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10 aus 15 | Etüdensommerpausenintermezzo

Die Etüden gehen in die Sommerpause – aber sie werden gut vertreten durch das Etüdensommerpausenintermezzo.

Hier die Wortliste

Die Wörter, die es auf die Liste geschafft haben, lauten in alphabetischer Reihenfolge:

Ablenkungsmanöver
Baggersee
Biedermeierschränkchen
Federkleid
Firlefanz
Fischkonservenfabrik
Fußfessel
Kirchturmspitze
Liebe
Luxusproblem
Ohrring
Räumungsklage
Sachertorte
Tanztee
Unterwasserkönig

 

10 von 15 Worten in einen Text einbauen, egal wie lang und auch sonst frei Schnauze. Nur zwei Bedingungen gibt es:

1. Ihr sucht euch aus der folgenden Liste (mindestens) 10 Wörteraus (mehr geht immer), und baut die ein.
2. Ihr integriert eine Gedichtzeile (und/)oder eine Textzeile aus einem Lied in euren Text. Bitte bedenkt, dass das Urheberrecht verbietet, aktuelle Texte/Gedichte in voller Länge zu zitieren, daher beschränke ich den Aufruf auf maximal eine Zeile….Oder aber nehmt ein Gedicht, dessen Urheber länger als 70 Jahre tot ist…


Schon immer wollte sie ein Federkleid besitzen. Aber ihr Vater hielt das für Firlefanz. Ein Mädchen aus einer Arbeiterfamilie, würde so einen Mumpitz nicht brauchen – nur einen guten Ehemann und Arbeit. Er war schon froh, dass er für diesen Monat die Räumungsklage abwenden konnte, da kam sie mit solchen Wünschen. Ein Fummel für reiche Dirnen. So etwas würde seine Tochter niemals tragen. Eher würde er ihr eine Fußfessel mit langer Kette verpassen, bevor sie so aufgedonnert das Haus verlassen würde. Arnika war verzweifelt. Sie sah ihr Leben an sich vorbei rauschen. Ihre Zukunft lag in der Fischkonservenfabrik. Ihre gesamte Familie arbeitete dort und sie sollte die nächsten Tage auch dort anfangen. Vielleicht könnte sie ja dort Karriere machen? Oder vielleicht würde ja auch der  Fabriksohn auf sie aufmerksam werden und sie da herausholen? Das konnte doch nicht ihre Zukunft sein, oder doch? Warum nicht? Das war das Leben so vieler Menschen, die jeden Monat Rechnungen zahlen mussten. Alles wurde immer teurer.

Sie sah traurig in ihrem Biedermeierschränkchen, ein Erbe ihrer Großmutter. An dessen innere Tür hatte sie das gewünschte Kleid gehängt. Sie wusste, dass sie es nie besitzen würde. Eigentlich wollte sie es auch nicht – sie wollte nur ihren Vater etwas provozieren.  Arnika drehte sich zum Fenster und blickte auf die Kirchturmspitze. Während sie herausschaute, dachte sie an den Tag am Baggersee. Sie liebte das Wasser. Wenn sie tief tauchte kamen ihr alle Dinge, die sie belasteten wie Luxusprobleme vor. Wie einfach konnte es ohne den Alltag und dessen Schatten sein. Nur die Liebe fehlte ihr noch zu ihrem Glück. Sie erinnerte sich an ihr Tauchen – sie hatte die Augen geöffnet und es war einfach nur grau, schlammig und hässlich. Wie schön müsste das Meer sein. Die Farben, die Fische. Sie musste ans Meer. Ins Meer. Egal wie. Sie saß in ihrem Kämmerchen, dachte darüber nach, einen Plan für die Flucht zu schmieden. Hier bleiben war keine Option. Sie brauchte ein gutes Ablenkungsmanöver um zu entkommen. Sie würde sich nicht dem allgemeinen Druck unterwerfen. Sie wollte keine Arbeitsdrohne werden. Sie würde gehen und ihr Leben genießen. Dafür würde sie ans Meer gehen um den Unterwasserkönig zu finden, von dem sie schon so oft geträumt hatte. Er war gefährlich und böse, aber in ihren Träumen hatte sie auch seine Güte gespürt – sie musste ihn finden. Sie wollte gemeinsam mit ihm die Unterwasserwelt regieren. Auf den Wellen reiten, mit Delfinen schwimmen und Haien kämpfen. Ja, das würde sie. Sie würde Leben und schwimmen. Lebend durch ihre Zukunft schwimmen. Während sie ihre Pläne schmiedete kam ihr ein Gedicht in den Sinn, das sie von ihrem Großvater gehört hatte.

Das Meer

Grüß‘ mir das Meer,
Silberne Wellen
Rauschen und schwellen,
Schön ist das Meer!

Grüß‘ mir das Meer,
Golden es schäumt‘,
Ob es auch träumet?
Tief ist das Meer.

Grüß‘ mir das Meer,
Glücklich es scheinet
Ströme es weinet,
Groß ist das Meer.

Friederike Kempner (1836-1901)(Quelle)

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8 Gedanken zu „10 aus 15 | Etüdensommerpausenintermezzo“

  1. Lebend durch die Zukunft schwimmen, und kein graues Mäuschen in der Fischkonservenfabrik werden! Was für ein Plan! Ich kann sie gut verstehen.
    Verspätete Grüße
    Christiane, die sich immer über Sehnsuchtsgeschichten freut ;-)

    Gefällt 1 Person

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