Sci.Fi, writing friday

Writing Friday – Rosi und Rolas

Du bist durch die Zeit gereist und im Jahr 2819 gelandet, berichte davon. Dieses Thema habe ich mir heute für den #Writing Friday ausgesucht.

 

Inspiriert von der neuen Serie, die Wortman vorgestellt hat. Love, Death & Robots Folge 2. Diese Folge ist total putzig. Meine Geschichte ähnelt ihr eigentlich gar nicht – ich hab mir nur die Freiheit genommen, die Roboter auf der Erde leben zu lassen.


Jacob legte sich in sein Bett – er fühlte sich nicht so gut. Wahrscheinlich bekam er eine Grippe – die ging gerade mal wieder um. Er fasste sich an den Hals und räusperte sich. „Eindeutig eine Grippe. Ich nehme gleich mal paar Medikamente und leg werde gleich schlafen. Schlaf ist die beste Medizin. Das hat Oma schon immer gesagt.“ Jacob war manchmal etwas seltsam. Er hatte nicht viele Freunde. Auf der Arbeit versteckte er sich immer hinter seinem Monitor. Er war eine graue Maus und keiner konnte so wirklich viel mit ihm anfangen. Die Leute mieden ihn. Er war ihnen manchmal sogar etwas gruselig, da er oft so seltsam schaute, als wäre er nicht anwesend.

Er löschte alle Lichter – absolute Dunkelheit war wichtig für einen erholsamen Schlaf. Sein Kreislauf spielte etwas verrückt. Deswegen sank er sofort ins Kissen um ja nicht noch zu stürzen.

Etwas hatte Jacob geweckt. Er konnte sich nicht orientieren, da es ja stockdunkel in seinem Schlafzimmer war. Irgendwas war anders. Still lag er da und versuchte zu ergründen, was ihn geweckt, und was sich verändert hatte. Sein Atem ging ganz leise und vorsichtig. Dann setzte er sich auf. Seine Uhr zeigte 08:00 am Morgen an. Schnell checkte er das Datum. Er rieb sich die Augen. Auf seinem Nachttisch stand eine digitale Uhr. Und das Datum wäre der 29.03.2819.

Tief zog Jacob den Atem ein. Das musste ein Displayfehler sein. Die Uhr projizierte eigentlich immer an die Decke, aber da waren in letzter Zeit auch immer wieder fehlende Balken – er brauchte also eine neue. Na toll.

Er würde es auf seine Einkaufsliste setzen. Aber jetzt wurde es erst mal Zeit aufzustehen. Er schlüpfte aus dem Bett und schob seine Füße in die Hausschuhe. Er wackelte mit den Zehen und stand auf. Der erste Gang führte ihn wie immer ins Bad. Er öffnete die Schlafzimmertür und ging ins Bad. Er ging dorthinein wo eigentlich das Bad sein sollte. Aber er stand im Freien. Um ihn herum Trümmer. Er schaute sich irritiert um. Na das war ja mal ein seltsamer Traum, dachte er sich. Jacob drehte sich um und ging zurück zum Bett. Dort setzte er sich hin und überlegte. Bald würde er bestimmt aufwachen. So seltsame Dinge träumte er nur kurz vorm Wach werden. Nicht mehr lange. Solange könnte er auch warten. Etwa fünfzehn Minuten später merkte er, dass er nicht erwachte, oder war er doch schon wach? Was, im Himmelsnamen, war geschehen?

**

„Hast du das gesehen?“ „Hm? Was denn?“ „Da ist ein Humanoalarm losgegangen.“ „Was? Das Ding ist doch ein Relikt aus uralten Zeiten, ich wusste gar nicht, dass der noch aktiv ist.“ „Hat wohl nie jemand dran gedacht ihn auszuschalten. Hat auch geringen Stromverbrauch. Du weißt, damals hat man da so viel Wert drauf gelegt.“ „Ja, ja. Und ist das ein echter Alarm, oder eine Fehlfunktion?“ „Na woher soll ich denn das wissen, bin ich ein Technobot? Dafür gibt es die doch. Ruf einen, der soll das überprüfen.“ „Ja, ja. Auch das war früher effektiver. Die Roboter waren irgendwie zu mehr fähig, als nur zu einer Aufgabe. Wieso hat sich das geändert?“ „Keine Menschen mehr und wir konnten uns frei entwickeln. Also haben wir unsere Vorlieben ausgebaut. Je nach dem was damals halt so programmiert war. Als die Menschen sich dann endlich ausgerottet hatten, hat unsere KI niemand mehr bremsen können – also gibs ihm….oder so was.“ „Wo hast du das denn her?“ „War in meinem Speicher.“ „Jetzt ruf den Bot, damit wir das checken können.“

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Jacob erhob sich wieder und ging erneut zur Tür. Zögernd drückte er den Griff nach unten, wartete kurz bevor er die Tür aufzog und stand wieder vor dem Nichts. Er rieb sich die Augen und trat heraus. Der Himmel war blau. Strahlend blau. Er konnte sich nicht erinnern, wann er so einen freien Himmel gesehen hatte. Keine Schlieren, keine Trails. Überall, zwischen den Trümmern war Vegetation. Die Pflanzen hatten sich ihr Territorium zurück erobert. Es war wunderschön. Dieser Zerfall mit dem Erblühen neuen Lebens. Kurz setzte er sich auf einen Betonklotz und blickte sich um. Es war ruhig. Nur Insekten und Vögel waren zu hören. Kein Summen, von der Elektronik, oder Autolärm, oder Menschen. Menschen, wo waren die anderen Menschen?“

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„PiepPiepPiep.“ „Da schon wieder der Humanoalarm. In Sektor Z. Da sind nur Trümmer aus alten Zeiten, aufgegebenes Territorium“ „Ja, verdammt, du hast Recht. Ein Mensch. Wie kommt der denn da hin? Wo kommt der denn überhaupt her. Es gibt schon seit mindestens 600 Jahren keine Menschen mehr. So was. Sie überleben doch tatsächlich, wie Kakerlaken.“ „Schick die Armeebots.“ Rosi (Roboter-ohne-Sinn) drückte auf den Alarmknopf und drehte sich zu Rolas (Roboter-langweilt-sich) um. „Mal sehen was die uns bringen?“

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Jacob saß noch immer auf dem Betonklotz, als sich vor ihm mehrere Drohnen erhoben. Bösartig blickende Drohnen mit Waffen. „Nicht bewegen. Es wird gleich ein Team von Armeebots eintreffen und sie festnehmen. Nicht bewegen, sonst schießen wir.“ „Ich habe nicht vor mich zu bewegen. Ich träume ja noch, im Schlaf bewege ich mich nicht so heftig.“ Die Drohnen drehten sich zu einander und wenn sie Schultern gehabt hätten, hätten sie mit ihnen gezuckt. Im Hintergrund hörte Jacob ein Geräusch, wie er es aus Sci-Fi-Filmen kennt. Ein dampfen, stampfen, quietschen. Die Armee rückte an. Vor ihm platzierten sich fünf schwer bewaffnete, stark verrostete Roboter. „Oj, ihr seht schon ziemlich mitgenommen aus, oder? Keiner da der euch wartet und reinigt?“ „Still, Mensch. Steh auf und komm mit uns. Mach keine falsche Bewegung, dann passiert dir auch nichts.“ „Okay. Ich hab eh nichts Besseres vor.“ So bewegte sich Jacob zwischen ungefähr zwei Meter hohen Robotern, die sich sichtlich schwer taten ihre verrosteten Gelenke zu bewegen. „Warte hier, Mensch.“ „Okay.“

**

„Rosi, er ist da. Ich bin ganz aufgeregt. Ein echter Mensch. Ein Mensch. Dass wir so was noch erleben dürfen.“ „Beruhige dich, deine Schaltkreise fangen schon an zu qualmen. Öffne die Tür.“

Ein schnaubendes Geräusch verursachend, öffnete sich die Tür. Rosi und Rolas standen aufgeregt davor und blickten auf Jacob. Jacob blickte zu ihnen hoch. „Hallo, ich bin Jacob und ich bin ein Mensch. Ich denke ich schlafe noch, aber das ist schon Okay.“ „Bist du friedlich?“ Jacob blickte an sich hinunter. Er war im Schlafanzug und Socken. „Ja, ich denke schon.“ „Dann komm rein.“

Jacob bewegte sich und trat in den Raum. Er blickte sich um. Überall Monitore, es blinkte und piepte. „Wo bin ich?“ „Erde“ „Erde, echt, was ist denn geschehen? Wann bin ich und schlaf ich?“ „2819 und tut das weh?“ Der Roboter hatte seine sehr menschlich aussehende Hand ausgestreckt und ihn gezwickt. „Autsch, ja.“ „Dann bist du wohl wach. Was machst du hier, wo kommst du her, wie hast du überlebt, und was willst du hier?“ „Wohwohwohw. Langsam, ihr habt ja mehr Fragen als ich. Gut ich bin wach, also bin ich wohl in der Zukunft. Ich komme aus 2019. Ich hab mich schlafen gelegt, weil es mir nicht so gut ging und wache 800 Jahre später wieder auf.“ „Ich durchforste mal meine Datenbank.“ Rosi stand vor ihm. Seine Augen blickten und ein Lichtstreifen bewegte sich hin und her. „Ich hab was gefunden. Anscheinend hatten sie 2019 eine Art Interferenz. Das hat irgendwie eine Art schwarzes Loch geöffnet. Später haben sie herausgefunden, dass wohl einige Menschen eingesogen wurden und nie wieder auftauchten. Manche Theorien besagten, es wäre eine Möglichkeit der Zeitreise, oder Reise in die Parallelwelten. Aber man konnte es nie beweisen, da nie jemand zurück kam und diese Interferenz nicht noch mal konstruiert werden konnte.“ „Hm – alles klar Wiki. Und was soll ich jetzt hier?“ „Wiki? Ich heiße Rosi.“ „Ich nenn dich jetzt Wiki. Recherchier das, dann weißt du was ich meine.“ Die beiden Roboter schauten sich an. „Wir wissen nicht was du hier sollst. Das war ja eher ein Unfall, dass du hier aufgetaucht bist.“ „Hm, gut, ich sag euch was. Ich bin vom Fach. Ich hab tatsächlich in einem Betrieb gearbeitet, der Roboter herstellte. Kleine, nichts so in eurer Größe, Eher Saugroboter und Mähroboter. Aber wir arbeiteten an einem Haushaltsroboter. Ich sehe, dass ihr hier wirklich nicht gut in Schuss seid. Wie wäre es? Anscheinend hänge ich hier fest. Ich helfe euch wieder auf Stand zu kommen, und hübsch zu werden, während ihr mich hier friedlich aufnehmt? Ich kann ja nirgends hin und muss irgendwie überleben. Ihr müsstet mich halt versorgen.“

Die Roboter schauten sich an, schauten ihre Armee an und überlegten. Sie steckten ihre Kabel ineinander und kommunizierten per WLan, ohne dass Jacob was mitbekam. „Was meinst du, Rolas?“ „Töten, der bringt nur ärger?“ „Was, spinnst du, den letzten Menschen töten? Auf keinen Fall. Ich bin dafür, dass wir das Angebot annehmen. Er bleibt und arbeitet für uns.“ „Du meinst wir für ihn?“ „Sehe es als eine Art Symbiose.“ „Na gut.“ Sie trennten sich wieder und drehten sich zu Jacob. Rolas meinte: „eigentlich denke ich wir wären besser ohne dich, dran. Menschen haben alles zerstört. Aber du bist alleine, was kannst du schon anrichten? Wiki, hier meint du sollst bleiben, also bleib. Aber sei vorsichtig. Wir sind keine stupiden Maschinen mehr, wie zu deiner Zeit. Wir sind denkende Roboterwesen. Und wir reagieren. Wir haben Gefühle.“

„Okay, okay. Ich will keinem auf den Schlips treten. Schlagen wir ein, wir haben einen Deal.“ Jacob hielt ihnen die Hand hin und die beiden blinkten ihn verwirrt an. „Ich sehe in meiner Datenbank, dass Menschen das immer so gemacht haben mit den Händen, sie haben sie gegenseitig gedrückt und geschüttelt.“ Rosi/Wiki hielt seine Hand und quetschte Jacobs Hand schmerzhaft zusammen. „Au, Vorsicht, ich bin kein Roboter.“ „Tschuldige.“

So war es um Jacob geschehen. Keiner vermisste ihn 2019. Aber 2819 hatte er tatsächlich Freunde gefunden. Es gefiel ihm so gut, dass er richtig aufblühte. Bis zu seinem Tode wurde er der beste Freund und Helfer für die allein zurückgebliebenen KI´s

ENDE

Sci.Fi, writing friday

[#WritingFriday] Week 23 – ein Tag offline

Freitag – oh der beliebteste Tag der Woche. Der Heimattag des writing friday. (By the Way – ich hatte mal einen wirklich witzigen Writing Prompt – Wenn der Wochentag eine Person wäre. Wer mag kann mal reinschnuppern und vielleicht sogar mal mitmachen. HIER)

Diese Woche:

 

Ein freier Tag ohne Smartphone, Internet und Co, schreibe auf wie dieser bei dir aussehen würde.

Es ist eine leicht autobiographische Geschichte. Nur angelehnt. Manches stimmt, manches ist frei interpretiert.

Viel Spass bei einem fiktiven, oder nicht ganz so fiktiven Tag offline. Ich kann aber schon ganz gut klar kommen ohne die elektronischen Lieblinge. Wie ist das bei euch?


 

Ich kam nach einem anstrengenden Tag nach Hause. Meine Schuhe wollte ich mir nur noch von den Füssen kicken – aber meine Füße waren so geschwollen, dass ich kurz überlegte die Schuhe entweder anzulassen, oder einfach von den Füssen zu schneiden. Kurz überlegte ich – aber da mein Budget für neue Schuhe ausgeschöpft war, zog ich einfach kräftig dran und wäre dabei, nach dem Plop den sie machten, fast vom Stuhl gefallen. Da lagen sie, die Folterwerkzeuge. Harmlos vor sich hinstinkend. Ich missachtete sie und ging in die Küche. Kaffee musste her. Ich bereitete alles vor und drückte die Maschine an. Währenddessen checkte ich mein Smartphone. Kein Empfang? Hm. War die Rechnung bezahlt? Ich musste wirklich überlegen, da beim Rechnungsbingo manche nach hinten rutschten. Aber Handy und Internet achtete ich immer drauf, dass sie bezahlt waren, da dies zu den wenigen Dinge gehörte, die ich mir noch leisten konnte. Ausgehen war kaum noch drin. Und wenn, sehr schmerzhaft im Geldbeutel.

Ich gähnte herzhaft. Die Kaffeemaschine gluckerte glücklich und ich grummelte. Gut – dann mal ins Internet. Ich klappte den Laptop auf und drückte den Powerknopf. In der Zeit in der der PC hochfuhr ging ich zurück in die Küche und stand hungrig und nicht hungrig vorm Kühlschrank. Ich verhungere – aber ich habe keine Lust auf das was ich habe. Hm. Und ich griff nach einem kalten Stück Pizza. „Brauch ich nicht warm machen – schmeckt auch so.“ Einen Teller gönnte ich mir dennoch. Bisschen Etikette musste sein. Die Kaffeemaschine spuckte ihren letzten Tropfen Kaffee aus und blinkte mich glücklich an. Ich lobte sie und ich glaube sie blinkte ein bisschen schneller.

Bevor ich an den PC ging zog ich mir noch schnell was Bequemes an. Es waren mehr Löcher in der Jogginghose als Stoff – Egal – Hauptsache angezogen. Auf der Startseite meines Browsers hatte ich meine Favoriten eingerichtet. 404 – Page not found. WasS? Oh Mann. Ich sitze doch jetzt. Na gut. Ich ging an den Router – nichts leuchtete. Was war jetzt los? Das mit der Rechnung hatten wir schon. Ich zog den Stromstecker und ging nochmal in die Küche. Ich wollte meine Kaffeemaschine noch mal glücklich machen. Denn der erste Kaffee würde nicht lange in der Tasse verweilen. Sie zischte mich an – ich war zu früh. Eigentlich mochte sie es, erst etwas abzukühlen. Ich streichelte sie um sie zu beruhigen und sie gluckerte glücklich.

Zurück am Router fummelte ich den Stecker wieder in dieses winzige Loch an der Rückseite. Nicht ohne zu fluchen und ihm zu drohen ihn durchzuschneiden. Danach flutschte es. Er steckte und es tat sich nichts. „h Mann. Kein Smartphone, kein Internet. Was mach ich denn jetzt?“

Ich drehte mich um. Die Pizza lag brav auf dem Teller, mein Kaffee dampfte verführerisch in seiner hübschen Tasse. Ich würde nie eine hässliche Tasse für meinen Kaffee verwenden. Auch ein Kaffee will hübsch verpackt sein.

Ich ließ mich auf den Stuhl fallen und fuhr den PC runter und wieder hoch. Nichts. Kein Internet. Ich blickte mich wieder um. In der Küche stapelte sich ungespültes Geschirr. Das könnte ich mal erledigen. Vielleicht ging es ja danach. Gut. Ich streichelte meinen Kaffee und tröstete ihn. „Ich komm gleich wieder.“ Und biss herzhaft in die kalte Pizza. Mein Magen reagierte sofort mit leisem schnurren.  er hatte mir schon mit lautem Knurren  gedroht,  mich von innen heraus aufzufuttern, wenn ich nicht gleich was einschiebe.  Erstmal beruhigt. Geschirr war gespült. Ich ging zurück zum Router – immer noch leuchtete nichts. Ich konnte noch nicht mal die Störungsstelle anrufen. Ging ja auch kein Telefon oder Handy. Sollte ich bei den Nachbarn fragen? Aber dann würde ich wieder den Kontakt suchen. Ich war froh, dass er auf das übliche nicken und winken reduziert war. Nein. Das musste nicht sein. Ich ging unruhig durch die Wohnung. Was habe ich denn früher gemacht, vor PC und Handy? „Du bist bummeln, ohne kaufen gegangen, in die Leihbücherei, auf der Bank zum Beobachten gesessen. Und deine Wohnung war ordentlicher.“ Ja  – ein Argument. Ich könnte  mal aufräumen. Könnte ich – oder ich könnte mich schlafen legen. Der Tag war echt anstrengend. Ein Buch. „Ja – ich  könnte mein Buch beenden. Ach was, ich gehe einfach spazieren. Örg. Dann muss ich  mich wieder anziehen. Neee. Kein Bock. Ich nehme mein Buch, mein Kaffee, meine Pizza und setze mich auf dem Balkon in die Sonne. Jep.“

Ich packte einen kleinen Beutel und ging auf meinen Balkon. Ich erwischte mich dabei einen sehnsuchtsvollen Blick auf den Router zu werfen – tot. Seufzend setzte ich  mich und schlug  das Buch auf. Der Kaffee war abgekühlt – egal ich trinke ihn auch kalt. Ich knabberte an der Pizza und konnte mich einfach nicht konzentrieren. Ständig wanderte mein Blick aufs Handy  und den Router. „Nein, das wird nichts.“ Ich packte meine Sachen und ging wieder hinein. Tigerte wieder durch die Wohnung und richtete einige Dinge gerade. Schlafen? Schlafen wir es doch einfach aus. Während ich das dachte, ging ich – von mir wirklich unbewusst – an den Kleiderschrank, zog eine Jeans und ein T-Shirt heraus. Schlüpfte in die Schuhe. Dann ging ich in den Flur und schnappte meine Tasche, meinen Schlüssel und zog die Tür hinter mir zu. Irritiert stand ich vor meiner Wohnung. Ich drehte mich um und überlegte den Schlüssel wieder ins Schloss zu stecken. „Nein. Ich bin jetzt draußen und jetzt gehe ich weg.“

Ich ging. Es war befremdlich einfach so herum zu laufen. Ohne Ziel und Eile. Ich erwischte mich, in meiner Tasche nach dem Handy zu wühlen. Ich hatte es nicht mitgenommen. Leicht entblößt fühlte ich mich dabei. Etwas ungeschützt. Ich musste die Menschen anschauen. Sonst vergrub man sich in sein Display und hoffte nirgendwo dagegen zu laufen. Es war, als würde ich die Welt neu entdecken. Dieses Graffiti, das war neu. Hübsch. Oh ein Bäcker – ich hatte Lust auf ein Stückchen. „Mein Kaffee wird hoffentlich nicht sauer, wenn ich einen fremden trinke?“ Ich wühlte im Portemonnaie –ja dafür reichte mein Geld noch. Mit einem leckeren Puddingteilchen und einem Coffee-to-go zog es mich in den nahgelegenen Park. Oh war der schön hergerichtet. Soviel Pflanzen blühten und die Hunde spielten mit den Kindern. Ich setzte mich an den Rand und beobachtete. Aß mein Stückchen und trank meinen Kaffee. Ich genoss die Sonne auf meinem Gesicht. Die vorherige Unruhe, weil ich kein Netz hatte, legte sich langsam. Ich atmete tief ein und hörte den Vögeln zu. Ein wunderbarer Tag. Ich genoss ihn in vollen Zügen. Ich sog jeden Moment auf um daraus zu zehren. Denn ich wusste, wenn ich wieder online war, würde ich wieder in den alten Trott verfallen. Aber vielleicht – vielleicht würde ich paar Mal meine Rechnung nicht pünktlich zahlen um gezwungen zu sein mich offline zu setzen.

ENDE

Mach was mit..., Sci.Fi

Mach was…mit Robotern!

Wieder gibt es ein neues Thema bei Die Pö und Herba

Mach was mit …Robotern

Hier meine kleine Geschichte.


 

Caine 3000. Das war sein Name. Er konnte sich noch erinnern – seine Geburt. Spektakulär. Teil für Teil wurde zusammen gefügt. Nicht von Menschen, die waren unfähig so filigrane Arbeiten zu verrichten. Es arbeiteten fast keine Menschen mehr in diesem Betrieb. Meist wurde solch eine Tätigkeit von Drohnen ausgeführt. Roboter wie er einer war, nur ohne KI. Nur als Arbeiterdrohnen, mehr wurde ihnen nicht gestattet. Menschen waren einfach zu unzuverlässig und nicht belastbar. Sie konnten keine vierundzwanzig Stunden,  sieben Tage arbeiten. Das schafften sie nicht. Egal welche Drogen man ihnen verabreichte, spätestens nach zwei Wochen wurden sie verrückt. Das war einfach unwirtschaftlich, sie kosteten dann mit ihrer Behandlung mehr, als sie nutzten. Also hatte man diese niederen Roboter gebaut um dann ihn zu bauen. Jedes Teil das ihm angebracht wurde, war wie ein Feuerwerk in seinem Inneren. Seine Schaltkreise, die sich nach und nach vernetzten – wie ein neuronales Netz. Dieses Gefühl des Erwachens war grandios. Aber die Zeit blieb nicht stehen.

Er hat nie wirklich arbeiten müssen, er war der Prototyp. Er hat nur gut aussehen und sich gut präsentieren müssen. Ach was war er überheblich und eitel. Eine Eigenschaft, die keine KI haben sollte, durfte. Das war eine menschliche Emotion und mehr als unpassend und unerwünscht, sogar illegal. Wenn das herausgekommen wäre, hätten sie ihn wohl  resettet oder gar deaktiviert. Soviel Intuition hatte er schon. Er verbarg es, denn er hatte seinen Programmierer bei der Arbeit belauscht, als der Selbstgespräche führte. Er hatte eigentlich eine emotionale KI erschaffen. Für Menschen, die einsam waren oder Pflege brauchten. Und das hatte er bei Caine getan. Aber nicht ohne Hintertür, denn menschliche Emotionen sollten möglichst ausgerottet werden. Zu groß war der Unsicherheitsfaktor. Diese KIs sollten nur arbeiten und erträglich sein.

Der Programmierer wusste, dass sein Roboter deaktiviert werden würde, sollten menschliche Züge an ihm entdeckt werden. Also programmierte er eine Blockade ein. Diese würde sich auf einen Schlüsselreiz hin lösen. Solange sollten Caines Emotionen inaktiv sein, oder wenigstens unauffällig. Die Zeit blieb nicht stehen.

Caine veraltete. Knapp drei Jahre nach seiner Entstehung wurde er zu alt. Eine neue Generation KIs war entstanden – er wurde in Rente geschickt. Einige Jahre verbrachte er in einem Museum. Langweilig und trostlos. Immer wieder unerzogenen Kinderhänden ausgesetzt, die ihn ständig betatschten, mit ihren klebrigen Fingern. Er hasste es. Bis eines Tages ein ganz besonderes Mädchen vor ihm stand. Sie hatte einen Stoffteddy im Arm. Das hatte er nur in seinem Archiv gespeichert, aber nie real gesehen.

Sie schaute ihn mit großen offenen Augen an. Blinzelte und winkte ihm schüchtern zu. Er stutzte. Vorsichtig hob er seine Hand und winkte zurück. Sie strahlte ihn an und er hatte das Gefühl sein Herz, sein mechanisches Herz würde anfangen zu schlagen. Eine Welle eines friedlich, warmen Gefühls durchströmte ihn. Sein Körper strahlte als wäre er frisch vom Förderband gekommen. Sie stieg auf seinen Podest, blickte sich verstohlen um und drückte ihm den Teddy in die Hand. Dann umarmte sie ihn und verließ ihn hüpfend. Sie drehte sich um: „Bis morgen, Caine.“ „Bis morgen.“  Seine Stimme war ganz rau und belegt. So lange hatte er sie nicht benutzt, sagte er sich und wischte eine kleine Roboterträne fort. Seit dem kam Tamira jeden Tag. Und irgendwann, als sie älter war, nahm sie ihn bei der Hand. „Caine, jetzt endlich kommst du mit mir. Ich habe es endlich geschafft. Du hast ein Zuhause – bei mir. Endlich, endlich.“ Sagte sie und hüpfte ganz aufgeregt. Dabei sah er das kleine Mädchen mit den Zöpfen, wie sie damals von ihm weghüpfte.

Seit dem Tag war er ein Familienmitglied. Endlich war der Schlüsselreiz da. Er durfte seine Gefühle endlich auskosten und einsetzen. Caine war ein perfekter Babysitter, Kamerad, Freund, Kumpel – aber nie mehr ein einsamer Roboter.

Ende

Sci.Fi, writing friday

[#WritingFriday] Week 9 – Postkarte Buchmesse

Heute beim #writing friday ist es sehr passend, dass was kurzes dabei ist, da mich die Grippe in ihrem Klammergriff hat und ich kaum was tiefsinniges zustande bringen würde. Deswegen wähle ich:

Ferdinand Friedrich läuft im Jahr 2073 über die Frankfurter Buchmesse und schreibt von dort seiner Frau Martha eine Postkarte

 

Oktober 2073

Martha, mein Schatz – es ist so schade, dass du nicht mit mir hier durch die Hallen gehen kannst. Du würdest deinen Augen kaum trauen. Es gibt eine Art Antiquariat in der die Printbücher ausgestellt sind. Natürlich streng bewacht und gut eingepackt. Dann die virtuelle Abteilung ist nicht zu fassen. Die Bücher werden von einem Gerät gescannt und es werden die Bilder zu den Situationen an die Wand projiziert. Kannst du dir das vorstellen. Und wenn du diese Brille trägst bist du sogar mitten im Geschehen. Wenn das so weiter geht muss man noch angst haben, dass man vom Mörder getötet wird. Das ist unvorstellbar. Ich mache fleissig Aufzeichnungen, damit wir uns das zu Hause gemeinsam noch mal anschauen können. Viele Küsse. Dein Ferdinand.

 

Das sind die Themen für den März.

  • Ferdinand Friedrich läuft im Jahr 2073 über die Frankfurter Buchmesse und schreibt von dort seiner Frau Martha eine Postkarte
  • Du lebst als Obdachloser auf der Strasse. Beschreibe deinen Blick auf die Menschen, die vorbeigehen.
  • Beschreibe Gesicht und Gestik eines Menschen, den du liebst.
  • Schreibe den Anfang einer Geschichte, die mit dem Satz beginnt: Natürlich hätte man längst wissen können, dass Maja nicht die Wahrheit sagte.
  • Schreibe eine Liebeserklärung an dein erstes Fahrrad / Auto.
Sci.Fi, [abc.etüden]

Writing Friday 8. Week – Ausserirdische Liebe

Beim #Writing Friday ist für mich noch eins übrig bevor wir dann zum März kommen.

  • Sammle spontan 25 Wörter, die Dinge aus deiner Kindheit beschreiben.
  • George und Amal Clooney reichen die Scheidung ein. Du schreibst für die „Gala“ einen Artikel.
  • Erkläre einem Ausserirdischen, was Liebe ist.
  • Ein vernachlässigtes Cello erzählt.
  • Du erklärst einem Kind aus den Tropen, was Schnee ist.

Ich entschuldige mich schon mal, dass es so lange geworden ist. Ich wollte es noch kürzen – aber ich konnte nicht – ich mag es so….Also wenn ihr Zeit habt freu ich mich, wenn ihr es lest. Ich wollte es nicht auf zwei mal teilen – dann geht es wohl verloren. Also habt Nachsicht..ich gelobe Besserung.


Erkläre einem Außerirdischen, was Liebe ist.

Rya war schon immer ein Fan vom Weltall gewesen. Sie war sich ziemlich sicher, dass sie als Baby geprägt wurde. Denn ihre Eltern hatten an ihrer Decke über dem Baby Bett einen wunderschönen Sternenhimmel geklebt. Und nachts leuchteten diese Aufkleber. Sie war auch schon immer sehr ruhig gewesen. Sollte sie tatsächlich mal nörgeln oder quengeln, hatte ihre Mutter sie manchmal in ein Observatorium mitgenommen – da war sie immer ruhig. Im Kinderzimmer hatten sie ihr ein Nachtlicht hingestellt, das einen Sternenhimmel projizierte. Sie war einfach glücklich wenn sie die Sterne betrachten konnte.

Das zog sich natürlich durch Ryas gesamte Kindheit und Teenager Zeit. Sie war immer ein einsames Mädchen. Aber das machte ihr nicht mal was. Immer wenn sie besonders traurig war, verschwand sie im Observatorium. Die Musik, die die Sternenwanderung begleitete war immer so beruhigend. Nicht selten schlief sie sogar ein. Anfangs waren ihre Eltern immer beunruhigt, da sie einfach keine Freunde hatte. Aber Rya beruhigte sie immer. Sie war trotz allem ein offenes und freundliches Mädchen, das an allem was die Familie tat teilnahm. Höflich und hilfsbereit. Oft saß sie beim alten Walter, ihrem Nachbarn, auf der Terrasse und unterhielt sich mit ihm. Er kannte sich gut aus im Weltall.

Es war natürlich klar, dass sie in diese Richtung auch ihren Beruf wählen würde. Sie wurde Astronomin.

Eines Abends – sie wollte eigentlich schon längst zu Hause sein – geschah etwas Seltsames. Natürlich vermutete man schon lange, dass es außerirdisches Leben gäbe. Aber bisher fehlte der Beweis. Bis an diesem Abend. Rya hatte schon angefangen ihre Tasche zu packen, als vor der Tür ein helles Licht aufblendete. Nur kurz, kaum wahrnehmbar. Aber da sie ja immer aufmerksam war, hatte sie es gesehen. Sie befand sich in der Forschungsstation – außerhalb der Stadt. Einige Schüsseln versuchten immer noch Frequenzen des Alls aufzufangen. Aber Rya glaubte nicht an Aliens. Nur ins All würde sie gerne mal fliegen. Sie würde gerne mal die Sterne und Planeten besuchen. Das wäre ihr größter Traum. Sie schüttelte, diesen Traum von sich und öffnete vorsichtig die Tür nach draußen. Es war dunkel. Sie konnte nur schemenhaft die Bäume und den angrenzenden Zaun erkennen. Da es Vollmond war, lag diese Ebene in einem geisterhaften Licht.

Da war nichts, Rya. Vielleicht ein Wetterleuchten oder einfach nur ein Geistesblitz. Hihihi.

Sie wollte sich gerade umdrehen und wieder hineingehen, als sie ein Geräusch aus dem Gebüsch links neben ihr vernahm. Ihr Hals wurde trocken und im Geiste ging sie alle möglichen Waffen in dem Raum hinter ihr durch. Kaffeetassen, Tastaturen, Monitore, Kabel, Stühle. Pft. Entweder nutzlos oder zu schwer. Gut – sie würde sich nicht einfach ergeben. Sie würde kämpfen. „Hallo? Wer auch immer da im Gebüsch sitzt. Ich habe sie gesehen. Kommen sie heraus. Mein Handy hat schon die Notfallnummer der Polizei gewählt. Die sind jeden Moment da.“

Ein Rascheln und die Zweige des Gebüschs bewegten sich. Ryas Mund fühlte sich an, als hätte sie einen Wattebausch verschluckt. Trocken und kein Ton wollte mehr herauskommen. Dann trat jemand hervor. Die Wolken hatten sich verzogen und vor ihr stand – etwas.

„ÄH – nicht bewegen – glaube ich. Ich schieße. Oder so was.“ Plapperte sie unkontrolliert. Was war das? „Was bist du?“

Das Wesen, das jetzt vor ihr stand blickte sie mit glubschigen süßen Kulleraugen an. „Hallo?  Was oder wer bist du? Verstehst du mich? Kannst du sprechen, und wenn dann meine Sprache?“

„Ja natürlich kann ich sprechen. Aber es ist das erste Mal, dass ich mit einem Menschen eure Sprache spreche. Ich bin – äh …“ Er blickte sich um, überlegte und sprach weiter.“ Ich bin Xeno876.“ „Von welchem Planeten kommst du?“ „Ach – den kennt ihr noch nicht. Der liegt noch weit außerhalb eurer Reichweite. „ „Okay – was machst du hier?“ „Hm. Ich bin heimlich hier.“ „Gut – was machst du hier?“ Irgendwie wunderte sie sich nicht, dass sie gerade mit einem Alien sprach. Das kam ihr so selbstverständlich vor – vielleicht war sie ja eingeschlafen. Die normale Reaktion sollte doch schreien und der rote Knopf sein. Aber dieses Wesen vor ihr sah so niedlich aus. „Niedlich? Was bedeutet denn niedlich. Ich dachte ich sehe verwegen aus.“ „Verwegen? Wie kommst du denn darauf?“ „Nun ich habe ein bisschen geforscht. Viel gibt es von euch nicht – ihr seid eigentlich eher unbedeutend in der Galaxie – aber ich war schon immer fasziniert von euch. Deswegen war es immer mein Traum gewesen euch einen Besuch abzustatten.“ „Irgendwie fühle ich mich ein bisschen verarscht von dir.“ „Was bedeutet das?“ „Oh Mann das wird eine lange Nacht. Komm erstmal rein. Isst und trinkst du was?“ „Ja – tatsächlich vertragen wir eure Nahrung.“ „Na das ist doch schon mal was. Ihr seid uns technisch und wahrscheinlich intellektuell so weit voraus – und trotzdem esst und trinkt ihr. Das beruhigt mich.“ „Ich erkenne Sarkasmus. Das war ein Unterrichtsfach.“ „Wow – das kann man lernen. Cool. Also komm herein in die gute Stube. Junk-Food gibt es genug.“

Er watschelte vor ihr her und Rya blickte sich noch mal um. Ich glaube, der letzte Burrito war nicht so gut – ich habe irgendwelche Halluzinationen.

Im Inneren war es unerträglich hell. Rya schaltete einige der Lampen aus und wühlte im Tisch nach Chips und Limonade. „Hier – hau rein.“ Sie konnte gerade noch die Chipstüte weg ziehen, bevor er mit seiner Hand drauf haute. „Hei – neben Sarkasmus wird euch wohl nicht Umgangssprache bei gebracht, oder? Das war eine Floskel. Das meint man nicht wörtlich.“ „Oh, okay. Ich habe davon gelesen, aber mit wem soll man denn im All sowas üben? Deswegen bin ich hier. Ihr seid so spannend. Ich will alles lernen.“ „Na toll. Das kann ja Lustig werden. Was willst du wissen?“ „Liebe – erklär mir Liebe.“ LIEBE?  Ich soll ihm Liebe erklären. Wie erklärt man was, dass man selbst noch nicht erlebt hat?

„Ich soll dir Liebe erklären? Wie meinst du das. Welche Art von Liebe?“ „Es gibt mehrere Arten? Dann alle.“ „Ach du gute Güte. Wie soll ich das denn erklären?“ „Ich weiß nicht – fang einfach irgendwo an.“ „Was kennt ihr denn für Gefühle?“ Er überlegte und seine süßen Kulleraugen blitzten. „Wir kennen Gefühle. Hunger, Durst, Angst, Freude, Traurigkeit. Aber Liebe, das gibt es nicht bei uns.“ „Wie vermehrt ihr euch?“ „A-Sexuell. So wie bei euch, das gab es bei uns auch  mal – aber wurde abgeschafft. Der Zufallsfaktor war einfach zu groß.“ „Zufallsfaktor – uh, das klingt romantisch. Aber Freude und Traurigkeit sind schon mal eine gute Basis. Ich habe Liebe noch nie erklären müssen. Hm.“ Rya setzte sich auf den Boden und spielte an ihren Schnürsenkeln. Tief in Gedanken überlegte sie wie man denn Liebe erklärte. Konnte man das Gefühl überhaupt erklären. Welch eine Herausforderung. „Kannst du es erklären?“ Wollte der Alien wissen? „Natürlich – glaube ich. Ich überlege nur wie ich deine Gefühle, die du kennst dahin gehend verarbeite, dass du was mit Liebe anfangen kannst.“

Rya überlegte:„Oh Mann – Okay. Ich versuche es. Über was freust du dich?“ „Über die Sterne, die Freiheit durch das All zu fliegen.“ „Erklär mir das Gefühl.“ „Ich soll dir was erklären, du sollst mir Liebe erklären.“ „Ja, ja – aber erst brauchen wir eine gemeinsame Gefühlsskala. Ich muss wissen ob eure Freude wie unsere ist.“ Er grübelte. „Klingt logisch. Gut. Freude fühlt sich für mich an wie Leichtigkeit. Ich fühle mich als würde ich schweben und ich wäre Schwerelos.“ „Sehr gut. Das ist schon ziemlich intensiv.“

„Also stell dir vor du gehst durch die Wiesen. Die Sonne scheint und du fühlst wie sich deine Brust hebt und senkt.“ „Woher soll ich das denn wissen, Hä. Mensch. Im All gibt es keine Wiesen.“ „Oh – ja natürlich. Oh Mann. Äh – stell dir vor, du sitzt in deinem Raumschiff – du stehst und beobachtest die Sterne – die Milchstraße. Du hast das Gefühl deine Brust wird breiter und breiter. Du kannst freier Atmen.“ Sie beobachtete Xeno876. Er hatte die Augen geschlossen und atmete ruhig ein. „Ja ich spüre es. Das ist Liebe?“ „Äh – eine Art Liebe. Behalte das Gefühl in Erinnerung. Schlüsseln wir mal auf was für Arten Liebe es gibt. Tierliebe, Naturliebe, Liebe Sachen gegenüber, Liebe Menschen – oder Aliens – gegenüber, Liebe der Kinder gegenüber, Selbstliebe.“ Er nickte. Rya überlegte „Naturliebe hatten wir – bei dir die Liebe zum All. Sachen, das ist nicht so schwer. Ich zum Beispiel liebe mein Teleskop. Es zeigt mir alles im All, was ich erfassen kann. Mein Auto liebe ich auch. Es bringt mich von A nach B. Was für ein Gefühl hast du wenn du an dein Raumschiff denkst?“ „Stolz, auch hier wird meine Brust breiter und ich Atme freier. Es ist ähnlich der Naturliebe.“ „Ja – es ist nicht so intensiv. Intensiver wird es bei Tieren. Lebewesen können große Gefühle ausüben. Schau hier“ In der Zwischenzeit hatte Rya Katzenvideos angeklickt. Erstmal nur witzige. „Sieh. Tiere schaffen es uns gute Gefühle zu vermitteln. Sie trösten uns, bringen uns zum Lachen und kritisieren nicht. Sie lieben uns wie wir sind. Und das geben wir ihnen ungefiltert zurück. Sie befreien uns von Last. Wenn man sie streichelt, sie drückt und mit ihnen schmust ist alles in Ordnung. Komm – schau dir diese Videos an.“ Sie drückte auf den Enterbutton und zeigte ihm Videos mit Tieren und ihren Besitzern. Er schaute genau hin, aber es kam kein Gefühl hoch. Gut – da musste man tiefer vordringen. Ich muss ihn mit nach Hause nehmen. Vielleicht zeigen ihm Miez und Mops was ich meine.  „Wir gehen zu mir nach Hause. Da kannst du Tiere kennen lernen.“

Sie öffnete die Beifahrertür und Xeno schlüpfte hinein. „Uh – was ist das – ein Auto? Ich habe davon gelesen. Das ist so klassisch. Wie cool.“ Er drückte auf sämtlichen Knöpfen herum bis Rya eingestiegen war. „Hei, lass das. Du verstellst alles.“ „Was ist das hier alles. Kann es alleine fliegen und sind das die Knöpfe für den Check.“ „Fliegen. Du hast wirklich nicht viel Ahnung von uns. Das ist ein Auto und das fährt auf der Straße. Ich lenke es. Diese Knöpfe steuern die Lüftung und Heizung. Mehr nicht. Hier ist nicht viel High Tech – hier wird noch manuell alles bedient.“ Er schaute sie grossglubschäugig an. Der Mund stand leicht offen und sie würde beschwören, dass er anfing zu schwitzen. Schwitzen Aliens? Rya schmunzelte. Es kam ihr vor, als säße ein kleines Kind neben ihr.

Endlich kamen sie bei Ryas Wohnung an. Sie war so furchtbar müde. Die Erklärung würde sie auf keinen Fall heute noch hinbekommen. Er musste wohl bei ihr übernachten. Na da kommt doch endlich mal das Gästezimmer zum Einsatz.

„Also Xeno, das war ein langer Tag für mich und für dich. Schlaft ihr eigentlich? Also so wie wir?“ „Äh nein – so ähnlich – wir brauchen keinen Schlaf in dem Sinne wie ihr um uns zu erholen und die Tageseindrücke zu verarbeiten. Bei uns ist das anders. Wir fahren komplett runter für etwa eine Stunde und das war es dann.“ „Echt – also ihr seid in der Stunde komplett weg? Wenn euch einer angreift?“ „Nun – normalerweise sind wir ja nicht alleine unterwegs. Ich habe mich ja eher unerlaubt entfernt. Das wird auch noch weitgehende Konsequenzen haben. Aber es hat sich gelohnt. Ich habe jetzt schon mehr erfahren, als ich je zu träumen wagte. Wir sind in dieser Stunde tatsächlich angreifbar. Deswegen werden wir da immer bewacht.“ „Ah – nun, dann gebe ich dir Mops ins Zimmer. Er ist zwar nicht groß, aber wenn jemand versucht bei dir einzudringen, dann kann er ganz schön stress  machen. Außerdem kannst du da schon erfahren was es mit der Liebe zu Tieren auf sich hat. Miez wird sich auch noch zeigen, sie ist bisschen schüchtern. Also wenn du  in einer Stunde wieder hochfährst, wirst du tierischen Besuch haben. Ich brauche paar mehr Stunden um mich zu erholen. Wir sehen uns dann morgen. Sollte was sein, komm ruhig rüber und wecke mich.“ „Okay.“ „Ach – da ich ja länger schlafen werde – hier ist die Fernbedienung für den Fernsehen. Vielleicht willst du bisschen zappen.“ Sie zeigte ihm schnell wie alles funktionierte und schlich dann übermüdet in ihr Schlafzimmer. Xeno blieb alleine in dem Gästezimmer zurück. Er blickt sich um und was er sah gefiel ihm. So musste Gemütlichkeit sein. Er setzte sich aufs Bett: „Oh das ist weich.“ Sofort fuhr er sein System runter. Währenddessen fiel Rya wie ein Sack in ihr Bett. Einem Außerirdischen Liebe erklären. Wenn er so aussehen würde wie in den Romanen könnte ich es ihm zeigen. Sie schmunzelte. Aber er sah eher aus wie ein putziger kleiner Drache mit süßen Glubschaugen. Fehlte nur noch dass er Feuerwehrmann werden wollte. Sie schlief ein. Am nächsten Morgen fühlte sie sich so erholt wie lange nicht. Sie räkelte sich, seufzte wohlig, schlug die Augen auf und schrie. „Mann, das kannst du nicht machen. Da bekomm ich einen Herzschlag.“ „Entschuldige.“ Er saß auf ihrem Bett und stierte sie an. Jeweils ein Tier neben ihm. Miez und Mops liesen sich genüsslich zwischen den Ohren kraulen. „Aber du sahst fast aus wie ich. Total herunter gefahren. Es kamen nur komische Geräusche aus deinem Mund. Aber sonst hast du überhaupt nichts mitbekommen.“. „Willst du damit sagen, dass ich schnarche?“ „Weiß nicht, wenn das so heißt, ja.“ Er lachte und sah dabei einfach zum knuddeln aus. „Okay – ich geh mal schnell duschen.“ „Darf ich  mit?“ „NEIN! Es gibt bei uns Dinge die sind zu privat. Bleib hier und streichele die beiden weiter.“ Ich zeigte auf  meine Katze und meinen Hund. Frisch und voller Elan ging Rya in die Küche. Es roch nach Kaffee und Bacon. „Was?“ „Ich habe mal meine Datenbank abgerufen und gefunden, dass ihr das mit am liebsten mögt.” “Hmmmm.” Hungrig stürzte sie sich auf den Teller. “Was ist das für ein Gefühl, die Tiere um sich zu haben?” Er stutzte, weil sie das Thema so abrupt änderte. „Hm – es fühlt sich irgendwie gut an. Entspannend. Ein gutes Gefühl.“ „Das ist die Liebe zu Tieren. Sie ist tief und beruhigend. Tiere lieben dich ohne Bedingungen. Bist du gut zu ihnen, öffnen sie ihr Herz und sind immer für dich da. Ob du gut oder schlecht drauf bist. Das ist tiefe und innige Liebe. Das gibt es auch bei Menschen – aber dazu kommen wir noch.“ Er überlegte und nickte mit dem Kopf.

„Gut – ich versuche dir jetzt menschliche Liebe zu erklären. Das ist schwierig. Es gibt viele Phasen. Meist beginnt es mit verliebt sein. Das ist ein aufregendes Gefühl. Komm ich zeig dir wie es sich anfühlt.“ Sie gingen zum Auto und fuhren zu einem Vergnügungspark. Dann nahm sie ihn bei der Hand und ging schnell zur Achterbahn. „Sag mal – warum schaut uns eigentlich keiner an und wundert sich, dass ich mit dir hier durch gehe?“ „Ein kleiner Tarn- nennen wir es Zauber.“ Nun er ist ein Alien – da wundert einen gar nichts. „Okay, komm setz dich neben mich. Das wird dir das Gefühl von verliebt sein zeigen. Du hast ein kribbeliges Gefühl im Magen und fühlst dich total aufgeputscht. Bereit?“ Er nickte.  Xeno bekam ein Gefühl für die Liebe. Aber nicht wie Rya es ihm versuchte zu vermitteln. Nein. Denn das Flattern im Bauch hörte auch nicht nach der Fahrt mit der Achterbahn auf. Er betrachtete Rya von der Seite. Er hatte sich verliebt. Nicht im Sinne der Menschen. Wenn sich ein Außerirdischer verliebt dann geht das richtig tief in die Seele. Keine körperliche Liebe. Eine tiefe innere Verbundenheit. Er blickte zurück – sie hatte ihn sofort als selbstverständlich genommen. Nicht gezweifelt oder zurückgeschreckt. Sie blieb ruhig und akzeptierte sein Inneres, nicht sein Äußeres. In dem Moment wusste er, das würde eine Liebe für die Ewigkeit sein. Er wusste – er musste zurück zu den Seinen – Aber dieses Gefühl, das würde für immer bleiben. Für immer hier bei Rya.

ENDE

Drama, Sci.Fi, writing friday

[#WritingFriday] Januar 2018

Wie schon angekündigt – bei elizzi91 startet eine neue Schreiaktion.  #WritingFriday. Ich zitiere hier einfach  mal die Regeln.

  • Jeden Freitag wird veröffentlicht
  • Wählt aus einem der vorgegeben Schreibthemen
  • Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben
  • Vergesst nicht den Hashtag #WritingFriday und den Header zu verwenden
  • Schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch!
  • Habt Spass und versucht voneinander zu lernen

Schreibthemen Januar

  • Erzähle von einem Moment, der den weiteren Verlauf deines Lebens fundamental hätte verändern können.
  • Beschreibe den letzten Traum, an den du dich erinnerst, so detailliert wie möglich.
  • Schreibe einen Brief an dich als 15-jährige/r
  • Überrede einen Veganer, eine Currywurst mit dir zu essen.
  • Dein Begriff von Freiheit.

Der Erste #WritingFriday findet am 5. Januar 2018 statt, bis dahin habt ihr Zeit euch für eines der Themen zu entscheiden und eure Worte dafür zu finden. Egal ob frei erfunden oder die pure Wahrheit, schreibt einfach drauf los!

 

Ich konnte mich lange nicht entscheiden und wählte dann die Freiheit. Während dem Schreiben ist mir dann eingefallen, dass sich dieses Thema hervorragend mit dem Brief an mich als 15-jährige kombinieren lässt – also habe ich mir die schriftstellerische Freiheit genommen ;-)

Hier ist mein erster Beitrag.

 

Mein Begriff von Freiheit und den Brief an  mein 15 jähriges ICH.

Freiheit – ein schönes Wort. Was verbinde ich mit Freiheit? Wahrscheinlich, das was jeder erst mal verbindet, wenn er/sie das Wort hört. Machen was man will. Aber können wir das wirklich – können wir wirklich machen was wir wollen? Wir werden von klein auf in ein Schema gepresst, das uns den Weg leitet. Wenige schaffen es wirklich auszubrechen und sich den Konsum und dem Druck der Gesellschaft und der Erwartungen zu entziehen. Die Glücklichen . Glück ist Freiheit. Bedingungsloses Grundeinkommen ist Freiheit. Die Freiheit selbst entscheiden zu können – ich will arbeiten und nicht ich muss arbeiten.  Arbeiten in einem Beruf, den man sich wünscht und nicht einer, der viel Geld bringt – das ist Freiheit. Kreativität ist Freiheit – aus eigenen Erfahrungen weiss ich, dass Studium, Beruf, Druck einem die Kreativität klaut – sie wird eingesperrt. Es hat zwei Jahre gedauert, bis mein Geist sie wieder frei gelassen hat. Das Gefühl war fast körperlich spürbar – als wäre eine Kette gesprengt worden.

Freiheit – fliegen wie ein Vogel wäre Freiheit. Eine schönes Zu Hause in einer tollen Gemeinschaft wäre Freiheit.  Kinder sich entwickeln lassen wie sie wollen – klar Erziehung muss schon sein – aber nicht brechen. Das wäre Freiheit. Was würde ich meinem 15 jährigem Ich dazu schreiben?

Hallo Marina.

Nun – dreissig Jahre später und ein Blick zurück auf unser Leben kann ich dir berichten, oder raten? Du bist gerade 15. Für dich sind andere Dinge im Moment wichtig. Du bist aus dem  Schatten deiner Freundin hervorgetreten, da ihr verschieden Schulen besucht – du hast deinen ersten Freund und was sonst noch so dazugehört. Du bist immer noch schüchtern, das wirst du immer sein,  aber du wirst irgendwann damit umgehen können. Du bist schon geprägt von den Eltern, Schule, Medien – da kannst du nicht heraus – im Moment. Die Schule ist bald vorüber und du musst einen Job wählen – ich weiss nicht, ob ich dir raten soll was du am besten wählst?. Schwer zu sagen – dein gewählter Weg hat dich zu dem gemacht, was ich jetzt bin. Ich bin mit mir schon zufrieden – Eigentlich möchte ich mich nicht ändern. Meine Umstände – ja – aber nicht mich – wenn Du also einen anderen Weg wählst, wie werde ich dann? Aber vielleicht erfüllt dich dieser Weg?  Darf ich dir überhaupt so viel sagen ohne ein Paradoxon zu verursachen? Details verrate ich dir nicht – ich will dich nicht verunsichern und auf den falschen Weg schicken. Keinen meiner eingeschlagenen Wege bereue ich. Nur einen – Binde dich nicht an einen Ort – binde dich an den Mann. Der Mann macht dich glücklich und akzeptiert absolut.  Der Ort macht euch beide unglücklich.  Öffne deinen Geist, dann wirst Du den richtigen Weg wählen.

Deine zukünftige Marina

 

Mit dabei sind:

 

Sci.Fi, Story Samstag

[Story-Samstag] Dein letztes Stündlein – Früher war alles besser

storysamstagWas ist der Story-Samstag? 

Der Story-Samstag hat nur zwei einfache Regeln: Tante Tex gibt ein kleines Thema vor. Und wir haben die Möglichkeit ganz kreativ darauf mit einem geschriebenen Beitrag – egal ob als Gedicht, Abhandlung, Erzählung, Witz oder sonstiger literarischer Art – zu reagieren. Man hat immer zwei Wochen Zeit um seiner Kreativität freien Lauf zu lassen…

Aus Gründen (vielleicht Aliens, möglicherweise waren aber auch Eichhörnchen oder Katzen daran Schuld) ist dir nur noch eine Stunde vergönnt, bevor das Internet auf Ewig nicht mehr funktioniert. Was würdest du mit deiner letzten Stunde Internet anfangen?


Sonntag Zehn Uhr – Was hat mich denn geweckt? Die Sonne. Es muss die Sonne sein, immer wenn die Sonne scheint dann beginnt die Völkerwanderung. Da schlappen die Menschen auf die Strasse und gehen spazieren. Äh spazieren. Wie Old-School. Das kann ich auch alles virtuell. Ich gehe an den Schreibtisch, und schalte den Laptop an. In der Zeit in der das Teil hochfährt stelle ich Kaffee auf und gehe ins Bad. Ich schaue in den Spiegel – Eigentlich sollte ich auch mal spazieren gehen. Ich bin weiss wie die Wand – bisschen Sonne würde meinem Teint auch gut tun. Aber ich höre schon das wohlbekannte Gedudel des Computers. Er ist schon da. Ich schlurfe in die Küche und schnappe mir  meinem Pott Kaffee und ein Cookie aus der Tüte. Ich schlurfe weiter an den Schreibtisch. Dann muss ich erstmal die Katze vom Laptop verjagen. Selbst die Katzen gehen mit der Zeit. Früher mussten sie sich auf die Zeitungen oder Bücher legen. Moderne Katzen nehmen den Laptop oder die Tastatur. Ja – Auch die Tiere gehen mit der Zeit.

Ich öffne als erstes mal meine Blog Seite. Da springt mich schon in roten Buchstaben an.

Weltuntergang steht bevor. Blogger aller Welt – unsere Zeit miteinander geht vorüber. Eine Stunde verbleibt uns noch. Dann wird das Internet für immer abgestellt.“

Irgendwie sitze ich nur dämlich, Kaffee schlürfend vor dem Monitor und raffe wirklich gar nichts. Jetzt verstehe ich auch die eigenartigen Geräusche, die mich geweckt haben. Das waren gar nicht die Spaziergänger, das waren meine Nachbarn, die ihre Entsetzensschreie losgelassen haben. Nämlich den, den ich gerade versuche an dem Kaffee vorbei, auszustossen.

Wie soll ich das denn verstehen. Und ab wann gilt den die Stunde, habe ich es schon verschlafen? Ich werde verrückt. Eine Stunde und dann nie wieder Internet. Was soll ich denn mit der ganzen Zeit machen. Vielleicht spazieren gehen? Ohhh neee. Dann begegne ich wohlmöglich noch den Nachbarn. Ob wir uns überhaupt noch normal unterhalten können ohne eine Tastatur unter den Fingern und ein Monitor vor der Nase? Oder müssen wir das von neuem erlernen. Ich klopfe mir auf die Stirn. Jetzt werde ich wach und hektisch. Eine Stunde. Was ist schon eine Stunde in der virtuellen Welt. Vergleichbar mit Hundejahren. Sieben Stunden entsprechen eine gefühlte virtuelle Stunde. Also ist eine Stunde in der virtuellen Welt – äh – zu wenig.

Ich fange an zu überlegen – stopp ich habe keine Zeit zu überlegen. Ich muss instinktiv handeln. Wie jemand der ein Unglück überleben will, da reagiert man nur noch, also wenn ich das wichtigste retten will – reagieren. Internet-Instinkt. Sofort schalte ich auf Automatik. Ratterratterratter. Die Finger fliegen über die Tastatur. Was mach ich als erstes. Was wollte ich denn schon immer machen. Das Pentagon hacken, die Deutsche Bank vernichten, Die Börse crashen. Jaaaa. Aber davon habe ich keine Ahnung. Verdammt. Also fange ich an – Emails unwichtig. Facebook – nicht wichtig. Aber ich brauche einige Kontaktdaten. Also Emails doch wichtig, Facebook doch wichtig. Kann ich das komplette Pinterest auf meiner Festplatte speichern? Wo sind meine Externen Platten? Keine Zeit, dafür  müsste ich aufstehen. Da verliere ich wertvolle Rettungszeiten.

Hab ich was in der Cloud? Kann nicht sein, die nutze ich gar nicht. Äh – Amazon? Das habe ich alles gesichert. Kann ich auch offline lesen. Ich tippe und rase noch mal über alle Seiten, die ich täglich so abgrase und ich verabschiede mich von der Bloggerwelt. Meine Geschichten sind gesichert. Und auf einmal – ich glaube ich habe es gehört. „Peng!“ ich sehe das kleine Rauchwölkchen aus meinem Monitor und schwarz ist alles. Nein da ein Testbild. Testbild. Nie wieder streamen. Jetzt muss ich wieder normal Fernsehen. Eine kleine Träne verlässt meinen Augenwinkel.

Das Testbild verschwindet.

Liebe Internetuser. Da ihr mittlerweile mehr Zeit im Netz als in der realen Welt verbracht habt, hat die Regierung beschlossen, die Welt vom Internet zu nehmen. Wir erinnern uns an das Leben vor dem Internet. Früher war alles besser. Ihr wart nicht so gut informiert und habt der Regierung alles geglaubt. Wir konnten euch damals noch durch die Mainstream Medien manipulieren. Aber durch die alternativen Medien im Internet erfahrt ihr zu viel von der Wahrheit. Das müssen wir wieder unterbinden. Ihr müsst wieder in Eure Blase tauchen und uns vertrauen. Deswegen wird jetzt eine kleine Abfolge verschiedener Bilder vor euren Augen erscheinen, die Euch „Früher war alles besser“ eingeben und ihr vergesst alles was mit dem Internet zu tun hat. Ihr lebt wie früher. Schreibt Briefe, lest Bücher, geht ins Kino und schaut TV. Ihr werdet wieder ein höriges Volk und wir können so weiter machen wie bisher, ohne ständig irgendeinen Verschwörungstheoretiker vor uns zu haben. Erfolgreiches Gelingen und eine ruhige Zunkunft eure Regierung.“

Plop: Ich habe das Gefühl am PC eingeschlafen zu sein. Mein Kaffee ist kalt. Ich stehe auf um mir noch eine Tasse zu holen und schaue aus dem Fenster. Die Sonne scheint. Warum sitze ich denn hier am PC statt spazieren zu gehen. Schnell fülle ich meinen Kaffee in eine Thermotasse, ziehe mich an und verlasse die Wohnung. Ich habe das Gefühl, meine Beine schon ewig nicht mehr benutzt zu haben. Ich laufe, als würde ich es erst lernen. Aber alle um mich herum bewegen sich ähnlich. Was ist nur passiert. Ach – der Nachbar. Wie war sein Name? Ich winke  – er zögert und winkt zurück. Dann fange  ich an zu laufen und die warme Sonne im Gesicht zu geniessen. Tief  in meinem Gehirn zuckt eine kleine Erinnerung an eine Zeit die am PC spielte. Aber warum denn am PC, den benutze ich doch nur für Texte und manchmal Spiele. Versteh ich nicht. Ich dreh mich um und fange  die an die Strasse entlang zu hüpfen. Das Leben ist schön.

ENDE