Geschichtenzauber

[Story-Samstag] Und wenn Sie nicht gestorben sind… – Entführung aus dem Blumenland

Was ist der Story-Samstag? 

Der Story-Samstag hat nur zwei einfache Regeln: Tante Tex gibt ein kleines Thema vor. Und wir haben die Möglichkeit ganz kreativ darauf mit einem geschriebenen Beitrag – egal ob als Gedicht, Abhandlung, Erzählung, Witz oder sonstiger literarischer Art – zu reagieren. Man hat immer zwei Wochen Zeit um seiner Kreativität freien Lauf zu lassen…

Heute gibt es eine besondere Geschichte. Wolltet ihr nicht immer wissen, wie es denn nach dem Happy End weiter geht?

Die neue Kreativaufgabe  lautet: Wie geht das Märchen weiter? Sucht ein Märchen eurer Wahl aus dem großen Repertoire der Gebrüder Grimm, Hans Christian Andersens oder eines anderen Märchenerzählers und setzt da an, wo die Geschichte aufhört.


Nach dem ich lange überlegt habe und auch mal wieder in einige schöne Märchen eingetaucht bin, habe ich mich für diese Weitererzählung entschieden. Das Originalmärchen findet ihr HIER.


Bildquelle

 

Maja . Das war ein schöner Name, den ihr der Blumeengel gegeben hatte. Aber sie tat sich noch etwas schwer damit, da sie ja so lange Däumelinchen geheißen hatte.  Das schönste Geschenk, das sie absolut liebte, waren die tollen Flügel der Fliege. Sie konnte über die Blumenwiesen fliegen, hüpfen, tanzen. Es gab für sie nichts Schöneres.

Die Hochzeit mit ihrem Blumenkönig war auch einfach traumhaft. Alle Blumenbewohner waren anwesend. Die liebe Schwalbe, die sie gerettet hatte war auch wieder gekommen und hatte ihr von ihren Reisen erzählt. Und so wunderbar gesungen.

Allerdings war sie sehr traurig, dass sie ihre Mutter nie wieder gesehen hatte. Ihr Blumenengel hatte ihr versprochen, dass er alle Blumenbewohner dazu aufgerufen hatte, ihre Mutter zu finden. Aber da sie nie wusste, wo sie denn gewohnt hatte, vor ihrer Entführung, würde das sehr schwer werden. Aber sie hoffte.

Jetzt lebte sie schon einige Zeit in diesen Ruinen des schönen weissen Marmorschlosses. Die wilden Blumen, die dort wuchsen boten ein wunderschönes zu Hause. Und sie war guter Hoffnung. Bald würde ein kleines Blumenkind um sie herum hüpfen. Sie legte ihre Hand auf ihren leicht gewölbten Bauch und erinnerte sich an die Erzählungen ihrer Mutter, dass sie aus einem Gerstenkorn geboren wurde. Sie freute sich auf ihr Kind. Sie hatte schon eine wunderschöne Blume herausgesucht, in der ihr kleines Baby schlafen sollte. Auch hatte sie schon wunderschön weiche Blumenblätter zu Recht gesucht, in die sie das Kind betten wollte.

Sie sass in ihrer Lieblingsblume und verlor sich in ihre Vorfreude und Gedanken. Sie merkte dabei nicht, dass sich am Boden, etwas entfernt von ihrem Blumenstengel,  ein kleiner Erdhügel erhob.

Im Schatten sass die Feldmaus, die ihr damals im Winter das Leben rettete. Sie war ihr sehr dankbar gewesen für diese Gute Tat und hatte immer etwas ein schlechtes Gewissen, dass sie einfach verschwunden ist. Aber sie hatte keine andere Wahl gehabt. Sie wollte einfach diesen miesepetrigen Maulwurf, der sie unter der Erde gefangen halten wollte, nicht heiraten. Und nur weil sie sich verpflichtet fühlte, hatte sie sich überhaupt darauf eingelassen. Sie war der Schwalbe ewig dankbar, dass sie sie gerettet und hier her gebracht hatte.

Als sie so in ihrer Blume sass und sanft hin und her schaukelte knickte auf einmal der Stengel ab und sie purzelte von der Blume. Sie wusste gar nicht wie ihr geschah und kaum, dass sie sich aufrichten wollte, wurde ihr ein muffiger Sack über den Kopf gestülpt. Sie wurde mit Grashalmen gefesselt und dann  wurde sie am Boden entlang gezogen. Sie hatte furchtbare Angst. Nicht nur um sich selbst – vor allem um ihr ungeborenes Kind.

Sie spürte wie sie in die Erde gezogen wurde. Es wurde kühl und es roch nach feuchter Erde. Sie zitterte, da es kühl wurde und sie Angst hatte. Sie wurde schon wieder entführt. Das war ja furchtbar. Was wollten sie denn immer von ihr?

Irgendwann wurde sie nicht mehr gezogen. Sie wurde aufgerichtet und entfesselt. Sie musste erst mal blinzeln, bis sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten. Sie erschrak fürchterlich. Vor ihr standen die gute alte Feldmaus und der furchtbare Maulwurf.

„Hallo, Däumelinchen“ sagte er zu ihr. „Ich habe lange nach dir gesucht. Aber wir haben dich ja gefunden. Schau – deine Aussteuer, die ich dir ermöglicht habe, habe ich gleich mitgebracht. Du bist mir versprochen und ich will hier mein Recht einfordern. Ich habe schliesslich alles für dich möglich gemacht. Du gehörst mir. Nie wieder werde ich dich gehen lassen. Das verspreche ich dir. Wir werden glücklich unter der Erde leben und nie wieder diese verhasste Sonne sehen müssen. Du kannst dir vorstellen wie viel du  mir wert bist, da ich für dich an die Oberfläche gekommen bin. Das musst du schon hoch anrechnen.“

Maja trat einen Schritt zurück und sah die Feldmaus hilfesuchend an. „Liebe Feldmaus, so hilf mir doch. Ich kann ihn nicht heiraten, ich bin mit dem Blumenengel verheiratet und trage sein Kind unter dem Herzen.“  Die Schnurrhaare der Feldmaus zuckten nervös, aber ein Blick auf den Maulwurf liess sie zusammenzucken. „Du hast unsere Gutmütigkeit ausgenutzt. Wir haben dich gefüttert und untergebracht. Dafür bist du ihm was schuldig. Ich habe dir damals schon gesagt, dass er eine gute Partie ist.“

„Ich habe aber auch dafür deine Höhle sauber gehalten und euch Geschichten erzählt.“  „Schnick Schnack. Du bist versprochen du ein Versprechen ist verbindlich. Du kannst nicht einfach abhauen und einen anderen heiraten. Das geht nicht.“ Meinte die Feldmaus ungehalten.

„Aber so ist es. Ich bin verheiratet.“

„Hm – das lässt sich nicht rückgängig machen. Aber wir werden eine Lösung finden. Dein Kind musst du natürlich weggeben – ein fremdes Balg will ich nicht in meiner Höhle haben.“ Sagte der Maulwurf grimmig.

Maja fing an zu weinen und schlang ihre Arme schützend um ihren Bauch. „Niemals. Niemals werde ich mein Kind weggeben. Mein Blumenengel, mein König wird mich retten.“

Die Feldmaus wurde etwas nervös, aber der Maulwurf lachte böse. „Wie soll er dich denn finden. Du bist unter der Erde. Er wird denken, dass du einfach weggegangen bist. Weg um dein altes zu Hause zu suchen. Harharhar“

Aber der Maulwurf, der ja blind ist, und die nervöse Feldmaus hatten nicht gesehen wie ein kleines Käferchen, das eine kleine Pause in der Sonne gemacht hatte, die Entführung gesehen hatte. So schnell wie seine sechs Beinchen es tragen konnten rannte es zu der königlichen Blume.

„Eure Majestät, eure Majestät. Etwas Schreckliches ist geschehen. Etwas ganz furchtbares.“ Das Käferchen stand vor dem Blumenengel und bekam kaum noch Luft weil es so schnell gerannt war. „Hol erst mal Luft, bevor du noch Ohnmächtig wirst. Dann erzähle in Ruhe, was denn so furchtbares geschehen ist.“ Sagte der König.

Das Käferchen schnaufte und schnaufte. „Die Königin, die Königin,“  Der König sprang auf, „was ist mit der Königin? Wo ist sie?“ Er sprang von seiner Blume zu dem Käfer und schüttelte ihn sanft.“ Sprich, und spann mich nicht auf die Folter.“ „Sie wurde entführt.“ „WAS? Von wem. Wer wagt es mir meine Königin zu entführen. Meine grosse Liebe. Derjenige sollte besser gut gerüstet sein. Ein Angriff auf meine Familie. Das wird ihn teuer zu stehen kommen. Hofmeister – trommelt die Armee zusammen. Wir werden meine Königin und unser Kind retten. Schnell. Und du,“  er deutete auf den kleinen Käfer, „du sagst mir jetzt was genau geschehen ist.“ Der Käfer erzählte ihm schnell wie er beobachtete, dass der Maulwurf und die Feldmaus die Königin verschleppt haben. „Zeig mir wo!“

Der König folgte dem Käfer, hinter ihm hatte sich seine Blumenarmee formiert. Alle waren mit Springerbsen bewaffnet. Diese würden den Maulwurf und die Feldmaus schon überwältigen.

Sie standen vor dem Loch, in das seine Liebste gezogen wurde. Die Blumenmenschen hassten die dunkle Erde. Aber sie lieben ihre Königin. Diese Liebe war weitaus stärker als ihre Angst. Sie sammelten sich und machten sich auf dem Weg diesem Tunnel zu folgen. Leise schlichen sie immer tiefer und kamen dann endlich vor der Höhle an. Sie hörten die Worte, die der Maulwurf an die Königin richtete.

Der König gab das Zeichen für den Angriff. Seinem besten Krieger hatte er die Aufgabe erteilt, seine Königin mit seinem Leben zu schützen und in Sicherheit zu bringen.

Mit blumigem Geschrei stürmten die Truppen in die Höhle und liessen die Erbsen springen. Die kleinen grünen Kugeln schossen auf die Feldmaus und den Maulwurf und die beiden gingen schnell zu Boden. Sie jammerten erbärmlich und bettelten um ihr Leben.

„Ihr seid des Lebens nicht wert. Aber da ich weiss, dass ihr gut wart zu meiner Frau, als ihr Leben in Gefahr war, werde ich milde sein. Ich verbanne Euch aus diesem Reich. Ihr sollt in den kalten Bergen leben und dürft nie wieder in diese Gegend kommen. Sollte ich erfahren, dass ihr diesen Befehl missachtet werdet ihr die gesamte Strenge meines Gesetzes erfahren. Also packt euch und verschwindet aus meinem Reich. Nie wieder will ich einen von euch hier sehen. Verschwindet. Schnell, bevor ich es mir anders überlege.“

Die Feldmaus und der Maulwurf dankten überschwänglich und packten schnell ihre Sachen zusammen. Dabei stolperten sie in ihrer Furcht ständig übereinander und schimpften auf einander. Aber sie wussten auch, dass sie es sich nicht miteinander verderben durften. Denn sie würden die Ewigkeit miteinander in einer kalten Gegend verbringen müssen.

Der König beauftragte seine Soldaten alles zu überwachen und verschwand schnell in Richtung königlicher Blüte. Dort sah er seine Geliebte. Sie wirkte sehr blass und zitterte am ganzen Körper. Als sie ihren Gemahl sah seufzte sie tief und liess sich von ihm in die Arme nehmen.

„Ach Geliebter, du bist am Leben. Ich hatte solche Angst.“ „Mein Herz – ich kann dir nicht beschreiben, wie viel Angst ich um euch beide hatte.“ Er schloss sie fest in seine Arme und streichelte sanft über ihren kleinen Bauch. Er lachte, als er die Tritte gegen seine Hand spürte. Beide schauten sich an und wussten ihr Leben würde bald noch viel wunderbarer sein.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

ENDE

 

 

 

 

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7 thoughts on “[Story-Samstag] Und wenn Sie nicht gestorben sind… – Entführung aus dem Blumenland”

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