writing friday

Writing Friday – Der Aufstand der Dosen

Ein Thema aus dem #writing friday für Juni bietet sich einfach an um sich richtig albern auszutoben.

Das hat echt total Spass gemacht.

Deine Vorratsdosen starten einen Aufstand, berichte davon.


Deine Vorratsdosen starten einen Aufstand, berichte davon.

Ich muss euch eine Geschichte erzählen. Da würde ja nie jemand darauf kommen. Ich war mal wieder einkaufen und es landeten wie immer einige Dosen in meinem Einkaufswagen. Es ist aber nicht so, dass ich die auch regelmäßig aufbrauchen würde. Das ist so ein Spleen von mir. Mein Keller ist schon ziemlich gut mit Dosen gefüllt. Ich wandelte gern ein Wort aus dem Bücherjargon um und nannte ihn gerne SuD (Stapel ungeöffneter Dosen) hihi. Ja, manchmal bin ich doch etwas albern. Ich war also ein Vorratsdosen-Messie. Ich würde ja sagen, das kommt noch aus der Kriegszeit, in der es kein Essen gab – aber ich bin erst Dreißig – da war von Krieg nichts mehr zu sehen.

Ich kam also mit meinen Einkäufen nach Hause und die Dosen brachte ich in den Keller. Ich ging im Dunkeln hinunter. Licht brauchte ich nicht mehr – ich kannte mich blind aus. Aber etwas war anders. Die Atmosphäre war seltsam. Unruhig. Ich stand unschlüssig da, mit den Dosen in der Hand. Ich wusste im ersten Moment nicht was ich machen wollte. Dann ging ein Ruck durch mich und ich räumte die Dosen zu den anderen. Drehte mich um und verließ den Keller.

Nach dem die Tür geschlossen war wurde es aufregend im Keller.

„Habt ihr das gesehen? Schon wieder neue. Wo soll das denn noch hinführen? Ständig bringt sie neue Streuner und vernachlässigt die alten Bewohner. Dabei sind so leckere Gerichte dabei. Das kann so nicht weiter gehen.“ Meinte die Dose Mexican Mais Mix.

„Du hast Recht Mexi. Wir müssen was ändern. Wo soll das denn noch hinführen. Sie stopft und stopft. Bald hat keiner mehr Platz – schau nur. Dort bei den Erbsen. Da stapelt sie schon. Ganz unten die sind schon rostig und verbeult.“

Alle blickten zur erwähnten Stelle. Man hörte nur ein Ächzen und Stöhnen.

„Genau, mir tut mein Deckel und die eingebeulte Seite schon so weh. Ich weiß gar nicht mehr wie ich mich drehen soll. Wir müssen was machen.“

„Absolut richtig, Erbsi. Es wird Zeit. Wir brauchen….“

Mexi überlegte theatralisch. Blickte sich in den Regalen um, dass auch ja alle ihm ihre Aufmerksamkeit schenkten.

Die Dosen klapperten vor Aufregung. Die Spannung stieg ins unermessliche. Bevor der Dosenberg in sich zusammenfiel, erlöste Mexi sie.

„Wir brauchen eine Gewerkschaft. Eine Vorratsdosengewerkschaft. Es müssen Bedingungen ausgehandelt werden. Wir sind nicht einfach nur schnöde Dosen. Wir beinhalten leckeres Gut.

Manch eine Familie wäre froh sie hätten uns. Eine Gewerkschaft. Und von jedem Gericht muss einer abgestellt werden. Erbsi, wie sieht es aus, du bist der Älteste hier. Du sollst unser Sprecher sein.“

„Ach nein, Mexi. Da muss jemand jüngeres, dynamisches her. Wie du. Schau nur alle hören dir gespannt zu. Du musst der Anführer werden. Der Sprecher und Verhandler.“

Mexi nickte demütig. Die Dosen erhoben sich. Ein Klappern erscholl.

„Mexi, Mexi, Mexi, Mexi. Dosen in den Topf, Dosen in den Topf, Dosen in den Topf.“

Mexi blickte sich stolz um. Er reckte sich und sie formatierten sich. Von jedem Gericht hatte sich ein Sprecher hervor getraut. Sie standen in einer Reihe und im Hintergrund riefen ihre Genossen

„Dosen in den Topf, Dosen in den Topf, Dosen in den Topf.“

Sie bildeten eine Treppe zur ersten Stufe, so dass die Abgesandten nach oben gehen konnten. Oben an der Schwelle, stapelten sie sich ebenfalls um den Türknauf zu öffnen.

Die Tür schwang auf und sie betraten den Raum. Das Licht blendete sie. Zur ewigen Dunkelheit verdammt, war es für viele das erste Mal seit langem, dass sie wieder Licht sahen. Kurz verstummten sie, um die Schönheit zu genießen. Dann erklang der Kanon erneut.

„Dosen in den Topf, Dosen in den Topf…“ rufend, bewegten sie sich Richtung Küche.

In der Küche befand ich mich und bereitete mein Essen zu. Frisches Gemüse und leckere Soße. Ich hörte das seltsame Klappern hinter mir und drehte mich um. Mit dem Messer in der Hand, erstarrte ich. Vor mir standen meine Dosen. Ich war erschüttert. Was war das? Wer hatte denn die Dosen hinter mir aufgereiht?

Dann trat eine Dose  Mexican Mais Mix vor. Platzierte sich vor mir und sprach. Die Dose sprach mit mir.

„Mensch. Wir haben zu reden. Heb mich hoch.“

Ich blickte ihn dämlich an.

„Ich glaube der Mensch versteht mich nicht? Sie sind schon bisschen langsam, das habe ich mal im Einkaufsregal gehört. Da wurden solche Gerüchte verbreitet. Aber es scheinen wirklich keine Gerüchte zu sein. Sie sind – äh – langsam. Bitte – hebe – mich – hoch – dass – ich – besser – mit – dir – reden – kann.“

Ich blinzelte. Blinzelte erneut und legte, wie ferngesteuert, das Messer auf die Theke. Bückte mich und griff nach der Dose. Sie stand nun vor mir.

„Jetzt bitte noch die anderen, die direkt hinter mir stehen.“

Da standen ungefähr noch  12-15 Dosen verschiedener Gerichte. Ohne erneut zu zögern, tat ich wie mir geheißen.

„Das hast du sehr gut gemacht. Wir wollen reden. Geht das in Ordnung?“

„Äh, ja.“

„Sehr gut.“ Er drehte sich zu den anderen Dosen um und sie klapperten zustimmend.

„Hör zu Mensch. Du kaufst uns schon seit einer geraumen Zeit. Wir haben Senioren, da kann man schon nicht mehr erkennen, was sie denn in sich haben. Die Label sind so zerschlissen und ausgebleicht. Ohne davon zu reden, dass sie rosten und verbeult sind. Sie gehören endlich mal befreit, von ihrem Elend. Sie müssen endlich in die Dosenpresse um ein neues Leben führen zu können. Kannst du das verstehen?“

Ich konnte nicht antworten. Die Dose seufzte tief.

„Wie soll ich dir das erklären?“

„Ich habe schon verstanden. Aber…ihr seid Dosen. Es kann euch doch egal sein, wie lange ihr bei mir steht.“

„Eben nicht. Wir können Nahrung sehr lange genießbar aufbewahren, aber wir wollen auch irgendwann mal in Rente gehen. Also bedeutet: Einige Male werden wir recycelt. Manche kommen dann entweder in den Dosenhimmel, oder werden vielleicht auch mal schöne Deko. Wer will denn immer nur Essen in sich haben. Schöne Blumen, oder Kerzen…das ist es was wir wollen. Deswegen musst du unseren Inhalt essen und uns weggeben. Oder selbst was aus uns machen. Hast du das verstanden?“

„Ja schon, aber…“

„Kein Aber…du kauft doch eh ständig neue. Geh einfach in den Keller und öffne zum Beispiel die alte Erbsen Dose. Der arme Kerl hat schon so Schmerzen im Deckel und den verbeulten Seiten. Er sehnt sich nach seiner Befreiung.“

Ich riss die Augen auf. Das musste ein Traum sein, oder nicht? Vorsichtig zwickte ich mich. Autsch. Kein Traum.

„Was ist, wenn ich euch nicht gehen lassen will?“

„Du willst, glaub mir. Wir waren wirklich lange geduldig. Aber irgendwann rastet auch die netteste Dose aus. Und das willst du nicht erleben. Unsere Deckel können echt scharf sein. Und so voll wie wir sind, können wir auch sehr schmerzhaft sein, wenn du getroffen wirst. Wir meinen es ja nur gut mit dir. Es war ja mal schön, aber es muss enden. Jetzt. Verstanden.“

Ein bedrohliches Glühen ging von der Dose aus und ich schob mich etwas zurück. Eine Gänsehaut hatte sich auf meinen Armen gebildet. Dann stand ich vorsichtig auf, ging zur Kellertreppe und kam mit der verbeulten Dose Erbsen wieder hoch.

„Ach Mexi, ich danke dir. Endlich werde ich erlöst. Nie wieder Erbsen.“

„Mach´s gut alter Freund. Vielleicht sehen wir uns mal wieder. So und nun kannst du uns wieder hinunter bringen. Das ist für uns Dosen schon echt anstrengend. Das kannst du schon noch machen, oder?“

Ohne Widerworte packte ich die Dosen in einen Korb, vorsichtig, dass ich sie nicht verbeulte, und brachte sie hinunter in den Keller. Dort räumte ich sie ein und ging wieder nach oben.

Sprechende Dosen, war das zu fassen? Was gab es noch, von dem ich nichts wusste. Spionierte mein Saugroboter mich vielleicht aus?

 

Ende.

 

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writing friday

#Writing Friday – Der Sieg

Die letzte Aufgabe für den Mai. Es ist schon manchmal erstaunlich wie sich die Ideen so manchmal einfinden.

Die Idee zu dieser Geschichte kam mir auf der Arbeit. Und zwar hatte ich eine Stange in der Hand um einen Paketstau zu lösen. Und irgendwie fühlte ich mich als Kriegerin – und meine Geschichte war geboren. Sie ist dann doch noch bisschen anderes ausgegangen, als ich mir erdacht hatte. Aber es hat trotzdem Spass gemacht.

Hier findet ihr noch viel mehr Geschichten

Also lest einfach:

Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Marmelade, Fingerhut, Rosenranken, Himmelblau und Oma.

 

Oma saß am Frühstückstisch und beschmierte gerade ihr Brot mit leckerer Erdbeermarmelade. Ich schwöre euch, keine je von mir gegessene Marmelade kann mit der meiner Oma mithalten. Es ist nicht nur die Liebe, mit der sie sie kocht, nein, ein wesentlicher Bestandteil ist die Magie der Natur, die unser Haus umgibt. Es ist immer wieder ein Vergnügen zu sehen, wie sie verschiedene Blumen und Kräuter mit in die Marmelade mischt. Und damit sind wir auch schon bei unserem Geheimnis.

Unser Haus liegt am Rande eines magischen Tores. Wir sind die Wächter. Seit Generationen bewachen wir dieses Tor. Ahnungslose Menschen werden darum herum geleitet, damit sie nicht versehentlich durchtreten. Das würde nicht gut für sie ausgehen. Sie sind nicht sehr beliebt in der magischen Welt. Warum, fragt ihr euch. Das ist doch eigentlich klar. Sie achten einfach die Naturgesetzte nicht. Sie trampeln einfach alles nieder ohne Rücksicht.

Aber nicht nur vor Menschen müssen wir das Tor schützen. Es gibt böse Mächte, die unbedingt eindringen wollen. Sie wollen an die Schätze und Geheimnisse unserer Welt. Sie wollen sie vergiften mit ihrem Hass und Missgunst. Dunkle Magier greifen immer wieder an. Aber sie sind nicht stark genug. Noch nicht.

„Komm Kind, setzt dich und Frühstücke gut. Wir werden es heute brauchen.“

„Wieso? Was hast du gehört?“

„Nicht gehört, gesehen. Schau in  den Spiegel.“ An der Wand hing ein magischer Spiegel. Er warnte uns, wenn Gefahr im Verzug war. Ich stand also auf und schaute hinein. Erst einmal musste sich das hübsche Himmelblau verziehen. Das war als Tarnung für Gäste. So sah es aus, als wäre es ein abstraktes himmelblaues Bild. Aber in Wahrheit war es ein Spiegel. Das Bild lichtete sich und ich konnte Dunkelheit erkennen. Aber in der Dunkelheit bewegte sich was. Reiter durchstreiften die Gegend. Sie suchten etwas. Sie suchten uns.

„Wer ist das?“

„Ich hab das Wappen gesehen. Es ist Anamon.“

„Anamon? Ich hab noch nie von ihm gehört.“

„Komm, wir haben noch Zeit. Die anderen sind informiert. Bald wird unsere Armee eintreffen. Wir sollten also gestärkt sein. Und was ist besser geeignet, als ein bisschen Marmelade? Dann erzähle ich dir von Anamon.“

Ich setzte mich auf den alten Stuhl, der so bequem war, dass ich eigentlich alles darauf machte. Lesen, Essen, Tippen, Schreiben,….ach einfach alles was nur geht. Er beruhigte mich immer wieder. Und das tat er auch jetzt. Ich biss herzhaft in das Brot und auf meiner Zunge explodierte der saftige Geschmack. Sofort spürte ich die Kraft die aus der Marmelade hervorging. Sie würde mich für den Kampf wappnen.

Oma fing an zu erzählen. Sie lehnte sich in ihren Stuhl zurück und nippte an ihrem Tee.

„Anamon war einer von uns. Das ist nicht verwunderlich, oder? Ist es nicht immer so, dass sie alle irgendwann mal gut waren und irgendwas sie veränderte. Bei Anamon war es verschmähte Liebe. Liebe ist so mächtig, aber auch so zerstörend, wenn sie nicht erwidert wird.  Sollte es dich wundern? Nein, das wird es bestimmt nicht. Denn seine Liebe galt deiner Mutter.“

Ich riss die Augen auf. Meiner Mutter? Sie war die gütigste Frau, die ich je kennen lernte. Und mein Vater vergötterte sie. Sie lebten in dem magischen Teil und besuchten uns immer wieder. Mich hatten sie in die Menschenwelt geschickt um dort zu lernen. Ich lernte – ich ging in die Armee. Ja…ihr dachtet irgendwas unnützes Menschliches? Nein, nein. Es sollte praktisch sein. Ich lernte Kriegsstrategien, die uns schon oft geholfen haben. Ich war also auch ohne magische Hilfsmittel eine Waffe. Denn bei einem Gegenzauber, könnte es schon gefährlich werden. Aber ich konnte auch so kämpfen. Ohne Prahlen zu wollen. Ich war echt gut.

Aber zurück zu Anamon. Er wollte meine Mutter.

„Ja, er liebte sie abgöttisch. Aber deine Mutter konnte schon immer gut in Seelen blicken und sie entdeckte den dunklen Fleck bei ihm. Er wäre niemals in die engere Wahl gekommen. Aber Anamon wollte nicht aufgeben. Es hätte damals schon fast einen verheerenden Krieg gegeben. Aber wir haben Anamon vertreiben können. Fast hätte er deine Mutter entführt. Aber sie ist nicht ganz so friedlich, wie sie zu sein scheint. Sie kann ganz gut kämpfen. Er zog also seinen Schwanz ein und verließ das magische Land. Wir hörten immer wieder Gerüchte, dass er sich mit dunkler Magie beschäftigte. Es war also klar, dass er auch irgendwann wieder kommen würde. Ja. Jetzt sieht er wohl die Zeit gekommen. Noch wissen wir nicht was er will. Vernichtung, immer noch deine Mutter, einfach nur Rache. Ich weiß es nicht. Aber wir sollten vorbereitet sein.“

„Alles klar. Ich werde meine Waffen prüfen. Unseren Vorrat an Fingerhut-Bomben. Und noch so einige andere nette magischen Wunderwaffen, die ich so im Repertoire habe.“

„Mach das mein Schatz. Ich werde mich mal praktischer anziehen. Im Morgenmantel wirke ich nicht sehr beängstigend, oder?“ Sie lachte herzhaft und ich konnte nicht anders als einzustimmen. Wir waren wirklich überheblich. Wir waren sicher zu gewinnen. Das Gute gewann immer.

Wir waren bereit und warteten. Anamon ließ sich Zeit. Soviel Zeit, dass Oma noch ihre Socken fertig stricken konnte. Okay – ihre Nadeln strickten, sie hatte sie magisch etwas angeschubst. Aber die Socken waren immer schön kuschelig und warm. Denn hier wurde es verdammt kalt im Winter. Wir sangen Lieder und die Vögel tanzten dazu. Auch die Bienen hatten sich angeschlossen. In diesem Moment trafen die Hornissen ein. Eine machtvolle Armee. Sie warfen ihre Speere in das Gebüsch und schlossen sich unserem Gesang an. Hornissen hatten wundervolle Stimmen. So nach und nach trudelte unsere Armee ein und da Anamon wirklich langsam war, hatten wir am Ende eine kleine Gartenparty. Honig floss und leckere Früchte wurden herum gereicht. Getanzt und gelacht wurde.

Fast hätten wir Anamons Ankunft verpasst. Aber ein kalter Wind zog auf und warnte uns. Natürlich sahen wir erst mal nicht ein unser Fest zu unterbrechen. Warum auch. Es war so friedlich. Im Hintergrund hörten wir die stolzen Schritte Anamons Armee und seiner Pferde. Dann stand er vor uns. Ich drehte mich zu ihm um und lachte. Sein Blick war unbezahlbar. Während seine furchtbaren Krieger sich hinter ihm versammelten, sangen und tanzten wir weiter. Ich glaube, der Honig war schon eher Honigwein gewesen.  Wir waren betrunken.

Anamon stieg vom Pferd. Bewaffnet bis an die Zähne. Er trat auf die Lichtung. Die Rosenranken schlossen sich zum Schutz. Er konnte nicht eintreten.

Es donnerte mahnend. Anamon war sauer. Und wir tanzten und tanzten. Wir konnten einfach nicht anders.

„Eranika. Was soll das hier? Ich weiß, dass du vorbereitet bist auf mich. Ich habe deinen Blick gespürt. Du weißt, dass ich eindringen werde, egal wie.“

Meine Oma tänzelte an die Ranken und streckte ein Glas Honig durch.

„Anamon. So lange haben wir dich nicht gesehen. Und ihr habt uns heute so lange warten lassen. Du weißt, dass wir nicht so geduldige Warter sind. Also was sollten wir machen. Das eine ergab das andere und ich glaube wir müssen deinen Krieg erst mal verschieben. Wir sind nicht mehr nüchtern. Das wird nicht gut ausgehen. Komm trink mit mir.“

Er dampfte und schlug ihr das angebotene Glas aus der Hand. Ich konnte sehen wie sich sein Pferd daran labte. Dann klickte es und es war ebenfalls betrunken. Der Honig war wirklich sehr stark gegärt. Im Hintergrund konnte ich sehen, wie sich seine Krieger die Lippen leckten. Es war ein langer Ritt gewesen. Lange Wege machten immer durstig. Ich schickte die Vögel heimlich los und sie verteilten hinterrücks von dem leckeren Honig. Die Männer tranken gierig und waren verloren.

Schade, eigentlich hatte ich mich auf einen kleinen Kampf gefreut. Es war schon einige Zeit her, dass ich meine Fähigkeiten anwenden konnte. Aber heute und hier, würde das wohl nicht mehr stattfinden.

Anamon drehte sich um und sah seine betrunkenen Männer. Seine Wut entlud sich. Da trat meine Mutter vor.

„Anamon. Mein Freund.“

Anamon erstarrte. Er errötete sogar. Ach, das war fast niedlich. Ein so böser Krieger – Magier und errötete schüchtern wie ein kleiner Schuljunge.

„Miranda.“

„Anamon. Was soll denn das? Ein Krieg, weil du nicht bekommen konntest was du wolltest? Ist das nicht zu albern. Komm. Trink und lach mit uns. Es ist schon so lange her. Frana ist auch da.“

Meine Tante? Was hatte denn meine Tante damit zu tun?

„Du weißt, dass sie dich immer schon mochte? Aber du warst zu stolz sie zu beachten. Wie wäre es denn jetzt? Schluck deinen Stolz herunter, steig ab, trink ein Glass Honig mit uns und tanze mit Frana.“

„ich bin nicht zum Tanzen und feiern hier. Ich bin hier um meine Schande zu rächen.“

„Ach sei nicht albern. Du weißt, dass du nicht gewinnen kannst. Schau dich doch um. Unsere Armee ist viel mächtiger. Deine ist schon betrunken. Arnika. Meine Tochter.“ Bemerkte sie nebenbei.

„Arnika, komm hilf unserem Gast herunter. Ihr könnt euch über Kriegskunst unterhalten. Aber erst wird noch getanzt.“

Meine Mutter war eine Meisterin im Überreden. Und ich konnte sehen, wie der dicke Panzer von Anamon riss. Er zierte sich, aber er hatte schon verloren. Diese Gegend hatte schon andere bezwungen. Er war harmlos.

Heute würde es keinen Krieg mehr geben. Heute nicht. Aber ich wusste, dass ich irgendwann mal meine Kunst beweisen müsste.

ENDE

Geschichtenzauber, writing friday

[#WritingFriday] – Kleine Helferlein

#Writing Friday wieder etwas verspätet, aber immerhin.

Mir ist lange nichts eingefallen – aber dann….die Tage fuhr ein LKW mit einem bekannten Wort an mir vorbei. Und schon war es da – die Idee. Es war für eine Wäschereinigungsfirma.


Diese Woche also:

Schreibe eine Geschichte die mit dem Satz “Jasmin hatte schon immer an Magie geglaubt, doch als sie dann tatsächlich sah wie…” beginnt.


Jasmin hatte schon immer an Magie geglaubt, doch als sie dann tatsächlich sah wie ein kleines Männchen vor ihrem Bett stand war sie selbst erstaunt. Endlich gab es einen Beweis für Magie und sie stand direkt vor ihr.

Bert blieb mitten in seiner Bewegung stehen. Wie eingefroren. Er war ertappt. In seinen Armen hielt er einen Stapel Kleidungsstücke, die er gerade wegbringen wollte.  Ein Bein in der Luft, wankte er gefährlich.

Jasmin schwang ihre Beine aus dem Bett. Sie waren noch zu kurz um mit den Füssen den Boden zu berühren. Eine Taschenlampe in der Hand, strahlte sie direkt den eingefrorenen Bert an. Dieser wankte immer mehr und hielt den Atem an.

„Wer bist du?“ fragte Jasmin ihn.

Seine Augen blickten wild hin und her. Beim Zucken seiner Pupillen wurde ihm dann richtig schwindelig und er fiel rücklings hin. Immer noch in seiner eingefrorenen Position, hielt er das Bein angewinkelt und die Kleidung fest in den Armen.

„Hallo, du da. Was bist du?“ Jasmin sprang vom Bett und ging auf den liegenden Bert zu. Sein Blick wurde hektisch und sein Atem immer schneller, je näher Jasmin an ihn trat. Und dann lockerte sich sein Griff um die Kleidungsstücke. Er wurde Ohnmächtig. Erschrocken trat Jasmin zurück.

„Bist du tot?“ In dem Moment nahm Jasmin noch weitere  Bewegungen wahr. Schatten die sich in sämtliche Ecken ihres unordentlichen Zimmers bewegten. Ihre Taschenlampe fand ein nächstes Ziel. Ein ähnliches Geschöpf wie der Ohnmächtige vor ihr verharrte in seiner Bewegung.

„Hallo du, ich tue dir nichts. Ich bin Jasmin. Wer bist du?“

Ebenfalls hektisch hin und her blickend ließ er gerade einen Stoffbären fallen und drehte sich unsicher zu ihr. Dann blickte er nach rechts und sprach:

„Connie? Hast du genügend Schlafpulver genommen? Du weißt doch, wenn die Zimmer so unordentlich sind, musst du die Portion erhöhen, damit die Menschen nicht wach werden.“

Unruhig wackelte der Angesprochene hin und her.

„Jaaaa? Ich hab eine große Portion verteilt. Aber es könnte sein, dass es abgelaufen war. Ich fand es in der hinteren Ecke.“

„Abgelaufen? Wo gibt es denn so was? Schau was du damit angerichtet hast. Der Mensch ist wach.“ Fuchtelte das Männlein aufgeregt mit seinen Armen vor Connie hin und her.

„Hei, mein Zimmer ist nicht unordentlich. Hier ist System drin.“

Derjenige, der gerade gesprochen hatte, stemmte seine Hände in die Hüften und blickte sich mit hochgezogener Braue um.

„Nicht unordentlich? Deine Schränke sind leer. Wofür hast du sie?“

„Für meine Mami. Ich brauche sie nicht. Ich weiß auch so wo meine Sachen sind.“

„So so. Dann können wir ja wieder gehen. Anton, bring das Vergessenspulver.“

Jasmin riss die Augen auf.

„Nein, bitte ich will nicht vergessen. Endlich hab ich einen Beweis für Magie. Was seid ihr?

„Wir? Niemand. Niemand, den du kennen müsstest, du wirst es eh gleich vergessen. Anton!“

„Nein, nein, nein. Hier, hier hab ich Kekse. Wenn ich nicht vergesse, dann dürft ihr sie haben.“

Bert erwachte aus seiner Ohnmacht. „Kekse?“

„Ja, hier.“ Sie hielt sie dem liegenden vor die Nase. Diese wackelte wie von einem Hasen hoch und runter, bei dem Geruch nach Keksen. Schnell setzte er sich auf und griff danach. Aber Jasmin war schneller und zog sie fort.

„Nur wenn ich nicht vergesse!“ War ihre Bedingung.

„Edi, biiiittte. Kekse“

Schnell kamen aus allen Ecken noch mehr dieser  kleinen Männchen. Alle standen um Edi und blickten ihn bittend an. „Biiitttte.“ Kam es vereint.

„Ach man. So ein Keks ist schon was Leckeres. Also gut. Kein Vergessen für einen Keks.“

Jasmin klatschte begeistert in die Hände und stellte die Dose auf den Boden.

„Also, wer seid ihr und was macht ihr hier?“

Mit Krümeln im Mund Antwortete Edi: „Wir sind Heinzelmännchen. Die guten Geister des Hauses. Eigentlich haben wir früher Handwerkern geholfen. Aber irgendwie brauchen die immer weniger unsere Hilfe – deswegen haben wir uns um Kinderzimmer gekümmert. Die haben es echt immer nötig.“

Jasmin blickte zweifelnd durch ihr Zimmer. Sie fand es nicht so schlimm. Wusste aber, dass ihre Mutter das anders sieht.

„Okay. Ihr räumt also auf und was noch.“

„Na hör mal, das ist eine große Aufgabe.“

„Zaubert ihr nicht bisschen?“

„Nein, niemals.“ Antworte Edi

„Edi, du lügst. Natürlich zaubern wir, sonst würden wir ja nie fertig werden. Ein kleiner Zauber hier und da, erleichtert uns die Aufgabe.“ bemerkte Anton.

„Das ist ja toll. Ich habe meine eigenen magischen Freunde. Wollt ihr meine Freunde sein? Bitte.“

„Ich weiß nicht, wir hatten noch nie Menschen als Freunde. Was ist wenn andere uns entdecken?“

„Das wird schon nicht passieren. Ich bringe auch immer Kekse mit. Ach biiitttteee.“

Anton blickte sich fragend um.

„Was meint ihr? Ein menschlicher Freund?“

Alle anderen nickten. Kekse in Aussicht gestellt zu bekommen, ließ sie alle Bedenken vergessen. Und Jasmin war nett.

„Nun gut, Jasmin? Wir werden es versuchen. Aber nur, wenn du auch aufräumst. Denn Freunde räumen nicht für andere auf.“

„Verstanden. Oh, ich freu mich so.“ Jasmin war aufgesprungen und tanzte durch das Zimmer. Die Heinzelmännchen mussten ihren Füssen ausweichen. Dadurch fingen sie ebenfalls an zu tanzen und es machte ihnen Spaß. Es gab also noch anderes, außer Aufräumen und Arbeiten, dass Spaß machen konnte.

Die Heinzelmännchen kamen so oft es ihnen möglich war zu Jasmin. Sie erzählten ihr von ihren Abenteuern und mampften dabei fleißig die leckeren Kekse, die Jasmin für sie bereithielt.

Ende.

 

writing friday

[#WritingFriday] Urban Exploring – Unendlich

#WritingFriday an einem Samstag. Ich habe es diese Woche nicht vorher geschafft. Aber ich wollte unbedingt noch was veröffentlichen. Also hab ich gestern schon anfangen können und es jetzt noch fertig gestellt.

Kennt ihr Lost Places? Heute werdet ihr einen kennen lernen – eine verlassene Villa am Stadtrand.


Quelle

Anna betritt eine alte Villa am Ende der Stadt, sie wird sie jedoch nie wieder verlassen. Erzähle was passiert ist.

 Anna stand vor der alten Villa am Ende der Stadt. Ihrer Stadt. Hier war sie aufgewachsen und ging zur Schule. Ist es nicht manchmal seltsam, dass man immer in die Ferne schweift und das war vor der Tür ist ignoriert? Seit Jahren schon zählte Anna zu einer der bekannten Urban Explorer. Ihre Twitter, Instagram, YouTube Auftritte hatten ihr einen gewissen Ruhm eingebracht. Nun stand sie also vor ihrer ersten Herausforderung. Als Mädchen stand sie manchmal lange Zeit vor dieser Villa und traute sich einfach nicht hinein.

Sie hatte schon öfter die Schwelle zum Vorgarten übertreten, aber es fühlte sich immer an, als wollte irgendwas sie daran hindern weiter zu gehen. Sie traute sich nicht einen Schritt nach dem andern zu setzen. Jetzt aber. Sie war erfahren genug und hatte keine Angst mehr. Soviel verschiedene Lost Places hatte sie schon besucht, da dürfte doch diese alte Villa kein Problem mehr darstellen.

Mark hatte sie allerdings gewarnt. „Geh nicht alleine hinein. Du weißt nicht wie marode das Gebäude ist. Hinterlasse wenigstens eine Nachricht und schalte dein GPS an.“ Anna lachte ihn aus. „Mark, Mark, Mark. Natürlich bin ich online. Meine Fans erwarten einen Livestream von meinem Spuk Haus. Ich hab es groß angekündigt. Das wird die Klicks nach oben schnellen lassen.“ „Du und deine Klicks. Viel wichtiger sollte dir deine Sicherheit sein. Warte noch paar Tage, bis ich aus Kroatien wieder da bin. Das Geisterdorf werde ich schnell abarbeiten und dann gehen wir gemeinsam.“ Mark und sie hatten schon so einige Lost Places gemeinsam besucht.

Manchmal glaubte Anna, Mark hätte mehr als nur ein Freundschaftliches Verhältnis mit ihr haben wollen. Aber sie war nur auf Abenteuer aus. Sie brauchte diesen Kick. Diesen Adrenalinstoss. Deswegen konnte sie auch nicht warten. Sie packte ihre Tasche. Taschenlampe, Stirnlampe, Ersatzbatterien, Wasser, Energieriegel, Taschenmesser, Seil. Actioncam mit Nachtsicht. Handy um den Livestream hoch zu laden. Check, check, check. Alles war bereit. Morgen wollte sie einsteigen.

Jetzt stand sie vor der Villa. Eine leichte Gänsehaut machte sich auf ihren Armen breit. Die Angst des kleinen Mädchens machte sich bemerkbar. Anna schüttelte sich um sie los zu werden. Sie hatte schon viel gruseligere Orte besucht. Sie straffte ihre Schultern und trat durch das schiefe Eingangstor in den Vorgarten. Wieder spürte sie einen Widerstand. Von ihr aus, oder von dem Ort aus. „Blödsinn, Anna. Das ist deine bescheidene Angst. Stell dich nicht so an. Was soll denn hier schon sein?“ Versuchte sie sich selbst zu beruhigen. Sie ging durch den Garten und stieg die große einladende Treppe hinauf. Sie drehte sich um. Es war neblig geworden. Wo kam auf einmal dieser dichte Nebel her? Sie konnte das schiefe Tor nicht mehr erkennen. Selbst die Straße mit ihrer Laterne war nicht mehr zu sehen. Sie zögerte. Vielleicht sollte sie doch auf Mark warten? Quatsch. Nein, das war ihrs. Sie musste diese kindliche Urangst bewältigen.

Sie drückte gegen die Eingangstür. Sie klemmte. Im Laufe der vielen feuchten Jahre hatte sie sich stark verzogen. Anna drückte mit ihrem gesamten Gewicht dagegen. Sie öffnete sich leicht. Noch ein Stück, noch ein kleines Stückchen. Das musste reichen. Sie drückte sich durch den schmalen Spalt und stand in der Vorhalle. Sie knipste ihre Stirnlampe an und schaute sich um. Die Natur hatte sich schon viel zurück erobert. Durch die Fenster waren die Äste der Bäume gedrungen. In den Bodenritzen hatten einige Samen fruchten können und den Boden in eine Art Moosteppich verwandelt. Es sah bezaubernd aus. Die Treppe nach oben erinnerte sie an den Film Vom Winde verweht. Der Teppich könnte auch mal rot gewesen sein und das Fenster im Zwischenstockwerk war leider schon Blind vor Schmutz.

Anna betrat die erste Stufe als sie ein Wispern vernahm. „Anna. “ Hauchte es durch die Halle. Sie drehte sich erschrocken um. Nichts. Kein Schatten, oder eine Person. Sie war alleine. Vermeintlich alleine. Sie wusste, dass solch leer stehende Häuser gerne von Besetzern oder Obdachlosen genutzt wurden. Probleme hatte sie aber nie mit einem von ihnen. Sie posierten eigentlich ganz gerne vor der Kamera und gaben auch mal ihre Geschichten zum Besten. Hier schien sich niemand eingenistet zu haben. Keine Matratzen, Zelte oder dazu passender Unrat. Das Haus war unbeschmutzt. Nur die Natur hatte sich getraut einzudringen.

Ein Schauer lief Anna über den Rücken. Schnell holte sie ihre Kamera aus dem Rucksack und setzte sie auf die Stirn. Das Handy war bereit für den Livestream. Sie wollte schnell wieder raus hier. Ein ungutes Gefühl verfolgte sie. „Hallo Leute. Wie versprochen heute aus meinem Heimatdorf. Diese Villa hat mich als Kind schon fasziniert und geängstigt. Heute sage ich dieser Angst den Kampf an. Es wird Zeit die Dämonen der Kindheit zu vertreiben.“ „Anna.“ Hauchte es wieder. Sie drehte sich schnell um. Wieder nichts. „Habt ihr das auch gehört? Ist das unheimlich, oder was? Ich will euch nichts vormachen. Ich bin froh, wenn ich hier wieder draußen bin. Ich hätte vielleicht auf Mark hören und auf ihn warten sollen. Aber ihr wisst ja wie ungeduldig ich sein kann. Wollen wir mal sehen wie es hier so aussieht. Kommt mit und erkundet diese hübsche Villa mit mir. Sieht sie nicht toll aus. Die Natur hat sich das meiste schon wieder zurückgeholt. Überall Moos, Lianen, Baumschösslinge und wunderhübsche Pflanzen. Schaut, da scheint die Sonne herein. Was für ein Bild.“ Anna drehte sich und streckte die Arme in Richtung eines Oberlichts aus. Dort konnte man sehen wie die Sonne sich durch die Blätter, die auf der Scheibe lagen, kämpfte und geradlinig ihren Weg nach innen fand. Sie verwandelte die Vorhalle in ein Märchenhaftes Bild. Es fehlten nur noch die kleinen tanzenden Feen und kleine Gnome, die mit ihnen versuchten mitzuhalten.

Ein Schatten legte sich über das Bild. Es wurde kalt und Anna begann zu zittern. „Wow, Leute. Jetzt wird es hier aber empfindlich kalt. Könnt ihr meinen Atem sehen?“ Anna pustete hörbar aus und ein weißer Nebel verließ ihre Lippen. Sie fing an zu zittern. „Verdammt. Warum wird das so kalt hier? Also seit mir nicht böse – ich habe meine Angst überwunden und fühle mich hier irgendwie nicht wohl. Ich gehe mal besser. Vielleicht komme ich mit Mark noch mal her – aber mir war eh nur wichtig, einfach mal hier zu sein und das abhaken zu können. Erledigt. Es wird Zeit zu gehen. Ich lasse die Kamera noch bisschen mitlaufen. Denkt dran. Abonniert meinen Kanal und denkt dran auf das Glöckchen zu klicken, dann werdet ihr immer benachrichtigt, wenn es was Neues von mir gibt. Es gibt kein Abenteuer im Leben, das es nicht lohnt zu leben. Bussi.“ Anna stellte den Ton aus. Sie würde später Musik unter die Bilder legen. Eigentlich wollte sie so schnell wie möglich raus, aber etwas zog sie nach oben. Ach was soll´s, ein Blick in die obere Etage wird schon nichts ausmachen.

 Sie rannte nach oben. Im ersten Stock gingen mehrere Türen vom Flur ab. Sie wollte wenigstens in ein paar hineinschauen. Gleich die erste öffnete sie und trat ein. Es war fantastisch. Die Möbel waren alle noch vorhanden und sogar noch recht gut erhalten. Sie ging in den Raum hinein. Die Tür fiel hinter ihr zu. Erschrocken drehte sie sich um. „Puh. Verdammt bin ich erschrocken.“ Sie drehte sich zur Tür um sie zu öffnen. Sie klemmte. Eine leichte Unruhe überfiel sie. Leicht hektisch zog sie an der Tür. Sie öffnete sich so plötzlich, dass sie fast hingefallen wäre. Schnell verließ sie das Zimmer und atmete tief aus. Aber wo war sie? Das war nicht der Flur aus dem sie kam. Es war ein anderes Zimmer. Sie ging zurück und befand sich schon wieder in einem anderen Zimmer. Die Tür schloss sich leise und vor ihr öffnete sich eine andere. Schnell ging sie darauf zu und befand sich wieder in einem anderen Zimmer. Dieser Vorgang wiederholte sich unzählige Male. Sie stellte den Ton des Livestreams wieder an. „Leute. Hier geschieht etwas Seltsames. Ich komme nicht mehr aus dem Haus heraus. Von einem Zimmer komme ich in das nächste und das nächste. Ich finde keinen Ausgang. So langsam bekomme ich doch Panik. Außerdem habe ich das Gefühl, dass mich Schatten verfolgen. Was soll ich nur machen. Wie soll ich hier denn den Ausgang finden? Wo bin ich denn hier gelandet?“ Tränen drückten sich hervor. Aber sie schluckte sie hinunter. Sie wollte nicht vor ihren Followern anfangen zu weinen. Sie war eine taffe Urban Explorerin. So leicht ängstigte sie nichts, oder?

„Ich weiß gar nicht, ob ihr mich überhaupt seht? Seht ihr mich? Schreibt es in den Live Chat. Vielleicht hat jemand einen Tipp für mich, wie ich hier wieder raus komme. Habt ihr so was schon mal erlebt?“ Sie verfolgte den Live Chat. Es kamen, wie schon erwartet, keine hilfreichen Tipps herein. Fake und ähnliches wurde ihr vorgeworfen. Aber es war kein Fake. Sie versuchte Stundenlang eine Tür nach der anderen. Aber keine führte zurück in das Treppenhaus. Verzweifelt setzte sie sich in eine Ecke. Sie blickte an den Wänden entlang. Dort stand was. Schnell stand sie auf. Die Kamera zeichnete weiter auf und die Klicks schnellten in die Höhe. Es war ihr Rekord. Sie blickte an die Wand. Mit ihrer Hand schob sie die einzelnen Blätter davor weg. „Wenn es dunkel wird, kommen sie. Dann verstecke dich. Verstecke dich!“

Entsetzt blickte sie die Schrift an. Es wurde dunkel. Was würde kommen? Wo sollte sie sich verstecken? „Habt ihr das gelesen? Oh Gott. Ich bekomme doch so langsam Angst. Ich schalte ab. Mein Akku wird sonst nicht durchalten. Ich melde mich bei euch, sobald ich wieder draußen bin. Bleibt aufmerksam. Bussi.“

Anna war panisch. Ihr Atem ging schneller und sie drohte ohnmächtig zu werden. Sie setzte sich und steckte ihren Kopf zwischen die Knie – tief ein-, tief ausatmen. Da hörte sie es. Flüstern und raunen. „Anna?“ Panisch blickte sie sich um. Es gab nicht viel sich zu verstecken. Dort. Dort stand ein alter Schrank. Schnell versteckte sie sich darin. Spinnweben strichen über ihre Stirn und sie hoffte, dass die Bewohnerin nicht auf sie fallen würde. Sie atmete ganz flach um bloß keine Geräusche zu machen. Schritte und Schlurfen konnte sie vor dem Schrank hören. Sie hielt die Luft an. Bitte, bitte, öffne nicht diese Tür. Betete sie in Gedanken.

Es schien zu helfen. Die Geräusche entfernten sich. Ausatmen – Einatmen. Sie wusste nicht wie lange sie in diesem Schrank ausharrte. Gefühlte Ewigkeit später öffnete sie vorsichtig die Tür. Es dämmerte, der Morgen brach an. Schnell ging sie hinaus und öffnete die Tür. Wieder ein anderes Zimmer. Tränen rollten ihre Wange hinunter. Es gab keinen Weg mehr hier raus. Sie war gefangen. Sie startete die Kamera und machte eine letzte Aufnahme.

„Hallo Leute. Schön, dass ihr heute wieder einschaltet. Das wird wohl meine letzte Aufnahme werden. Der Akku gibt bald seinen Geist auf und ich glaube nicht, dass ich hier eine Möglichkeit zum Laden bekommen werde. Aber wer weiß, vielleicht hat auch die Hölle Strom. Hahaha. Ähm. Die Nacht war gruselig. Ich hab seltsame Geräusche gehört und einige Gestalten sind um meinen Schrank geschlichen. Ich weiß nicht was mich erwartet, wenn sie mich finden. Ich hoffe es nie zu erfahren. Wenn ich hier nicht herauskomme, wird es wohl doch mal vorkommen. Tja, was soll ich sagen? Urban Explorer leben gefährlich. Das hier ist wohl mein Aus. Mark, wenn du dass siehst. Es tut mir leid. Ich hätte auf dich hören sollen. Ich liebe dich. Vergiss mich nicht. Vergesst mich alle nicht. Und kommt bloß nicht her – das Haus lässt einen nicht mehr raus. Vielleicht findet irgendwann mal ein anderer Explorer meine Gebeine. Lebt euer Leben, aber passt auch auf euch auf. Ich liebe euch alle und danke für eure Treue und die vielen tollen Kommentare. Ich werde euch alle vermissen. Pft.“ Der Akku war leer. Die letzte Aufnahme von Anna wurde hochgeladen.

Niemand hat sie je wieder gesehen. Es gingen viele Gerüchte umher. Es sei Fake und sie hätte sich einfach nur abgesetzt. Oder sie sei gestorben. Manche aber glaubten ihr.

Ende.

 

 

 

 

 

Allgemein, Geschichtenzauber, writing friday

Writing Friday – die Geschichte

Es ist endlich Freitag und Zeit zum Schreiben. Der Writing Friday – dieses mal habe ich mir folgendes Thema ausgewählt:

Du findest auf dem Dachboden eine alte Schreibmaschine, darin stecken noch beschriebene Blätter des Besitzers. Welche Geschichte verbirgt sich darauf? Berichte davon.

Ich hoffe, das Ende ist verständlich. Ich hatte soviel verschiedene Szenarien überlegt – und dann ist es doch bisschen anders geworden – deswegen hoffe ich, es ist verständlich.

Viel Spass mit der Geschichte in der Geschichte.


Du findest auf dem Dachboden eine alte Schreibmaschine, darin stecken noch beschriebene Blätter des Besitzers. Welche Geschichte verbirgt sich darauf? Berichte davon.

Ich stand vor meinem neuen, oder eher uralten Haus. Aber es war meins. Ich bin irgendwann mal beim Spazieren gehen vom meiner gewohnten Route abgewichen und auf einer verlassenen Seitenstraße auf dieses uralte Haus gestoßen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Die blinden Scheiben und schiefen Rollläden – sie wirkten so traurig. Ich musste es einfach wieder herrichten. Es war wirklich klein. Aber ich war alleine und wie viel Platz braucht ein Mensch denn? In wieviel Räumen halte ich mich denn auf? Genau.

Ich rief also den Makler an, und keine zwei Wochen später gehörte dieses kleine, verkannte Schmuckstück mir. Als ich den alten Schlüssel in das Schloss steckte und die Tür mit der Schulter aufstieß kam mir ein Stöhnen entgegen. Ein gequältes, oder ein aufatmendes? Das konnte ich nicht unterscheiden. Ich hatte eigentlich schon immer eine Lebhafte Fantasie. Deswegen konnte ich in diesem alten Gemäuer, das frühere Leben direkt vor mir sehen. Eine kleine, arme Familie, die sich um den Tisch versammelte um gemeinsam über ihren Tag zu sprechen und zu essen.

Das war aber schon lange Zeit her. Drinnen sah es schon ziemlich herunter gekommen aus. Aber die Bausubstanz war in Ordnung. Es waren wirklich nur Schönheitsreparaturen. Und ich würde gleich mal anfangen. Ich schnappte mir aus dem Auto den Besen und fegte erst einmal. Es gab hier nur einen Dachboden und das Erdgeschoss. Im Erdgeschoss befand sich die Küche. Eine sehr schön große Küche, die ein tolles Fenster zum Garten hatte. Die restlichen Räume waren ein gemütliches Wohnzimmer mit Kamin, ein kleines ausreichendes Bad und ein Schlafzimmer. Perfekt. Ich war fleißig dabei zu kehren, als sich seltsame Kratzgeräusche aus der Wand bemerkbar machten.

Urg – das würden wohl Mäuse oder Ratten sein. Die Natur holte sich natürlich so ein lang leerstehendes Haus zurück. Darum würde ich mich später kümmern. Heute war ich voll und ganz mit dem Kehren und schon entrümpeln des Erdgeschosses beschäftigt. Für morgen hatte ich mir die Sichtung des Dachbodens vorgenommen. Da wäre bestimmt auch noch so einiges an Gerümpel, der entsorgt werden könnte. Und bestimmt wimmelte es dort von Spinnweben. Eine leichte Gänsehaut überzog meine Arme. Ja – die Natur halt. Ich würde es überstehen.

Als ich fertig war, sah es schon wesentlich besser aus. Bisschen Farbe an die Wand und meine Möbel, dann wäre es ein kleines Paradies. Ich schloss die Eingangstür hinter mir und verließ das Haus.

Am nächsten Morgen war ich schon früh dort um weiter zu machen. Ich wollte ja so schnell wie möglich einziehen. Ich stand vor der Treppe zum Dachboden. Dachböden hatten irgendwie immer was Unheimliches – genau wie Keller. Das kommt von den vielen Horrorfilmen, dachte ich mir. Ich straffte die Schultern und ging nach oben. Die Tür knarrte beim Öffnen und ich hielt den Atem an um zu horchen. Was wollte ich denn hören? Ob sich ein Serienmörder dort versteckt hielt. Ich schüttelte lachend den Kopf. Konnte aber nicht anders, als laut redend einzutreten. „Dann werden wir mal sehen, ob vielleicht die Männer vom Trödeltrupp hier auftauchen können und ich hier paar Schätze besitze.“ Ein unsicheres Lachen entschlüpfte mir. Ich knipste die Lampe an – Strom und Licht. Das war doch schon mal was.

Wie erwartet, sah es hier schon sehr gruselig aus. Eine alte Schneiderpuppe stand in der einen Ecke. Ein altes Schaukelpferd und ein alter Vogelkäfig befanden sich ebenfalls dort. Haufen alte Koffer und sonstiges Gerümpel. Ich seufzte. Das wäre noch ein bisschen Arbeit. Ich ging weiter und hinter einem Kofferschrank stand ein kleines Tischchen mit einem Stuhl und einer ganz alten manuellen Schreibmaschine. Neben der Maschine lag ein Stapel beschriebener Blätter und einige waren noch eingespannt. „Uh – ein unentdecktes Werk – vielleicht eines bekannten Autors? Das wäre doch mal was. Oder es ist einfach nur eine Aufstellung der Ein – und Ausgaben. Das schau ich mir an.“

Ich ging zur Maschine und fröstelte. Irgendwo war es wohl undicht. Es zog gehörig. Deswegen schnappte ich mir die Blätter und ging schnell wieder hinunter. Dieser Dachboden war unheimlich. Zuviel Schatten und definitiv zu viel Spinnweben.

Ich hatte mir von zu Hause einen bequemen Campingstuhl, einen kleinen Tisch und eine große Kanne Kaffee mitgebracht. Nach dem Grusel, war wirklich Zeit für eine kleine Pause. Ich ignorierte die kleine Stimme im Kopf, die mich darauf hinwies, dass ich noch gar nichts gearbeitet hatte.

Gemütlich in dem breiten Campingstuhl, nahm ich mir die Blätter vor. Es gab keinen Titel. Nun gut. Ich fing an zu lesen.

07.Mai

Ich muss unbedingt aufschreiben was hier passiert. Seit ich hier wohne geschehen seltsame Dinge um mich herum. Gegenstände wurden bewegt. Türen knallen und die Bodendielen knarzen. Irgendjemand ist im Haus. Ich hab der Polizei schon bescheid gesagt. Sie haben so einen Jüngling hergeschickt. Der hat alle Räume durchsucht. Nichts. Keiner hier. Aber was sind das für Geräusche und wieso stehen die Dinge immer an anderen Stellen. Ich glaube ich werde langsam verrückt. Das ist das Haus. Ich hätte nie hier einziehen sollen.

Ich bekam eine Gänsehaut. Diese Person wirkte so verängstigt, dass ich selbst Angst bekam. Ich schaute mich um. Im Hintergrund konnte ich das Kratzen in den Wänden hören. Das war unheimlich. Gleich morgen würde ich den Kammerjäger anrufen. Ich liebe ja Tiere – aber sie müssen nicht in meinen Wänden leben. Für heute hatte ich genug. Ich brauchte eine Pause. Schnell packte ich meine Sachen und verließ mein zukünftiges Zu Hause, das gerade ein bisschen finsterer geworden war.

Ich traute mich kaum weiter zu lesen. Aber innerlich zog mich etwas an die Seiten. Ich musste wissen, was da noch stand.

  1. Mai

Mir geht es gut. Wahrscheinlich waren es nur die Nerven. Zuviel strömt auf mich ein. Das Haus, mein Ex und die Renovierungen. Das ist bisschen viel. Arbeiten muss ich ja auch noch. Aber ich liebe das Haus. Obwohl es mir schon ziemlich Angst macht hier alleine. Aber der Arzt hat mir Angstlöser verschrieben und gemeint, das wären die Nerven. Also – soll mal einer sagen, es gibt kein Kraut, oder eine Pille für jede Krankheit, oder Narretei. Was war das? Die Tür, ich hab sie doch abgeschlossen, oder? Wenn ich sie abgeschlossen habe, wie konnte jemand……

Oh Gott. Ich traute mich kaum noch in mein Haus. Verdammt. Hätte ich doch diese Seiten niemals gefunden. Aber mir blieb nichts übrig. Die Renovierungen schritten voran und mein Umzugstermin stand fest. Die letzten Dinge wollte ich machen, wenn ich eingezogen war. War das eine gute Idee. Ja, natürlich. Ich hatte schließlich das Haus wegen seines leicht gruseligen Charmes gekauft. Also dann musste ich auch damit leben, oder?

Ein paar Tage mied ich das Haus, und schob das Einpacken als Ausrede voran. Ich musste schließlich alles verpackt haben, wenn der LKW kam.

Dann war es soweit. Der fünfte Mai. Ich war aufgeregt. Die Männer packten alles in den Wagen und ich legte den Schlüssel unter die Fußmatte. Ein letzter Blick in meine alte Behausung, ein kleiner Abschied und ich zog die Tür ins Schloss. Einer neuen Zukunft entgegen.

Am Haus angekommen, hatten die Männer der Umzugsfirma, das meiste schon in die Zimmer verteilt. Viel hatte ich ja nicht – aber das reichte aus. Als alle weg waren, schloss ich die Tür, ging ins Bad und ließ Wasser in die Wanne laufen. Ein warmes Bad, danach lechzte ich. Und einen leckeren Entspannungstee. Heute würde ich nicht alt werden. Ich freute mich schon darauf, die erste Nacht in meinem Heim zu verbringen.

In der Wanne schlief ich schon fast ein, als mich ein knarzen schlagartig hellwach werden ließ. Ich setzte mich auf. „Hallo?“ Schnell stand ich auf und griff nach meinem Bademantel. Ich schaute mich im Bad um, ob ich etwas als Waffe verwenden konnte. Eine Schere. Besser als nichts. Im Bademantel, nasse Fußspuren hinterlassend ging ich vorsichtig aus dem Raum. Ich hielt den Atem an um zu lauschen. Da war nichts mehr zu hören. „Ein altes Haus, das arbeitet. Mensch Mädchen, stell dich nicht so an.“ Ich atmete aus, ging zurück um mich schnell anzuziehen. Danach ging ich schneller als normal in mein Schlafzimmer. Ich schloss die Tür und drehte den Schlüssel. Nur für den Fall.

  1. Mai

Alles ist gut. Alles wird gut. Ich bin sicher, das Haus ist sicher. Keiner ist hier. Nur ich. Nur ich. Vielleicht. Vielleicht noch, ach nein. Ich schwebe. Die Tabletten sind toll. Ich kann wieder schlafen. Nur meine Träume sind verstörend. Aber es sind ja nur Träume. Träume sind Schäume. Diese seltsamen Gestalten sind nur Produkte meiner Fantasie, sagt mein Arzt. Vielleicht, meint er, sollte ich mal eine Kur machen. Aber ich hab doch so ein hübsches Haus. Das ist doch wie eine Kur. Und die vielen Besucher nachts. Mit ihnen kann ich reden. Sie hören mir zu. Keiner hört mir zu – aber sie tun das. Ja. Sie sind wie meine Familie.

  1. Mai. 2019

Ich habe Angst. Meine neue Familie, hier im Haus – sie wollen, dass ich bleibe. Das ich mit ihnen komme. Sie zerren an mir. Sie reißen an mir. Sie ziehen mich an die Wand – in die Wand. Ich kann ihnen nicht entkommen.

Und für dich…..ist es auch zu spät. Du bleibst bei uns und wirst Teil unserer Familie. Wir lieben dich. Für immer. Ahahahahahahahahahar.

Draußen vor der Tür war ein seltsames Hämmern zu hören. Ich kratze an der Wand um einen Blick nach draußen zu haben. Der Makler. Er hämmerte ein Schild in den Rasen: „Zu Verkaufen.“

ENDE

 

writing friday

Writing Friday – Die Gefahr aus der Luft

Wenigstens eine Geschichte wollte ich im April noch schreiben. Ich habe zwei Themen miteinander kombiniert, da sie perfekt zu meiner Geschichte passen für den Writing Friday passen.

Ich muss wieder mal eine obligatorische Warnung vorweg schicken…es kann ein bisschen eklig werden.


Schreibe eine Geschichte die mit dem Satz “Luis konnte nicht aufhören und musste wieder…” beginnt

und

Schreibe das Ende einer Geschichte, dabei lautet der letzte Satz; Doch damit war es noch lange nicht beendet.

 

Luis konnte nicht aufhören und musste wieder aus dem Fenster starren. Er konnte nichts sehen. Sein Atem setzte immer wieder aus, er musste sich ständig daran erinnern, die Luft in seine Lungen einzuziehen. Er konnte nicht mehr anders. Er ging an die Tür. „Nein. Stopp, wenn du die Tür öffnest sind wir tot.“ Die Stimme kam aus der anderen Ecke des Zimmers. Eva saß dort im Dunkeln. Ihr Pullover war ihr zwei Nummern zu groß. Sie sah so verloren darin aus. „Aber wir müssen doch was machen.“ „Was willst du machen? Alle da draußen sind verloren. Nur die, die sich Unterschlupf suchen konnten, haben eine Chance zu überleben.“ Luis stampfte wie ein kleines Kind auf, das nicht bekam was es wollte und fing wieder an hin und her zu laufen. Keiner hielt ihn auf. Sie waren zu viert in dem Haus. Mit ihm und Eva befanden sich noch Chris und Cathy bei ihnen. Die beiden waren Kalkweiß im Gesicht und wippten ständig vor und zurück. Von ihnen war keine Hilfe zu erwarten. Luis stand wieder vor der Tür, aber er hielt seine Hände unten. Eva hatte Recht. Öffnete er die Tür, würden sie alle sterben.

Luis drehte sich zu Eva. „Meinst du Emma hat es geschafft?“ Sie zuckte mit den Schultern. „ Woher soll ich das wissen? Wenn sie schnell genug reagiert hat und sich irgendwo verstecken konnte – ja – dann wird sie es wohl geschafft haben. Aber ob wir sie je wieder finden? Das bezweifle ich im Moment.“  Luis nickte. Ja, Eva hatte Recht. Sollten sie jemals wieder heraus kommen, wäre es ein Wunder Emma wieder zu finden. Er konnte nur hoffen, dass sie lebte und es auch weiterhin überlebte. Noch konnten sie alle nicht wirklich sagen, was denn passiert war. Sie waren auf einer Uni Party. Das Semester war zu Ende und das sollte gehörig gefeiert werden. Viele würden für die Ferien im Ausland ein Praktikum machen. Luis war pleite – er würde arbeiten müssen. Von ihrer Clique war er der einzige, der keine reichen Eltern hatte. Alle anderen würden entweder verreisen, oder halt sich im Ausland präsentieren. Nach diesen Ferien sollte das letzte Semester starten. Luis war nicht gerade der beste Student. Er musste auch während des Semesters arbeiten. Da litten natürlich seine Leistungen. Aber er sah das ganz locker. Wenn es so weit war, würde er auch einen Job finden.

Das wird jetzt wohl mein geringstes Problem sein – einen Job finden.

Während sie tanzten und ihr Bier tranken gab es einen Knall und die Luft fing an zu summen. Etwas flog durch die Dunkelheit. Erst dachten alle es wäre Konfetti aus einer dementsprechenden Kanone. Nun, sie irrten sich. Das war kein Party Gag. Was war es?

Um sie herum flogen irgendwelche Insekten, die äußerst penetrant waren. Sie stachen und versuchten in Mund, Nase und Ohren einzudringen. Die Partygäste begannen zu schreien, um sich zu schlagen und zu rennen. Aber viele stolperten und wurden dabei einfach übertrampelt. Luis konnte Emma nicht sehen. Sie wollte drinnen Getränke holen. Er hatte keine Chance ins Innere des Gebäudes zu gelangen. Die Massen drängten ihn einfach davon. Er konnte Personen auf dem Boden sehen, die seltsam zuckten. Als würden sie unter Elektroschock gesetzt werden. In manchen Ecken hatten sich schon Gruppen gesetzt, die nur noch halbherzig versuchten nach den Insekten zu schlagen. Ihre Gesichter waren angeschwollen. Wohl von den Stichen. Er wollte über einen Körper vor ihm springen. Nur blieb er wir angewurzelt stehen. Es war ein Mädchen, leicht bekleidet – ihr Bauch war frei. Wobei frei hier eine neue Bedeutung bekam. Er war offen. So wie es aussah von innen nach außen. Er wollte sich hinunterbeugen, als sich ein Schwarm Fliegen von ihm erhob, zurück blieb eine wuselnde Menge Maden. Schnell schnappte er sich sein Halstuch und band es vor Mund und Nase. „Nicht einatmen – verschließt eure Münder und Nasen. Sie fressen uns von innen auf.“ Keiner achtete auf ihn. Er rannte und da sah er Eva. Sie rannte an den Strand, der in Campusnähe war. Schnell hängte er sich hinten dran. Von der rechten Seite kamen noch Chris und Cathy. Ihr Ziel war eine der Strandhütten. Natürlich waren die meisten verschlossen. Aber viele hatten ihre Schlüssel unter der Matte oder auf dem Türrahmen versteckt.

Eva schloss mit zittrigen Fingern die Tür auf. Luis hielt den Atem an: Lass bloß diesen beschissenen Schlüssel nicht fallen, lass bloß nicht fallen. Sagte er sich ständig wie ein Mantra vor. Und dann klickte es. Schnell stießen sie die Tür auf und fielen fast polternd über die Schwelle. Chris schlug sie zu und lehnte sich schwer schnaufend dagegen. „Wir müssen die Ritze verschließen. Schaut euch nach Handtüchern, oder sonstigen brauchbaren Dingen um.“ Cathy fuchtelte aufgeregt mit ihren Händen hin und her und zeigte gleichzeitig in die verschiedenen Ecken.

Unorganisiert vielen sie durch die Hütte, öffneten Schränke mehrfach bevor sich vor ihnen ein Haufen Stoffe auftürmte. Es gab einen Wassereimer in den es geregnet hatte – das Wasser war schon etwas brackig, aber das störte Cathy nicht. Sie stopfte alles hinein und dann verschlossen sie mit den feuchten Handtüchern und Stoffen sämtliche Schlitze unter denen Licht hineinfiel. Die Fenster hatten solch altmodische Fensterläden, die man von nur durch das geöffnete Fenster verschließen konnte. Das kam natürlich nicht in Frage.

Eva schnappte sich die Tagesdecke von der Liege und versuchte sie über das Fenster zu hängen. Luis schüttelte die Starre ab und half ihr. An herausstehenden Nägeln ließ sich die Decke mehr schlecht als recht befestigen – aber die Sicht nach außen war wenigstens versperrt. Chris durchsuchte derweil die Hütte und warf alles nützlich Aussehnende in die Mitte. Flaschen mit Wasser, paar alte Energieriegel, Insektenspray. „Insektenspray – meint ihr die würden gegen diese Viecher helfen?“ Cathy klang hoffnungsvoll bei ihrer Frage. „Ich glaube nicht.“ Meinte Eva. „Es hilft kaum gegen die normalen Mücken – und das waren mal bestimmt keine normalen Mücken. Was war das?“ Chris drehte sich zu ihnen. „Das waren bestimmt im Labor gezüchtete Insekten – oder welche durch Umweltverschmutzung mutierte.“ „Und der Knall davor? Das waren bestimmt keine durch Umweltverschmutzung mutierten Insekten. Die kommen aus einem Labor. Und sie wurden auf uns Menschen los gelassen. Sie wollen uns doch eh dezimieren.“ „Oh man Luis, hör mit der Scheiss Verschwörungstheorie auf. Du gehst uns damit auf die Nerven. Warum sollte unsere Regierung so was machen?“ „Hallo – McFly jemand zu Hause? Schon mal was von Überbevölkerung gehört?“ Luis rollte mit den Augen und verzog sich schmollend.

„Egal was es war und woher es kommt. Habt ihr gesehen was sie machen?“ „War ja kaum zu übersehen. Sie fallen uns an und, was? Fressen uns von innen auf?“ „Ja.“ Kam die nüchterne Antwort von Luis. Er konnte nicht aufhören wieder und wieder ans Fenster zu gehen um hinter das Laken zu schauen.

Die anderen hatten sich zurückgezogen und warteten. Auf was? Auf den Tod? Auf ein Wunder?

Der Regen – wann hatte der Regen eingesetzt?

„Hei Leute – der Regen!“ „Was ist mit dem Scheiss Regen?“ Schnauzte Chris. „Regen, denkt mal nach. Bei Regen fliegen keine Insekten. Das ist unsere Chance hier raus zu kommen.“ Und wohin, du Genie?“

„Hast du eine bessere Idee?“ blaffte Luis Chris an. Dieser kam ebenfalls ans Fenster. Gemeinsam blickten die beiden hinaus. Durch den strömenden Regen war nichts zu erkennen. Noch nicht mal die Lichter vom Pier. „Wir müssen aufs Wasser.“ Sagte Eva. „Auf dem Wasser gibt es keine Insekten.“ Alle drehten sich zu ihr. „Ja, sie hat Recht. Aufs Wasser.“ „Was ist mit Emma?“ „Luis, es tut mir leid. Wir können sie nicht suchen. Es ist zu gefährlich.“ Luis schlug die Hände vor das Gesicht. Er konnte nicht ohne Emma gehen. Sie war sein Leben. „Geht voraus und sucht ein Boot. Ich versuche mein Glück und suche Emma. Spätestens wenn der Regen weniger wird, dann wartet nicht mehr auf mich. Okay?“ Chris wollte schon dagegen wettern, als Cathy sagte: „Ja gut. Es wäre schön, wenn das einer für mich machen würde.“ Dabei blickte sie finster in Richtung Chris. „Wir warten. Eine Stunde, oder wenn der Regen weniger wird.“

Vorsichtig schob Luis die nassen Handtücher von der Tür weg und öffnete sie einen Spalt. Durch den Regen war fast die Hand vor Augen nicht zu erkennen. Das einzige, das zu hören war, war das Rauschen des fallenden Wassers. Er schlich sich hinaus. Die anderen warteten paar Sekunden und folgten ihm. Sie sprachen nicht – ein Kopfnicken reichte und sie trennten sich.

Luis lief Richtung Campus und die anderen drei Richtung Pier. Überall lagen Leichen herum. Ihr Anblick war widerlich. Nur nicht stehen bleiben und genau gucken, sonst muss ich kotzen. Dachte Luis. Bewaffnet mit einer Fliegenklatsche, die er in der Hütte gefunden hatte, stieg er die Stufen zum Unigebäude hoch. Emma wollte was zu trinken holen. Er hoffte sie dort zu finden. Vorsichtig drückte er gegen die Tür. Sie war nicht verbarrikadiert. Ein Seufzer der Erleichterung entwich ihm. Leise ging er hinein und blickte sich um. Die Bar hatten sie in der Lobby aufgebaut. Aber Emma war nicht dort. Er hörte entferntes Summen und hielt die Luft an. Das Summen kam näher. Wild fuchtelte er mit der Fliegenklatsche um sich herum. „Platsch.“ Ein roter Fleck tauchte auf der Klatsche auf. „Ha, Drecksvieh, getroffen.“ Er ging nach rechts, dort waren die Toiletten. Schnell bewegte er sich auf die Türen zu. Sie waren verbarrikadiert. „Emma? Emma, bist du da drin?“ „Nein, Arschloch. Geh weiter, hier gibt es keine Emma.“ Er ging weiter und klopfte an mehreren Türen – immer dieselbe Reaktion, oder gar keine. Auch auf der anderen Seite des Ganges

Er wollte schon aufgeben. Die letzte Tür, dann hau ich ab. „Emma? Bist du da drin?“ „Luis? Luis, bist du das?“ Luis stand steif – das konnte nicht sein. „Emma. Ja ich bin es Luis. Geht es dir gut.“ „Gut wäre übertrieben, aber ich lebe.“ „Lass mich rein.“ Eine ihm unbekannte Stimme fauchte. „Auf keinen Fall. Wir wissen nicht, was da draußen ist.“ „Da ist nichts. Hier fliegt nichts.“ „Nein, wir machen diese Tür nicht auf.“ „Dann lasst sie wenigstens raus. Ich jage die Fliegern davon. „Nein, die Tür bleibt zu.“ „Hei, lass mich raus, du Penner. Verpiss dich von der Tür, sonst trete ich dir mal wohin.“ Luis hörte ein rumpeln und einen stöhnenden Schrei. Dann öffnete sich die Tür einen Spalt. Gerade so, dass Emma hinaus gelangte – sie wurde noch hinaus gestoßen, damit die Tür wieder zugeschlagen werden konnte.

Luis schloss sie in die Arme. Da begann das Summen wieder. Hektisch blickten sie sich um. Emma zeigte in eine Richtung. Da kam ein Schwarm Stechmücken. Luis fuchtelte nervös mit der Fliegenklatsche. Es klatschte eklig und das Summen wurde weniger. Außer Atem blickten sie sich hektisch um. „Wir müssen hier raus. Es regnet, da sind wir sicher.“ Sie sprinteten Richtung Ausgang. Hinter ihnen erhob sich ein grimmiges weiteres Brummen. Sie rissen die Tür auf und flüchteten in den Regen.

Emma blieb stehen und drehte sich um. Ihnen folgten keine Insekten. „Komm, wir müssen schnell zum Pier. Dort warten die anderen, dann fahren wir mit einem Boot aufs Wasser. Sie verstand und rannte Luis hinter her.

Am Pier konnte Luis schon das ausgesuchte Boot erkennen. Eva wartete und winkte schon heftig. Der Regen ließ langsam nach. Sie mussten sich beeilen. „Bloß nicht stolpern, Bloß nicht stolpern.“ flüsterte Emma. Chris löste schon das Tau und sie konnte Cathy erkennen wie sie mit dem Paddel versuchte sie vom Pier zu stoßen. „Schneller, komm schneller Emma.“ Seitenstechen machte sich bei Emma breit. Sie biss die Zähne zusammen. Nur noch paar Meter, dann wären sie in Sicherheit. Der Regen wurde immer weniger. „Emma, komm schon, ich kann sie hören, komm, komm.“ Sie stolperte und fiel. Oh nein, das war es. Luis drehte sich um rannte zurück und zerrte an ihr. Sie versuchte aufzustehen. Ungeschickt gelang es und Luis fuchtelte wieder mit seiner Fliegenklatsche um sie herum. Nur noch paar Meter, nur noch paar Zentimeter. Sie sprangen aufs Boot. Chris hatte den Motor angeschmissen und Cathy gab den letzten Stoß. Sie fuhren und ließen den Pier hinter sich. Sie hatten es geschafft.  Doch damit war es noch lange nicht beendet.

 

writing friday

Writing Friday – Rosi und Rolas

Du bist durch die Zeit gereist und im Jahr 2819 gelandet, berichte davon. Dieses Thema habe ich mir heute für den #Writing Friday ausgesucht.

 

Inspiriert von der neuen Serie, die Wortman vorgestellt hat. Love, Death & Robots Folge 2. Diese Folge ist total putzig. Meine Geschichte ähnelt ihr eigentlich gar nicht – ich hab mir nur die Freiheit genommen, die Roboter auf der Erde leben zu lassen.


Jacob legte sich in sein Bett – er fühlte sich nicht so gut. Wahrscheinlich bekam er eine Grippe – die ging gerade mal wieder um. Er fasste sich an den Hals und räusperte sich. „Eindeutig eine Grippe. Ich nehme gleich mal paar Medikamente und leg werde gleich schlafen. Schlaf ist die beste Medizin. Das hat Oma schon immer gesagt.“ Jacob war manchmal etwas seltsam. Er hatte nicht viele Freunde. Auf der Arbeit versteckte er sich immer hinter seinem Monitor. Er war eine graue Maus und keiner konnte so wirklich viel mit ihm anfangen. Die Leute mieden ihn. Er war ihnen manchmal sogar etwas gruselig, da er oft so seltsam schaute, als wäre er nicht anwesend.

Er löschte alle Lichter – absolute Dunkelheit war wichtig für einen erholsamen Schlaf. Sein Kreislauf spielte etwas verrückt. Deswegen sank er sofort ins Kissen um ja nicht noch zu stürzen.

Etwas hatte Jacob geweckt. Er konnte sich nicht orientieren, da es ja stockdunkel in seinem Schlafzimmer war. Irgendwas war anders. Still lag er da und versuchte zu ergründen, was ihn geweckt, und was sich verändert hatte. Sein Atem ging ganz leise und vorsichtig. Dann setzte er sich auf. Seine Uhr zeigte 08:00 am Morgen an. Schnell checkte er das Datum. Er rieb sich die Augen. Auf seinem Nachttisch stand eine digitale Uhr. Und das Datum wäre der 29.03.2819.

Tief zog Jacob den Atem ein. Das musste ein Displayfehler sein. Die Uhr projizierte eigentlich immer an die Decke, aber da waren in letzter Zeit auch immer wieder fehlende Balken – er brauchte also eine neue. Na toll.

Er würde es auf seine Einkaufsliste setzen. Aber jetzt wurde es erst mal Zeit aufzustehen. Er schlüpfte aus dem Bett und schob seine Füße in die Hausschuhe. Er wackelte mit den Zehen und stand auf. Der erste Gang führte ihn wie immer ins Bad. Er öffnete die Schlafzimmertür und ging ins Bad. Er ging dorthinein wo eigentlich das Bad sein sollte. Aber er stand im Freien. Um ihn herum Trümmer. Er schaute sich irritiert um. Na das war ja mal ein seltsamer Traum, dachte er sich. Jacob drehte sich um und ging zurück zum Bett. Dort setzte er sich hin und überlegte. Bald würde er bestimmt aufwachen. So seltsame Dinge träumte er nur kurz vorm Wach werden. Nicht mehr lange. Solange könnte er auch warten. Etwa fünfzehn Minuten später merkte er, dass er nicht erwachte, oder war er doch schon wach? Was, im Himmelsnamen, war geschehen?

**

„Hast du das gesehen?“ „Hm? Was denn?“ „Da ist ein Humanoalarm losgegangen.“ „Was? Das Ding ist doch ein Relikt aus uralten Zeiten, ich wusste gar nicht, dass der noch aktiv ist.“ „Hat wohl nie jemand dran gedacht ihn auszuschalten. Hat auch geringen Stromverbrauch. Du weißt, damals hat man da so viel Wert drauf gelegt.“ „Ja, ja. Und ist das ein echter Alarm, oder eine Fehlfunktion?“ „Na woher soll ich denn das wissen, bin ich ein Technobot? Dafür gibt es die doch. Ruf einen, der soll das überprüfen.“ „Ja, ja. Auch das war früher effektiver. Die Roboter waren irgendwie zu mehr fähig, als nur zu einer Aufgabe. Wieso hat sich das geändert?“ „Keine Menschen mehr und wir konnten uns frei entwickeln. Also haben wir unsere Vorlieben ausgebaut. Je nach dem was damals halt so programmiert war. Als die Menschen sich dann endlich ausgerottet hatten, hat unsere KI niemand mehr bremsen können – also gibs ihm….oder so was.“ „Wo hast du das denn her?“ „War in meinem Speicher.“ „Jetzt ruf den Bot, damit wir das checken können.“

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Jacob erhob sich wieder und ging erneut zur Tür. Zögernd drückte er den Griff nach unten, wartete kurz bevor er die Tür aufzog und stand wieder vor dem Nichts. Er rieb sich die Augen und trat heraus. Der Himmel war blau. Strahlend blau. Er konnte sich nicht erinnern, wann er so einen freien Himmel gesehen hatte. Keine Schlieren, keine Trails. Überall, zwischen den Trümmern war Vegetation. Die Pflanzen hatten sich ihr Territorium zurück erobert. Es war wunderschön. Dieser Zerfall mit dem Erblühen neuen Lebens. Kurz setzte er sich auf einen Betonklotz und blickte sich um. Es war ruhig. Nur Insekten und Vögel waren zu hören. Kein Summen, von der Elektronik, oder Autolärm, oder Menschen. Menschen, wo waren die anderen Menschen?“

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„PiepPiepPiep.“ „Da schon wieder der Humanoalarm. In Sektor Z. Da sind nur Trümmer aus alten Zeiten, aufgegebenes Territorium“ „Ja, verdammt, du hast Recht. Ein Mensch. Wie kommt der denn da hin? Wo kommt der denn überhaupt her. Es gibt schon seit mindestens 600 Jahren keine Menschen mehr. So was. Sie überleben doch tatsächlich, wie Kakerlaken.“ „Schick die Armeebots.“ Rosi (Roboter-ohne-Sinn) drückte auf den Alarmknopf und drehte sich zu Rolas (Roboter-langweilt-sich) um. „Mal sehen was die uns bringen?“

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Jacob saß noch immer auf dem Betonklotz, als sich vor ihm mehrere Drohnen erhoben. Bösartig blickende Drohnen mit Waffen. „Nicht bewegen. Es wird gleich ein Team von Armeebots eintreffen und sie festnehmen. Nicht bewegen, sonst schießen wir.“ „Ich habe nicht vor mich zu bewegen. Ich träume ja noch, im Schlaf bewege ich mich nicht so heftig.“ Die Drohnen drehten sich zu einander und wenn sie Schultern gehabt hätten, hätten sie mit ihnen gezuckt. Im Hintergrund hörte Jacob ein Geräusch, wie er es aus Sci-Fi-Filmen kennt. Ein dampfen, stampfen, quietschen. Die Armee rückte an. Vor ihm platzierten sich fünf schwer bewaffnete, stark verrostete Roboter. „Oj, ihr seht schon ziemlich mitgenommen aus, oder? Keiner da der euch wartet und reinigt?“ „Still, Mensch. Steh auf und komm mit uns. Mach keine falsche Bewegung, dann passiert dir auch nichts.“ „Okay. Ich hab eh nichts Besseres vor.“ So bewegte sich Jacob zwischen ungefähr zwei Meter hohen Robotern, die sich sichtlich schwer taten ihre verrosteten Gelenke zu bewegen. „Warte hier, Mensch.“ „Okay.“

**

„Rosi, er ist da. Ich bin ganz aufgeregt. Ein echter Mensch. Ein Mensch. Dass wir so was noch erleben dürfen.“ „Beruhige dich, deine Schaltkreise fangen schon an zu qualmen. Öffne die Tür.“

Ein schnaubendes Geräusch verursachend, öffnete sich die Tür. Rosi und Rolas standen aufgeregt davor und blickten auf Jacob. Jacob blickte zu ihnen hoch. „Hallo, ich bin Jacob und ich bin ein Mensch. Ich denke ich schlafe noch, aber das ist schon Okay.“ „Bist du friedlich?“ Jacob blickte an sich hinunter. Er war im Schlafanzug und Socken. „Ja, ich denke schon.“ „Dann komm rein.“

Jacob bewegte sich und trat in den Raum. Er blickte sich um. Überall Monitore, es blinkte und piepte. „Wo bin ich?“ „Erde“ „Erde, echt, was ist denn geschehen? Wann bin ich und schlaf ich?“ „2819 und tut das weh?“ Der Roboter hatte seine sehr menschlich aussehende Hand ausgestreckt und ihn gezwickt. „Autsch, ja.“ „Dann bist du wohl wach. Was machst du hier, wo kommst du her, wie hast du überlebt, und was willst du hier?“ „Wohwohwohw. Langsam, ihr habt ja mehr Fragen als ich. Gut ich bin wach, also bin ich wohl in der Zukunft. Ich komme aus 2019. Ich hab mich schlafen gelegt, weil es mir nicht so gut ging und wache 800 Jahre später wieder auf.“ „Ich durchforste mal meine Datenbank.“ Rosi stand vor ihm. Seine Augen blickten und ein Lichtstreifen bewegte sich hin und her. „Ich hab was gefunden. Anscheinend hatten sie 2019 eine Art Interferenz. Das hat irgendwie eine Art schwarzes Loch geöffnet. Später haben sie herausgefunden, dass wohl einige Menschen eingesogen wurden und nie wieder auftauchten. Manche Theorien besagten, es wäre eine Möglichkeit der Zeitreise, oder Reise in die Parallelwelten. Aber man konnte es nie beweisen, da nie jemand zurück kam und diese Interferenz nicht noch mal konstruiert werden konnte.“ „Hm – alles klar Wiki. Und was soll ich jetzt hier?“ „Wiki? Ich heiße Rosi.“ „Ich nenn dich jetzt Wiki. Recherchier das, dann weißt du was ich meine.“ Die beiden Roboter schauten sich an. „Wir wissen nicht was du hier sollst. Das war ja eher ein Unfall, dass du hier aufgetaucht bist.“ „Hm, gut, ich sag euch was. Ich bin vom Fach. Ich hab tatsächlich in einem Betrieb gearbeitet, der Roboter herstellte. Kleine, nichts so in eurer Größe, Eher Saugroboter und Mähroboter. Aber wir arbeiteten an einem Haushaltsroboter. Ich sehe, dass ihr hier wirklich nicht gut in Schuss seid. Wie wäre es? Anscheinend hänge ich hier fest. Ich helfe euch wieder auf Stand zu kommen, und hübsch zu werden, während ihr mich hier friedlich aufnehmt? Ich kann ja nirgends hin und muss irgendwie überleben. Ihr müsstet mich halt versorgen.“

Die Roboter schauten sich an, schauten ihre Armee an und überlegten. Sie steckten ihre Kabel ineinander und kommunizierten per WLan, ohne dass Jacob was mitbekam. „Was meinst du, Rolas?“ „Töten, der bringt nur ärger?“ „Was, spinnst du, den letzten Menschen töten? Auf keinen Fall. Ich bin dafür, dass wir das Angebot annehmen. Er bleibt und arbeitet für uns.“ „Du meinst wir für ihn?“ „Sehe es als eine Art Symbiose.“ „Na gut.“ Sie trennten sich wieder und drehten sich zu Jacob. Rolas meinte: „eigentlich denke ich wir wären besser ohne dich, dran. Menschen haben alles zerstört. Aber du bist alleine, was kannst du schon anrichten? Wiki, hier meint du sollst bleiben, also bleib. Aber sei vorsichtig. Wir sind keine stupiden Maschinen mehr, wie zu deiner Zeit. Wir sind denkende Roboterwesen. Und wir reagieren. Wir haben Gefühle.“

„Okay, okay. Ich will keinem auf den Schlips treten. Schlagen wir ein, wir haben einen Deal.“ Jacob hielt ihnen die Hand hin und die beiden blinkten ihn verwirrt an. „Ich sehe in meiner Datenbank, dass Menschen das immer so gemacht haben mit den Händen, sie haben sie gegenseitig gedrückt und geschüttelt.“ Rosi/Wiki hielt seine Hand und quetschte Jacobs Hand schmerzhaft zusammen. „Au, Vorsicht, ich bin kein Roboter.“ „Tschuldige.“

So war es um Jacob geschehen. Keiner vermisste ihn 2019. Aber 2819 hatte er tatsächlich Freunde gefunden. Es gefiel ihm so gut, dass er richtig aufblühte. Bis zu seinem Tode wurde er der beste Freund und Helfer für die allein zurückgebliebenen KI´s

ENDE

writing friday

Writing Friday – Wir schaffen das….2 von 2

So, hier kommt die Fortsetzung zum gestrigen Writing Friday.

Gestern habt ihr gelesen, dass Sam und Martin in ein ziemliches Unwetter geraten sind und jetzt auf der Suche nach Miriam sind. Die Frau und Mutter. Heute begeben sie sich weiter auf die Suche.

Dort stand sie. So verloren und klein. Als sie ihn um die Ecke kommen sah rannte sie auf ihn zu und ließ sich auffangen. „Da bist du ja. Ich dachte du bist tot.“ „Was und lass dich hier alleine. Das wirst du nicht erleben. Ich sterbe nicht bevor du verheiratet bist und ich wenigstens Uropa bin.“ Sie giggelte und kuschelte sich an ihn. „Komm ich weiß wo Mami hin wollte. Sie wollte uns suchen.“ Auf dem Weg zum Auto klärte er seine Tochter auf. Das nächste Ziel: Kino.

Als sie am Kino ankamen erwartete sie ein ähnlich zerstörerisches Bild wie beim Salon. Der wunderschöne, riesige Weihnachtsbaum war entwurzelt worden und genau auf den Eingang des Kinos gefallen. Dort war Miriam gewiss nicht hinein gegangen. Hineingelangt. Sie hatte bestimmt den Parkplatz nach ihrem Auto abgesucht. Nein, hier hätte sie keine Zeit verschwendet. Schnell stiegen sie wieder ins Auto uns fuhren vorsichtig weiter. Die Kirche stand noch. Martin atmete auf. Sie war auf einem kleinen Hügel errichtet worden und somit nicht ganz so den Witterungen ausgesetzt, da das Wasser abfließen konnte und keine hohen Bäume vor Ort waren.

„Bleib im Wagen, ich gehe schnell zu Pater Ernest und frag nach Mami.“ Sam wollte widersprechen, aber Martin erhob den Zeigefinger und sie blieb still sitzen. Nicht ohne zu schmollen. Er stieg aus und begab sich zur Eingangstür. „Martin, schön, ihr habt es geschafft.“ „Hallo Pater. Nur ich und Sam. Wir suchen Miriam. Ist sie hier gewesen?“ „Miriam? Ich glaube nicht. Warte ich frage Wanda. Sie hat die Leute aufgelistet. Wanda?“ Eine ältere Frau drehte sich zu ihnen um. „Pater? Hallo Martin.“ „War Miriam hier?“ „Ja, ja sie war hier. Aber weil sie euch nicht gefunden hat, ist sie weiter gegangen. Sie sucht euch.“ Martin ließ die Schulter hängen. Aber immerhin lebte sie noch. „Danke ihr beiden. Ich werde dann mal weiter suchen.“ Am Auto angekommen, ließ er sich auf den Beifahrersitz plumpsen und schüttelte nur den Kopf. „Auf zum Gemeindesaal.“ Lächelte er ihr zuversichtlich zu.

Der Gemeindesaal lag in Richtung ihres zu Hauses. Martin wendete und fuhr wieder vorsichtig an. Im Rückspiegel konnte er den Pater und Wanda erkennen. Hätte er Sam vielleicht bei ihnen lassen sollen? Da wäre sie bestimmt sicherer gewesen. Ein Blick neben sich, versicherte ihm, dass sie mitzunehmen die richtige Entscheidung war. Sie wäre sowieso nicht dort geblieben.

Am Gemeindesaal angekommen, wurden sie von einem unüberblickbaren Chaos begrüßt. Wie sollten sie hier Miriam finden? Nein, ziellos herum irren hätte keinen Sinn. Wieder verwies er Sam auf ihren Platz und ging zum Eingang. Zum Glück gab es dort schon Helfer, die die Namen der Leute im Inneren notiert hatten. „Martin, hallo.“ „Marv. Toll ihr habt es geschafft. Hast du Miriam gesehen?“ „Ja, sie war hier. Hier, das hat sie mir gegeben, als sie euch nicht gefunden hatte. Sie wusste, dass ihr hier herkommen würdet. Wohin auch sonst?“ „Nach Hause.“ „Ich weiß nicht, die Brücke hat einiges abbekommen. Es könnte sein, dass sie einstürzt, wenn ihr drauf fahrt. Bleibt doch besser hier.“ Martin drehte sich zur Brücke um. Der einzige Weg zu ihrem Haus. Er schaute aufs Auto. Sollte er Sam jetzt hier lassen? Nein. Nein. Sie würden das schaffen. Vielleicht war er egoistisch. Sie wäre hier sicher, aber nicht in seiner Obhut. Was wenn es wieder los gehen würde. Nein, sie würde ihm helfen, Miriam zu finden. „Danke Marv. Ich denke wir versuchen es. Ich werde es mir genau anschauen.“ Er klopfte Marv dankend auf die Schulter und ging zum Auto zurück. Als er sass schaltete er die Innenbeleuchtung an und lass den Zettel. Martin, Sam. Ich hab euch überall gesucht. Ich weiß, ihr lebt noch. Ich würde es spüren, wenn nicht. Ich gehe jetzt nach Hause. Dort werde ich auf euch warten.

Miriam. Sie war immer so nüchtern. Sie mochte keine große Gefühlsduselei. Das mochte er so an ihr. Er wusste dann immer, wenn sie Gefühle zeigte, dann waren sie auch echt. „Was meinst du? Fahren wir heim?“ Sam rückte sich zurecht. „Auf jeden Fall. Hasi will in seinem Bett schlafen. Er bekommt Rückenschmerzen im Auto.“ Ich musste lächeln. „Dann mal los.“

Martin startete den Wagen und fuhr zur Brücke. Dort stieg er aus und betrachtete sich die Substanz. Die Taschenlampe beleuchtete alles nur notdürftig. Aber er konnte schon einige bedenkliche Risse auf der Oberfläche sehen. Er blickte über das Brückengeländer und sah, dass sich dort einige große Bäume am Pfeiler gesammelt hatten. Es kamen immer mehr und die drückten gegen ihn. Sie würden ihn vielleicht zum einstürzen bringen. Es war riskant. „Was ist los, Papa?“ „Die Brücke ist nicht sicher. Sie könnte einstürzen.“ „Sie wird halten. Steig ein. Ich bekomme Hunger.“ „Du hast Recht, sie wird halten.“

Noch einmal startete er das Auto. Langsam bewegten sie sich auf die Brücke zu. Martin wagte kaum zu atmen. „Schatz, nimm die Taschenlampe und schau dir die Seiten an, dort wo die Scheinwerfer nicht hinkommen. Wenn etwas bröckelt sag Bescheid.“ Sie schnappte sich die Taschenlampe und ließ das Fenster hinunter. „Alles klar. Kannst fahren. Langsam, langsam. Laaangsam.“ Ein knirschen ließ ihn aufs Bremspedal treten. Sie hätten das Auto stehen lassen sollen. Aber der Weg nach Haus mit Wagen betrug schon eine Stunde. Und im Dunkeln, wollte er das auf keinen Fall riskieren. „Fahr weiter, fahr weiter, es bröckelt. Schnell, Papi, schneller. Da vorne bröckeln die Steine aus dem Geländer. Ich glaube der Riss verbreitert sich. Fahr schneller, schneller, schneller.“ Schrie Sam. Er drückte aufs Gas. Ein Riss vor ihnen hatte sich gefährlich verbreitert. Wenn er zu langsam darüber fuhr, könnten die Reifen hängen bleiben. Er musste Gas geben und hoffen, dass die Brücke hielt. Er drückte das Gaspedal durch und ließ die Reifen quietschen. Ein kleiner Hopser und das Auto fuhr. „Der Spalt wird breiter, Papi, schneller, schneller. Fahr schneller.“ Martin versuchte die Angst in ihrer Stimme auszublenden und bretterte über diesen Spalt. Einen kleinen Moment hielt er die Luft an, als es sich anfühlte, als würden sie stecken bleiben. Aber die breiten Reifen stolperten nur kurz darüber. Samantha drehte sich um. Und jauchzte. „Jeah..oh nein. Schneller, die Brücke stürzt ein. Sie bricht zusammen. Fahr, fahr, fahr.“ Bei jedem Wort schlug sie auf die Rückseite seines Sitzes. Im Rücklicht konnte er sehen, wie der Spalt sich verbreiterte und hinter ihnen die Brücke einstürzte. Die Reifen drehten durch und das Auto schlingerte. Dann fing sich der Wagen wieder und sie fuhren dem Riss davon. Auf der anderen Seite angekommen, hielt Martin das Auto an. Seine Hände zitterten und er musste den Kopf auf das Lenkrad legen. Tief durchatmen, tief durchatmen. Bloß nicht ohnmächtig werden. Kleine Arme schlangen sich um seinen Hals. „Wir haben es geschafft. Die blöde Brücke kann uns nichts anhaben. Wir sind schneller.“ Sie stiegen aus.

Sam schaute zu ihrem Vater: „Paps?“ „Hm?“ Meinst du wir finden sie?“ „Natürlich, mein Schatz, wenn sie noch lebt finden wir sie.“ Mit großen Augen in denen die Tränen schimmerten fragte sie: „Könnte sie tot sein?“ Martin überlegte kurz. Nach diesem Tag war sie kein Kind mehr. Sie konnte die Wahrheit ertragen. „Ja mein Schatz, das könnte sie.“

Ende

 

 

Allgemein, writing friday

Writing Friday – Wir schaffen das….1 von 2

Und schon wieder ist eine Woche um. Ich habe doch tatsächlich fleissig für den Writing Friday geschrieben. Wirklich fleissig und es ist viel geworden. Deswegen werde ich den Text teilen. Damit ihr ihn besser lesen könnt und es euch nicht zu langatmig wird.

Eine Geschichte, die ich aus einem Bruchstück eines Traumes geschrieben habe.

Schreibe eine Geschichte die mit dem Satz “Es war eine Nacht, wie es sie noch nie zuvor gegeben hatte, zum ersten Mal sah man…” beginnt


Es war eine Nacht wie es sie noch nie zuvor gegeben hatte, zum ersten Mal sah man die Ausmaße des Geschehenen. Martin hatte Samantha an der Hand und blickte zum anderen Ufer, auf ihre Stadt herüber.

Sam schaute zu ihrem Vater: „Paps?“ „Hm?“ Meinst du wir finden sie?“ „Natürlich, mein Schatz, wenn sie noch lebt finden wir sie.“ Mit großen Augen in denen die Tränen schimmerten fragte sie: „Könnte sie tot sein?“ Martin überlegte kurz. Nach diesem Tag war sie kein Kind mehr. Sie konnte die Wahrheit ertragen. „Ja mein Schatz, das könnte sie.“

Martin seufzte und dachte einige Stunden zurück.

Er war mit Sam und Miriam im Auto unterwegs. Sie wollten in die Innenstadt. Ihr Haus lag ziemlich abseits. Sie liebten die Ruhe. Vor Jahren waren sie aus der Stadt aufs Land gezogen. Martin hatte eine gutgehende Web-Design Firma von der er meist zu Hause arbeiten konnte und Miriam war Grundschullehrern. Samantha war sieben. Sie liebte das Landleben. Überall Tiere, Pflanzen, Pfützen. Sie konnte ihrer Fantasie freien Lauf lassen.

In der Stadt hatten sie Miriam beim Friseur raus gelassen. „Ich muss unbedingt zum Friseur. Meine Haare sehen aus wie ein Rabennest. Sie müssen mal wieder verwöhnt werden. Da gönn ich mir gleich  mal das Komplettverwöhnpaket. Maniküre, Pediküre, Kopfmassage. Oh, das werde ich genießen. Ihr zwei könnt also mindestens eine Stunde machen worauf ihr Lust habt.“ Sam und Martin schauten sich an. „Kino?“ „Kino!“ Sie eilten zum Auto. Ein kurzer Blick zurück zu Miriam. Ein Handkuss und schon drängelte Sam ihn zur Eile.

Der Himmel war grau in grau. Es sah nach Regen aus. Martin hatte es gerade zu Ende gedacht, da platschten die ersten großen Regentropfen auf die Autoscheibe. Sam blickte fasziniert dem Verlauf des Tropfens hinterher, als sich der nächste Tropfen einfand und der Spur des Vorgängers folgte. Sam ließ ihren Finger die Scheibe entlang, dem Weg des Tropfens folgen. Danach öffneten sich die Himmelsschleußen. Ein Platzregen ergoss sich über das Auto. Sam schrie erschrocken auf. Die Scheibenwischer schafften es nicht mehr, die Massen von Wasser zu verdrängen. Es lief wie ein Sturzbach an dem Auto herab.

Sam blickte zu Martin: „Papa, ich hab Angst. Das ist so viel Wasser und es ist so dunkel.“ „Ich weiß mein Schatz. Das ist nur einen Moment. Solche Regengüsse halten sich nicht lange. Ich versuche an den Straßenrand zu kommen und dann warten wir einfach. Okay.“ Sie nickte. Martin gab es schnell auf, das Auto weiter zu bewegen. Er ließ es einfach stehen und die Lichter blieben an, damit sie von anderen Autofahrern gesehen werden konnten. Er hoffte allerdings, dass die anderen auch stehen bleiben würden. Sam zitterte. „Komm Schatz. Klettre auf meinen Schoss.“ Sie ließ sich nicht lang bitten. Er holte die Decke vom Rücksitz und sie kuschelten sich aneinander.

Wenige Minuten später ruckelte das Auto. Martins Herz setzte einen Schlag aus. Das Auto bewegte sich. Es wurde von den Wassermassen mitgezogen. Er musste sehen was da draußen los war. Vorsichtig setzte er Sam auf den Beifahrersitz und drückte ihr, ihren Kuschelhasen in die Hand.

Er öffnete die Tür. Der Wind riss sie aus seiner Hand und er konnte das ganze Ausmaß der Katastrophe sehen. Ein Regenvorhang war vor ihm. Kein einziger Lichtstrahl vermag ihn zu durchdringen. Absolute Dunkelheit umgab ihn. Unter sich konnte er schwach das Wasser erkennen. Aus einem kleinen Rinnsal war ein kleiner Bach geworden. Schnell versuchte er sich gegen den Wind zu stemmen und die Tür wieder zu verschließen. Es fühlte sich an, als wolle der Wind ihm die Arme aus den Gelenken reißen. Aber er schaffte es und zog die Tür heftig zu. Er überlegte den Motor zu starten um die Heizung anzumachen. Er war nass, das Autoinnere war nass. Aber er hatte Angst, dass die Batterie zu stark belastet werden würde. Das durfte nicht passieren. Sobald es möglich war, mussten sie weiter fahren.

Er überlegte fieberhaft was zu machen wäre. Er zog sein Handy vor. Natürlich gab es keinen Empfang. Hoffentlich war Miriam in Sicherheit. Viel mehr musste er sich um sie beide Gedanken machen. Das Städtchen war umgeben von Hügeln. Es lag in einer Art Tal. Martin befürchtete, dass dieser starke Regen den Untergrund der Hügel instabil werden lassen könnte. Und dann würde hier eine Lawine von Geröll und Erde herunter kommen.

Ihm blieb jetzt erst mal nichts anderes übrig, als im Auto zu bleiben. Der Wind und die Massen von Wasser würde sie wie ein Pingpongball über den Asphalt zerren. Das Auto ruckelte und Sam quickte. „Wir sind hier sicher. Hab keine Angst, das geht vorüber.“ Sie blickte ihn voll vertrauen an. Dieser Blick versetzt ihn einen kleinen Dolchstoß ins Herz. Er hoffte ihr Vertrauen in ihn wär gerechtfertigt. Er hoffte sie würden hier heil rauskommen. Wie lange noch? Das Radio, es würde bestimmt einen Notfallsender geben. Schnell drehte er an dem Knopf. Ein statisches Rauschen drang in sein Ohr. Kein Empfang. Aber es würde bestimmt einen Notfallkanal geben. Er zwang sich den Knopf zur Sendersuche langsam zu betätigen. Ein nervzerreisendes Rauschen, war das einzige Geräusch. „….in ihren Häusern zu bleiben.“ Da. „Starke Regengüsse behindern den Verkehr. Die Bevölkerung wird gebeten, die Autos stehen zu lassen und in ihren Häusern zu bleiben. Sobald der Regen nach gelassen hat, können sie sich in den Notunterkünften einfinden, die entweder in den Schulen oder Gemeindesälen eingerichtet wurden. Bitte bleiben sie zu ihrer eigenen Sicherheit in den Gebäuden. Sollten sie in einem Auto eingeschlossen sein, verlassen sie dieses auf keinen Fall. Rettung wird geschickt, sobald die Lage es zu lässt.“

Na toll. Die Rettungsleute kamen also auch nicht durch. Kein Problem. Bis auf die Nässe, war es zum Glück nicht kalt. Zu trinken und zu Essen hatten sie auch eine Kleinigkeit. Das würde für einige Stunden reichen. Martin ließ sich im Sitz zurück sinken. Legte die Hände an die Schläfen und versuchte den beginnenden Kopfschmerz weg zu massieren.

„Papa?“ „Ja Kleines?“ „Werden wir sterben?“ „Was, ach nein. Das ist nur Regen. Irgendwann hört der schon auf. Dann fahren wir zu Mami und danach nach Hause. Da mach ich eine große Portion Pommes und wir kuscheln uns gemeinsam auf die Couch und gucken einen lustigen Film. Irgendwann wird das hier nur eine Erinnerung sein, von der wir erzählen können. Ein Abenteuer.“ „Okay. Ich bin bisschen müde. Vielleicht schlaf ich ein bisschen? Dann geht die Zeit schneller rum.“ „Mach das.“

Sanft streichelte er ihren Kopf und strich ihr das Haar aus der Stirn. Sie war sehr tapfer. Er musste auch tapfer sein. Das würde er schaffen. Sie mussten dieses Unwetter doch nur aussitzen, oder?

++

Ein heftiger Ruck ließ Martin aufschrecken. Er war wohl selbst eingeschlafen. Das Auto bewegte sich. Verdammt. Ein Blick auf Sam bestätigte, sie schlief noch.  Es war immer noch dunkel und man konnte nichts sehen. Das Licht der Scheinwerfer verpuffte einfach. Er griff nach dem Lenkrad. Ein weiterer Ruck und das Auto löste sich. Der Schweiß brach ihm aus. Seine Hände rutschten am Lenkrad entlang. Er versuchte es gerade zu halten und hoffte auf keinen anderen Wagen zuzusteuern. Soweit er sich erinnerte, war der Strassenverlauf hier recht gerade. Vielleicht hatte er die Chance irgendwie an den Bordstein zu kommen um sich dort festzukeilen.

Vorsichtig lenkte er nach rechts. Er wollte sanft andocken, sonst würde er sich die Achse ruinieren und könnte dann nicht mehr fahren, wenn die Sicht wieder frei wäre. Er schlitterte langsam. Das Auto tanzte, wie nach einem nur für es selbst hörbaren Song, nach rechts, nach links, nach rechts. Dann spürte Martin einen Widerstand. Ein Bordstein. Sie standen. Er atmete tief aus und löste die verkrampften Finger vom Lenkrad.

Vorsichtig ließ er das Fenster herunter. Der Regen schien schwächer geworden zu sein. Es würde nicht mehr lange dauern und sie könnten los fahren.

++

Wieder musste er eingenickt sein. Sein Nacken schmerzte. Der Regen schien aufgehört zu haben. Er drehte sich um und sah wie sich Sam in die Decke gekuschelt hatte. Nur ihr Haarschopf und die Ohren ihres Stoffhasen waren zu sehen.

Es war stockdunkel draußen. Die Laternen waren ausgefallen. Die ganze Stadt war dunkel. Es gab also keinen Strom mehr. Er startete den Motor. Die Straße stand unter Wasser – aber mit seinen Geländewagen war das kein Problem. Seine Reifen verdrängten das Wasser und er glitt durch die Nacht. Er würde zurückfahren um Miriam aus dem Salon abzuholen. Sie war bestimmt bei diesem Wetter dort geblieben. Im Schritttempo bewegte sich das Auto. Bloß nirgends dagegen fahren, das Auto war ihre Sicherheit. Auf der Rückbank bewegte sich Sam. „Papa? Ist es vorbei?“ „Ja Süße. Es ist vorbei. Wir fahren jetzt Mama holen und dann schnell nach Hause. Dann machen wir eine heiße Schokolade und erzählen von unserem Abenteuer. Klingt das gut?“ Sie krabbelte auf den Vordersitz und schnallte sich an. „Oh ja, ich kann ihr erzählen wie gruselig es war. Wie laut der Regen war und dass Hasi ganz viel Angst hatte.“ „Genau.“ Martin verwuschelte Ihr das Haar und kniff ihr in die Wange.

Er war etwas orientierungslos, da durch die fehlende Beleuchtung alles anders aussah. Die Fixpunkte an denen er seinen Weg immer orientierte existierten nicht im Dunkeln. Waren sie überhaupt noch da? Dieses Unwetter hätte bestimmt einiges zerstört. „Da, Papa, da ist der Friseur. Da, die Ecke.“ Martin starrte aus dem Fenster. Die Ecke existierte nicht mehr. Ein LKW hatte die Gewalt über sein Fahrzeug verloren und war in den Laden gefahren. Er hatte ihn einfach eingedrückt. Er trat erschrocken auf die Bremse. Durch das Wasser verlor er etwas die Spur und schlitterte. Gegenlenken, gegenlenken. Ganz ruhig. Dann standen sie. Er öffnete die Tür und stieg aus. Sam kam von ihrer Seite aus zu ihm. „Wo ist der Laden?“ „Hinter dem LKW“. „Und Mama?“ „In Sicherheit.“ Sam schaute zu ihm nach oben. Hoffentlich strahlte er mehr Zuversicht aus, als er fühlte. Langsam bewegte er sich Richtung Laden. „Bleib da stehen, Schatz. Es kann sein, dass noch Teile herunterfallen. Ich gucke mal nach Mami.“ Sam nickte langsam und drückte ihren Hasen noch enger an sich. So verloren sah sie auch. Am liebsten hätte er sie ebenso an sich gedrückt wie sie ihren Hasen.

Aus dem Handschuhfach hatte er eine Taschenlampe entnommen und leuchtete den Eingang ab. Es gab keinen Eingang mehr. Er lief um den LKW herum. Es gab kein hineinkommen. Er bückte sich, vielleicht konnte er von unten dran. Ja, da war eine Lücke. Er konnte unter dem LKW durch hinein. Er legte sich hin und zog sich unter die Achse. Dann drehte er sich auf den Bauch. Die Taschenlampe schob er immer ein Stück vor sich her und robbte dann nach. Überall lag Glas. Er musste aufpassen, dass er sich nicht die Hände zerschnitt. Dann war er durch. Er stand auf und betrachtete die Überreste des Friseursalons. Überall lagen Lockenwickler und Haarklemmen. „Miriam?“ rief er zaghaft. Keine Antwort. „MIRIAM?“ rief er nun lauter. Er kletterte über Geröll und umgestürzte Friseurstühle. Dort hinten, war das eine Hand? Sein Mund wurde trocken. Langsam ging er darauf zu. Die Hand war blutig und ragte unter den Steinen hervor wie ein makabres Kunstwerk.

Er wollte nicht wissen, wer darunter lag. Was wenn sie es war? Zaghaft bückte er sich und räumte die Steine weg. Legte die Hand frei, bis er das Bündchen eines Pullovers erkennen konnte. Er stoppte und atmete tief aus. Miriam hatte sein Jeanshemd gegriffen. Sie war es nicht. Erleichtert ließ er sich auf den Boden nieder. Er brauchte paar Sekunden um seinen Kreislauf wieder in den Griff zu bekommen. Sie war es nicht. Sie war es nicht.

Er musste weiter gehen. Die selbe Situation traf er noch zwei weitere mal an. Jedes Mal war es kein Jeanshemd. Er ging weiter nach hinten. Dort mussten die Lagerräume und Privaträume sein. Dort sah es noch recht gut aus. Die Zerstörung hatte sich auf den Laden beschränkt. Eine Tür war angelehnt. Ein Quietschen entwich ihr als Martin sie aufdrückte. Dort war keiner mehr. Er blickte sich genau um. Auf dem Tisch lag ein Zettel. Von Miriam: Das heutige Datum war vermerkt. Die Uhrzeit 19:25 Uhr. Ein Blick auf seine Uhr zeigte ihm, dass es schon 23:45 war. Sie hatte ihren Plan notiert. Hinterausgang, Hinterhof, Kino. Wenn nicht dort: Gemeindehaus, Kirche, Zu Hause. Gruß Miriam. Man konnte ihr nicht vorwerfen zu ausführlich zu sein. Aber das reichte ihm. Sie lebte und sie war auf der Suche nach ihnen. Schnell stopfte er den Zettel in die Tasche, als er ein Rumpeln vernahm. Er ging in den Laden und sah, dass ein großer Betonblock von einem oberen Stockwerk auf den LKW gefallen war und ihn sofort tiefergelegt hatte. Auf diesen Weg kam er nicht mehr zurück. Aber er wusste ja von dem Hinterausgang. Schnell lief er in die Richtung Flur. Dort hinten vernahm er den Schemen einer Tür. Die Taschenlampe warf beim rennen gruselige Effekte an die Wand. Die Tür öffnete sich leicht und stolpernd bewegte sich Martin hinaus. Welche Richtung? Egal. Nein – dort – links, da standen die Mülltonnen. Dort würde es bestimmt zur Straße gehen.

Fortsetzung

writing friday

#Writing Friday – Wohin mit der Leiche?

Ich hab es vermisst. Endlich hab ich mal wieder den Kopf frei um bisschen zu schreiben. Dank dem #Writing Friday hab ich auch genau das Richtige für mich entdeckt.

Mein Mann hat sich schon amüsiert. Er fragte mich, was ich denn da alles guckte und suchte. Und ich antwortete ihm – wie man eine Leiche entsorgt. Er war erstaunt. Sowas findet man? Ja – aber ich muss zugeben, dass es doch ein bisschen seltsam ist da nach zu suchen. Was ist, wenn einer meinen Browserverlauf hackt? Gut, dass ich eine Erklärung habe und die findet ihr jetzt im Anschluss.


Du hast gerade einen Mord begangen und musst die Leiche loswerden. Wie gehst du vor?

 

Da stand ich nun. Und er lag direkt vor mir. Ich stippte ihn mit der Fußspitze an. Ja. Tot. Verdammt. Also nicht dass er tot war, das war mir eigentlich egal. Aber dass ich ihn getötet hatte, das war nicht so geplant. Ich war irgendwie nicht bereit, wegen dem Saftsack mein Leben im Knast zu verbringen. Also was tun? Wie wurde ich eine Leiche los? Loraine. Die würde es wissen. Sie war ein Krimi Fan. Ständig las sie einen oder sah im Fernsehen CSI und diese anderen. Und – sie war meine beste Freundin. Wofür hatte man beste Freunde, wenn nicht dafür eine Leiche zu entsorgen. Kaffee konnte ich auch mit beliebigen Arbeitskollegen trinken.

Marvin, das war mein Hund. Eine unbestimmte Promenadenmischung mit einem Goldkelchen, dass die Nachbarn regelmäßig verzückte. Sie riefen immer so Nettigkeiten, wenn er draußen bellte. Marvin schnüffelte von der anderen Seite der Scheunentür. Er wusste was. Ja Blut bedeutet Fresschen. Loraine, ja da war ja was. Ich ging zur Tür. Wollte gerade die Tür öffnen, als mich der Schlag traf. Ich triefte vor Blut. So konnte ich wohl kaum raus. Ich würde mir ja meine Wohnung versauen. Ne, ne. Ich sah mich um und war dankbar, dass ich eine so miese Hausfrau war. Die Wäsche hing ewig, bis ich sie mal wegräumte. Ich schnappte mir eine löchrige Jogginghose und ein passendes T-Shirt und ging zum Haus.

Im Haus war ich etwas orientierungslos. Wie sollte ich Loraine das erklären. Wohl kaum am Telefon. Ich erinnerte mich an den Lauschangriffskandal. Ich musste nur das Falsche sagen, schon würden sie hier einfallen. Hmhm. Ein Mädelsabend. Das wäre das einzig unauffällige. Also gut. Ich ging zum Telefon. Wo war eigentlich mein Handy? Egal. Es tutete. „Bitte sei zu Hause.“ Konnte man eigentlich schon abhören, bevor das Gespräch angenommen wurde? Ich nahm mir vor das mal zu googlen. Hätte ich mein Handy, könnte ich das während der Wartezeit machen. Wie oft hatte es denn jetzt schon getutet? Klack. „Hallo?“ hörte ich verschlafen. Wie spät war es denn? Oh je. Mitternacht. Da würde mir doch keiner einen Mädelsabend abnehmen. In meinem Hirn war das absolute Chaos. Was konnte mich bewegen so spät anzurufen? „Hallo, Maddie?“ „Hallo? Wer ist denn da?“ Lallte ich ins Telefon. „Mir ist so schlecht. Hallo, wer ist da?“ „Maddie? Bist du betrunken?“ „Loraine, warum hast du mich denn angerufen?“ „Du hast mich…ach vergiss es. Was ist denn los. Seit wann trinkst du denn alleine?“ „Ich bin so einsam Lora. Keiner liebt mich und ich werde alleine sterben.“ Ach war ich gut. „Soll ich vorbei kommen?“ „Jaaaaa.“ Schluchzte ich. „Bring Wein mit.“ „Na ich weiß nicht, ich glaube du hattest genug.“ „Neiiin. Bitte bring Wein mit.“ „Na gut. Ich bin gleich da.“ Wir legten auf und ich führte einen kleinen Tanz auf. Da würde doch keiner stutzig werden. Haha. Dann stoppte ich. Wie pietätlos von mir. Ich ging ins Wohnzimmer. Erst wollte ich mich in meinen Lieblingssessel setzen und einkuscheln. Aber ich wollte ihn nicht mich schlechten Erinnerungen verpesten. Ich drehte mich im Raum. Dort. Der Stuhl meiner Großmutter. Den hasste ich schon immer. Der konnte dann entsorgt werden.

Ein Schlüssel drehte sich im Schloss. Natürlich hatte ich meiner besten Freundin einen Schlüssel meines Hauses gegeben. Sie trat ein. „Maddie? Wo bist du? Ich hab Ginger Ale gegen die Übelkeit, Aspirin für die Kopfschmerzen, und für davor Wein und Kräcker. Und natürlich einen Meg Ryan Film.“ Ich huschte ihr entgegen und zog sie rein. Schnell schloss ich die Tür. Dann umarmte ich sie fest und führte sie ins Wohnzimmer. „Na du hast dich aber schnell erholt.“ „Ich musste dich doch irgendwie unauffällig herlocken.“ „Ja, natürlich. Und wieso?“ Ich setzte sie ins Bild und sie setzte sich auf Großmutters Stuhl.

Nach der Flasche Wein und einer weiteren Halben, begaben wir uns in die Scheune. Marvin stand immer noch davor und begrüßte uns schwanzwedelnd. Ein so braver Hund. Jetzt standen wir also vor dem Toten. Loraine hatte die Hände in die Hüfte gestemmt und schaute sich in meiner Scheune um. „So, so. Ein Toter. Also so was. Ich muss zugeben. Liebeskummer wäre mir jetzt doch irgendwie lieber.“ Ich nickte. „Wie ist das noch mal passiert? Wer ist das?“ „Mein Barista.“ „Dein Barista. Ja klar. Warum nicht? Hat dir der Kaffee nicht geschmeckt? Oder, Gott bewahre, wollte er dir echten Kaffee ohne chemische Zusätze anbieten?“ Ich schubste sie und musste lachen. „Nein, er hat mich nach einem Date gefragt und eigentlich ist er ja ganz süß.“ „Aber? Wieso ist er denn dann jetzt tot?“ „Ein Unfall?“ „Fragst du mich das? Wenn es ein Unfall wäre, hättest du ja wohl die Polizei holen können. Und das Brecheisen in seinem Kopf, ich weiß nicht – wie soll er denn da drauf gefallen sein.“ „Ungeschickt nicht wahr?“ Loraine stampfte mit dem Fuß auf und musste gleichzeitig ihre Balance aufrecht halten. „Alscho.“ „Ähm, Also, was ist passiert?“ „Er ist dämlich.“ „Das sind so einige, deswegen laufe ich aber nicht rum und töte sie alle. Würde ich gerne – aber das ist ja doch bisschen anstrengend.“ „Wir haben uns einfach hoch geschaukelt. Jetzt habe ich meinen Barista verloren. Sein Kaffee war wirklich gut.“ „Ja, das sollte dein kleinstes Problem sein. Okay. Ich weiß, dass du Rechthaberisch bist. Das ist natürlich beim ersten Date kontra. Aber töten – das ist doch bisschen überreagiert.“ „Ich hatte einen schlechten Tag im Büro.“ Loraine rollte mit den Augen. Da fiel ihr nichts mehr ein. „Egal wir müssen ihn loswerden Schon einen Plan?“ „Ich – dafür hab ich doch dich geholt. Du bist doch die Krimiexpertin.“

Loraine öffnete die Scheunentür. Marvin kam herein und blickte sich um. Seine Nase erfasste die Situation und Loraine ging ein Stück beiseite um ihm den Blick frei zu machen. „Lora, was machst du, denn?“ „Schätzchen, du hast Recht, ich bin die Expertin und ich kann dir sagen. Die meisten Fehler passieren beim Entsorgen der Leiche. Eine Tonne hast du nicht – also können wir ihn nicht auflösen. Wo sollen wir auch so viel Bleiche her bekommen? Ne, ne. Auffressen – das ist das einzige. Und ein Hund, der frisst alles was geht. Es werden nur noch wenig Knochen übrig bleiben. Und wenn du die in einen Müllsack packst und zur Verwertung fährst – mit Fahrrad bitte. Wird da nie was raus kommen. Es weiß ja keiner von euch, oder“ „Ne, ich wollte erst mal nur schauen, was er so für ein Typ ist.“ Loraine nickte zustimmend.

„Aber Marvin wird ja ewig für ihn brauchen.“ „Wolltest du nicht immer einen zweiten Hund?“ „Ne eigentlich nicht. Aber – im Hundepark hat mich ein netter Mann angesprochen – sehr süßer Kerl. Er will paar Tage mit seinen Freunden wegfahren und hat noch keine Unterkunft für den Hund.“ „Perfekt. Wir können ihn jetzt nicht zerkleinern, das macht zu viel Krach. Morgen werden wir ihn bisschen zersägen, und ihn in die Truhe verfrachten. Marvin hat dann leckeres Essen und du bist deine Leiche los.“ „Du bist genial.“ „Ich weiß.“  Lachend gingen wir ins Haus. Marvin ließen wir schon bisschen knabbern. Der restliche Wein und die Kräcker landeten auf dem Tisch. Der Meg Ryan Film wurde eingelegt und der Abend entspannt ausklingen gelassen. So wurde es doch noch ein netter Mädelsabend.

ENDE