vor seine Freundin und schwellte die Brust an. Wenn die Situation nicht so beängstigend gewesen wäre, wäre diese Geste total putzig gewesen.

Bea schlich den Weg zurück, den sie gekommen waren. Das Geräusch wurde lauter. Sie stand an der Ecke. Die Menschen, die sich vor dem giftigen Regen hatten schützen können, verließen ihn. Auf den Straßen lagen unendlich viel Körper. Der Regen hatte sie getötet. Bea schlug die Hand vor Entsetzen vor den Mund. Was war nur geschehen? Eine Biowaffe? Gab es Krieg? Die Straßenlaternen warfen einen unheimlichen Schatten auf die Leichen.

Was war das? Da, die Leichen lebten. Es waren doch keine toten Körper. Bea atmete auf. Was auch immer da vom Himmel herab geregnet war. Es war nicht giftig. Sie wollte sich gerade umdrehen um wieder zurück zu Emily zu gehen. Es wurde Zeit ihre Mutter zu finden. Aber Emily war ihr schon gefolgt. Sie hatte einfach zu viel Angst im Dunkeln alleine zu sein.

„Bea, können wir meine Mutter suchen?“ Bea erschrak.

„Hast du mich erschreckt.“ Sie sparte sich die Bemerkung, dass sie doch hätte warten sollen. Sie selbst hätte es wahrscheinlich auch nicht getan. „Ja, wir werden jetzt in das Gebäude gehen und nach deiner Mutter schauen.“ Emily lächelte sie dankend an und Emil wedelte mit seinem Schwanz und leckte ihre Beine ab.

Emily steckte ihre kleine Hand in Beas und blickte sie vertrauensvoll an. Dann zog sie sie in die Richtung des Gebäudes, in dem ihre Mutter arbeitete.

Da war es schon wieder das Geräusch. Mittlerweile hatten sich fast alle leblosen Körper erhoben. Sie bewegten sich sehr steif und ungelenk. Das war auch kein Wunder. Ihre Haut war mit Blasen überseht. Das musste furchtbar schmerzen. Dann hatten sie einige Stunden auf dem kalten Boden gelegen. Da wurde man schon steif. Trotzdem versuchte Bea einen großen Bogen um die meisten Körper zu machen. Sie war sich einfach nicht sicher – etwas störte sie. Das Geräusch.

„Schnell, lass uns versuchen hinein zu gehen. Ich finde es etwas zu kalt.“ Sie wollte Emily nicht unnötig ängstigen. Mit kleinen, schnellen Schritten bewegten sie sich zum Eingang vor. Sie schoben die Menschen, die dort Schutz gesucht hatten bei Seite um an die Tür zu kommen. Bea drückte dagegen, verschlossen. Mist, dachte sie. Sie klopfte mit der flachen Hand an die Scheibe. Ein Gesicht erschien. „Öffnen sie bitte. Die Kleine sucht ihre Mutter.“ „Das geht nicht. Anweisung von oben. Keiner darf rein, keiner raus.“ „Was?“ entgegnete Bea scharf. „Das kann nicht ihr ernst sein? Ich sagte, das kleine Mädchen sucht ihre Mutter. Also öffnen sie die Tür. Außerdem ist es echt kalt. Die Menschen hier könnten etwas Wärme vertragen.“ Sagte Bea und zeigte auf die Leute, die mit ihr an dem Eingang standen. Der Mann schüttelte nur den Kopf und ging weg. War das zu fassen. Er ging einfach weg.

Emil knurrte schon wieder. Bea´s Nackenhaare standen zu Berge. Etwas hatte sich verändert. Die Atmosphäre fühlte sich auf einmal geladen und bedrohlich an. Langsam drehte sie sich um. Die verätzten Körper standen und blickten suchend. Was suchten sie wohl? Ihre Freunde und Verwandten?

Kaum hatte Bea ihren Gedanken beendet, ging es los. Die ehemals leblosen Körper zuckten und ruckten eckig. Sie blickten die Schutzsuchenden an und rannten auf sie los. Bea schnappte sich Emily und den Hund und rannte. Sie verließ sich voll und ganz auf ihren Instinkt und der sagte ihr. LAUF!

Und sie lief. Ihre Tasche schlug schwer gegen ihre Hüfte. Die Leine des Hundes wurde stramm und wieder locker. Sie musste schnell einen Unterschlupf finden. Die beiden Kleinen würden das Tempo nicht durchhalten können.

Bea zog die beiden in eine dunkle Seitenstraße. Sie drückte sich an die Wand und ihr Atem ging Stoßweise. Sie schaute sich um. Zu dunkel um etwas zu erkennen. Das Handy – schnell wühlte Bea in ihrer Tasche und fischte nach ihrem Handy. Sie holte es aus dem Stand by Modus heraus und aktivierte die Taschenlampe. Vorsichtig blickte sie zurück. Keiner war ihnen gefolgt. Ein erleichterter Seufzer löste sich. Schnell leuchtete sie die Wände ab. Irgendwo musste es doch einen Eingang geben. Die drei gingen vorsichtig weiter. Bea versuchte die Geräusche, die erneuten Schreie, auszublenden. Dann erfasste der Lichtkegel endlich eine Tür. Sie ging schneller und zog Emily mit sich, die Emil ebenfalls hinter her zog. Dem Hund sträubte sich der Kamm. Bea hielt an und lauschte. Ein eigenartiges Kratzen erschall von den Wänden hinter ihnen. Schnell leuchtete sie und sie erblickte einige der sich erhobenen Menschen. Diese wiederum hielten ihre Nasen in die Luft, als würden sie versuchen sie zu wittern. Dann blickten sie ruckartig in ihre Richtung und sprinteten schreiend auf sie los.

Bea schnappte sich Emily. Emil riss sich von der Leine uns stürmte bellend auf die sich nähernde Gefahr los. Emily brüllte: „Emil, NEIN. Aus, hier her. Komm her. EMIL!“ Sie sträubte sich gegen Bea´s Griff und trat wie wild. Bea hatte Mühe Emily zu halten. Sie drückte gegen die Tür und atmete tief ein. Sie öffnete sich. Schnell trat sie ein und schubste Emily nach drinnen. Einen Spalt offen lassend, blickte sie hinaus.

Der Hund war nicht zu sehen, nur zu hören. Bellend und knurrend schien er sich in der Mitte zu befinden. Bea rief nach ihm, aber er kam nicht. Eine Figur aus der Gruppe hörte den Ruf allerdings. Sie drehte sich ruckartig zu dem Laut um und erblickte Bea. Schon stürmte sie los. Im letzten Moment zog Bea die Tür zu und schob den schweren Riegel davor. Dankbar, dass es ihn gab. Ein hämmern ließ die Tür beben. Sie drückte Emily hinter sich und ging ein Stück in den Flur hinein. „Emil?“ „Schätzchen, Emil weiß wie er überlebt. Er hat sich bestimmt in Sicherheit gebracht. Das war sehr tapfer von ihm dich zu retten. Er ist ein ganz toller Freund.“ Emily weinte leise und schlang ihre Arme um Bea´s Hals. Bea hob sie hoch und blickte die Treppe hinauf. Gegenüber war ebenfalls eine Tür. Sollten sie nach oben gehen, oder hinaus? Sie wusste es nicht.

Nein, hinaus war keine Option. Solange es dunkel war, war es einfach zu gefährlich. Sie stieg die Treppe hoch und blickte die Gänge entlang. Am Ende des zweiten Stockwerks stand eine Tür offen. Vorsichtig ging sie darauf zu. Sie setzte Emily ab um die Hände frei zu haben. Leise klopfte sie an. Keine Reaktion. „Hallo?“ Sie traten ein. Immer noch keine Reaktion. Die Wohnung schien leer zu sein. Schnell zog sie Emily hinein und verschloss die Tür. Sie durchsuchte die Wohnung. Der Besitzer war nicht da. Sie stürmte zu den Fenstern. Leise öffnete sie diese um auf die Straße zu sehen. Vereinzelt torkelten menschliche Körper über die Gassen. Hin und wieder blieb eine stehen und streckte die Nase in ihre Richtung. Bea zog sich schnell zurück und schloß die Vorhänge. Licht würde sie nicht anmachen. Sie setzte Emily, die immer noch weinte, auf die Couch und deckte sie mit der vorhandenen Decke zu. Dann ging sie in die Küche um diese zu inspizieren. Sie war gut gefüllt. Im Notfall könnten sie hier ein paar Tage ausharren.

Als sie zurück ins Zimmer kam, hatte sich Emily in die Ecke der Couch gequetscht und ihren Daumen in den Mund gesteckt. Es schien sie zu beruhigen, denn sie war eingeschlafen. Zärtlich blickte sie auf die Kleine. Der Verlust des Hundes wog schwer auf ihrer Seele. Sie wusste, dass er der Anker der Kleinen war. Sie betete, dass er es geschafft hatte und sie vielleicht finden würde. Hunde konnten so was.

Nach einigen Minuten bemerkte sie, dass auch sie eine bleierne Schwere übermannte. Der abfallende Adrenalinspiegel katapultierte sie in eine Lethargie. Ihre Augen wurden schwer. Sie legte sich ebenfalls auf die Couch und schlief sofort ein.

FORTSETZUNG folgt

Horror, Mystery, Telling Pictures

Telling Pictures – Die Maske der Freiheit

 

Bei Caymons Telling Pictures gab es wieder tolle Bilder, die zum Schreiben einluden.

Lange habe ich überlegt und mir Gedanken gemacht…schaut was draus geworden ist….

Ausgewählt habe ich dieses Bild.

 

Telling Pictures – Masken

Es war dunkel und feucht. Kurz vorher hatte es geregnet, dadurch hatte sich die Luftfeuchtigkeit auf gefühlte hundert Prozent erhöht. Amanda hatte ihre schwarzen Haare zu einem Zopf zusammen gebunden. Die wenigen Haarsträhnen, die sich nicht einfangen lassen wollten hatten kleine Locken gebildet und umrahmten ihr schmales, fast hageres Gesicht.

Sie stand im Hintergrund und beobachtete die Menschen, die an ihr vorbei huschten. Sie hatten ihre Kragen gegen die Feuchtigkeit hochgestellt. Keiner achtete auf den anderen. Die Neonbeleuchtungen der Läden warfen unheimliche Schatten auf den Boden.

Amanda löste sich von dem stillen Hin- und Her der Menschen und ging weiter auf ihrem Weg. Sie kam an einer Kirche vorbei. Das Kreuz warf seinen Umriss auf den Boden. Erschrocken wich sie zurück. Das wäre schmerzhaft geworden. Sie lief um das Hindernis herum. Ein kleiner sehnsuchtsvoller Blick zurück, dann ging sie weiter. Das war eine andere Zeit. Eine verlogene Zeit. Sicherheit gab es nicht. Nicht für sie.

Sie straffte sich und trat energischer ihren Weg an. Es musste noch einiges erledigt werden. Die Uhr tickte. Ihr Gesicht zuckte. Sie griff erschrocken an ihre Stirn. Es wurde Zeit. Sie musste sich beeilen. Um Mitternacht musste es erledigt sein. Sonst würde sie ihr Gesicht verlieren. Schnell, sie hatte sich zu sehr von den Menschen ablenken lassen. Sie waren nur ein Nichts – das einzige, das sie von ihnen brauchte, war eine Emotion, gefangen in ihrem Gesicht der letzten Minuten ihres Lebens. Ja, mehr brauchte sie nicht von ihnen.

Sie fing an zu rennen. Sie musste sich beeilen. Der Zeiger der Uhr bewegte sich unermüdlich der finalen Stunde entgegen. Da war es. Ihr Jagdgebiet. Eine heruntergekommene Bar. Wenn, dann würde sie hier Emotionen finden. Sie ging hinein. Keiner beachtete sie. Ihr Gesicht war so unbedeutend, dass kein Blick hängen blieb. Im Gegenteil, sie wurde sofort vergessen. So stand Amanda und beobachtete. Die meisten Emotionen hatte sie schon. Sie brauchte eine besondere – ihre Wand war fast voll. Es fehlte nur noch eine Emotion. Die schwierigste, die zu finden kaum noch möglich war. Unschuld. Wahre Unschuld. War das hier wirklich der richtige Ort? Hier wo jeder nur sein Vergnügen und sein Vergessen suchte?

Die Tür öffnete sich. Ein Mädchen trat ein. Ihre Augen waren Unterteller groß aufgerissen. Sie hatte schreckliche Angst. Was suchte sie hier? Sie zögerte aber trat ein. Unschuld gepaart mit Mut. Amanda wurde unruhig. Das war die perfekte Emotion. Reiner konnte es nicht sein. Bevor sich die Meute auf das hübsche blonde Mädchen stürzen konnte, trat Amanda vor und versperrte den anderen den Blick auf sie. Sie würden sie mit ihren Gelüsten nur beschmutzen. Das sollte nicht passieren.

„Was willst du hier?“

„Ich suche meinen Vater. Meine Mutter hat mich geschickt. Ich soll ihn holen.“ Ihre Mutter. Sie wusste sofort, was diese Mutter vorhatte. Sie wollte ihre kleine unschuldige Seele verkaufen. Das roch sie fast. Sie nahm das Mädchen am Arm und führte sie hinaus. Weg von dem Laster, in ihre Falle.

„Ich bin Amanda, wie heißt du?“

„Viktoria.“ Ach nein. Siegesgöttin. War Viktoria ihr Schicksal? Würde sie ihre Freiheit, oder ihr Untergang bedeuten?

Die beiden Frauen liefen eine Zeit lang schweigend nebeneinander her.

„Was willst du von mir?“ Fragte Viktoria zögerlich.

„Mein Kind, du bist in einer furchtbare Welt geboren. Keiner will je was Gutes von einem. Auch ich nicht.“

Viktoria lief nickend neben ihr her. In ihr Schicksal ergeben. Sie wusste es. Wieder gingen sie an der Kirche vorbei. Der Schatten des Kreuzes hatte sich nicht bewegt. Ein Mahnmal. Amanda umrundete es. Viktoria blieb stehen und bekreuzigte sich. Machte einen Knicks und folgte Amanda weiter. Warum war sie so fügsam. Kein Zetern, kein Jammern.

Sie waren bei Amanda angekommen. Leise öffnete sich die Tür. Es war warm und wider Erwarten einladend.

„Komm mein Kind. Es wird Zeit. Leg dich auf den Tisch. Es wird nicht wehtun. Ich verspreche es dir.“ Ein Blick auf die Uhr zeigte Amanda, dass die letzten Minuten gestartet hatten. Jetzt oder sie wäre verloren.

Viktoria legte sich auf den Tisch. Sie zeigte keinerlei Angst.

„Warum hast du keine Angst?“

„Warum sollte ich? Ich weiß um meine Bestimmung. Das weiß ich schon seit dem Tag meiner Geburt. Ich weiß, dass ich geboren wurde um eine gequälte Seele zu befreien. Um jemanden zu befreien, der eine falsche Abzweigung im Leben genommen hat  und nun endlich befreit werden soll.“ Sie nahm Amandas Hand in die ihre. Ein warmes Gefühl durchströmte sie. Wann war ihr das letzte Mal warm gewesen? Ihr Leben wurde bestimmt von Kälte und Angst.

Sie schüttelte die Hand des Mädchens ab. Ging hinter den Vorhang und kam mit einer Karaffe zurück.

„Hier, trink. Dann wirst du nichts spüren.“ Viktoria führte die Karaffe an ihre Lippen und trank sie aus. Auf ihren perfekten Lippen waren noch vereinzelte Tropfen verblieben. Ein Verlangen sie von ihren Lippen zu lecken überkam Amanda. Von diesen Unschuldigen Lippen.

Viktoria schloss die Augen. Ein stilles Gebet in den Raum entlassend, schlief sie ein.

Amanda stand über ihr. Sie ließ den Daumen über die Lippen gleiten und leckte den verbliebenen Saft ab. Es war berauschend. Sie konnte die Unschuld schmecken. Die schönste der Tugenden. Dann begann sie mit ihrer blutigen Arbeit. Die Büste stand schon bereit. Kaum hatte sie die Unschuld abgetragen und auf die Büste gelegt, bildete sich eine wunderschöne Maske. Ein magisches Schillern umgab sie. Und mit dem Bilden der Maske verließ Viktoria das Leben.

Amanda meinte in der Ecke das Mädchen lächelnd stehen sehen. Sie winkte und verließ den Raum. Schnell ging sie an ihre Wand. Dort hingen schon so viel verschiedene Masken mit verschiedenen Emotionen. Aber die Königin und der Schlüssel zu ihrer Freiheit kam jetzt. Mit dem letzten Glockenschlag war die Frist abgelaufen. Die Maske hing an ihrem Platz und Amanda sank zu Boden.

Sie war frei. Sie hatte endlich Frieden gefunden. Ihre Seele, die sie damals leichtfertig für ein bisschen Wohlstand, verkauft hatte, war endlich erlöst. Ihr Schatten stand vor der Wand. Ein letzter Blick auf die Masken, die vielen Emotionen, die sie gesammelt hatte, dann sie drehte sich um. Der Geist von Amanda verließ ihre persönliche Hölle. Sie trat hinaus und spürte wie sich eine kleine Hand in die ihre schob. Viktoria hatte auf sie gewartet.

„Das ist deine Chance. Du bist frei. Jetzt kannst du Buse tun. Du wirst die Chance haben deine Verfehlungen zu berichtigen. Eine einmalige Chance. Sie wird selten vergeben. Nutze sie weise.“

„Ich danke dir. Ich danke dir von ganzem Herzen.“

Ein Blitz fuhr in den Boden. Eine Frau hatte ein kleines Mädchen mit schwarzen Haaren und einem offenen Blick geboren.

„Wie willst du sie nennen, mein Schatz?“

„Amanda, sie sieht aus wie eine Amanda.“

ENDE

Horror, Mystery, writing friday

[#WritingFriday] Urban Exploring – Unendlich Du wirst nicht entkommen.

#WritingFriday an einem Samstag. Ich habe es diese Woche nicht vorher geschafft. Aber ich wollte unbedingt noch was veröffentlichen. Also hab ich gestern schon anfangen können und es jetzt noch fertig gestellt.

Kennt ihr Lost Places? Heute werdet ihr einen kennen lernen – eine verlassene Villa am Stadtrand.


Quelle

Anna betritt eine alte Villa am Ende der Stadt, sie wird sie jedoch nie wieder verlassen. Erzähle was passiert ist.

 Anna stand vor der alten Villa am Ende der Stadt. Ihrer Stadt. Hier war sie aufgewachsen und ging zur Schule. Ist es nicht manchmal seltsam, dass man immer in die Ferne schweift und das war vor der Tür ist ignoriert? Seit Jahren schon zählte Anna zu einer der bekannten Urban Explorer. Ihre Twitter, Instagram, YouTube Auftritte hatten ihr einen gewissen Ruhm eingebracht. Nun stand sie also vor ihrer ersten Herausforderung. Als Mädchen stand sie manchmal lange Zeit vor dieser Villa und traute sich einfach nicht hinein.

Sie hatte schon öfter die Schwelle zum Vorgarten übertreten, aber es fühlte sich immer an, als wollte irgendwas sie daran hindern weiter zu gehen. Sie traute sich nicht einen Schritt nach dem andern zu setzen. Jetzt aber. Sie war erfahren genug und hatte keine Angst mehr. Soviel verschiedene Lost Places hatte sie schon besucht, da dürfte doch diese alte Villa kein Problem mehr darstellen.

Mark hatte sie allerdings gewarnt. „Geh nicht alleine hinein. Du weißt nicht wie marode das Gebäude ist. Hinterlasse wenigstens eine Nachricht und schalte dein GPS an.“ Anna lachte ihn aus. „Mark, Mark, Mark. Natürlich bin ich online. Meine Fans erwarten einen Livestream von meinem Spuk Haus. Ich hab es groß angekündigt. Das wird die Klicks nach oben schnellen lassen.“ „Du und deine Klicks. Viel wichtiger sollte dir deine Sicherheit sein. Warte noch paar Tage, bis ich aus Kroatien wieder da bin. Das Geisterdorf werde ich schnell abarbeiten und dann gehen wir gemeinsam.“ Mark und sie hatten schon so einige Lost Places gemeinsam besucht.

Manchmal glaubte Anna, Mark hätte mehr als nur ein Freundschaftliches Verhältnis mit ihr haben wollen. Aber sie war nur auf Abenteuer aus. Sie brauchte diesen Kick. Diesen Adrenalinstoss. Deswegen konnte sie auch nicht warten. Sie packte ihre Tasche. Taschenlampe, Stirnlampe, Ersatzbatterien, Wasser, Energieriegel, Taschenmesser, Seil. Actioncam mit Nachtsicht. Handy um den Livestream hoch zu laden. Check, check, check. Alles war bereit. Morgen wollte sie einsteigen.

Jetzt stand sie vor der Villa. Eine leichte Gänsehaut machte sich auf ihren Armen breit. Die Angst des kleinen Mädchens machte sich bemerkbar. Anna schüttelte sich um sie los zu werden. Sie hatte schon viel gruseligere Orte besucht. Sie straffte ihre Schultern und trat durch das schiefe Eingangstor in den Vorgarten. Wieder spürte sie einen Widerstand. Von ihr aus, oder von dem Ort aus. „Blödsinn, Anna. Das ist deine bescheidene Angst. Stell dich nicht so an. Was soll denn hier schon sein?“ Versuchte sie sich selbst zu beruhigen. Sie ging durch den Garten und stieg die große einladende Treppe hinauf. Sie drehte sich um. Es war neblig geworden. Wo kam auf einmal dieser dichte Nebel her? Sie konnte das schiefe Tor nicht mehr erkennen. Selbst die Straße mit ihrer Laterne war nicht mehr zu sehen. Sie zögerte. Vielleicht sollte sie doch auf Mark warten? Quatsch. Nein, das war ihrs. Sie musste diese kindliche Urangst bewältigen.

Sie drückte gegen die Eingangstür. Sie klemmte. Im Laufe der vielen feuchten Jahre hatte sie sich stark verzogen. Anna drückte mit ihrem gesamten Gewicht dagegen. Sie öffnete sich leicht. Noch ein Stück, noch ein kleines Stückchen. Das musste reichen. Sie drückte sich durch den schmalen Spalt und stand in der Vorhalle. Sie knipste ihre Stirnlampe an und schaute sich um. Die Natur hatte sich schon viel zurück erobert. Durch die Fenster waren die Äste der Bäume gedrungen. In den Bodenritzen hatten einige Samen fruchten können und den Boden in eine Art Moosteppich verwandelt. Es sah bezaubernd aus. Die Treppe nach oben erinnerte sie an den Film Vom Winde verweht. Der Teppich könnte auch mal rot gewesen sein und das Fenster im Zwischenstockwerk war leider schon Blind vor Schmutz.

Anna betrat die erste Stufe als sie ein Wispern vernahm. „Anna. “ Hauchte es durch die Halle. Sie drehte sich erschrocken um. Nichts. Kein Schatten, oder eine Person. Sie war alleine. Vermeintlich alleine. Sie wusste, dass solch leer stehende Häuser gerne von Besetzern oder Obdachlosen genutzt wurden. Probleme hatte sie aber nie mit einem von ihnen. Sie posierten eigentlich ganz gerne vor der Kamera und gaben auch mal ihre Geschichten zum Besten. Hier schien sich niemand eingenistet zu haben. Keine Matratzen, Zelte oder dazu passender Unrat. Das Haus war unbeschmutzt. Nur die Natur hatte sich getraut einzudringen.

Ein Schauer lief Anna über den Rücken. Schnell holte sie ihre Kamera aus dem Rucksack und setzte sie auf die Stirn. Das Handy war bereit für den Livestream. Sie wollte schnell wieder raus hier. Ein ungutes Gefühl verfolgte sie. „Hallo Leute. Wie versprochen heute aus meinem Heimatdorf. Diese Villa hat mich als Kind schon fasziniert und geängstigt. Heute sage ich dieser Angst den Kampf an. Es wird Zeit die Dämonen der Kindheit zu vertreiben.“ „Anna.“ Hauchte es wieder. Sie drehte sich schnell um. Wieder nichts. „Habt ihr das auch gehört? Ist das unheimlich, oder was? Ich will euch nichts vormachen. Ich bin froh, wenn ich hier wieder draußen bin. Ich hätte vielleicht auf Mark hören und auf ihn warten sollen. Aber ihr wisst ja wie ungeduldig ich sein kann. Wollen wir mal sehen wie es hier so aussieht. Kommt mit und erkundet diese hübsche Villa mit mir. Sieht sie nicht toll aus. Die Natur hat sich das meiste schon wieder zurückgeholt. Überall Moos, Lianen, Baumschösslinge und wunderhübsche Pflanzen. Schaut, da scheint die Sonne herein. Was für ein Bild.“ Anna drehte sich und streckte die Arme in Richtung eines Oberlichts aus. Dort konnte man sehen wie die Sonne sich durch die Blätter, die auf der Scheibe lagen, kämpfte und geradlinig ihren Weg nach innen fand. Sie verwandelte die Vorhalle in ein Märchenhaftes Bild. Es fehlten nur noch die kleinen tanzenden Feen und kleine Gnome, die mit ihnen versuchten mitzuhalten.

Ein Schatten legte sich über das Bild. Es wurde kalt und Anna begann zu zittern. „Wow, Leute. Jetzt wird es hier aber empfindlich kalt. Könnt ihr meinen Atem sehen?“ Anna pustete hörbar aus und ein weißer Nebel verließ ihre Lippen. Sie fing an zu zittern. „Verdammt. Warum wird das so kalt hier? Also seit mir nicht böse – ich habe meine Angst überwunden und fühle mich hier irgendwie nicht wohl. Ich gehe mal besser. Vielleicht komme ich mit Mark noch mal her – aber mir war eh nur wichtig, einfach mal hier zu sein und das abhaken zu können. Erledigt. Es wird Zeit zu gehen. Ich lasse die Kamera noch bisschen mitlaufen. Denkt dran. Abonniert meinen Kanal und denkt dran auf das Glöckchen zu klicken, dann werdet ihr immer benachrichtigt, wenn es was Neues von mir gibt. Es gibt kein Abenteuer im Leben, das es nicht lohnt zu leben. Bussi.“ Anna stellte den Ton aus. Sie würde später Musik unter die Bilder legen. Eigentlich wollte sie so schnell wie möglich raus, aber etwas zog sie nach oben. Ach was soll´s, ein Blick in die obere Etage wird schon nichts ausmachen.

 Sie rannte nach oben. Im ersten Stock gingen mehrere Türen vom Flur ab. Sie wollte wenigstens in ein paar hineinschauen. Gleich die erste öffnete sie und trat ein. Es war fantastisch. Die Möbel waren alle noch vorhanden und sogar noch recht gut erhalten. Sie ging in den Raum hinein. Die Tür fiel hinter ihr zu. Erschrocken drehte sie sich um. „Puh. Verdammt bin ich erschrocken.“ Sie drehte sich zur Tür um sie zu öffnen. Sie klemmte. Eine leichte Unruhe überfiel sie. Leicht hektisch zog sie an der Tür. Sie öffnete sich so plötzlich, dass sie fast hingefallen wäre. Schnell verließ sie das Zimmer und atmete tief aus. Aber wo war sie? Das war nicht der Flur aus dem sie kam. Es war ein anderes Zimmer. Sie ging zurück und befand sich schon wieder in einem anderen Zimmer. Die Tür schloss sich leise und vor ihr öffnete sich eine andere. Schnell ging sie darauf zu und befand sich wieder in einem anderen Zimmer. Dieser Vorgang wiederholte sich unzählige Male. Sie stellte den Ton des Livestreams wieder an. „Leute. Hier geschieht etwas Seltsames. Ich komme nicht mehr aus dem Haus heraus. Von einem Zimmer komme ich in das nächste und das nächste. Ich finde keinen Ausgang. So langsam bekomme ich doch Panik. Außerdem habe ich das Gefühl, dass mich Schatten verfolgen. Was soll ich nur machen. Wie soll ich hier denn den Ausgang finden? Wo bin ich denn hier gelandet?“ Tränen drückten sich hervor. Aber sie schluckte sie hinunter. Sie wollte nicht vor ihren Followern anfangen zu weinen. Sie war eine taffe Urban Explorerin. So leicht ängstigte sie nichts, oder?

„Ich weiß gar nicht, ob ihr mich überhaupt seht? Seht ihr mich? Schreibt es in den Live Chat. Vielleicht hat jemand einen Tipp für mich, wie ich hier wieder raus komme. Habt ihr so was schon mal erlebt?“ Sie verfolgte den Live Chat. Es kamen, wie schon erwartet, keine hilfreichen Tipps herein. Fake und ähnliches wurde ihr vorgeworfen. Aber es war kein Fake. Sie versuchte Stundenlang eine Tür nach der anderen. Aber keine führte zurück in das Treppenhaus. Verzweifelt setzte sie sich in eine Ecke. Sie blickte an den Wänden entlang. Dort stand was. Schnell stand sie auf. Die Kamera zeichnete weiter auf und die Klicks schnellten in die Höhe. Es war ihr Rekord. Sie blickte an die Wand. Mit ihrer Hand schob sie die einzelnen Blätter davor weg. „Wenn es dunkel wird, kommen sie. Dann verstecke dich. Verstecke dich!“

Entsetzt blickte sie die Schrift an. Es wurde dunkel. Was würde kommen? Wo sollte sie sich verstecken? „Habt ihr das gelesen? Oh Gott. Ich bekomme doch so langsam Angst. Ich schalte ab. Mein Akku wird sonst nicht durchalten. Ich melde mich bei euch, sobald ich wieder draußen bin. Bleibt aufmerksam. Bussi.“

Anna war panisch. Ihr Atem ging schneller und sie drohte ohnmächtig zu werden. Sie setzte sich und steckte ihren Kopf zwischen die Knie – tief ein-, tief ausatmen. Da hörte sie es. Flüstern und raunen. „Anna?“ Panisch blickte sie sich um. Es gab nicht viel sich zu verstecken. Dort. Dort stand ein alter Schrank. Schnell versteckte sie sich darin. Spinnweben strichen über ihre Stirn und sie hoffte, dass die Bewohnerin nicht auf sie fallen würde. Sie atmete ganz flach um bloß keine Geräusche zu machen. Schritte und Schlurfen konnte sie vor dem Schrank hören. Sie hielt die Luft an. Bitte, bitte, öffne nicht diese Tür. Betete sie in Gedanken.

Es schien zu helfen. Die Geräusche entfernten sich. Ausatmen – Einatmen. Sie wusste nicht wie lange sie in diesem Schrank ausharrte. Gefühlte Ewigkeit später öffnete sie vorsichtig die Tür. Es dämmerte, der Morgen brach an. Schnell ging sie hinaus und öffnete die Tür. Wieder ein anderes Zimmer. Tränen rollten ihre Wange hinunter. Es gab keinen Weg mehr hier raus. Sie war gefangen. Sie startete die Kamera und machte eine letzte Aufnahme.

„Hallo Leute. Schön, dass ihr heute wieder einschaltet. Das wird wohl meine letzte Aufnahme werden. Der Akku gibt bald seinen Geist auf und ich glaube nicht, dass ich hier eine Möglichkeit zum Laden bekommen werde. Aber wer weiß, vielleicht hat auch die Hölle Strom. Hahaha. Ähm. Die Nacht war gruselig. Ich hab seltsame Geräusche gehört und einige Gestalten sind um meinen Schrank geschlichen. Ich weiß nicht was mich erwartet, wenn sie mich finden. Ich hoffe es nie zu erfahren. Wenn ich hier nicht herauskomme, wird es wohl doch mal vorkommen. Tja, was soll ich sagen? Urban Explorer leben gefährlich. Das hier ist wohl mein Aus. Mark, wenn du dass siehst. Es tut mir leid. Ich hätte auf dich hören sollen. Ich liebe dich. Vergiss mich nicht. Vergesst mich alle nicht. Und kommt bloß nicht her – das Haus lässt einen nicht mehr raus. Vielleicht findet irgendwann mal ein anderer Explorer meine Gebeine. Lebt euer Leben, aber passt auch auf euch auf. Ich liebe euch alle und danke für eure Treue und die vielen tollen Kommentare. Ich werde euch alle vermissen. Pft.“ Der Akku war leer. Die letzte Aufnahme von Anna wurde hochgeladen.

Niemand hat sie je wieder gesehen. Es gingen viele Gerüchte umher. Es sei Fake und sie hätte sich einfach nur abgesetzt. Oder sie sei gestorben. Manche aber glaubten ihr.

Ende.

 

 

 

 

 

Allgemein, Geschichtenzauber, Horror, writing friday

Writing Friday – Wir werden immer da sein.

Es ist endlich Freitag und Zeit zum Schreiben. Der Writing Friday – dieses mal habe ich mir folgendes Thema ausgewählt:

Du findest auf dem Dachboden eine alte Schreibmaschine, darin stecken noch beschriebene Blätter des Besitzers. Welche Geschichte verbirgt sich darauf? Berichte davon.

Ich hoffe, das Ende ist verständlich. Ich hatte soviel verschiedene Szenarien überlegt – und dann ist es doch bisschen anders geworden – deswegen hoffe ich, es ist verständlich.

Viel Spass mit der Geschichte in der Geschichte.


Du findest auf dem Dachboden eine alte Schreibmaschine, darin stecken noch beschriebene Blätter des Besitzers. Welche Geschichte verbirgt sich darauf? Berichte davon.

Ich stand vor meinem neuen, oder eher uralten Haus. Aber es war meins. Ich bin irgendwann mal beim Spazieren gehen vom meiner gewohnten Route abgewichen und auf einer verlassenen Seitenstraße auf dieses uralte Haus gestoßen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Die blinden Scheiben und schiefen Rollläden – sie wirkten so traurig. Ich musste es einfach wieder herrichten. Es war wirklich klein. Aber ich war alleine und wie viel Platz braucht ein Mensch denn? In wieviel Räumen halte ich mich denn auf? Genau.

Ich rief also den Makler an, und keine zwei Wochen später gehörte dieses kleine, verkannte Schmuckstück mir. Als ich den alten Schlüssel in das Schloss steckte und die Tür mit der Schulter aufstieß kam mir ein Stöhnen entgegen. Ein gequältes, oder ein aufatmendes? Das konnte ich nicht unterscheiden. Ich hatte eigentlich schon immer eine Lebhafte Fantasie. Deswegen konnte ich in diesem alten Gemäuer, das frühere Leben direkt vor mir sehen. Eine kleine, arme Familie, die sich um den Tisch versammelte um gemeinsam über ihren Tag zu sprechen und zu essen.

Das war aber schon lange Zeit her. Drinnen sah es schon ziemlich herunter gekommen aus. Aber die Bausubstanz war in Ordnung. Es waren wirklich nur Schönheitsreparaturen. Und ich würde gleich mal anfangen. Ich schnappte mir aus dem Auto den Besen und fegte erst einmal. Es gab hier nur einen Dachboden und das Erdgeschoss. Im Erdgeschoss befand sich die Küche. Eine sehr schön große Küche, die ein tolles Fenster zum Garten hatte. Die restlichen Räume waren ein gemütliches Wohnzimmer mit Kamin, ein kleines ausreichendes Bad und ein Schlafzimmer. Perfekt. Ich war fleißig dabei zu kehren, als sich seltsame Kratzgeräusche aus der Wand bemerkbar machten.

Urg – das würden wohl Mäuse oder Ratten sein. Die Natur holte sich natürlich so ein lang leerstehendes Haus zurück. Darum würde ich mich später kümmern. Heute war ich voll und ganz mit dem Kehren und schon entrümpeln des Erdgeschosses beschäftigt. Für morgen hatte ich mir die Sichtung des Dachbodens vorgenommen. Da wäre bestimmt auch noch so einiges an Gerümpel, der entsorgt werden könnte. Und bestimmt wimmelte es dort von Spinnweben. Eine leichte Gänsehaut überzog meine Arme. Ja – die Natur halt. Ich würde es überstehen.

Als ich fertig war, sah es schon wesentlich besser aus. Bisschen Farbe an die Wand und meine Möbel, dann wäre es ein kleines Paradies. Ich schloss die Eingangstür hinter mir und verließ das Haus.

Am nächsten Morgen war ich schon früh dort um weiter zu machen. Ich wollte ja so schnell wie möglich einziehen. Ich stand vor der Treppe zum Dachboden. Dachböden hatten irgendwie immer was Unheimliches – genau wie Keller. Das kommt von den vielen Horrorfilmen, dachte ich mir. Ich straffte die Schultern und ging nach oben. Die Tür knarrte beim Öffnen und ich hielt den Atem an um zu horchen. Was wollte ich denn hören? Ob sich ein Serienmörder dort versteckt hielt. Ich schüttelte lachend den Kopf. Konnte aber nicht anders, als laut redend einzutreten. „Dann werden wir mal sehen, ob vielleicht die Männer vom Trödeltrupp hier auftauchen können und ich hier paar Schätze besitze.“ Ein unsicheres Lachen entschlüpfte mir. Ich knipste die Lampe an – Strom und Licht. Das war doch schon mal was.

Wie erwartet, sah es hier schon sehr gruselig aus. Eine alte Schneiderpuppe stand in der einen Ecke. Ein altes Schaukelpferd und ein alter Vogelkäfig befanden sich ebenfalls dort. Haufen alte Koffer und sonstiges Gerümpel. Ich seufzte. Das wäre noch ein bisschen Arbeit. Ich ging weiter und hinter einem Kofferschrank stand ein kleines Tischchen mit einem Stuhl und einer ganz alten manuellen Schreibmaschine. Neben der Maschine lag ein Stapel beschriebener Blätter und einige waren noch eingespannt. „Uh – ein unentdecktes Werk – vielleicht eines bekannten Autors? Das wäre doch mal was. Oder es ist einfach nur eine Aufstellung der Ein – und Ausgaben. Das schau ich mir an.“

Ich ging zur Maschine und fröstelte. Irgendwo war es wohl undicht. Es zog gehörig. Deswegen schnappte ich mir die Blätter und ging schnell wieder hinunter. Dieser Dachboden war unheimlich. Zuviel Schatten und definitiv zu viel Spinnweben.

Ich hatte mir von zu Hause einen bequemen Campingstuhl, einen kleinen Tisch und eine große Kanne Kaffee mitgebracht. Nach dem Grusel, war wirklich Zeit für eine kleine Pause. Ich ignorierte die kleine Stimme im Kopf, die mich darauf hinwies, dass ich noch gar nichts gearbeitet hatte.

Gemütlich in dem breiten Campingstuhl, nahm ich mir die Blätter vor. Es gab keinen Titel. Nun gut. Ich fing an zu lesen.

07.Mai

Ich muss unbedingt aufschreiben was hier passiert. Seit ich hier wohne geschehen seltsame Dinge um mich herum. Gegenstände wurden bewegt. Türen knallen und die Bodendielen knarzen. Irgendjemand ist im Haus. Ich hab der Polizei schon bescheid gesagt. Sie haben so einen Jüngling hergeschickt. Der hat alle Räume durchsucht. Nichts. Keiner hier. Aber was sind das für Geräusche und wieso stehen die Dinge immer an anderen Stellen. Ich glaube ich werde langsam verrückt. Das ist das Haus. Ich hätte nie hier einziehen sollen.

Ich bekam eine Gänsehaut. Diese Person wirkte so verängstigt, dass ich selbst Angst bekam. Ich schaute mich um. Im Hintergrund konnte ich das Kratzen in den Wänden hören. Das war unheimlich. Gleich morgen würde ich den Kammerjäger anrufen. Ich liebe ja Tiere – aber sie müssen nicht in meinen Wänden leben. Für heute hatte ich genug. Ich brauchte eine Pause. Schnell packte ich meine Sachen und verließ mein zukünftiges Zu Hause, das gerade ein bisschen finsterer geworden war.

Ich traute mich kaum weiter zu lesen. Aber innerlich zog mich etwas an die Seiten. Ich musste wissen, was da noch stand.

  1. Mai

Mir geht es gut. Wahrscheinlich waren es nur die Nerven. Zuviel strömt auf mich ein. Das Haus, mein Ex und die Renovierungen. Das ist bisschen viel. Arbeiten muss ich ja auch noch. Aber ich liebe das Haus. Obwohl es mir schon ziemlich Angst macht hier alleine. Aber der Arzt hat mir Angstlöser verschrieben und gemeint, das wären die Nerven. Also – soll mal einer sagen, es gibt kein Kraut, oder eine Pille für jede Krankheit, oder Narretei. Was war das? Die Tür, ich hab sie doch abgeschlossen, oder? Wenn ich sie abgeschlossen habe, wie konnte jemand……

Oh Gott. Ich traute mich kaum noch in mein Haus. Verdammt. Hätte ich doch diese Seiten niemals gefunden. Aber mir blieb nichts übrig. Die Renovierungen schritten voran und mein Umzugstermin stand fest. Die letzten Dinge wollte ich machen, wenn ich eingezogen war. War das eine gute Idee. Ja, natürlich. Ich hatte schließlich das Haus wegen seines leicht gruseligen Charmes gekauft. Also dann musste ich auch damit leben, oder?

Ein paar Tage mied ich das Haus, und schob das Einpacken als Ausrede voran. Ich musste schließlich alles verpackt haben, wenn der LKW kam.

Dann war es soweit. Der fünfte Mai. Ich war aufgeregt. Die Männer packten alles in den Wagen und ich legte den Schlüssel unter die Fußmatte. Ein letzter Blick in meine alte Behausung, ein kleiner Abschied und ich zog die Tür ins Schloss. Einer neuen Zukunft entgegen.

Am Haus angekommen, hatten die Männer der Umzugsfirma, das meiste schon in die Zimmer verteilt. Viel hatte ich ja nicht – aber das reichte aus. Als alle weg waren, schloss ich die Tür, ging ins Bad und ließ Wasser in die Wanne laufen. Ein warmes Bad, danach lechzte ich. Und einen leckeren Entspannungstee. Heute würde ich nicht alt werden. Ich freute mich schon darauf, die erste Nacht in meinem Heim zu verbringen.

In der Wanne schlief ich schon fast ein, als mich ein knarzen schlagartig hellwach werden ließ. Ich setzte mich auf. „Hallo?“ Schnell stand ich auf und griff nach meinem Bademantel. Ich schaute mich im Bad um, ob ich etwas als Waffe verwenden konnte. Eine Schere. Besser als nichts. Im Bademantel, nasse Fußspuren hinterlassend ging ich vorsichtig aus dem Raum. Ich hielt den Atem an um zu lauschen. Da war nichts mehr zu hören. „Ein altes Haus, das arbeitet. Mensch Mädchen, stell dich nicht so an.“ Ich atmete aus, ging zurück um mich schnell anzuziehen. Danach ging ich schneller als normal in mein Schlafzimmer. Ich schloss die Tür und drehte den Schlüssel. Nur für den Fall.

  1. Mai

Alles ist gut. Alles wird gut. Ich bin sicher, das Haus ist sicher. Keiner ist hier. Nur ich. Nur ich. Vielleicht. Vielleicht noch, ach nein. Ich schwebe. Die Tabletten sind toll. Ich kann wieder schlafen. Nur meine Träume sind verstörend. Aber es sind ja nur Träume. Träume sind Schäume. Diese seltsamen Gestalten sind nur Produkte meiner Fantasie, sagt mein Arzt. Vielleicht, meint er, sollte ich mal eine Kur machen. Aber ich hab doch so ein hübsches Haus. Das ist doch wie eine Kur. Und die vielen Besucher nachts. Mit ihnen kann ich reden. Sie hören mir zu. Keiner hört mir zu – aber sie tun das. Ja. Sie sind wie meine Familie.

  1. Mai. 2019

Ich habe Angst. Meine neue Familie, hier im Haus – sie wollen, dass ich bleibe. Das ich mit ihnen komme. Sie zerren an mir. Sie reißen an mir. Sie ziehen mich an die Wand – in die Wand. Ich kann ihnen nicht entkommen.

Und für dich…..ist es auch zu spät. Du bleibst bei uns und wirst Teil unserer Familie. Wir lieben dich. Für immer. Ahahahahahahahahahar.

Draußen vor der Tür war ein seltsames Hämmern zu hören. Ich kratze an der Wand um einen Blick nach draußen zu haben. Der Makler. Er hämmerte ein Schild in den Rasen: „Zu Verkaufen.“

ENDE

 

Horror, writing friday

Writing Friday – Die Gefahr aus der Luft

Wenigstens eine Geschichte wollte ich im April noch schreiben. Ich habe zwei Themen miteinander kombiniert, da sie perfekt zu meiner Geschichte passen für den Writing Friday passen.

Ich muss wieder mal eine obligatorische Warnung vorweg schicken…es kann ein bisschen eklig werden.


Schreibe eine Geschichte die mit dem Satz “Luis konnte nicht aufhören und musste wieder…” beginnt

und

Schreibe das Ende einer Geschichte, dabei lautet der letzte Satz; Doch damit war es noch lange nicht beendet.

 

Luis konnte nicht aufhören und musste wieder aus dem Fenster starren. Er konnte nichts sehen. Sein Atem setzte immer wieder aus, er musste sich ständig daran erinnern, die Luft in seine Lungen einzuziehen. Er konnte nicht mehr anders. Er ging an die Tür. „Nein. Stopp, wenn du die Tür öffnest sind wir tot.“ Die Stimme kam aus der anderen Ecke des Zimmers. Eva saß dort im Dunkeln. Ihr Pullover war ihr zwei Nummern zu groß. Sie sah so verloren darin aus. „Aber wir müssen doch was machen.“ „Was willst du machen? Alle da draußen sind verloren. Nur die, die sich Unterschlupf suchen konnten, haben eine Chance zu überleben.“ Luis stampfte wie ein kleines Kind auf, das nicht bekam was es wollte und fing wieder an hin und her zu laufen. Keiner hielt ihn auf. Sie waren zu viert in dem Haus. Mit ihm und Eva befanden sich noch Chris und Cathy bei ihnen. Die beiden waren Kalkweiß im Gesicht und wippten ständig vor und zurück. Von ihnen war keine Hilfe zu erwarten. Luis stand wieder vor der Tür, aber er hielt seine Hände unten. Eva hatte Recht. Öffnete er die Tür, würden sie alle sterben.

Luis drehte sich zu Eva. „Meinst du Emma hat es geschafft?“ Sie zuckte mit den Schultern. „ Woher soll ich das wissen? Wenn sie schnell genug reagiert hat und sich irgendwo verstecken konnte – ja – dann wird sie es wohl geschafft haben. Aber ob wir sie je wieder finden? Das bezweifle ich im Moment.“  Luis nickte. Ja, Eva hatte Recht. Sollten sie jemals wieder heraus kommen, wäre es ein Wunder Emma wieder zu finden. Er konnte nur hoffen, dass sie lebte und es auch weiterhin überlebte. Noch konnten sie alle nicht wirklich sagen, was denn passiert war. Sie waren auf einer Uni Party. Das Semester war zu Ende und das sollte gehörig gefeiert werden. Viele würden für die Ferien im Ausland ein Praktikum machen. Luis war pleite – er würde arbeiten müssen. Von ihrer Clique war er der einzige, der keine reichen Eltern hatte. Alle anderen würden entweder verreisen, oder halt sich im Ausland präsentieren. Nach diesen Ferien sollte das letzte Semester starten. Luis war nicht gerade der beste Student. Er musste auch während des Semesters arbeiten. Da litten natürlich seine Leistungen. Aber er sah das ganz locker. Wenn es so weit war, würde er auch einen Job finden.

Das wird jetzt wohl mein geringstes Problem sein – einen Job finden.

Während sie tanzten und ihr Bier tranken gab es einen Knall und die Luft fing an zu summen. Etwas flog durch die Dunkelheit. Erst dachten alle es wäre Konfetti aus einer dementsprechenden Kanone. Nun, sie irrten sich. Das war kein Party Gag. Was war es?

Um sie herum flogen irgendwelche Insekten, die äußerst penetrant waren. Sie stachen und versuchten in Mund, Nase und Ohren einzudringen. Die Partygäste begannen zu schreien, um sich zu schlagen und zu rennen. Aber viele stolperten und wurden dabei einfach übertrampelt. Luis konnte Emma nicht sehen. Sie wollte drinnen Getränke holen. Er hatte keine Chance ins Innere des Gebäudes zu gelangen. Die Massen drängten ihn einfach davon. Er konnte Personen auf dem Boden sehen, die seltsam zuckten. Als würden sie unter Elektroschock gesetzt werden. In manchen Ecken hatten sich schon Gruppen gesetzt, die nur noch halbherzig versuchten nach den Insekten zu schlagen. Ihre Gesichter waren angeschwollen. Wohl von den Stichen. Er wollte über einen Körper vor ihm springen. Nur blieb er wir angewurzelt stehen. Es war ein Mädchen, leicht bekleidet – ihr Bauch war frei. Wobei frei hier eine neue Bedeutung bekam. Er war offen. So wie es aussah von innen nach außen. Er wollte sich hinunterbeugen, als sich ein Schwarm Fliegen von ihm erhob, zurück blieb eine wuselnde Menge Maden. Schnell schnappte er sich sein Halstuch und band es vor Mund und Nase. „Nicht einatmen – verschließt eure Münder und Nasen. Sie fressen uns von innen auf.“ Keiner achtete auf ihn. Er rannte und da sah er Eva. Sie rannte an den Strand, der in Campusnähe war. Schnell hängte er sich hinten dran. Von der rechten Seite kamen noch Chris und Cathy. Ihr Ziel war eine der Strandhütten. Natürlich waren die meisten verschlossen. Aber viele hatten ihre Schlüssel unter der Matte oder auf dem Türrahmen versteckt.

Eva schloss mit zittrigen Fingern die Tür auf. Luis hielt den Atem an: Lass bloß diesen beschissenen Schlüssel nicht fallen, lass bloß nicht fallen. Sagte er sich ständig wie ein Mantra vor. Und dann klickte es. Schnell stießen sie die Tür auf und fielen fast polternd über die Schwelle. Chris schlug sie zu und lehnte sich schwer schnaufend dagegen. „Wir müssen die Ritze verschließen. Schaut euch nach Handtüchern, oder sonstigen brauchbaren Dingen um.“ Cathy fuchtelte aufgeregt mit ihren Händen hin und her und zeigte gleichzeitig in die verschiedenen Ecken.

Unorganisiert vielen sie durch die Hütte, öffneten Schränke mehrfach bevor sich vor ihnen ein Haufen Stoffe auftürmte. Es gab einen Wassereimer in den es geregnet hatte – das Wasser war schon etwas brackig, aber das störte Cathy nicht. Sie stopfte alles hinein und dann verschlossen sie mit den feuchten Handtüchern und Stoffen sämtliche Schlitze unter denen Licht hineinfiel. Die Fenster hatten solch altmodische Fensterläden, die man von nur durch das geöffnete Fenster verschließen konnte. Das kam natürlich nicht in Frage.

Eva schnappte sich die Tagesdecke von der Liege und versuchte sie über das Fenster zu hängen. Luis schüttelte die Starre ab und half ihr. An herausstehenden Nägeln ließ sich die Decke mehr schlecht als recht befestigen – aber die Sicht nach außen war wenigstens versperrt. Chris durchsuchte derweil die Hütte und warf alles nützlich Aussehnende in die Mitte. Flaschen mit Wasser, paar alte Energieriegel, Insektenspray. „Insektenspray – meint ihr die würden gegen diese Viecher helfen?“ Cathy klang hoffnungsvoll bei ihrer Frage. „Ich glaube nicht.“ Meinte Eva. „Es hilft kaum gegen die normalen Mücken – und das waren mal bestimmt keine normalen Mücken. Was war das?“ Chris drehte sich zu ihnen. „Das waren bestimmt im Labor gezüchtete Insekten – oder welche durch Umweltverschmutzung mutierte.“ „Und der Knall davor? Das waren bestimmt keine durch Umweltverschmutzung mutierten Insekten. Die kommen aus einem Labor. Und sie wurden auf uns Menschen los gelassen. Sie wollen uns doch eh dezimieren.“ „Oh man Luis, hör mit der Scheiss Verschwörungstheorie auf. Du gehst uns damit auf die Nerven. Warum sollte unsere Regierung so was machen?“ „Hallo – McFly jemand zu Hause? Schon mal was von Überbevölkerung gehört?“ Luis rollte mit den Augen und verzog sich schmollend.

„Egal was es war und woher es kommt. Habt ihr gesehen was sie machen?“ „War ja kaum zu übersehen. Sie fallen uns an und, was? Fressen uns von innen auf?“ „Ja.“ Kam die nüchterne Antwort von Luis. Er konnte nicht aufhören wieder und wieder ans Fenster zu gehen um hinter das Laken zu schauen.

Die anderen hatten sich zurückgezogen und warteten. Auf was? Auf den Tod? Auf ein Wunder?

Der Regen – wann hatte der Regen eingesetzt?

„Hei Leute – der Regen!“ „Was ist mit dem Scheiss Regen?“ Schnauzte Chris. „Regen, denkt mal nach. Bei Regen fliegen keine Insekten. Das ist unsere Chance hier raus zu kommen.“ Und wohin, du Genie?“

„Hast du eine bessere Idee?“ blaffte Luis Chris an. Dieser kam ebenfalls ans Fenster. Gemeinsam blickten die beiden hinaus. Durch den strömenden Regen war nichts zu erkennen. Noch nicht mal die Lichter vom Pier. „Wir müssen aufs Wasser.“ Sagte Eva. „Auf dem Wasser gibt es keine Insekten.“ Alle drehten sich zu ihr. „Ja, sie hat Recht. Aufs Wasser.“ „Was ist mit Emma?“ „Luis, es tut mir leid. Wir können sie nicht suchen. Es ist zu gefährlich.“ Luis schlug die Hände vor das Gesicht. Er konnte nicht ohne Emma gehen. Sie war sein Leben. „Geht voraus und sucht ein Boot. Ich versuche mein Glück und suche Emma. Spätestens wenn der Regen weniger wird, dann wartet nicht mehr auf mich. Okay?“ Chris wollte schon dagegen wettern, als Cathy sagte: „Ja gut. Es wäre schön, wenn das einer für mich machen würde.“ Dabei blickte sie finster in Richtung Chris. „Wir warten. Eine Stunde, oder wenn der Regen weniger wird.“

Vorsichtig schob Luis die nassen Handtücher von der Tür weg und öffnete sie einen Spalt. Durch den Regen war fast die Hand vor Augen nicht zu erkennen. Das einzige, das zu hören war, war das Rauschen des fallenden Wassers. Er schlich sich hinaus. Die anderen warteten paar Sekunden und folgten ihm. Sie sprachen nicht – ein Kopfnicken reichte und sie trennten sich.

Luis lief Richtung Campus und die anderen drei Richtung Pier. Überall lagen Leichen herum. Ihr Anblick war widerlich. Nur nicht stehen bleiben und genau gucken, sonst muss ich kotzen. Dachte Luis. Bewaffnet mit einer Fliegenklatsche, die er in der Hütte gefunden hatte, stieg er die Stufen zum Unigebäude hoch. Emma wollte was zu trinken holen. Er hoffte sie dort zu finden. Vorsichtig drückte er gegen die Tür. Sie war nicht verbarrikadiert. Ein Seufzer der Erleichterung entwich ihm. Leise ging er hinein und blickte sich um. Die Bar hatten sie in der Lobby aufgebaut. Aber Emma war nicht dort. Er hörte entferntes Summen und hielt die Luft an. Das Summen kam näher. Wild fuchtelte er mit der Fliegenklatsche um sich herum. „Platsch.“ Ein roter Fleck tauchte auf der Klatsche auf. „Ha, Drecksvieh, getroffen.“ Er ging nach rechts, dort waren die Toiletten. Schnell bewegte er sich auf die Türen zu. Sie waren verbarrikadiert. „Emma? Emma, bist du da drin?“ „Nein, Arschloch. Geh weiter, hier gibt es keine Emma.“ Er ging weiter und klopfte an mehreren Türen – immer dieselbe Reaktion, oder gar keine. Auch auf der anderen Seite des Ganges

Er wollte schon aufgeben. Die letzte Tür, dann hau ich ab. „Emma? Bist du da drin?“ „Luis? Luis, bist du das?“ Luis stand steif – das konnte nicht sein. „Emma. Ja ich bin es Luis. Geht es dir gut.“ „Gut wäre übertrieben, aber ich lebe.“ „Lass mich rein.“ Eine ihm unbekannte Stimme fauchte. „Auf keinen Fall. Wir wissen nicht, was da draußen ist.“ „Da ist nichts. Hier fliegt nichts.“ „Nein, wir machen diese Tür nicht auf.“ „Dann lasst sie wenigstens raus. Ich jage die Fliegern davon. „Nein, die Tür bleibt zu.“ „Hei, lass mich raus, du Penner. Verpiss dich von der Tür, sonst trete ich dir mal wohin.“ Luis hörte ein rumpeln und einen stöhnenden Schrei. Dann öffnete sich die Tür einen Spalt. Gerade so, dass Emma hinaus gelangte – sie wurde noch hinaus gestoßen, damit die Tür wieder zugeschlagen werden konnte.

Luis schloss sie in die Arme. Da begann das Summen wieder. Hektisch blickten sie sich um. Emma zeigte in eine Richtung. Da kam ein Schwarm Stechmücken. Luis fuchtelte nervös mit der Fliegenklatsche. Es klatschte eklig und das Summen wurde weniger. Außer Atem blickten sie sich hektisch um. „Wir müssen hier raus. Es regnet, da sind wir sicher.“ Sie sprinteten Richtung Ausgang. Hinter ihnen erhob sich ein grimmiges weiteres Brummen. Sie rissen die Tür auf und flüchteten in den Regen.

Emma blieb stehen und drehte sich um. Ihnen folgten keine Insekten. „Komm, wir müssen schnell zum Pier. Dort warten die anderen, dann fahren wir mit einem Boot aufs Wasser. Sie verstand und rannte Luis hinter her.

Am Pier konnte Luis schon das ausgesuchte Boot erkennen. Eva wartete und winkte schon heftig. Der Regen ließ langsam nach. Sie mussten sich beeilen. „Bloß nicht stolpern, Bloß nicht stolpern.“ flüsterte Emma. Chris löste schon das Tau und sie konnte Cathy erkennen wie sie mit dem Paddel versuchte sie vom Pier zu stoßen. „Schneller, komm schneller Emma.“ Seitenstechen machte sich bei Emma breit. Sie biss die Zähne zusammen. Nur noch paar Meter, dann wären sie in Sicherheit. Der Regen wurde immer weniger. „Emma, komm schon, ich kann sie hören, komm, komm.“ Sie stolperte und fiel. Oh nein, das war es. Luis drehte sich um rannte zurück und zerrte an ihr. Sie versuchte aufzustehen. Ungeschickt gelang es und Luis fuchtelte wieder mit seiner Fliegenklatsche um sie herum. Nur noch paar Meter, nur noch paar Zentimeter. Sie sprangen aufs Boot. Chris hatte den Motor angeschmissen und Cathy gab den letzten Stoß. Sie fuhren und ließen den Pier hinter sich. Sie hatten es geschafft.  Doch damit war es noch lange nicht beendet.

 

Action, Horror, Tiere, writing friday

[#WritingFriday] Week 43 – Blutiger Wechsel

[#WritingFriday]

ist eine wöchentliche Schreibaktion von Elizzy.

Die Oktoberthemen:

Ich bin etwas spät – aber ich habe heute einen Kasten an einem Baum gesehen, der mich animierte diese böse Geschichte zu schreiben.

WARNUNG – es wird blutig. 


Er sah nach hinten und ihm lief ein kalter Schauer über den Rücken, denn ein beängstigendes Geräusch schälte sich aus dem dunklen Wald hervor. Wieso hatte er sich überhaupt überreden lassen dieses Mal die Wildtierkameras auszutauschen. „Die Speicherkarte ist voll. Und Lars hat es vergessen auszutauschen. Benny, bist du so lieb und kannst das für mich übernehmen. Mir sitzt die Erkältung noch so im Nacken. Das wäre soooo lieb von dir. Biiiiitte.“ Benny rollte mit den Augen, das war nicht das erste Mal, dass Lars den Wechsel angeblich, vergessen hatte. Und jedes Mal ließ er sich von Roxanne überreden sie auszutauschen. Sie blickte ihn dann immer mit ihren rehbraunen Augen an und da schmolz er einfach wie Eis in der Sonne.

Jetzt verfluchte er seine Schwärmerei. Es war wirklich gruselig. Eigentlich machte es ihm, als Wildhüter nichts aus, im Dunkeln durch den Wald zu streifen. Heute allerdings war er sehr empfindlich. Schon den Weg vom Auto zur Kamera hatte er ständig das Gefühl beobachtet und verfolgt zu werden. Er betrachtete sich die Spuren am Baum. Die Taschenlampe fing einen seltsamen Abrieb ein. Benny bückte sich und strich über die Rinde. Sie war nicht einfach nur abgerieben, wie es die Wildschweine sonst so machten. Sie war, wahrscheinlich von den Hauern, abgehauen. Wie wenn man mit einem stumpfen Beil auf den Baum eingeschlagen hätte. War das Blut? Er leuchtete genauer. Ja, das war eine rote Flüssigkeit und sie sammelte sich an der Wurzel.

Benny drehte sich um und betrachtete die Schleifspur. Unsicher folgte er ihr. Er wusste, dass dies ein Fehler sein würde, aber es war wie ein innerer Drang. Er musste dieser rot verschmierten Spur einfach folgen. Etwa zwei bis drei Meter entfernt stieß er auf den Verursacher dieser Spur. Ein Hirsch. Ein prächtiger, großer Hirsch. Sein Bauch war aufgerissen. Er ging in die Hocke und betrachtete die Wunde. Sie war nicht nur aufgerissen, sie wirkte wie aufgeschlitzt. Er dachte an Wilderer. Immer wieder trafen sie auf illegal getötetes Wild. Es gab immer so kranke Kerle, die meinten sie müssten hier einen auf Jäger machen. Oder diese kranken Tierquäler.

So ein prachtvolles Tier, sinnlos dahingeschlachtet. Er notierte sich den Fundort und schaute ob er einen Sender, oder eine Markierung finden konnte. Als er fertig mit seinen Notizen war, ging er zurück zum Baum. Er öffnete den Kasten in dem die Wildkamera sicher verstaut war, und wechselte die volle Speicherkarte aus.

Der Nebel kroch langsam aus dem Boden heraus auf ihn zu. Er fluchte. Jetzt würde es auch noch gleich eklig kalt werden. Er sollte Roxanne mal nach einem Date fragen, dass er sich nicht immer so bequatschen lassen würde. Jedenfalls nicht ohne dann dafür wenigstens mal eine kleine Belohnung zu bekommen. Er hielt inne. Da war wieder das Geräusch.  Wildschweine. Das war nichts Ungewöhnliches. Aber dieses Geräusch klang anders, als er es kannte. Eine Gänsehaut breitete sich aus. „Ich sollte mich wohl mal beeilen. Irgendwie ist mir das nicht so geheuer.“ Er schloss wieder alle Kabel an der Kamera an, verschloss den Kasten und verstaute alle seine Dinge.

Als er sich umdrehte stand eine Horde Wildschweine vor ihm. Der Eber, der am Anfang stand, hatte eine rot verschmierte Schnauze und seine Hauer waren ebenfalls rot. Benny leuchtete mit seiner Taschenlampe auf die Horde. Sie blinzelten nicht mal. Er machte einen Schritt auf sie zu um die zum Aufbruch zu animieren. Der Eber trat ihm entgegen. Benny stockte der Atem. In dem Strahl seiner Taschenlampe konnte er sehen, dass die Augen des Ebers hasserfüllt blickten. Konnte ein Tier überhaupt solche Gefühle entwickeln, dass sie ihm aus den Augen heraus schienen? Anscheinend schon. Langsam versuchte er sich zurück zu ziehen. Jeden Schritt, den Benny rückwärts machte, machte der Eber vorwärts. Im Hintergrund konnte er das Klicken der Kamera hören. Bei jeder Bewegung schoss sie ein Bild. Das würde eine Dokumentation werden, dachte er bei sich.

In diesem Moment schoss der Eber auf ihn zu. Benny versuchte zurück zu weichen, stolperte über ein Stück Totholz und fiel schmerzhaft. Er robbte auf dem Hintern von dem Eber weg, aber dieser stand ihm schon Gesicht an Gesicht gegenüber. Speichel tropfte aus seinen Lefzen. Der Speichel war rot eingefärbt. Benny konnte noch blutige Fleischreste in den Hauern hängen sehen. Jetzt wusste er, wer den Hirsch getötet hatte. Sein letzter Gedanke war: „Das wird mir doch nie jemand glauben.“ In diesem Moment spürte er einen unbeschreiblichen Schmerz, der ihn durch die Eingeweide fuhr. Er blickte an sich hinunter und sah wie der Eber seine Hauer in seinen Unterleib bohrte. Seine Schnauze drang direkt dahinter ein und wühlte sich durch seine Organe.

Und im Hintergrund dieser grausamen Szene konnte man immer wieder die Klickgeräusche der Kamera hören.

Ende