Story Samstag

[Story-Samstag] Make love, not war! – Der Kater am nächsten Morgen

Was ist der Story-Samstag? storysamstagDer Story-Samstag hat nur zwei einfache Regeln: Ich gebe alle 2 Wochen ein kleines Thema vor. Und du hast die Möglichkeit ganz kreativ darauf mit einem Beitrag – egal ob als Gedicht, Abhandlung, Erzählung, Witz oder sonstiger literarischer Art – zu reagieren.


Es ist offiziell.  Ich habe das Gefühl, je weniger mir anscheinend zu einem Thema einfällt um so schräger wird dann meine Geschichte.

Hier meine Waffenflucht sponsored by Kater.


Ich öffnete müde die Augen – eher versuchte ich die Lider an den, wie Sandpapier trockenen Glaskörpern hoch zu ziehen. Wo hatte ich denn diesen miesen Kater her. Der stank und sass einfach auf meiner Brust um  mir den Atem zu stehlen. Das ich auch jeden Streuner mitnehmen musste. Aber ich war halt so. Apropos Streuner – wen hatte ich, neben dem Kater, denn noch mitgenommen? Da lag irgendein Kerl neben mir. Ach Scheisse. Da war doch wieder irgendwas in meinem Bier gewesen. Schliesslich haben sie erst Letzt festgestellt, dass tatsächlich das letzte Bier schlecht ist und um das zu umgehen, sollte man auf jeden Fall noch eines danach trinken. Ich glaube der Bericht war ein Fake. Denn mir geht es echt mies. Und dieser stinkende Kater auf mir macht es nicht einfacher. „Komm geh mal runter von mir – du stinkst und deine Krallen haben mir eine kleinen Picasso auf der Brust eingebracht.“ „Brrrrbrrrrbrrrr“ „Ach komm schon. Man was sollen denn diese gestiefelten Kater Augen?  Ja du bist der Beste. Und ja du darfst bleiben, nach einem kleinen Bad. So und jetzt lass mich mal aufstehen. Ich muss irgendwie den anderen Gast loswerden. Hahahaha. Ja, ach du Süsser.“ Schwupps und so hatte ich gegen den Kater verloren. Gewinnt ein Kater nicht immer. Physisch und psychisch. Nun – jetzt  musste ich den Fremden neben  mir hinaus bitten. Ach wie ich das hasste. Ich muss da echt mal an mir arbeiten.

Okay. Sicherheitshalber hole ich mir mal mein Schwert. Denn seit dem Schusswaffengesetz vor zwei Jahren muss eine Frau sich halt anders schützen. Und so ein kleiner Dolch – bitte wir sind nicht im Mittelalter. Damit kann man keinen mehr vertreiben. Ich bin keine kleine Lady im Korsett, das so ein süsses Spielzeug aus dem Dekolleté zieht. Nein – heute muss man da bisschen was grösseres ziehen. Ach, auf mein Schwert habe ich keine Lust – ich nehme mein Jagdmesser. Das müsste reichen.

„Hei Romeo – wach auf, das Gift müsste deinen Körper verlassen haben und ich bin nicht deine Julia – es wird Zeit meinen Balkon zu verlassen.“

„Murmelmurmel. Oh – man – schalte doch mal die Sonne aus. Arg.“ Der Fremde drehte sich um und ich konnte sehen, warum ich ihn mitgenommen hatte. Er war recht ansehnlich und hatte einiges was vielversprechend war. Aber hatte ich davon auch schon einen Nutzen gezogen? Keine Ahnung – ich sollte wirklich nicht auf alle Berichte reinfallen hihihi.

Er stand auf und was mir dann ins Auge viel lies mein Blut gefrieren. „Wow.Wow! Sag mal spinnst du – was liegt denn da neben dir? Wo kommst du denn her? Oh Mann.“ Ich griff neben ihn in die Ritze der Couch. Eine Schusswaffe. Es war als wäre sie kochend heiss. Ich liess sie in meinen Händen hin und her wandern als würde sie mir ihr Logo in die Hand brennen. Ich boxte ihn an die Schulter.

„Au – hei. Spinnst du. Was soll den das. Das ist nicht meine Waffe. Ich bin doch nicht bescheuert. Glaubst du ich riskiere Zwangsarbeit wegen so einem Ding. Nicht wirklich. Seit das weltweite Schusswaffenverbot ausgesprochen wurde – sind die Strafen viel zu streng. Ne ne Lady – Nicht wirklich. Die muss dir gehören.“

„Auf keinen Fall. Meine Nachbarn sind wahre Meister ihres Werkes. Sie bespitzeln alles und jeden. Die haben einen Schusswaffensensor. Das sag ich dir. Wahrscheinlich ist gleich das Swat-Team hier. Scheisse, Scheisse, Scheisse. Was machen wir jetzt?“

„Fliehen. Ganz klar. Konto plündern und ab nach – äh – Mexiko? Da gibt es bestimmt auch noch illegale Schusswaffen – die nehmen uns bestimmt auf.“

Ach Scheisse. Ich mochte mein Haus. Aber das war natürlich nicht mehr möglich. Bestimmt war neben dem Swat-Team schon diese Schusswaffen Roboter. Irgendein Nerd hat diese Staubsaugerroboter so umprogrammiert, dass sie immer dann auftauchten, wenn irgendwo eine Schusswaffe auftauchte. So ein Mist. „Hei Stinkekater – wie sieht es aus. Muss es unbedingt dieses Haus sein – oder bist du mit der Bewohnerin einverstanden. Dann würde ich dich mitnehmen. Was sagst du zu Mechico? Hä?“ „Brrrrbrrrrbrrrr.“ „Ach du Süsser. Komm wir packen unsere Sachen und fackeln dann das Haus ab um die Spuren zu verwischen. Mexiko soll ja echt ganz schön sein.“

„Auf, auf, auf, auf Lady – wie lange brauchst du denn.“

„Wenn wir jetzt miteinander fliehen sollten wir vielleicht auch unsere Namen wissen?“

„Okay – wir werden wohl paar Stunden miteinander verbringen – da wäre es schon besser unsere Namen zu kennen. Statt Lady und Vollidiot. Mein Name ist Amy“

„Haha. Du bist echt überhaupt nicht witzig. Aber ich mag dich. Mein Name ist Nat.“

„Gut – Nat – dann auf – lass uns in das Land der unmöglichen Möglichkeiten fliehen. Yehah.“

Sie schwangen sich in ihr Cabrio und der Kater streckte sich gemütlich auf der Rückbank aus. Diese dämlichen Menschen – natürlich habe ich die Waffe herein gebracht. Ich habe keine Maus gefunden um mich einzuschleimen. Hätte nie gedacht, das mich das zu einem super Trip mit meiner neuen Freundin bringen würde. Das werde ich  mir für die Zukunft merken. „Brrrrrbrrrrr.“

 

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Story Samstag

[Story-Samstag] Und wenn Sie nicht gestorben sind… – Entführung aus dem Blumenland

Was ist der Story-Samstag? 

Der Story-Samstag hat nur zwei einfache Regeln: Tante Tex gibt ein kleines Thema vor. Und wir haben die Möglichkeit ganz kreativ darauf mit einem geschriebenen Beitrag – egal ob als Gedicht, Abhandlung, Erzählung, Witz oder sonstiger literarischer Art – zu reagieren. Man hat immer zwei Wochen Zeit um seiner Kreativität freien Lauf zu lassen…

Heute gibt es eine besondere Geschichte. Wolltet ihr nicht immer wissen, wie es denn nach dem Happy End weiter geht?

Die neue Kreativaufgabe  lautet: Wie geht das Märchen weiter? Sucht ein Märchen eurer Wahl aus dem großen Repertoire der Gebrüder Grimm, Hans Christian Andersens oder eines anderen Märchenerzählers und setzt da an, wo die Geschichte aufhört.


Nach dem ich lange überlegt habe und auch mal wieder in einige schöne Märchen eingetaucht bin, habe ich mich für diese Weitererzählung entschieden. Das Originalmärchen findet ihr HIER.


Bildquelle

 

Maja . Das war ein schöner Name, den ihr der Blumeengel gegeben hatte. Aber sie tat sich noch etwas schwer damit, da sie ja so lange Däumelinchen geheißen hatte.  Das schönste Geschenk, das sie absolut liebte, waren die tollen Flügel der Fliege. Sie konnte über die Blumenwiesen fliegen, hüpfen, tanzen. Es gab für sie nichts Schöneres.

Die Hochzeit mit ihrem Blumenkönig war auch einfach traumhaft. Alle Blumenbewohner waren anwesend. Die liebe Schwalbe, die sie gerettet hatte war auch wieder gekommen und hatte ihr von ihren Reisen erzählt. Und so wunderbar gesungen.

Allerdings war sie sehr traurig, dass sie ihre Mutter nie wieder gesehen hatte. Ihr Blumenengel hatte ihr versprochen, dass er alle Blumenbewohner dazu aufgerufen hatte, ihre Mutter zu finden. Aber da sie nie wusste, wo sie denn gewohnt hatte, vor ihrer Entführung, würde das sehr schwer werden. Aber sie hoffte.

Jetzt lebte sie schon einige Zeit in diesen Ruinen des schönen weissen Marmorschlosses. Die wilden Blumen, die dort wuchsen boten ein wunderschönes zu Hause. Und sie war guter Hoffnung. Bald würde ein kleines Blumenkind um sie herum hüpfen. Sie legte ihre Hand auf ihren leicht gewölbten Bauch und erinnerte sich an die Erzählungen ihrer Mutter, dass sie aus einem Gerstenkorn geboren wurde. Sie freute sich auf ihr Kind. Sie hatte schon eine wunderschöne Blume herausgesucht, in der ihr kleines Baby schlafen sollte. Auch hatte sie schon wunderschön weiche Blumenblätter zu Recht gesucht, in die sie das Kind betten wollte.

Sie sass in ihrer Lieblingsblume und verlor sich in ihre Vorfreude und Gedanken. Sie merkte dabei nicht, dass sich am Boden, etwas entfernt von ihrem Blumenstengel,  ein kleiner Erdhügel erhob.

Im Schatten sass die Feldmaus, die ihr damals im Winter das Leben rettete. Sie war ihr sehr dankbar gewesen für diese Gute Tat und hatte immer etwas ein schlechtes Gewissen, dass sie einfach verschwunden ist. Aber sie hatte keine andere Wahl gehabt. Sie wollte einfach diesen miesepetrigen Maulwurf, der sie unter der Erde gefangen halten wollte, nicht heiraten. Und nur weil sie sich verpflichtet fühlte, hatte sie sich überhaupt darauf eingelassen. Sie war der Schwalbe ewig dankbar, dass sie sie gerettet und hier her gebracht hatte.

Als sie so in ihrer Blume sass und sanft hin und her schaukelte knickte auf einmal der Stengel ab und sie purzelte von der Blume. Sie wusste gar nicht wie ihr geschah und kaum, dass sie sich aufrichten wollte, wurde ihr ein muffiger Sack über den Kopf gestülpt. Sie wurde mit Grashalmen gefesselt und dann  wurde sie am Boden entlang gezogen. Sie hatte furchtbare Angst. Nicht nur um sich selbst – vor allem um ihr ungeborenes Kind.

Sie spürte wie sie in die Erde gezogen wurde. Es wurde kühl und es roch nach feuchter Erde. Sie zitterte, da es kühl wurde und sie Angst hatte. Sie wurde schon wieder entführt. Das war ja furchtbar. Was wollten sie denn immer von ihr?

Irgendwann wurde sie nicht mehr gezogen. Sie wurde aufgerichtet und entfesselt. Sie musste erst mal blinzeln, bis sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten. Sie erschrak fürchterlich. Vor ihr standen die gute alte Feldmaus und der furchtbare Maulwurf.

„Hallo, Däumelinchen“ sagte er zu ihr. „Ich habe lange nach dir gesucht. Aber wir haben dich ja gefunden. Schau – deine Aussteuer, die ich dir ermöglicht habe, habe ich gleich mitgebracht. Du bist mir versprochen und ich will hier mein Recht einfordern. Ich habe schliesslich alles für dich möglich gemacht. Du gehörst mir. Nie wieder werde ich dich gehen lassen. Das verspreche ich dir. Wir werden glücklich unter der Erde leben und nie wieder diese verhasste Sonne sehen müssen. Du kannst dir vorstellen wie viel du  mir wert bist, da ich für dich an die Oberfläche gekommen bin. Das musst du schon hoch anrechnen.“

Maja trat einen Schritt zurück und sah die Feldmaus hilfesuchend an. „Liebe Feldmaus, so hilf mir doch. Ich kann ihn nicht heiraten, ich bin mit dem Blumenengel verheiratet und trage sein Kind unter dem Herzen.“  Die Schnurrhaare der Feldmaus zuckten nervös, aber ein Blick auf den Maulwurf liess sie zusammenzucken. „Du hast unsere Gutmütigkeit ausgenutzt. Wir haben dich gefüttert und untergebracht. Dafür bist du ihm was schuldig. Ich habe dir damals schon gesagt, dass er eine gute Partie ist.“

„Ich habe aber auch dafür deine Höhle sauber gehalten und euch Geschichten erzählt.“  „Schnick Schnack. Du bist versprochen du ein Versprechen ist verbindlich. Du kannst nicht einfach abhauen und einen anderen heiraten. Das geht nicht.“ Meinte die Feldmaus ungehalten.

„Aber so ist es. Ich bin verheiratet.“

„Hm – das lässt sich nicht rückgängig machen. Aber wir werden eine Lösung finden. Dein Kind musst du natürlich weggeben – ein fremdes Balg will ich nicht in meiner Höhle haben.“ Sagte der Maulwurf grimmig.

Maja fing an zu weinen und schlang ihre Arme schützend um ihren Bauch. „Niemals. Niemals werde ich mein Kind weggeben. Mein Blumenengel, mein König wird mich retten.“

Die Feldmaus wurde etwas nervös, aber der Maulwurf lachte böse. „Wie soll er dich denn finden. Du bist unter der Erde. Er wird denken, dass du einfach weggegangen bist. Weg um dein altes zu Hause zu suchen. Harharhar“

Aber der Maulwurf, der ja blind ist, und die nervöse Feldmaus hatten nicht gesehen wie ein kleines Käferchen, das eine kleine Pause in der Sonne gemacht hatte, die Entführung gesehen hatte. So schnell wie seine sechs Beinchen es tragen konnten rannte es zu der königlichen Blume.

„Eure Majestät, eure Majestät. Etwas Schreckliches ist geschehen. Etwas ganz furchtbares.“ Das Käferchen stand vor dem Blumenengel und bekam kaum noch Luft weil es so schnell gerannt war. „Hol erst mal Luft, bevor du noch Ohnmächtig wirst. Dann erzähle in Ruhe, was denn so furchtbares geschehen ist.“ Sagte der König.

Das Käferchen schnaufte und schnaufte. „Die Königin, die Königin,“  Der König sprang auf, „was ist mit der Königin? Wo ist sie?“ Er sprang von seiner Blume zu dem Käfer und schüttelte ihn sanft.“ Sprich, und spann mich nicht auf die Folter.“ „Sie wurde entführt.“ „WAS? Von wem. Wer wagt es mir meine Königin zu entführen. Meine grosse Liebe. Derjenige sollte besser gut gerüstet sein. Ein Angriff auf meine Familie. Das wird ihn teuer zu stehen kommen. Hofmeister – trommelt die Armee zusammen. Wir werden meine Königin und unser Kind retten. Schnell. Und du,“  er deutete auf den kleinen Käfer, „du sagst mir jetzt was genau geschehen ist.“ Der Käfer erzählte ihm schnell wie er beobachtete, dass der Maulwurf und die Feldmaus die Königin verschleppt haben. „Zeig mir wo!“

Der König folgte dem Käfer, hinter ihm hatte sich seine Blumenarmee formiert. Alle waren mit Springerbsen bewaffnet. Diese würden den Maulwurf und die Feldmaus schon überwältigen.

Sie standen vor dem Loch, in das seine Liebste gezogen wurde. Die Blumenmenschen hassten die dunkle Erde. Aber sie lieben ihre Königin. Diese Liebe war weitaus stärker als ihre Angst. Sie sammelten sich und machten sich auf dem Weg diesem Tunnel zu folgen. Leise schlichen sie immer tiefer und kamen dann endlich vor der Höhle an. Sie hörten die Worte, die der Maulwurf an die Königin richtete.

Der König gab das Zeichen für den Angriff. Seinem besten Krieger hatte er die Aufgabe erteilt, seine Königin mit seinem Leben zu schützen und in Sicherheit zu bringen.

Mit blumigem Geschrei stürmten die Truppen in die Höhle und liessen die Erbsen springen. Die kleinen grünen Kugeln schossen auf die Feldmaus und den Maulwurf und die beiden gingen schnell zu Boden. Sie jammerten erbärmlich und bettelten um ihr Leben.

„Ihr seid des Lebens nicht wert. Aber da ich weiss, dass ihr gut wart zu meiner Frau, als ihr Leben in Gefahr war, werde ich milde sein. Ich verbanne Euch aus diesem Reich. Ihr sollt in den kalten Bergen leben und dürft nie wieder in diese Gegend kommen. Sollte ich erfahren, dass ihr diesen Befehl missachtet werdet ihr die gesamte Strenge meines Gesetzes erfahren. Also packt euch und verschwindet aus meinem Reich. Nie wieder will ich einen von euch hier sehen. Verschwindet. Schnell, bevor ich es mir anders überlege.“

Die Feldmaus und der Maulwurf dankten überschwänglich und packten schnell ihre Sachen zusammen. Dabei stolperten sie in ihrer Furcht ständig übereinander und schimpften auf einander. Aber sie wussten auch, dass sie es sich nicht miteinander verderben durften. Denn sie würden die Ewigkeit miteinander in einer kalten Gegend verbringen müssen.

Der König beauftragte seine Soldaten alles zu überwachen und verschwand schnell in Richtung königlicher Blüte. Dort sah er seine Geliebte. Sie wirkte sehr blass und zitterte am ganzen Körper. Als sie ihren Gemahl sah seufzte sie tief und liess sich von ihm in die Arme nehmen.

„Ach Geliebter, du bist am Leben. Ich hatte solche Angst.“ „Mein Herz – ich kann dir nicht beschreiben, wie viel Angst ich um euch beide hatte.“ Er schloss sie fest in seine Arme und streichelte sanft über ihren kleinen Bauch. Er lachte, als er die Tritte gegen seine Hand spürte. Beide schauten sich an und wussten ihr Leben würde bald noch viel wunderbarer sein.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

ENDE

 

 

 

 

Story Samstag

[Story-Samstag] Der erste Satz – Die Rache aus der Wüste

 

Da der erste Satz meist am schwierigsten ist, gibt uns Tante Tex dieses mal einen vor. Und seht was daraus geworden ist.

Vom Geld war nichts mehr übrig

Was ist der Story-Samstag? 

Der Story-Samstag hat nur zwei einfache Regeln: Tante Tex gibt ein kleines Thema vor. Und wir haben die Möglichkeit ganz kreativ darauf mit einem geschriebenen Beitrag – egal ob als Gedicht, Abhandlung, Erzählung, Witz oder sonstiger literarischer Art – zu reagieren. Man hat immer zwei Wochen Zeit um seiner Kreativität freien Lauf zu lassen…


Vom Geld war nichts mehr übrig. Marge torkelte durch die Wüste und fragte sich, was da denn passiert sei. Wie konnte sie vom Olymp abstürzen. Sie ist noch immer hübsch und begehrenswert. Aber diese Zicke – die Neue an Big C.´s Seite – die hat sie verdrängt. Mit ihren kleinen Apfeltittchen und dem Honigmelonen Arsch. So war das bei ihr auch mal. Dann kamen die ersten Fältchen und Big C. hat sie in den Ruhestand geschickt. Sie musste jetzt nur noch für ihn da sein. Das hatte sie genossen. Sie war seine First Lady. Alle hatten sie bewundert. Keiner hat gesehen, was für ein Kampf der Aufstieg für sie gewesen war. Welche Demütigungen sie ertragen hatte um endlich auf dem Olymp zu steigen. Und jetzt. Sie war abgestürzt. Diese kleine Hexe, sie hatte sie entführen lassen und irgendwo in einer Wüste ausgesetzt. Aber nicht mit ihr. Marge hatte sich nicht umsonst aus dem Dreck hervor gearbeitet. Diese kleine Schlampe – der würde sie es zeigen. Jetzt musste sie erst mal sehen wie sie aus dieser vermaledeiten Wüste entkam. Dann würde sie einen Plan erarbeiten um dies billige Hure, die jetzt ihren Platz neben Big C. eingenommen hat und auch Big C. zu bestrafen. Rache wird am besten kalt serviert. Apropos kalt – gegen ein kaltes Bier hätte sie jetzt bei dieser Hitze nichts einzuwenden. Sie fing an zu laufen und war froh, dass sie von ihrem Daddy damals einige Überlebenstricks gelernt hatte. Dann wühlte sie in ihrer Hose,  sie wusste sie hatte noch eine kleine Tüte. Sie müsste noch etwas laufen und hoffen eine kleine Pflanze zu finden. Dann könnte sie graben und das Grundwasser auffangen. Die Tüte würde sie über die Pflanze stülpen um das Tauwasser zu sammeln. Sie schätzte, dass sie noch ungefähr eine Stunde hätte bevor sie sich einen Schlafplatz suchen müsste.  Ihr blieb nichts übrig – sie  musste weiter. Als es dämmerte  suchte sie sich einige trockene Büsche und paar knorrige Bäume. Es würde verdammt kalt werden heute Nacht. Das Feuer würde sie nur im äußersten Notfall anmachen. Jetzt hätte sie gerne etwas Geld – das könnte sie schön anzünden. Das würde brennen. Vor allem wenn es aus Big C.s  Tresor wäre. Sie malte sich ein schönes prasselndes Feuer aus. Und mitten drin war ein Marterpfahl mit Big C. und seiner Schlampe. Ich halluziniere. Ich muss mir dringend Wasser suchen. Vielleicht kann ich eine Eidechse fangen. Sie fand  kleine Pflanzen die schöne dickwandige Blatt besaßen. Über eine stülpte sie ihre kleine Tüte und bei der anderen brach sie ein Blatt ab. Vorsichtig liess sie paar der Tropfen auf ihre Zunge treffen. Es war gut. Sie presste das Blatt aus und hätte am liebsten die anderen gleich mit abgebrochen. Aber sie musste haushalten. Viel Wasser würde sie so nicht finden. Sie fing an zu graben. Aus ihrer Erinnerung wusste sie, dass sie etwa 30 cm graben musste um an das Wasser zu kommen, von dem die Pflanze zehrte. Sie grub das Loch und wartete bis sich etwas von dem Wasser da sammelte. Schnell zog sie ihr T-Shirt aus um das Wasser damit aufzusaugen. Dann steckte sie es in den Mund und nuckelte daran, wie ein Baby an der Brust. Sie würde das schaffen und wehe diesem Flittchen. Es war dunkel geworden. Sie hatte sich entschieden, das Feuer vor dem dunkel werden anzumachen. Das war keine Schwierigkeit. Sie war als Kind so oft Zelten, ein Feuer konnte sie fast im Schlaf anzünden.

In der Nacht wurde sie wach. Sie zitterte und das Klappern ihrer Zähne hatte sie aufgeweckt. Es war verdammt kalt geworden. Ihr ausgehobenes Feuerloch glühte nur noch und sie hatte nur noch wenig dünne Äste. Diese warf sie entmutigt in die Glut. Das Feuer erwachte noch mal kurz um dann wieder vor sich hin zu glimmen. Einige Stunden musste sie das noch aushalten. Diese Nacht würde sie nie vergessen, aber vielleicht würde ihre Wut sie wärmen. Sie schlief wieder ein, aber es war ein unruhiger Schlaf.

Als die Sonne endlich aufging, packte Marge schnell alles ein. Sie müsste los laufen, bevor es zu heiss wurde, sonst würde sie es nicht schaffen. In der Tüte hatte sich etwas Wasser gesammelt. Sie tunkte ihr T-Shirt noch mal in das ausgehobene Loch und presste es in der Tüte aus. Dann brach sie noch die letzten Blätter der Pflanzen um sie herum ab und lief los. Das T-Shirt hatte sie sich um den Kopf gewickelt. Durch die Feuchtigkeit war es noch schön kühlend. Aber sie wusste, das würde nicht lange anhalten. Sie hoffte, dass sie bald an eine Strasse kommen würde, dann musste nur noch ein Auto vorbeikommen.

Bei jedem Schritt, den sie tat, kam sie sich vor als würde sie näher an das Tor der Hölle kommen. Ihr Blick flackerte schon, aber sie wusste, das war nur eine Fata Morgana. Sie schlich weiter. Nicht mehr lange und sie würde sich auf den Brustwarzen weiter bewegen. Ein Peeling für die Haut inklusive. Sie konnte dankbar sein. Sie würde dem neuen Traumpaar schon zeigen wie dankbar sie sein konnte.

Endlich erreichte Marge eine Strasse. Sie legte sich drauf und drückte ihre aufgerissenen, trockenen Lippen auf den heissen Asphalt. Sie hatte die Strasse erreicht. Jetzt musste sie nur noch ohnmächtig werden und auf ein Auto hoffen. Beides geschah.

Als sie wach wurde sah sie das Gesicht einer alten Frau über sich. „Hallo, zum Glück, sie leben noch. Ich wäre fast über sie drüber gefahren. Das war sehr leichtsinnig direkt auf der Fahrbahn liegen zu bleiben. Aber effektiv. Können sie sich aufsetzen? Ich habe Wasser für sie.“ Marge hatte kaum noch Gefühl in ihren Gliedern. Dafür fühlte sich ihre Zunge an, als wäre sie auf das dreifache angeschwollen und irgendwie schien Pelz darauf gewachsen zu sein. Sie öffnete erneut die Augen und betrachtete das zerfurchte, freundliche Gesicht. Sie schickte tausend Stoßgebete gen Himmel. Sie war gerettet.

Es stellte sich raus, dass die Frau – Clara – auf einem Road Trip war. Sie wollte unbedingt das ganze Land mit ihrem Wohnmobil befahren. Sie half Marge in das Auto und legte sie in das Bett. Marge verschlief die gesamte Fahrt. Als sie einigermassen erholt erwachte setzte sie sich neben Clara und die beiden Frauen unterhielten sich. Marge vertraute Clara an, was ihr geschah und Clara war dermassen erbost, dass sie Marge ihre Hilfe anbot. Die beiden Frauen verstanden sich auf Anhieb. Marge war happy in der Frau eine Verbündete gefunden zu haben. Sie planten den Angriff und als sie im Hotel ankamen, ging Marge schnell in ihr Zimmer. Diese kleine Schlampe hatte sich noch nicht getraut alles aufzulösen. War ihr wohl zu auffällig, dass sie überhaupt soweit gedacht hatte.

Big C. hatte Marge alles anvertraut. Auch die Kombination des Safes. Und da Marge auch genau wusste wo Big C. mit seiner neuen First Lady zu welchem Zeitpunkt sein würde, war das Plündern kein Problem. Und sie plünderte alles. Nicht nur den Safe – auch die Konten machte sie leer. Sie hatte schon längst ein Konto für „Notfälle“ eingerichtet. Und da die beiden sie ohne Geld in der Wüste verrecken lassen wollten, kannte Marge ihrerseits auch keinerlei erbarmen.

Schnell ging sie zu Clara und sie fuhren zu der Villa. Dort würde der nächste Schritt starten. Wenn das Traumpaar schlief, würden sie sie betäuben und entführen. Das würde ein Spass werden. Auge um Auge….Scheiss auf die andere Wange.

Marge und Clara vergnügten sich in der Hauseigenen Bar. Sie hatten noch ein paar Stunden bis die beiden heim kommen würden.

Als es dann endlich so weit war, mussten sie erst noch dem jämmerlichen Liebesspiel der beiden folgen und als das endlich erledigt war und die sanften schnarch Geräusche an ihre Ohren drang, kamen sie aus ihrem Versteck. Sie zogen sich Gasmasken an und nebelten den Raum mit einem Betäubungsgas ein. Dann packten sie die beiden auf eine Schubkarre und dann ins Wohnmobil. Die beiden waren gerade mal in ihrer Unterwäsche. Das würde ein Spass werden.

Sie fuhren in die Wüste und packten die beiden aus. Marge wollte den Marterpfahl aufstellen, den sie in ihrer Feuervision gesehen hatte, aber Clara hielt sie ab. Wäre zu verräterisch. Dann würden vielleicht irgendwelche Spuren bleiben. Big C. und Madame Flittchen würden schon wissen, wer ihnen das antat. Aber sie würden, wenn sie es denn überleben würden, nie herausfinden wo Marge sein würde.

Marge war ja auch kein Unmensch. Sie hinterließ die beiden in derselben Situation, die sie ihr zugestanden hatten. Dann kehrte sie zurück zum Wohnmobil und verliess diesen Platz. Sie verliess das alte Leben und streifte ihre alte Haut und ihren alten Namen ab.

Mit Clara, dem vielen Geld und den alten Wohnmobil fuhren die beiden dem Sonnenuntergang und einem neuen Leben entgegen.

Einige Tage später, kaufte sie sich eine Tageszeitung und lass den Bericht. In der Wüste wäre ein Pärchen gefunden worden. Es war kurz vor Schluss. Beide waren dermaßen dehydriert und geschwächt, dass sie kaum noch lebensfähig wären. Außerdem hatten sie anscheinend angefangen an einander zu knabbern. Sie wurden nach Stabilisierung in die Psychiatrische Klinik eingewiesen.

Marge – jetzt Angelika und Clara saßen auf ihrer Veranda und beobachteten die kleinen Küken wie sei im Boden nach Würmern scharrten. Angelika legte die Zeitung bei Seite und Clara fragte; „gibt es was interessantes?“ „Nein meine Liebe – der übliche Wahnsinn in der Welt.“ Beide lachten und tranken gemütlich ihren Kaffee und aßen ihre Croissants.

 

ENDE

Story Samstag

[Story-Samstag] Heiliger Bund – Nur die Familia zählt

Der Wonne Monat Mai – Da fahren ständig die hupenden Autos durch die Strassen. Perfekt um eine Geschichte zu erspinnen.

 

Was ist der Story-Samstag? storysamstagDer Story-Samstag hat nur zwei einfache Regeln: Ich gebe alle 2 Wochen ein kleines Thema vor. Und du hast die Möglichkeit ganz kreativ darauf mit einem Beitrag – egal ob als Gedicht, Abhandlung, Erzählung, Witz oder sonstiger literarischer Art – zu reagieren

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Ach verflixt. Da hatte sie doch den wichtigsten Termin des Jahres fast vergessen. Sie musste noch so viel erledigen.

Schnell packte sie ihre Utensilien weg. Sie war die Trauzeugin – wie konnte das denn passieren? Eine Brautjungfer im hässlichen Kleid hätte es doch auch getan. Aber nein – Millie meinte wohl – sie – Andrea – wäre die perfekte Trauzeugin. Die Familien kennen sich schon lange und die beiden haben schon im Laufstall zusammen gespielt. Nur sind ihre Interessen seit einiger Zeit sehr weit entfernt. Während Millie immer die Prinzessin war musste Andrea schon früh ins Familienunternehmen einsteigen. Wobei der Chef auch noch Millies Vater war. So – sie hätte also sowieso nicht ablehnen können. Das hätte Schande und Unmut über ihre Familie gebracht.

Ihr Vater war eh schon enttäuscht, dass er keinen männlichen Erben für das Familienunternehmen hatte. Aber es war ihm und  ihrer Mutter nicht vergönnt gewesen noch einen Sohn zu bekommen. Also hatte Andrea den schwarzen Peter gezogen und es wurde von ihr erwartet sich die Hände schmutzig zu machen, während ihre Freundinnen sich nach den Hausaufgaben trafen und sich in der Mall vergnügten, lernte sie essentielles für den Familienjob. Seltenst durfte sie sich mal mit den Freundinnen verabreden. Nur wenn ihre Mutter beschwichtigend auf ihren Vater einredete und ihm bewusst machte, dass sie halt auch ein Mädchen war und nicht nur ….Ach verdammt – das Handy klingelte.

Das war jetzt wirklich unpassend – sie hatte einen wichtigen Auftrag vor den Füssen, den sie noch wegschaffen  musste. Ach – Millie, was will sie denn jetzt noch? Seufzte Andrea

„Andi – Süsse, warum dauert das denn solange bis du an dein Handy gehst. Ich drehe noch durch. Du musst sofort kommen und die Blumenarrangements mit dem Floristen besprechen. Ich werde noch einen Herzinfarkt bekommen bevor  ich den Heiligen Bund eingegangen bin. Wo bist du?“

Nicht weit genug weg. “Millie, du weißt doch, dass ich arbeiten muss, oder? Ich hoffe du hast nicht vergessen, für wen?“ rollte sie die Augen. Millie war eine richtige verwöhnte Göre. Ihre Mutter war früh gestorben und ihr Vater hatte ihr alles durch gehen lassen. Ein klassisches Klischee einer verwöhnten reichen Zicke. Man sagt nicht umsonst – Das Leben schreibt die Geschichten. Andrea seufzte.

„Ausserdem weisst du, dass ich es hasse wenn du mich Andi nennst. Also ich habe hier noch etwa eins bis zwei Stunden zu tun. Ich muss noch – ähm – den Müll beseitigen, der bei diesem Job angefallen ist. Das wird etwas schwierig. Also gedulde dich, dann bin ich hundert prozentig für dich und deinen Heiligen Bund da.“

Heiliger Bund – Andrea musste sich zurück halten um nicht laut los zu lachen. Die Braut in weiss. Ha! Sie sollte Rot tragen oder wenigstens das rote A – so unschuldig war Millie. Ihr Zukünftiger war ein Aussenseiter. Er wusste nichts – der arme Tor.

„Gut Andi, Andrea – ich verlasse mich auf dich. Ich hoffe doch du hältst dein Versprechen – ich will nicht mit Daddy reden müssen. TaTa bis später.“

Diese miese Kröte – wenn ich nur könnte wie ichwollte. Aber einmal in dieser Familie  immer in dieser Familie. Ich würde es ihr wirklich gerne heimzahlen. Miststück.

Andrea wurde jäh in die Gegenwart zurück gerufen. Ihr Auftrag zuckte. Ach Mist – das habe ich wohl verbockt. Vater wäre nicht sehr erfreut. Dabei war sie doch schon so lange alleine tätig. Diese blöde Hochzeitskiste. Sie öffnete den Koffer und nahm den kleinen Dolch. Nein! Sie steckte ihn zurück und zog die Spritze vor. Es sollte ja unauffällig sein. Es war ein wichtiger Auftrag ohne Spuren zu hinterlassen. Sie zog die Spritze auf und stach zu. Ein grausamer, aber schneller Vorgang. Zufrieden verstaute sie alles und ging zur Tür, ein Blick zurück: Es war alles ordentlich. So musste es sein. Schnell noch ein Foto und weg.

Andrea stand vor der  prächtigen Villa – sie musste überlegen, ob sie tatsächlich da hinein gehen wollte. Eigentlich will ich nicht da rein. Alles in mir sträubt sich dagegen. Ich hasse dieses Haus und ich hasse diese Familie und ich hasse mein Leben. Aber was ich  mag, ist der Respekt, der mir entgegen gebracht wird.  Andrea schüttelte sich und ging die lange Treppe zum Eingang hinauf. Sie klingelte und der Butler öffnete.

„Ah – Fräulein Andrea – zum Glück sind sie da. Das gnädige Fräulein Millie steht kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Ich habe es nicht so richtig verstanden. Es klang nach Schleife und Schleier. Es ist als bewege man sich durch ein Minenfeld.“

„Ach guter alter Freund. Was haben sie nicht schon alles mit gemacht. Aber bald ist sie verheiratet und ein neuer Butler, darf sich seine Flügel bei ihr verdienen.“ Lachte Andrea und klopfte ihm auf die Schultern

Schnell sprang sie die Treppenstufen hoch und blieb vor der Tür zur Hölle stehen. Sie atmete tief ein und öffnete sie. Fast wäre sie rückwärts wieder raus gefallen. Es war ein Tumult in diesem Zimmer – sie erfasste eine Welle von Wut und Trotz, die fast körperlich zu spüren war. Was für ein Wahnsinn nur wegen einer Hochzeit. Ich werde nie heiraten. Das kommt gar nicht in Frage. Diesen Mist mache ich bestimmt nicht mit, da kann Papa sich auf den Kopf stellen und mit dem … „ANDREA!! Wo bleibst du so lange? Ich warte schon ewig auf dich. Schau dir das Desaster an. Das Kleid ist furchtbar. Zu wenig Schleifen und Rüschen. Ich will aussehen wie eine Prinzessin. Das muss man auf jeden Fall sofort erkennen. Die Prinzessin – das bin ich doch auch. Mein Vater ist der König. Also, sorge dafür, dass mehr Schleifen und Rüschen dran sind. Hopphopp.

Andrea dachte an ihren Werkzeugkoffer und wie gerne sie ihn gerade jetzt bei sich hätte. „Mehr Schleifen und Rüschen? Meinst du nicht du wirst dann fett aussehen? Das bauscht doch ganz schön auf. Also ich würde mir das schon gut überlegen. Schau dir die Kleiderpuppe an. Ich finde das Kleid wirklich perfekt. Wo sollen denn noch Schleifen und Rüschen dran? Es geht nur noch an Po und an den Hüften. Schätzchen. Das sieht aus als müsstest du heiraten. Jeder wird denken du bist schwanger. Und was soll dein Vater dann sagen. Er wird sein Gesicht verlieren. Er denkt, er gibt dich als Jungfrau in die Ehe.“ Andrea setzte sich neben Millie und blickte ihr  über den Spiegel ins Gesicht. „Süsse – überleg doch mal. Dein Kleid ist perfekt. Du hast dich Monate lang zur perfekten Figur gehungert und jetzt willst du das verbergen unter Schleifen und Rüschen?“

Millie dachte einige Sekunden nach, drehte sich zu ihren Brautjungfern um und schnauzte sie an. „Ihr dämlichen Hühner – ihr hättet mich fett aussehen lassen!“ Dann drehte sie sich wieder zu Andrea. „Ich habe mir genau die richtige Trauzeugin gesucht. Du rettest mich und meine Hochzeit. Wenn alles glatt läuft, werde ich  mit Papa reden und wir werden sehen, ob wir deiner Familie nicht noch etwas mehr Anerkennung geben können. Mal sehen. Vielleicht einen nobleren Bezirk. Was sagst du?“

Andrea schaute überrascht und erfreut aber sie war es nicht. Sie wollte unabhängig sein. Nicht mehr dieser schrecklichen Familie unterstehen. Nun – eine Beförderung ist auch schon mal was.

Andrea ging zu den Blumenarrangements. Sie besprach  mit dem Floristen die Änderungen als schon wieder ihr Handy klingelte. Sie rollte mit den Augen, da sie dachte es wäre Millie, aber es war ihr Vater.

„Hei Spätzchen, alles gut gelaufen bei dem  Job?“ „Das wirst du morgen in den Zeitungen lesen.“

„Komm, spann deinen alten Herren nicht so auf die Folter. Apropos Folter – ich habe einen neuen Auftrag für die Chef-Vollstreckerin. Ein kleiner Ganove hat unseren Big Boss wohl um sein Geld geprellt und die Hochzeit wird doch sooo teuer. Da brauch er jeden Cent. Ich schicke dir die Adresse.“

„Aber Paps, kann nicht Enrique gehen? Ich stecke mitten in diesem Hochzeitsalptraum.“ „Nein mein Schatz – das soll dich doch bisschen ablenken und auflockern. Ich weiss doch wie sehr dich diese Hochzeit nervt. Du sollst doch nicht noch einen Burn out bekommen, wegen einer schnöden Hochzeit für dieses kleine verwöhnte Monster. Das wird dir gut tun. Komm schon.“

„Na gut, wahrscheinlich hast du recht. Dann soll Enrique wenigstens diese Hochzeitsplanung beobachten. Hahahahaha.“

„Ja guter Scherz. Bis dann Mäuschen.“

„Bis dann Paps. Hab dich lieb.“ Er hatte Recht – so ein bisschen Foltern entspannte mich eigentlich immer. Ich ging also lächelnd Richtung Auto als ich einen schrillen Schrei hörte und ein Klirren. Etwas war durch die Fensterscheibe gekracht. Mitten vor die Füsse des Caterers. Der liess fast die Torte fallen. Ich sah diese schon fallen. Und dann sah ich Millie aus dem Fenster stürzen, direkt in die Tortenüberreste. Ihr Blut würde den weissen Fondant durchziehen und Andrea würde daneben stehen und erleichtert aufatmen.

Aber er hatte die Torte fest im Griff und der Tagtraum zerplatzte. Sie überlegte kurz ob sie schnell flüchten sollte aber es war zu spät. Sie wurde schon entdeckt. „ANDREA!“ Sie konnte die mitleidigen Blicke förmlich fühlen. Wieder einmal dachte sie an ihren gut ausgestatteten Werkzeugkoffer und dass eine Folter sie entspannen würde – wen sie dabei folterte war ihr doch eigentlich egal.

„Hi Millie? Was gibt es denn?“ flötete Andrea das Fenster hoch. „Komm sofort hoch.“

„Ich habe einen Auftrag.“ „JA!! – Dein Auftrag ist meine Trauzeugin zu sein. Komm hoch.“

Verflixte Scheisse. Wie war sie nur an diesen Posten gekommen. Sie konnte sich einfach nicht erinnern. Das musste doch irgendein Racheakt einer verfeindeten Familie sein. Hatte sie in letzter Zeit einen von denen getötet? Mit hängenden Schultern bewegte sich Andrea Richtung Brautzimmer, oder sollte sie es besser Brutzimmer nennen. Andrea schmunzelte.

Wieder stand sie vor der Tür und kein Loch im Boden wollte sie verschlucken. Sie trat ein und wartete bis der erste Schwall Worte an ihr abprallte. Dann sortierte sie die Worte und heraus kam Blablabla Haare blablabla verhunzt – blablabla töte sie. Stopp. Töte sie. Andrea musste sich verhört haben. Aber Millie wiederholte noch einmal. „Andrea – ich befehle dir, diese Person sofort zu töten. Schau dir an, was sie mit meinen Haaren gemacht hat. Sie hat sie verbrannt. Da – siehst du. Da sie hat Löcher in meine Frisur gebrannt. Sie muss verschwinden – kümmere dich darum.“ „Äh – Millie, ich kann nicht einfach die Stylistin töten.“ „Und ob – du wirst von meiner Familie bezahlt. Wenn du es nicht tust, wird es jemand anderes aus der Familia tun – aber das wird auf deiner Punktekarte ganz schöne Abzüge geben. Verstehst du mich?“ „Ja – das kann man wohl kaum missverstehen. Aber ich werde sie nicht töten. Ich besorge dir jemanden, der das wieder hin bekommt und Amorelli Coiffeur wird mit sofortiger Wirkung seinen Laden schliessen und die Besitzerin verschwinden. Aber nicht im Kanal. Dass das klar ist. Verstehst du mich Millie? Das ist kein Spiel mit Barbie Puppen. Du spielst hier mit Menschenleben. Du bist kein kleines Kind mehr – du wirst heiraten und bald eine eigene Familie gründen. Also werde erwachsen. Ist das klar?“

Millie sah Andrea verschreckt an. Dann stand sie auf. Es fehlte nur noch der Rauch, der aus der Nase austritt. Dann nahm sie wieder einen Gegenstand und ein weiteres Fenster ging zu Bruch. Sie schrie auf und trat auf und setzte sich wieder. „Hol deinen Rettungsplan und dann geh mir aus den Augen. Ich will dich heute nicht mehr sehen. Verschwinde.“

Das liess sich Andrea nicht zwei Mal sagen. Sie war schneller aus der Tür draussen als jemand schwupp-di-wupp sagen konnte. Sie rannte fast – schnell zum Auto und das Grundstück verlassen. Auf dem Weg machte sie dem Stylisten ihres Hundes noch Beine und erzählte ihm alles was er wissen musste. Inklusive, dass er auf keinen Fall verraten soll, dass er Hundestylist sei. Sonst bräuchte Andrea schnell einen Unterschlupf – vielleicht das Zeugenschutzprogramm?

Jetzt freute sie sich aber mal auf die Ablenkung. Sie schwor sich, dass das nie wieder geschehen würde – nie wieder würde sie Trauzeugin werden um jemanden in den Heiligen Bund der Ehe zu führen. Lieber zehn Folter und zehn Beseitigungen, als noch einmal eine Hochzeit betreuen.

ENDE

 

Story Samstag

[Story-Samstag] Mutter – Gedanken einer Mutter

Der Story-Samstag hat nur zwei einfache Regeln: Tante Tex gibt ein kleines Thema vor. Und wir haben die Möglichkeit ganz kreativ darauf mit einem geschriebenen Beitrag – egal ob als Gedicht, Abhandlung, Erzählung, Witz oder sonstiger literarischer Art – zu reagieren. Man hat immer zwei Wochen Zeit um seiner Kreativität freien Lauf zu lassen…

storysamstag

Der Muttertag lag endlich hinter uns. Ich liebte meine kleinen Würmer, aber dieser spezielle Tag, der für uns gedacht ist, bedeutete im Endeffekt meist mehr Arbeit als jeder andere. Ich werde mit Frühstück überrascht, in dem noch die Eierschalen in den Eiern schwimmen, der Kaffee mehr Wasser als Kaffee ist und die Pancakes eher auf dem Küchenboden als  auf dem Teller verteilt sind. Meine kleine ist so süss. Sie ist vor dem Muttertag immer so aufgedreht. Da wird Glitzer und Glimmer aus der Bastelkiste geholt und im ganzen Zimmer verteilt um mir eine hübsche Karte zu basteln. Am besten packe ich sie dann aus, denn das meiste davon ist auf ihr und ihren Haaren. Das bleibt dort bis zum nächsten Fasching. Aber sie beim Basteln zu beobachten ist mehr wert, als ihre süsse Karte. Sie sitzt auf dem Boden und die kleine rosa Zungenspitze arbeitet sich einen Weg durch die Lippen. Dies Konzentration – da könnte ich sie einfach schnappen. Ganz anders ihr Bruder. Der Stammhalter. Er ist jetzt schon aus dem Alter um sich bei seiner Mutter Liebkind zu machen. Mütter sind jetzt peinlich. Aber ich bin gerne peinlich. Wie oft schon, hat er mich geärgert und ich habe ihn dann am nächsten Tag im Schlafanzug und Lockenwickler in die Schule gefahren. Nicht  genug mich durchs Fenster zu sehen. Nein, nein. Ich steige natürlich aus um ihn noch einen Kuss auf die Wange zu drücken. Natürlich mit rot geschminkten Lippen. Strafe muss sein. Er ist gerade in der Phase die selbstgemachten Gutscheine zu entwerfen. Ein Kuss, Geschirr weg räumen, Staubsaugen, Aufräumen, ohne Murren schlafen gehen. Er denkt jedes Mal ich würde sie nie nutzen. Ha – und ob ich das mache.  Ich liebe die Zeit vor dem Muttertag am meisten. Denn ich sehe, wie sich meine Familie Gedanken macht um mir einen schönen Tag zu bereiten. Ich liebe das.

Den Muttertag hasse ich. Denn nichts gelingt, und ich muss nett und lieb sein. Ich muss die verunglückten Karten an den Kühlschrank heften und hoch loben, dabei denke ich nur an den im ganzen Haus verteilten Glimmer und Kleber. Die Gutscheine lächelnd entgegen nehmen, obwohl ich weiss, dass  sie halbherzig sind und mir meine Rache dazu schon überlegen. Mein Mann – er gibt sich Mühe, das meiste wieder auszubügeln. Nun – die Mühe zählt. Das ungeniessbare Frühstück muss ich loben und essen. Dann aufstehen, mich zu Recht machen um dann die Küche aufzuräumen. Aber die Freude in den Augen der Kinder, wenn ihre Geschenke  angeblich ankommen. Unbezahlbar. Dafür liebe ich den Muttertag.

Vielen Dank an meine Mutter, all dies ertragen zu haben.

Story Samstag

[Story-Samstag] Lauschangriff

Was ist der Story-Samstag? 

Der Story-Samstag hat nur zwei einfache Regeln: Tante Tex gibt ein kleines Thema vor. Und wir haben die Möglichkeit ganz kreativ darauf mit einem geschriebenen Beitrag – egal ob als Gedicht, Abhandlung, Erzählung, Witz oder sonstiger literarischer Art – zu reagieren. Man hat immer zwei Wochen Zeit um seiner Kreativität freien Lauf zu lassen…

Diese Aufgabe war eine echte Herausforderung. Ich komme nicht oft genug in die Öffentlichkeit um Gesprächen zu lauschen und wenn – dann vergesse ich das wieder ganz schnell wenn es nicht so skurril ist, dass ich es meinem Mann erzähle. Wie einmal beim Fressnapf – das wäre auch eine Geschichte gewesen. Da stand ich hinter einer Hundebesitzerin. Und die Verkäuferin wollte ihm ein Leckerchen geben, hat aber gefragt. Da sagt diese Frau – „Ach eigentlich eher nicht – ich will nicht, dass er anfängt immer sein Pfötchen zu heben um etwas dafür zu bekommen.“??? Das machen unsere auch ohne, dass sie was zu fressen bekommen. Die wollen dann einfach nur gestreichelt werden. Nun ja…Aber ich habe dann doch mal gelauscht und nicht vergessen.


Ein Fetzen im Kaffeeraum auf der Arbeit

Sie hat ein Sockenproblem…

Mein zweiter Lauschangriff

Ein Gesprächsfetzen, den ich bei einem Telefongespräch auf der Arbeit mitbekam.

Ich kann mir keine Leute aus dem Arsch ziehen…

Da lief sie so am Strand entlang und betrachtete die Wellen, wie sie sanft ihren Ausklang am Ufer fanden. Der Himmel war düster. Es würde bestimmt bald anfangen zu regnen. Regen am Strand. Sie liebte das. Aber was sollte sie nur machen. Wenn sie hier blieb und nass wurde könnte das verheerende Folgen haben.  Sie würde nasse Füsse bekommen. Und in letzter Zeit hatte sie fast nur noch einzelne Socken in der Schublade. Aber sie liebte es doch so. Manchmal fand sie einen verlassenen Platz unter den Bezahl-Schirmen mit Liege. Diese Schirme waren wasserdicht. Und wenn es regnete war ja keine Aufsicht dort. Aber heute konnte sie keinen entdecken. Überall lagen diese Socken verteilt auf den Liegen. Was sollte das denn? Da fiel es ihr ein. Sie hatte Letzt einen Artikel in der Zeitung gelesen. Da stand etwas. Vielleicht bekam sie es ja zusammen. Da stand „Sie haben ein Sockenproblem? Ständig frisst ihre Waschmaschine ihre Socken. Sie können sich das nicht erklären? Forscher haben herausgefunden…lesen sie weiter auf Seite 3. Hätte sie mal auf Seite 3 weiter gelesen. Aber sie konnte sich noch etwas erinnern – irgendwas stand da, dass die Waschmaschinen mit den Socken schon ein Leben lang einen Zwist austrugen. Die Socken beschwerten sich immer, dass sie gezwickt wurden von den anderen Kleidungsstücken. Angeblich würden die Socken immer so stinken. Das wollten sich die Socken nicht mehr gefallen lassen und da sie ja immer in Paaren auftraten fingen sie an sich gegen diese Verleumdungen zu wehren. Da griff irgendwann die Waschmaschinenlobby in den Kampf ein und trennte die Rebellen. Jedes Mal wenn also ein Sockenpaar rebellisch wurde, schnappte sich die Maschine einen Teil um diese beim  Schleudern durch eine Art Waschmaschinen- Wurmloch hinaus zu schleudern. Jetzt wusste sie wo die einsamen Socken landeten. An diesem Strand. Sie sah es ein. Ihr Lieblingsstrand wurde okkupiert – Sie hatte ein Sockenproblem. Aber vielleicht – wenn sie durch die Reihen der traurig hängenden Socken lief, würde sie vielleicht welche finden, die ihr gehörten. Also packte sie sich und fing an gemütlich die Socken zu beobachten. Aber sie merkte, das wäre eine Aufgabe für mehrere. Was sollte sie tun. Da fiel ihr was ein. Wenn die Waschmaschine in der Lage war ein Wurmloch zu öffnen – vielleicht könnte sie das auch – Also kein Wurmloch – aber vielleicht – hm…schnell ging sie hinter einen Strandkorb. Sie bückte sich – rüttelte sich und drückte. Erhob sich wieder – sprang auf und ab – dann dachte sie, wenn sie vielleicht von der Liege springen würde. Also kletterte sie auf die Liege und sprang. Das machte sie mehrere Male. Danach bückte sie sich und drückte und drückte. Aber sie sah es ein. Ein Gedanke schlich sich in ihren Kopf: „Ich kann mir keine Leute aus dem Arsch ziehen!“ Also kam sie hinter dem Strandkorb wieder hervor – schüttelte sich noch mal – straffte die Schultern und ging auf die Suche nach ihren vermissten Socken.

Ende

 

Story Samstag

[Story-Samstag] Das Oster-Tier – Deutschland sucht das Oster-Tier

storysamstagDieses mal bei Tante Tex Ein Stellvertreter für den Osterhasen muss her. Warum soll es immer der selbe sein, der die Eier austrägt.

Viele von euch scheinen schon in Osterstimmung zu sein. Apropos Hase… Wieso eigentlich Osterhase? Warum nicht die Ostereule oder der Ostergoldfisch? Welches Tier würdest du als Repräsentant wählen und warum? Und auf welche Weise würde dieses neue tierische Upgrade das Osterfest verändern?


Das Casting – Deutschland sucht das Oster-Tier

Endlich – heute war der grosse Tag. Elwin war ganz aufgeregt. Er konnte die ganze Nacht nicht schlafen. Heute wäre der grosse Tag – er war zum Casting eingeladen worden. DSDO. Einmal im Jahr fand das statt und die Tiere waren ganz verrückt. Konnte man doch für seine Gattung  Ruhm und Ehre erlangen und sogar etwas Unterstützung. Entweder um eine Karriere bei den Fabelwesen anzustreben, oder halt ein gutes Auskommen zu haben. Elwin wollte gerne berühmt sein, aber wenn man mal die Statistik betrachtete, die letzten Jahre konnte sich kein Ostertier so richtig durchsetzen. Er würde dann wohl eher das sichere Auskommen wählen. Er träumte schon davon ein tolles Nest für seine Familie aufzubauen. Mit viel Schutz und viel Süsses. Arlen – seine Freundin war eine fleissige Arbeiterin. Er war ein tapferer Soldat. Aber war das wirklich alles im Leben. Er wollte unbedingt mal aus seinem Trott heraus. Deswegen hatte er sich bei dem Casting beworben.

„Arlen – ich bin echt so froh, dass du  mich begleitest. Ich habe so Muffensaussen. Was wenn ich versage?“

„Ach Elwin. Hast du nicht die letzten Folgen gesehen? Du kannst gar nicht versagen. Es gibt so viel Chaoten, die meinen sie könnten ein Ostertier werden. Wer kann es schon mit dir aufnehmen?“

„Ach ich weiss nicht, es gibt schon ganz schön Konkurrenz. Schau – die ganze Reihe Hasen, ein Eichhörnchen habe ich gesehen, dann eine Schildkröte, mehrere Hunde und Katzen. Sogar ein Chameleon – das hat nicht nur seine Farbe verändert, sondern das der Eier gleich mit. Das muss ich erst mal toppen. Schau  mal den Pelikan, da vorne – wieviel Eier der transportieren kann. Also da sehe ich auch nicht besser aus.“

„Papperlapapp – das wird schon. Und ausserdem. Dabeisein ist alles. Oder? Einfach mal hinter die Kulissen schauen. Das wird Spassig. Keine Angst. Wir schaffen das schon. Wie ist deine Nummer?“

„251“ „Gut, dann haben wir noch etwas Zeit. Ich schau mich mal um, wer hier noch so dabei ist. Komm doch mit. Du wirst ja aufgerufen.“

Die beiden schlenderten durch die wartenden Kandidaten. Es war wirklich alles vertreten. Geschickte Eierjongleure und tapsige Eierzerstörer. Das waren diejenigen, die die Quoten brachten. Die Tiere vor den Fernsehen wollten unterhalten werden. Da musste man dann auch so Trampel bringen, wie einen Elefanten – der zwar sympathisch war, aber wirklich nicht geeignet Eier zu verstecken. Oder ein Nashorn. Er versuchte sein bestes, aber die Eier blieben immer auf seinem Horn stecken. Dann hatten wir das Faultier. Sehr beliebt, aber bis das dann die Eier verteilt hatte, wären die schon vergammelt. Aber es machte ziemlich was her, mit seinen langsamen und beruhigenden Bewegungen. Ein wirklich großer Konkurrent, war ein Känguru. In seinem Beutel konnte es viele Eier packen und es bewegte sich verdammt schnell vorwärts. Die Schlange war auch eher ungeeignet. Sie konnte sich beim Naschen einfach nicht zurück halten. Die Eier verschwanden alle in ihrem Schlund. Die Schildkröte und das Krokodil, waren eigentlich eher bekannt dafür, viele Eier zu produzieren. Also eigentlich eher Background statt Austräger. Die Hasen, machten Elwin keine Probleme. Der Osterhase war out. Die würden bestimmt keine Chance bekommen. Ebenso die Meerschweinchen. Mit ihrem gequietschte waren sie einfach zu laut.

Dann war es soweit. Er wurde aufgerufen. Arlen drückte ihn noch mal und spuckte ihm dreimal über die Schulter. Dann ging er in den Raum. Dort sollte er zeigen warum genau er geeignet war das diesjährige Ostertier zu werden.

Er bewegte sich mit seinen Ostereiern in den Raum und zeigte ihnen was er konnte. Er selbst schaltete komplett ab. Er machte nun alles automatisch. Er hatte es sooft mit den Nahrungsmitteln für die Familie gemacht. Es war absolut kein Problem die Eier sicher zu transportieren und gut zu verstecken.

Als die Vorführung fertig war, wurde er nach draussen begleitet. Arlen wartete schon ganz hibbelig. „Und wie war es?“ „Ich glaube ganz gut.“ „Lass dir doch nicht alles aus der Nase ziehen“.

„Ich musste einige Kunststückchen vorführen um ihnen zu zeigen, dass ich auch bei schwierigen Gärten in der Lage bin die Eier sicher in dort zu verstecken. Dann wollten sie sehen wieviel ich denn so tragen kann. Also ich denke man kann schon von einem erfolgreichen Auftritt ausgehen. „

„Ah wie cool.“

Und schon kamen sie um die Ecke. „Hallo Elwin. Glückwunsch, du bist im Recall. Wir machen jetzt schnell paar Aufnahmen und Interviews mit dir. Das ist dann für die späteren Auftritte wichtig. Das wird ein langer Tag für dich. Bist du bereit. Dann lass und los gehen.“

Elwin war wie betäubt. Er war in der engeren Wahl. Die Crew war total nett. Sie filmten ihn. Interviewten ihn und sogar Arlen als seine Freundin. Dann wurden Außenaufnahmen gemacht und und und.

Stunden später, war es dann soweit. Er durfte auf die Bühne. Vor die grosse Juri. Dort sassen  mehrere Berühmtheiten. Zwei der letzten Gewinner und natürlich der Boss. Der Osterhase.

„Hallo Elwin. Wie geht es dir?“

„Gut – danke. Nervös, wie alle.“

„Ja – gut, zeig und doch einfach mal deine Show.“

Und Elwin legte los. Er stapelte die Körbe voller Eier und lief damit hoch und runter. Er jonglierte sogar mit den Körben. Nicht nur mit den Eiern. Nein, das war ihm zu wenig. Er wollte ja soviel Eier in kürzester Zeit verstecken. Das führte er ihnen auch vor. Seine Choreographie war perfekt. Er kam in die kleinsten Ritzen und Ecken um die Eier dort gut zu verstecken. Die Juri war begeistert.

„Elwin. Du ziehst sofort ins Finale ein. Bis jetzt warst du tatsächlich der beste Act. Ich sehe da viel Potential. Und warum nicht mal eines aus deiner Gattung als Ostertier. Willkommen im Team“

Elwin war baff. Er hatte die Juri beeindruckt und war sofort ins Finale eingezogen. Er würde tatsächlich die Chance bekommen zu gewinnen.

Einige Wochen später bekam er erneut eine Einladung für das Finale.

Wieder zeigte er die Kunststücke und hatte sogar noch einiges dazu vorbereitet. Er kletterte ohne Probleme die Wände hoch. Dabei verlor er kein einziges Ei. Ihm war es also möglich die Eier auch in den Zimmern zu verstecken. Für die Kinder, die keinen Garten hatten. Mit dieser Performance hatte er alles getoppt. Er gewann tatsächlich das Finale. Der erste seiner Art. Er war jetzt endlich eine Oster-Ameise.

Wer könnte besser so viel Eier tragen und überall verstecken als eine Ameise?

Story Samstag

[Story-Samstag] Sag’s mit 100 Worten – Was läutet denn da?

storysamstagWas ist der Story-Samstag? 

Der Story-Samstag hat nur zwei einfache Regeln: Tante Tex gibt ein kleines Thema vor. Und wir haben die Möglichkeit ganz kreativ darauf mit einem geschriebenen Beitrag – egal ob als Gedicht, Abhandlung, Erzählung, Witz oder sonstiger literarischer Art – zu reagieren. Man hat immer zwei Wochen Zeit um seiner Kreativität freien Lauf zu lassen…

Die Worte die Tante Tex uns vorgibt.

100 Worte ist wirklich nicht so einfach. Entweder man findet nicht genug, oder zuviel. Hier mein Osterhäschen. ;-)

Hase – Berg – Geräusch 

Der Hase kommt aus seiner Höhle. Er hat ein Geräusch gehört. „Was war das schon wieder?“ Die Osterglocken klingeln. Der Hase reckt sich und streckt sich. Ach – Ostern, das war es was mich geweckt hat. Ich muss meinen Korb packen und bald loshüpfen. Ostereier verstecken und Osterkörbe füllen. Der Berg ruft. Was für ein blöder Ausdruck. Die Osterglocken waren es mit ihren gelben Kelchen, die haben sanft geläutet. Schön sehen sie ja aus. Der Hase gönnt sich ein paar Minuten auf dem Berg, bevor er sich langsam auf den Weg macht um die stinkenden Städte zu besuchen. Bisschen Ruhe noch.

Story Samstag

[Story-Samstag] Dein letztes Stündlein – Früher war alles besser

storysamstagWas ist der Story-Samstag? 

Der Story-Samstag hat nur zwei einfache Regeln: Tante Tex gibt ein kleines Thema vor. Und wir haben die Möglichkeit ganz kreativ darauf mit einem geschriebenen Beitrag – egal ob als Gedicht, Abhandlung, Erzählung, Witz oder sonstiger literarischer Art – zu reagieren. Man hat immer zwei Wochen Zeit um seiner Kreativität freien Lauf zu lassen…

Aus Gründen (vielleicht Aliens, möglicherweise waren aber auch Eichhörnchen oder Katzen daran Schuld) ist dir nur noch eine Stunde vergönnt, bevor das Internet auf Ewig nicht mehr funktioniert. Was würdest du mit deiner letzten Stunde Internet anfangen?


Sonntag Zehn Uhr – Was hat mich denn geweckt? Die Sonne. Es muss die Sonne sein, immer wenn die Sonne scheint dann beginnt die Völkerwanderung. Da schlappen die Menschen auf die Strasse und gehen spazieren. Äh spazieren. Wie Old-School. Das kann ich auch alles virtuell. Ich gehe an den Schreibtisch, und schalte den Laptop an. In der Zeit in der das Teil hochfährt stelle ich Kaffee auf und gehe ins Bad. Ich schaue in den Spiegel – Eigentlich sollte ich auch mal spazieren gehen. Ich bin weiss wie die Wand – bisschen Sonne würde meinem Teint auch gut tun. Aber ich höre schon das wohlbekannte Gedudel des Computers. Er ist schon da. Ich schlurfe in die Küche und schnappe mir  meinem Pott Kaffee und ein Cookie aus der Tüte. Ich schlurfe weiter an den Schreibtisch. Dann muss ich erstmal die Katze vom Laptop verjagen. Selbst die Katzen gehen mit der Zeit. Früher mussten sie sich auf die Zeitungen oder Bücher legen. Moderne Katzen nehmen den Laptop oder die Tastatur. Ja – Auch die Tiere gehen mit der Zeit.

Ich öffne als erstes mal meine Blog Seite. Da springt mich schon in roten Buchstaben an.

Weltuntergang steht bevor. Blogger aller Welt – unsere Zeit miteinander geht vorüber. Eine Stunde verbleibt uns noch. Dann wird das Internet für immer abgestellt.“

Irgendwie sitze ich nur dämlich, Kaffee schlürfend vor dem Monitor und raffe wirklich gar nichts. Jetzt verstehe ich auch die eigenartigen Geräusche, die mich geweckt haben. Das waren gar nicht die Spaziergänger, das waren meine Nachbarn, die ihre Entsetzensschreie losgelassen haben. Nämlich den, den ich gerade versuche an dem Kaffee vorbei, auszustossen.

Wie soll ich das denn verstehen. Und ab wann gilt den die Stunde, habe ich es schon verschlafen? Ich werde verrückt. Eine Stunde und dann nie wieder Internet. Was soll ich denn mit der ganzen Zeit machen. Vielleicht spazieren gehen? Ohhh neee. Dann begegne ich wohlmöglich noch den Nachbarn. Ob wir uns überhaupt noch normal unterhalten können ohne eine Tastatur unter den Fingern und ein Monitor vor der Nase? Oder müssen wir das von neuem erlernen. Ich klopfe mir auf die Stirn. Jetzt werde ich wach und hektisch. Eine Stunde. Was ist schon eine Stunde in der virtuellen Welt. Vergleichbar mit Hundejahren. Sieben Stunden entsprechen eine gefühlte virtuelle Stunde. Also ist eine Stunde in der virtuellen Welt – äh – zu wenig.

Ich fange an zu überlegen – stopp ich habe keine Zeit zu überlegen. Ich muss instinktiv handeln. Wie jemand der ein Unglück überleben will, da reagiert man nur noch, also wenn ich das wichtigste retten will – reagieren. Internet-Instinkt. Sofort schalte ich auf Automatik. Ratterratterratter. Die Finger fliegen über die Tastatur. Was mach ich als erstes. Was wollte ich denn schon immer machen. Das Pentagon hacken, die Deutsche Bank vernichten, Die Börse crashen. Jaaaa. Aber davon habe ich keine Ahnung. Verdammt. Also fange ich an – Emails unwichtig. Facebook – nicht wichtig. Aber ich brauche einige Kontaktdaten. Also Emails doch wichtig, Facebook doch wichtig. Kann ich das komplette Pinterest auf meiner Festplatte speichern? Wo sind meine Externen Platten? Keine Zeit, dafür  müsste ich aufstehen. Da verliere ich wertvolle Rettungszeiten.

Hab ich was in der Cloud? Kann nicht sein, die nutze ich gar nicht. Äh – Amazon? Das habe ich alles gesichert. Kann ich auch offline lesen. Ich tippe und rase noch mal über alle Seiten, die ich täglich so abgrase und ich verabschiede mich von der Bloggerwelt. Meine Geschichten sind gesichert. Und auf einmal – ich glaube ich habe es gehört. „Peng!“ ich sehe das kleine Rauchwölkchen aus meinem Monitor und schwarz ist alles. Nein da ein Testbild. Testbild. Nie wieder streamen. Jetzt muss ich wieder normal Fernsehen. Eine kleine Träne verlässt meinen Augenwinkel.

Das Testbild verschwindet.

Liebe Internetuser. Da ihr mittlerweile mehr Zeit im Netz als in der realen Welt verbracht habt, hat die Regierung beschlossen, die Welt vom Internet zu nehmen. Wir erinnern uns an das Leben vor dem Internet. Früher war alles besser. Ihr wart nicht so gut informiert und habt der Regierung alles geglaubt. Wir konnten euch damals noch durch die Mainstream Medien manipulieren. Aber durch die alternativen Medien im Internet erfahrt ihr zu viel von der Wahrheit. Das müssen wir wieder unterbinden. Ihr müsst wieder in Eure Blase tauchen und uns vertrauen. Deswegen wird jetzt eine kleine Abfolge verschiedener Bilder vor euren Augen erscheinen, die Euch „Früher war alles besser“ eingeben und ihr vergesst alles was mit dem Internet zu tun hat. Ihr lebt wie früher. Schreibt Briefe, lest Bücher, geht ins Kino und schaut TV. Ihr werdet wieder ein höriges Volk und wir können so weiter machen wie bisher, ohne ständig irgendeinen Verschwörungstheoretiker vor uns zu haben. Erfolgreiches Gelingen und eine ruhige Zunkunft eure Regierung.“

Plop: Ich habe das Gefühl am PC eingeschlafen zu sein. Mein Kaffee ist kalt. Ich stehe auf um mir noch eine Tasse zu holen und schaue aus dem Fenster. Die Sonne scheint. Warum sitze ich denn hier am PC statt spazieren zu gehen. Schnell fülle ich meinen Kaffee in eine Thermotasse, ziehe mich an und verlasse die Wohnung. Ich habe das Gefühl, meine Beine schon ewig nicht mehr benutzt zu haben. Ich laufe, als würde ich es erst lernen. Aber alle um mich herum bewegen sich ähnlich. Was ist nur passiert. Ach – der Nachbar. Wie war sein Name? Ich winke  – er zögert und winkt zurück. Dann fange  ich an zu laufen und die warme Sonne im Gesicht zu geniessen. Tief  in meinem Gehirn zuckt eine kleine Erinnerung an eine Zeit die am PC spielte. Aber warum denn am PC, den benutze ich doch nur für Texte und manchmal Spiele. Versteh ich nicht. Ich dreh mich um und fange  die an die Strasse entlang zu hüpfen. Das Leben ist schön.

ENDE