Schreibkicks

Schreibkicks – Weihnachtsspezial – Unter dem Weihnachtsbaum

 

Bei Sabines Schreibkick gibt es heute ein Weihnachstspezial.

Quelle

Allen ein frohes Weihnachtsfest und eine schöne besinnliche Zeit mit euren Familien und Freunden.

Mit dabei waren:

Das Thema für den 1.1.18 ist: Jahresuhr

Hier meine kleine Geschichte.


Unter dem Weihnachtsbaum

Annacat lief die Mauern entlang – alles war weiß. Sie mochte zwar wie es aussah, aber nicht wie es sich an ihren sanften Pfoten anfühlte. Natürlich blieb es nicht aus, manchmal halt doch in das weiße Nass zu springen. Aber meist konnte sie es vermeiden in dem sie über die Mauern, Fensterbänke und sonstige Vorsprünge lief.

Sie liebte diese Zeit. Alles war ruhig und friedlich – außer man kam in die Innenstadt – da war es einfach nur furchtbar. Die Menschen waren immer schon schlimm, aber zu dieser besonderen Zeit – die Menschen nennen sie Vorweihnachtszeit – waren sie einfach unausstehlich. Da war es schon besser, man ging ihnen aus dem Weg. Sonst konnte es schon mal passieren, dass man auf den Schwanz getreten bekam oder sogar getreten wurde. Annacat, kannte das schon ausführlich. Schon einige Jahre beobachtete sie das Schauspiel. Deswegen mied sie zu dieser Zeit die Innenstadt – meist ging sie abends hin, wenn alle weg wäre, da stöberte sie nach Essensresten, die hier sehr großzügig verteilt auf dem Boden lagen.

So auch heute – sie schlenderte in die Stadt – ihr Fell sah so toll aus. Sie liebte ihr Winterfell – es war immer so schön fluffig und weich und hielt sie so schön warm – einfach eine Pracht. Es war einfach immer was Besonderes an den beleuchteten Schaufenstern vorbei zu laufen – es blinkte und blitze – es waren schöne Gegenstände und Kulissen aufgebaut.

Weihnachten – das war wirklich die schönste Zeit – Die Menschen hatten ihre Häuser geschmückt und alles wirkte einladend. Manchmal wünschte sie sich ein Zu Hause – aber sie war schon so lange auf der Strasse – ob sie es überhaupt bei Menschen aushalten würde. Sie blickte oft durch die Fenster und gerade in den Nächten wenn es wirklich klirrend kalt war und sie die Hauskatzen in ihren Kissen vor den Kaminen liegen sah, oder auf dem Schoss ihrer Menschen und sich den Bauch kraulen ließen – da war sie schon mal neidisch. Aber wer würde schon eine alte Katze aufnehmen?

Sie seufzte tief und ging weiter  – die Lichter blinkten und begleiteten sie zu den Essensresten des Weihnachtsmarktes. Da roch es einfach so herrlich – das war zwar immer eine harte Zeit – aber Essen fand Annacat immer. Während sie weiter suchte lief sie an einer Bank vorbei. Dort saß ein kleiner Kater – er sah etwas struppig und verwahrlost aus.

„Hei – Hei – was ist los mit dir – warum siehst du so mitgenommen aus? Hier gibt es doch so viel zu essen.“

Er blickte verwirrt in ihre Richtung – Er zitterte und seine Augen füllten sich mit Tränen. „Hei – was ist denn mit dir?“ Annacat flitze zu ihm und strich um ihn herum um ihn zu beruhigen. „Ist was passiert?“

Er schluchzte „I-ich h-hab mich verlaufen.“ „Wie verlaufen? Wie kann sich denn eine Katze verlaufen?“

„Ich weiß nicht, wir sind erst hergezogen und ich konnte nicht abwarten und bin durch ein offenes Fenster ausgebüxt. Aber alles riecht hier so fremd und sieht so fremd aus. Ich weiß nicht wo ich hin muss.“

„Ach du Armer. Was machen wir denn jetzt? Oh weh – jetzt komm erst mal und wärm dich auf. Dort hinten ist eine tolle Wärmequelle.“ Sie zog ihn am Ohr und er kam mit hängenden Schultern hinter ihr her.

Vor einem besonders schön geschmückten Schaufenster blieb sie stehen. Er kam neben sie und wunderte sich. „Was ist das alles hier?“ „Das – das ist was der Mensch Weihnachten nennt. Aber leider hat er vergessen um was es wirklich geht an Weihnachten. Ich kannte eine alte Frau, bei der ich immer mal untergekrochen bin – sie erzählte mir oft von dem Weihnachten ihrer Kindheit. Die Menschen trafen sich in der Kirche und hörten den Gottesdienst – danach gingen sie heim, schmückten ihre Bäume mit Nüssen und Plätzchen und Beeren. Die Kinder bekamen in ihre Socken Obst, Nüsse, Plätzchen und das ganz besondere war eine Orange – die waren selten und kostbar. Der Geruch und Geschmack. Einmalig. Nichts für uns – uns beißt es in der Nase – aber für die Menschen ist es ein solcher Wohlgeruch – und eine Geschmacksexplosion.

Sie freute sich das ganze Jahr auf diese eine Orange – das war das schönste Geschenk. Und heute – hast du die Menschen mal beobachten können?“ sie blickte den kleinen Kater an und der zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht – ich bin ja erst noch so klein – ich kenne gar nichts. Das ist mein erstes Weihnachten.“ „Ach –ja klar – aber heute rennen sie von Laden zu Laden und kommen mit Tüten beladen wieder heraus. Manche haben ihre Welpen dabei die, die ganze Zeit nur rumnölen. Das ist nicht das, was ich mir vorstelle, wenn ich an die Geschichte der alten Frau denke.“

„Ich habe bei einer Frau gewohnt – sie war auch schon älter – sie hat mich auf der Straße gefunden, meine Mutter war weg und meine Geschwister habe ich auch verloren. Ich wäre fast gestorben, als sie mich entdeckte. Seit dem lebe ich bei ihr – aber ich muss immer wieder raus. Sie hat mir gesagt, ich soll mich noch bisschen gedulden – aber ich wurde so kribbelig.“ „Keine Angst Kleiner – wir werden schon eine Lösung finden – jetzt genieß die Wärme, die von hier unten kommt und das schöne Schaufenster. Hier eine kleine Wurst.“

Während der Kleine sich zusammenkauerte und die Wärme genoss schlief er ein. Annacat hatte das Gefühl, dass er schon lange unterwegs sein musste. Er war wirklich erschöpft gewesen. Wie sollte sie ihn wieder nach Hause schaffen? Sie hatte schon Anschläge von Katzen auf Bildern an den Bäumen gesehen und die Menschen belauscht – das waren Vermisstenanzeigen. Vielleicht gab es von ihm auch so was. Da sah sie was – eine Kapsel an seinem Halsband, das von dem dichten Fell verdeckt war. So was hatte sie schon mal gesehen. Da sind meist die Adressen der Katzen enthalten. Aber wie sollte sie das denn aufbekommen – außerdem konnte sie ja nicht lesen. Sie bräuchte Hilfe. Und sie wusste auch genau wo. Es gab eine nette junge Frau, die ihr immer mal wieder ein Schälchen Sahne heraus gestellt hatte. Wenn sie mit dem Kleinen dahin ging und er erbärmlich jammern würde, würde sie ihn bestimmt hochnehmen und die Kapsel entdecken. JA. Das war die Idee. Sanft rüttelte sie den Kater wach. „Ich habe die Lösung – auf komm mit. Ich habe jemanden, die uns helfen wird.“ Noch wackelig vom Schlaf folgte er ihr.

Langsam tapste er hinter ihr her. „Du – Annacat – was ist das eigentlich für ein weißes Zeug, das  meine Pfoten so kalt werden lässt?“ „Hm? Ach das – ja das sieht schön aus, gell. Das nennt man Schnee – Wenn es richtig kalt ist, kommt statt Regen der Schnee – er sieht so viel schöner aus, als Regen. Aber es kann ganz schön  unangenehm werden. Deswegen musst du über Mauern und Fensterbänke laufen – komm ich zeig es dir.“ Und schon sprang sie auf eine Fensterbank – dort blieb sie sitzen und blickte hinein. „Schau – da – die Katze dort – die hat es gut – sie liegt im Warmen und muss sich nie Gedanken um Futter machen. Ich werde alt – sollte es auch einen Weihnachtsmann für Katzen geben wünsche ich mir ein Zuhause.“ Morton – so hieß der kleine Kater – blickte in das Fenster und wurde sofort traurig. „So war das bei  mir auch. Ich hoffe ich finde wieder nach Hause. Außerdem wird sich meine Mitbewohnerin schon sorgen machen.“ „Das wird schon. Warts ab.“

Sie schlüpfte um die Ecke und Morton hechtete hinter ihr her. „Wir sind da – schau Cassie ist da – sie wird uns helfen. Jetzt bist du dran – du musst so erbärmlich wir du nur kannst jammern.“ „Wie so dass denn?“  Annacat klärte Morton auf und er nickte. Cassie sah die beiden und bückte sich. „Hallo Freundin – na hast du deinen Sohn dabei?“ Annacat schüttelte sich – Sohn – nein – Kinder hatte sie nie. „Der Kleine ist aber bisschen struppig – bist du ein Ausreiser?“ Das war Mortons Stichwort. Sofort fing er so herzzerrreisend wie er konnte zu jammern. „Meeoooow.“ „Ach du Armer – komm her – ich tröste dich bisschen. Ha – schau – du hast eine Adresskapsel – dann lass uns doch mal sehen, wer auf dich wartet.“  Sie drehte die Kapsel auf und fand die Adresse darin. „Das ist nicht so weit von hier – warte ich hole meine Jacke – dann bring ich dich da hin – und dich auch meine alte Freundin?“ Annacat schlich um ihre Beine – eigentlich würde sie lieber bei Cassie leben – aber Cassie hatte ihr schon erklärt, warum sie sie nicht aufnehmen kann – sie war nie zu Hause. Ihr Job war sehr Zeitaufwendig und sie wollte kein schlechtes Gewissen haben, dass Annacat so lange alleine wäre. Annacat verstand das – sie wollte ja auch einen Menschen, an den sie sich schmiegen könnte.

Cassie schnappte ihre Jacke und einen Korb in den sie die beiden Katzen setzte. „So ihr zwei – auf geht’s.“  Und sie lief los. Es dauerte etwa Fünfzehn Minuten da waren sie da. Sie klingelte und die Tür öffnete sich. Eine ältere Frau öffnete die Tür und sah Cassie verwundert an. „Ja bitte?“ „Hallo, mein Name ist Cassie – ich habe ihre Katze gefunden.“ „Ach – Was – oh kommen sie doch rein. Ich dachte Morton wäre für immer weg. Er ist schon seit zwei  Wochen verschwunden, der kleine Racker. Ich hatte ihm gesagt, er muss noch bisschen warten, bis er raus kann. Kommen sie, kommen sie.“ Cassie streckte ihr den Korb entgegen und die Frau stutzte. „Zwei Katzen?“ „Ja – sie hier ist eine alte Freundin von mir – sie hat Morton zu mir gebracht, so dass ich die Adresse lesen konnte – sie hat ihren Morton gefunden. Eine tolle Katze. Was meinen sie – könnten sie ihr vielleicht ein Zuhause geben und dürfte ich sie manchmal besuchen? Ich weiß, das ist eine große Bitte – aber es ist bald Weihnachten und vielleicht könnte das ein kleines Weihnachtswunder werden? Was meinen sie?“ „Jetzt kommen sie erst mal rein. Wir trinken einen Kaffee und essen Plätzchen. Dann reden wir.“ „Ja gerne.“

Sie gingen in das Wohnzimmer. Dort stand ein Weihnachtsbaum. Morton war verzückt. Es roch so toll und er sprang schnell auf den Baum. Annacat ging etwas langsamer und blickte sich um. Es wirkte alles sehr gemütlich und liebevoll. Diesmal zog Morton Annacat am Ohr. „komm, komm – hier ist es toll. Ich bin zu Hause  und du bleibst bei mir. Ich weiß es. Schau – hier ist mein Körbchen, das ist groß genug für uns beide. Da unter dem Weihnachtsbaum. Siehst du?“ Annacat war gerührt. Die beiden Frauen kamen mit Tassen und Teller zurück und setzten sich. „Natürlich darf die Katze hier bleiben. Schauen sie. Morton hat sie schon eingeladen. Da kann ich doch  nicht nein sagen. Und ich würde mich sehr freuen, wenn sie mich immer mal besuchen würden. Das wäre wirklich sehr schön.“ Die beiden Frauen unterhielten sich noch etwas und Annacat blendete sie aus. Das einzige dass sie noch sah, war das blinken und leuchten des Weihnachtsbaums. Draußen, vor dem Fenster hörte sie kleine Glocken und sie huschte schnell hin. Sie sah hinauf in den Himmel und sie meinte zu sehen, wie ein Schlitten am Firmament entlang flog und sie glaubte ein tiefes dunkles Lachen zu hören. „HoHoHo – Auch für Katzen. Ein herzliches HoHoHo.“

ENDE

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13 Gedanken zu „Schreibkicks – Weihnachtsspezial – Unter dem Weihnachtsbaum“

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