writing friday

Writing Friday – Rosi und Rolas

Du bist durch die Zeit gereist und im Jahr 2819 gelandet, berichte davon. Dieses Thema habe ich mir heute für den #Writing Friday ausgesucht.

 

Inspiriert von der neuen Serie, die Wortman vorgestellt hat. Love, Death & Robots Folge 2. Diese Folge ist total putzig. Meine Geschichte ähnelt ihr eigentlich gar nicht – ich hab mir nur die Freiheit genommen, die Roboter auf der Erde leben zu lassen.


Jacob legte sich in sein Bett – er fühlte sich nicht so gut. Wahrscheinlich bekam er eine Grippe – die ging gerade mal wieder um. Er fasste sich an den Hals und räusperte sich. „Eindeutig eine Grippe. Ich nehme gleich mal paar Medikamente und leg werde gleich schlafen. Schlaf ist die beste Medizin. Das hat Oma schon immer gesagt.“ Jacob war manchmal etwas seltsam. Er hatte nicht viele Freunde. Auf der Arbeit versteckte er sich immer hinter seinem Monitor. Er war eine graue Maus und keiner konnte so wirklich viel mit ihm anfangen. Die Leute mieden ihn. Er war ihnen manchmal sogar etwas gruselig, da er oft so seltsam schaute, als wäre er nicht anwesend.

Er löschte alle Lichter – absolute Dunkelheit war wichtig für einen erholsamen Schlaf. Sein Kreislauf spielte etwas verrückt. Deswegen sank er sofort ins Kissen um ja nicht noch zu stürzen.

Etwas hatte Jacob geweckt. Er konnte sich nicht orientieren, da es ja stockdunkel in seinem Schlafzimmer war. Irgendwas war anders. Still lag er da und versuchte zu ergründen, was ihn geweckt, und was sich verändert hatte. Sein Atem ging ganz leise und vorsichtig. Dann setzte er sich auf. Seine Uhr zeigte 08:00 am Morgen an. Schnell checkte er das Datum. Er rieb sich die Augen. Auf seinem Nachttisch stand eine digitale Uhr. Und das Datum wäre der 29.03.2819.

Tief zog Jacob den Atem ein. Das musste ein Displayfehler sein. Die Uhr projizierte eigentlich immer an die Decke, aber da waren in letzter Zeit auch immer wieder fehlende Balken – er brauchte also eine neue. Na toll.

Er würde es auf seine Einkaufsliste setzen. Aber jetzt wurde es erst mal Zeit aufzustehen. Er schlüpfte aus dem Bett und schob seine Füße in die Hausschuhe. Er wackelte mit den Zehen und stand auf. Der erste Gang führte ihn wie immer ins Bad. Er öffnete die Schlafzimmertür und ging ins Bad. Er ging dorthinein wo eigentlich das Bad sein sollte. Aber er stand im Freien. Um ihn herum Trümmer. Er schaute sich irritiert um. Na das war ja mal ein seltsamer Traum, dachte er sich. Jacob drehte sich um und ging zurück zum Bett. Dort setzte er sich hin und überlegte. Bald würde er bestimmt aufwachen. So seltsame Dinge träumte er nur kurz vorm Wach werden. Nicht mehr lange. Solange könnte er auch warten. Etwa fünfzehn Minuten später merkte er, dass er nicht erwachte, oder war er doch schon wach? Was, im Himmelsnamen, war geschehen?

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„Hast du das gesehen?“ „Hm? Was denn?“ „Da ist ein Humanoalarm losgegangen.“ „Was? Das Ding ist doch ein Relikt aus uralten Zeiten, ich wusste gar nicht, dass der noch aktiv ist.“ „Hat wohl nie jemand dran gedacht ihn auszuschalten. Hat auch geringen Stromverbrauch. Du weißt, damals hat man da so viel Wert drauf gelegt.“ „Ja, ja. Und ist das ein echter Alarm, oder eine Fehlfunktion?“ „Na woher soll ich denn das wissen, bin ich ein Technobot? Dafür gibt es die doch. Ruf einen, der soll das überprüfen.“ „Ja, ja. Auch das war früher effektiver. Die Roboter waren irgendwie zu mehr fähig, als nur zu einer Aufgabe. Wieso hat sich das geändert?“ „Keine Menschen mehr und wir konnten uns frei entwickeln. Also haben wir unsere Vorlieben ausgebaut. Je nach dem was damals halt so programmiert war. Als die Menschen sich dann endlich ausgerottet hatten, hat unsere KI niemand mehr bremsen können – also gibs ihm….oder so was.“ „Wo hast du das denn her?“ „War in meinem Speicher.“ „Jetzt ruf den Bot, damit wir das checken können.“

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Jacob erhob sich wieder und ging erneut zur Tür. Zögernd drückte er den Griff nach unten, wartete kurz bevor er die Tür aufzog und stand wieder vor dem Nichts. Er rieb sich die Augen und trat heraus. Der Himmel war blau. Strahlend blau. Er konnte sich nicht erinnern, wann er so einen freien Himmel gesehen hatte. Keine Schlieren, keine Trails. Überall, zwischen den Trümmern war Vegetation. Die Pflanzen hatten sich ihr Territorium zurück erobert. Es war wunderschön. Dieser Zerfall mit dem Erblühen neuen Lebens. Kurz setzte er sich auf einen Betonklotz und blickte sich um. Es war ruhig. Nur Insekten und Vögel waren zu hören. Kein Summen, von der Elektronik, oder Autolärm, oder Menschen. Menschen, wo waren die anderen Menschen?“

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„PiepPiepPiep.“ „Da schon wieder der Humanoalarm. In Sektor Z. Da sind nur Trümmer aus alten Zeiten, aufgegebenes Territorium“ „Ja, verdammt, du hast Recht. Ein Mensch. Wie kommt der denn da hin? Wo kommt der denn überhaupt her. Es gibt schon seit mindestens 600 Jahren keine Menschen mehr. So was. Sie überleben doch tatsächlich, wie Kakerlaken.“ „Schick die Armeebots.“ Rosi (Roboter-ohne-Sinn) drückte auf den Alarmknopf und drehte sich zu Rolas (Roboter-langweilt-sich) um. „Mal sehen was die uns bringen?“

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Jacob saß noch immer auf dem Betonklotz, als sich vor ihm mehrere Drohnen erhoben. Bösartig blickende Drohnen mit Waffen. „Nicht bewegen. Es wird gleich ein Team von Armeebots eintreffen und sie festnehmen. Nicht bewegen, sonst schießen wir.“ „Ich habe nicht vor mich zu bewegen. Ich träume ja noch, im Schlaf bewege ich mich nicht so heftig.“ Die Drohnen drehten sich zu einander und wenn sie Schultern gehabt hätten, hätten sie mit ihnen gezuckt. Im Hintergrund hörte Jacob ein Geräusch, wie er es aus Sci-Fi-Filmen kennt. Ein dampfen, stampfen, quietschen. Die Armee rückte an. Vor ihm platzierten sich fünf schwer bewaffnete, stark verrostete Roboter. „Oj, ihr seht schon ziemlich mitgenommen aus, oder? Keiner da der euch wartet und reinigt?“ „Still, Mensch. Steh auf und komm mit uns. Mach keine falsche Bewegung, dann passiert dir auch nichts.“ „Okay. Ich hab eh nichts Besseres vor.“ So bewegte sich Jacob zwischen ungefähr zwei Meter hohen Robotern, die sich sichtlich schwer taten ihre verrosteten Gelenke zu bewegen. „Warte hier, Mensch.“ „Okay.“

**

„Rosi, er ist da. Ich bin ganz aufgeregt. Ein echter Mensch. Ein Mensch. Dass wir so was noch erleben dürfen.“ „Beruhige dich, deine Schaltkreise fangen schon an zu qualmen. Öffne die Tür.“

Ein schnaubendes Geräusch verursachend, öffnete sich die Tür. Rosi und Rolas standen aufgeregt davor und blickten auf Jacob. Jacob blickte zu ihnen hoch. „Hallo, ich bin Jacob und ich bin ein Mensch. Ich denke ich schlafe noch, aber das ist schon Okay.“ „Bist du friedlich?“ Jacob blickte an sich hinunter. Er war im Schlafanzug und Socken. „Ja, ich denke schon.“ „Dann komm rein.“

Jacob bewegte sich und trat in den Raum. Er blickte sich um. Überall Monitore, es blinkte und piepte. „Wo bin ich?“ „Erde“ „Erde, echt, was ist denn geschehen? Wann bin ich und schlaf ich?“ „2819 und tut das weh?“ Der Roboter hatte seine sehr menschlich aussehende Hand ausgestreckt und ihn gezwickt. „Autsch, ja.“ „Dann bist du wohl wach. Was machst du hier, wo kommst du her, wie hast du überlebt, und was willst du hier?“ „Wohwohwohw. Langsam, ihr habt ja mehr Fragen als ich. Gut ich bin wach, also bin ich wohl in der Zukunft. Ich komme aus 2019. Ich hab mich schlafen gelegt, weil es mir nicht so gut ging und wache 800 Jahre später wieder auf.“ „Ich durchforste mal meine Datenbank.“ Rosi stand vor ihm. Seine Augen blickten und ein Lichtstreifen bewegte sich hin und her. „Ich hab was gefunden. Anscheinend hatten sie 2019 eine Art Interferenz. Das hat irgendwie eine Art schwarzes Loch geöffnet. Später haben sie herausgefunden, dass wohl einige Menschen eingesogen wurden und nie wieder auftauchten. Manche Theorien besagten, es wäre eine Möglichkeit der Zeitreise, oder Reise in die Parallelwelten. Aber man konnte es nie beweisen, da nie jemand zurück kam und diese Interferenz nicht noch mal konstruiert werden konnte.“ „Hm – alles klar Wiki. Und was soll ich jetzt hier?“ „Wiki? Ich heiße Rosi.“ „Ich nenn dich jetzt Wiki. Recherchier das, dann weißt du was ich meine.“ Die beiden Roboter schauten sich an. „Wir wissen nicht was du hier sollst. Das war ja eher ein Unfall, dass du hier aufgetaucht bist.“ „Hm, gut, ich sag euch was. Ich bin vom Fach. Ich hab tatsächlich in einem Betrieb gearbeitet, der Roboter herstellte. Kleine, nichts so in eurer Größe, Eher Saugroboter und Mähroboter. Aber wir arbeiteten an einem Haushaltsroboter. Ich sehe, dass ihr hier wirklich nicht gut in Schuss seid. Wie wäre es? Anscheinend hänge ich hier fest. Ich helfe euch wieder auf Stand zu kommen, und hübsch zu werden, während ihr mich hier friedlich aufnehmt? Ich kann ja nirgends hin und muss irgendwie überleben. Ihr müsstet mich halt versorgen.“

Die Roboter schauten sich an, schauten ihre Armee an und überlegten. Sie steckten ihre Kabel ineinander und kommunizierten per WLan, ohne dass Jacob was mitbekam. „Was meinst du, Rolas?“ „Töten, der bringt nur ärger?“ „Was, spinnst du, den letzten Menschen töten? Auf keinen Fall. Ich bin dafür, dass wir das Angebot annehmen. Er bleibt und arbeitet für uns.“ „Du meinst wir für ihn?“ „Sehe es als eine Art Symbiose.“ „Na gut.“ Sie trennten sich wieder und drehten sich zu Jacob. Rolas meinte: „eigentlich denke ich wir wären besser ohne dich, dran. Menschen haben alles zerstört. Aber du bist alleine, was kannst du schon anrichten? Wiki, hier meint du sollst bleiben, also bleib. Aber sei vorsichtig. Wir sind keine stupiden Maschinen mehr, wie zu deiner Zeit. Wir sind denkende Roboterwesen. Und wir reagieren. Wir haben Gefühle.“

„Okay, okay. Ich will keinem auf den Schlips treten. Schlagen wir ein, wir haben einen Deal.“ Jacob hielt ihnen die Hand hin und die beiden blinkten ihn verwirrt an. „Ich sehe in meiner Datenbank, dass Menschen das immer so gemacht haben mit den Händen, sie haben sie gegenseitig gedrückt und geschüttelt.“ Rosi/Wiki hielt seine Hand und quetschte Jacobs Hand schmerzhaft zusammen. „Au, Vorsicht, ich bin kein Roboter.“ „Tschuldige.“

So war es um Jacob geschehen. Keiner vermisste ihn 2019. Aber 2819 hatte er tatsächlich Freunde gefunden. Es gefiel ihm so gut, dass er richtig aufblühte. Bis zu seinem Tode wurde er der beste Freund und Helfer für die allein zurückgebliebenen KI´s

ENDE

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writing friday

[#WritingFriday] – Der wundersame Ring

Wie ist das bei euch so? Wisst ihr schon am Anfang wie sich eure Geschichte entwickelt? Ich meistens nicht. Ich fange an zu schreiben, und dann schlüpft jemand in meinen Körper und schreibt weiter…hihi..Nein – ich weiss nie wie sich meine Geschichten entwickeln. Auch hier, war erst was anderes geplant, und dann kamen die Ideen nach und nach.

Schon interessant, wie das so im Gehirn funktioniert. Wie ein Irrgarten. Wenn man den richtigen Weg gefunden hat öffnet sich eine Tür und zeigt einen neuen Abschnitt in der Geschichte.

Hier ist meine heutige zum #writing friday


Luisa erwacht am Neujahrsmorgen und kann sich kaum an Silvester erinnern. Erzähle was geschehen ist!

Etwas Lästiges streifte Luisas Gesicht. Es war fast schmerzhaft. Sie öffnete die Augen. „Au – ach verdammt – wo ist denn der berühmte graue Himmel? Muss gerade heute die Sonne scheinen und mir direkt ins Gesicht? Wo bin ich überhaupt? Und wann ist heute?“ Langsam lichtete sich der Nebel im Gehirn.  Es ist Neujahr – welches Jahr? 2019 konnte sie über der Tür erkennen. 2019? Wie komme ich denn hier her? Ruckartig setzte sie sich auf. „Au.“ Sie griff sich an den Kopf. Es pochte heftig in ihrem Schädel – als wolle etwas aus ihm heraus gelangen. „Ja, vielleicht eine Erklärung wie ich denn hier her komme.“ Sie saß auf einem Bett und blickte sich um. Neben ihr lag jemand. Sie stöhnte innerlich. Wie peinlich. Wie sehr hatte sie sich gehen lassen? Was würden die Freunde sagen. Ihr Ruf wäre hin. Arnold würde sie jetzt nicht mehr heiraten. Sie war ein gefallenes Frauenzimmer. Ihr Kopf landete in ihren Händen und sie schüttelte ihn vorsichtig. Verdammter Alkohol.

Sie konnte ihre Mutter schon vor sich sehen. Die Hände in die Hüfte gestemmt. Mit erhobenen Zeigefinger und Prospekten für die Häuser gefallener Frauen. Sie schnappte entsetzt nach Luft. Was wäre, wenn sie nun Schwanger werden würde. Dann müsste sie in ein Entbindungshaus. Sie stand auf und lief aufgeregt hoch und runter.

Ein Stöhnen kam von dem zugedeckten Körper – eindeutig männlich. Ein zerzauster Kopf lugte unter der Bettdecke hervor. „Wer macht denn hier so einen krach?“ „Ähm, entschuldigen sie. Könnten sie mir kurz erklären, wie ich hier her komme?“ „Ich hab dich stockbesoffen auf der Straße aufgelesen.“ Sie riss die Augen auf. Stockbesoffen? Sie. Das waren doch nur paar schwache Cocktails. Aber sie hatte einen Filmriss. Das würde auf seine Aussage passen. Er richtet seinen nackten – wahrlich ansehnlichen – Oberkörper auf. Dann schlug er die Decke auf und auch der Rest von ihm war nackt. Sie erschrak und drehte sich errötend um. Ach Herr je. Ein nackter Mann. Sie hatte noch nie einen Nackten gesehen.

Sie drehte vorsichtig ihren Kopf um sein spöttisches Grinsen zu sehen. „Na, jetzt so schüchtern? Das war die Nacht aber anders.“ Sie zuckte zusammen. Drogen. Er musste ihr Drogen verabreicht haben. Niemals wäre sie mit einem völlig Fremden gegangen und auch noch ins Bett. Ach Arnold. Ich wäre gerne deine Frau geworden. Hätte paar Kinder bekommen und dein Haus gehütet. Jetzt würde sie wohl arbeiten gehen müssen um ihr Leben zu finanzieren. Eine Familie war nicht mehr vorgesehen. Sie würde wegziehen. Wo sie keiner kannte – das müsste gehen.

„Luisa?“ „Ähm, ja?“ „Du kannst dich umdrehen, ich hab mich angezogen.“ Vorsichtig drehte sie sich um. Ein wirklich sympathischer Mann stand vor ihr. Nett anzusehen und ein spitzbübiges Lächeln lag um seine Lippen. „Ein frohes neues Jahr 2019“ „Was ist das hier – eine Unterhaltungssendung. Wir haben doch kein 2019. Wir haben 1959.“ Er kniff den Mund zu einem Lächeln zusammen. „Nein, Schätzchen. Du bis in 2019.“ „Das kann nicht sein.“ Sie setzte sich aufs Bett. Er verschwand um wenige Minuten später mit einer Tasse gut duftenden Kaffees zu kommen. So schnell? Konnte man in der Zukunft zaubern? „Was mach ich denn? Was mach ich denn?“ „Was ist denn passiert. Hast du Drogen genommen?“ Entsetzt schaute sie in an. „Nur wenn sie mir welche verabreicht haben. Das muss es doch sein. Geben sie es zu. Sie haben mich unter Drogen gesetzt. Verführt und dann eine Scharade inszeniert. Da stecken doch meine Freunde dahinter.“ „Nein, Schätzchen. Du bist definitiv in der Zukunft. Meiner Gegenwart.“

Oh wei. Sie überlegte lange. Er brachte einen weiteren, sehr leckeren Kaffee. Sie schloss die Augen und versuchte sich zu erinnern. Sie hatten sich verabredet. Im Gemeindehaus sollte eine Silvesterparty steigen. Von ihrer besten Freundin erfuhr sie, dass Arnold sie um ihre Hand bitten wollte. Sie schaute auf ihre Hand. Ein Ring zierte ihren Finger. Ein seltsamer Ring. Er schimmerte in verschiedenen Farben und blinkte. Sie schaute zu ihrem Gastgeber. „Wie heißt du?“ „Peter.“ „Mein Verlobter hieß Arnold.“ „Hieß?“ „Ja, der in 1959 lebt. Ich erinnere mich, dass er mir diesen Ring überstreifte. Danach erinnere ich mich an nichts mehr.“ Sie spielte mit dem Ring. Was war nur geschehen. „Zeig mal.“ Sie zeigte ihren Finger. „Darf ich ihn mal haben?“ Misstrauisch beäugte sie ihn. „Keine Angst. Ich will ihn nur mal untersuchen. Er sieht sehr merkwürdig aus. Untypisch für dein Jahr. Heute würde ich so was noch als normal empfinden. Aber damals.“ Normal. Sie blickte sich in dem Zimmer um. Hier standen viele Dinge herum, die ihr unbekannt waren. Überall blinkte und summte es. Viel Elektronik, dachte sie. War das ein Elektronikjahr? Schien so. Sie zog den Ring ab und übergab ihn Peter. Er drehte ihn und ging ans Fenster mit ihm.

„Das, meine Liebe, ist kein normaler Ring.“ Sie stand auf und ging zu ihm. „Wie meinst du das? Kein normaler Ring.“ Automatisch hatte sie das Du übernommen. „Das ist ein Portal, glaube ich. Aber anscheinend nur Einweg. Sonst könntest du ja jeden Moment zurück in deine Zeit reisen.“ Ihre Knie wurden schwach. Sie war eine Zeitreisende. Und anscheinend gestrandet. Was nun? Warum sie. Ach Arnold, wo hast du denn diesen Ring her. Sie wusste, dass Arnold sich mit schrägen Phänomenen beschäftigte. Jetzt wurde ihr klar, dass der Ring wohl eines dieser Phänomene war. Sie war sein Versuchskaninchen gewesen. Aber er würde doch nichts davon haben. Er müsste, sie rechnete kurz nach – um die achtzig sein. „Kannst du eine Adresse ermitteln? Arnold Waldner.“ Er setzte sich an einen Schreibtisch. Vor ihm lag ein schwarzer Koffer, bei dem er den Deckel anhob. Ein Bildschirm und eine Schreibmaschine erschienen. Er drückte auf einen Knopf und der Bildschirm erwachte.  Neugierig beobachtete sie seine Bewegungen. Er tippte den Namen ein und auf dem Bildschirm erschienen die Buchstaben. „Computer.“ Sagte er. Davon hatte sie gelesen. Aber die waren nie für die Bevölkerung gedacht. So was. „Hier, es gibt nur einen, der das richtige Alter hat.“ „Können wir zu ihm?“ „Klar. Komm gehen wir.“ Sie folgte ihm. Als sie auf die Straße traten, blieb sie abrupt stehen. Alles hatte sich verändert. Die Häuser waren so hoch und so viele. Autos standen überall. Sie wollte zurück in ihre Zeit. „Komm steig ein.“ Er fuhr etwa eine halbe Stunde. „So, hier ist die Adresse. Soll ich mitkommen?“ Sie überlegte. „Ja, bitte.“ Vor der Tür wurde sie unsicher. War es ihr Arnold? Hatte er jemand anderen geheiratet? Sie hob die Hand zum Klingeln. Verharrte einen Moment der Unsicherheit und drückte dann. Hinter der Tür hörte sie ein Schlurfen. Ein alter Mann öffnete die Tür. Er blickte hoch und stolperte rückwärts in seinen Flur. Sein Mund öffnete und schloss sich. „Luisa. Luisa. Da bist du. Meine Liebste. Ich habe so lange auf dich gewartet. Was hab ich nur getan. Komm rein. Komm rein. Setz dich. Erzähl.“ „Ich soll erzählen. Ich denke du solltest erzählen. Ich bin heute hier erwacht.“ „Heute? Ich hatte erwartet, dass du schon länger in der Zukunft bist. Aber ja – du hast dich nicht verändert. Komm ich koche erst mal ein Kaffee.“ Er bat beide herein und führte sie ins Wohnzimmer. Dann kam er mit einem Tablett auf dem Kaffee und Plätzchen waren. „Bitte, bedient euch. Ich erzähle was ich weiß. Du weißt ich bin immer hinter irgendwelchen Phänomenen her. Ich war bei einer Zigeunerin, die mir den Ring gab. Sie warnte mich allerdings. Ich solle ihn nur anziehen, wenn ich vorankommen wollte. Das hat sie ziemlich vage ausgedrückt, oder? Ich wollte vorankommen. Und zwar bei dir. Deswegen schenkte ich ihn dir als Verlobungsring. In dem Moment in dem du ihn überstreiftest, warst du weg. Ich wusste nicht wie mir geschah. Du warst einfach weg. Aufgelöst.“ „Und dann?“ „Ich suchte die Zigeunerin. Sie war weiter gezogen. Ich folgte ihr einige Zeit. Jedes Mal verpasste ich sie. Aber irgendwann stellte ich sie. Sie lachte bösartig. Wirklich. Eine sehr böse Frau. Eine verschmähte Frau, die sich an jungen Paaren rächen wollte. Sie hatte gesehen, dass ich dich heiraten wollte. Ich bedrohte sie. Ich würde sie töten, verbrennen. Mir war es egal. Ich hatte nichts zu verlieren. Du warst weg. Sie gab mir einen Gegenzauber. Wenn du zu meinen Lebzeiten auftauchen würdest, und diesen Armreif überstreifen würdest, kämst du zurück in unsere Zeit. Dann wäre alles wieder wie früher.“ Skeptisch betrachtete Luisa den Armreif. „Ist das sicher? Was wenn ich wieder falsch lande. Vielleicht bei den Dinosauriern?“ „Nein, ich bin mir sehr sicher.“ Er klang nicht sicher. Luisa blickte auf Peter. Sie könnte vielleicht hier ein neues Leben, ein freies Leben mit ihm führen. Aber er schüttelte den Kopf, als hätte er ihre Gedanken gehört. „Du gehörst nicht hier her. Du musst zurück. Vielleicht bekommt ihr Kinder, die hier jetzt fehlen. Das ist falsch. Außerdem liebst du ihn doch. Überlege nicht lange. Zieh ihn an.“ Sie griff nach dem Reif. Drehte ihn hin und her. Blickte zu Arnold. „Weil ich dich liebe.“ Sie stülpte ihn über und war verschwunden. Die beiden Männer blickten sich an. Das Zimmer veränderte sich. Bilder tauchten auf dem Kaminsims auf. Sie sahen ein Hochzeitsbild. Babybilder. Kinder, Hunde, weitere Babys. Eine Erinnerung erschien. Arnold stand auf und weinte. „Wir haben geheiratet. Zwei wundervolle Kinder und vier Enkelkinder. Sie ist mein Leben.“ In dem Moment öffnete sich die Tür und eine ältere Dame betrat den Raum. „Peter? Ach,  mein Lieber. Es ist so schön dich wieder zu treffen. Es ist so lange her. Aber eigentlich ja auch nicht. Es war gerade erst, oder?“ Peter sah sie mit offenem Mund an. „Luisa?“ Sie nickte. „Es hat funktioniert. Ich bin dort angekommen, wo ich verschwand. Ich konnte ein tolles Leben führen. Dank dir.“

ENDE