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Writing Friday – Wir schaffen das….1 von 2

Und schon wieder ist eine Woche um. Ich habe doch tatsächlich fleissig für den Writing Friday geschrieben. Wirklich fleissig und es ist viel geworden. Deswegen werde ich den Text teilen. Damit ihr ihn besser lesen könnt und es euch nicht zu langatmig wird.

Eine Geschichte, die ich aus einem Bruchstück eines Traumes geschrieben habe.

Schreibe eine Geschichte die mit dem Satz “Es war eine Nacht, wie es sie noch nie zuvor gegeben hatte, zum ersten Mal sah man…” beginnt


Es war eine Nacht wie es sie noch nie zuvor gegeben hatte, zum ersten Mal sah man die Ausmaße des Geschehenen. Martin hatte Samantha an der Hand und blickte zum anderen Ufer, auf ihre Stadt herüber.

Sam schaute zu ihrem Vater: „Paps?“ „Hm?“ Meinst du wir finden sie?“ „Natürlich, mein Schatz, wenn sie noch lebt finden wir sie.“ Mit großen Augen in denen die Tränen schimmerten fragte sie: „Könnte sie tot sein?“ Martin überlegte kurz. Nach diesem Tag war sie kein Kind mehr. Sie konnte die Wahrheit ertragen. „Ja mein Schatz, das könnte sie.“

Martin seufzte und dachte einige Stunden zurück.

Er war mit Sam und Miriam im Auto unterwegs. Sie wollten in die Innenstadt. Ihr Haus lag ziemlich abseits. Sie liebten die Ruhe. Vor Jahren waren sie aus der Stadt aufs Land gezogen. Martin hatte eine gutgehende Web-Design Firma von der er meist zu Hause arbeiten konnte und Miriam war Grundschullehrern. Samantha war sieben. Sie liebte das Landleben. Überall Tiere, Pflanzen, Pfützen. Sie konnte ihrer Fantasie freien Lauf lassen.

In der Stadt hatten sie Miriam beim Friseur raus gelassen. „Ich muss unbedingt zum Friseur. Meine Haare sehen aus wie ein Rabennest. Sie müssen mal wieder verwöhnt werden. Da gönn ich mir gleich  mal das Komplettverwöhnpaket. Maniküre, Pediküre, Kopfmassage. Oh, das werde ich genießen. Ihr zwei könnt also mindestens eine Stunde machen worauf ihr Lust habt.“ Sam und Martin schauten sich an. „Kino?“ „Kino!“ Sie eilten zum Auto. Ein kurzer Blick zurück zu Miriam. Ein Handkuss und schon drängelte Sam ihn zur Eile.

Der Himmel war grau in grau. Es sah nach Regen aus. Martin hatte es gerade zu Ende gedacht, da platschten die ersten großen Regentropfen auf die Autoscheibe. Sam blickte fasziniert dem Verlauf des Tropfens hinterher, als sich der nächste Tropfen einfand und der Spur des Vorgängers folgte. Sam ließ ihren Finger die Scheibe entlang, dem Weg des Tropfens folgen. Danach öffneten sich die Himmelsschleußen. Ein Platzregen ergoss sich über das Auto. Sam schrie erschrocken auf. Die Scheibenwischer schafften es nicht mehr, die Massen von Wasser zu verdrängen. Es lief wie ein Sturzbach an dem Auto herab.

Sam blickte zu Martin: „Papa, ich hab Angst. Das ist so viel Wasser und es ist so dunkel.“ „Ich weiß mein Schatz. Das ist nur einen Moment. Solche Regengüsse halten sich nicht lange. Ich versuche an den Straßenrand zu kommen und dann warten wir einfach. Okay.“ Sie nickte. Martin gab es schnell auf, das Auto weiter zu bewegen. Er ließ es einfach stehen und die Lichter blieben an, damit sie von anderen Autofahrern gesehen werden konnten. Er hoffte allerdings, dass die anderen auch stehen bleiben würden. Sam zitterte. „Komm Schatz. Klettre auf meinen Schoss.“ Sie ließ sich nicht lang bitten. Er holte die Decke vom Rücksitz und sie kuschelten sich aneinander.

Wenige Minuten später ruckelte das Auto. Martins Herz setzte einen Schlag aus. Das Auto bewegte sich. Es wurde von den Wassermassen mitgezogen. Er musste sehen was da draußen los war. Vorsichtig setzte er Sam auf den Beifahrersitz und drückte ihr, ihren Kuschelhasen in die Hand.

Er öffnete die Tür. Der Wind riss sie aus seiner Hand und er konnte das ganze Ausmaß der Katastrophe sehen. Ein Regenvorhang war vor ihm. Kein einziger Lichtstrahl vermag ihn zu durchdringen. Absolute Dunkelheit umgab ihn. Unter sich konnte er schwach das Wasser erkennen. Aus einem kleinen Rinnsal war ein kleiner Bach geworden. Schnell versuchte er sich gegen den Wind zu stemmen und die Tür wieder zu verschließen. Es fühlte sich an, als wolle der Wind ihm die Arme aus den Gelenken reißen. Aber er schaffte es und zog die Tür heftig zu. Er überlegte den Motor zu starten um die Heizung anzumachen. Er war nass, das Autoinnere war nass. Aber er hatte Angst, dass die Batterie zu stark belastet werden würde. Das durfte nicht passieren. Sobald es möglich war, mussten sie weiter fahren.

Er überlegte fieberhaft was zu machen wäre. Er zog sein Handy vor. Natürlich gab es keinen Empfang. Hoffentlich war Miriam in Sicherheit. Viel mehr musste er sich um sie beide Gedanken machen. Das Städtchen war umgeben von Hügeln. Es lag in einer Art Tal. Martin befürchtete, dass dieser starke Regen den Untergrund der Hügel instabil werden lassen könnte. Und dann würde hier eine Lawine von Geröll und Erde herunter kommen.

Ihm blieb jetzt erst mal nichts anderes übrig, als im Auto zu bleiben. Der Wind und die Massen von Wasser würde sie wie ein Pingpongball über den Asphalt zerren. Das Auto ruckelte und Sam quickte. „Wir sind hier sicher. Hab keine Angst, das geht vorüber.“ Sie blickte ihn voll vertrauen an. Dieser Blick versetzt ihn einen kleinen Dolchstoß ins Herz. Er hoffte ihr Vertrauen in ihn wär gerechtfertigt. Er hoffte sie würden hier heil rauskommen. Wie lange noch? Das Radio, es würde bestimmt einen Notfallsender geben. Schnell drehte er an dem Knopf. Ein statisches Rauschen drang in sein Ohr. Kein Empfang. Aber es würde bestimmt einen Notfallkanal geben. Er zwang sich den Knopf zur Sendersuche langsam zu betätigen. Ein nervzerreisendes Rauschen, war das einzige Geräusch. „….in ihren Häusern zu bleiben.“ Da. „Starke Regengüsse behindern den Verkehr. Die Bevölkerung wird gebeten, die Autos stehen zu lassen und in ihren Häusern zu bleiben. Sobald der Regen nach gelassen hat, können sie sich in den Notunterkünften einfinden, die entweder in den Schulen oder Gemeindesälen eingerichtet wurden. Bitte bleiben sie zu ihrer eigenen Sicherheit in den Gebäuden. Sollten sie in einem Auto eingeschlossen sein, verlassen sie dieses auf keinen Fall. Rettung wird geschickt, sobald die Lage es zu lässt.“

Na toll. Die Rettungsleute kamen also auch nicht durch. Kein Problem. Bis auf die Nässe, war es zum Glück nicht kalt. Zu trinken und zu Essen hatten sie auch eine Kleinigkeit. Das würde für einige Stunden reichen. Martin ließ sich im Sitz zurück sinken. Legte die Hände an die Schläfen und versuchte den beginnenden Kopfschmerz weg zu massieren.

„Papa?“ „Ja Kleines?“ „Werden wir sterben?“ „Was, ach nein. Das ist nur Regen. Irgendwann hört der schon auf. Dann fahren wir zu Mami und danach nach Hause. Da mach ich eine große Portion Pommes und wir kuscheln uns gemeinsam auf die Couch und gucken einen lustigen Film. Irgendwann wird das hier nur eine Erinnerung sein, von der wir erzählen können. Ein Abenteuer.“ „Okay. Ich bin bisschen müde. Vielleicht schlaf ich ein bisschen? Dann geht die Zeit schneller rum.“ „Mach das.“

Sanft streichelte er ihren Kopf und strich ihr das Haar aus der Stirn. Sie war sehr tapfer. Er musste auch tapfer sein. Das würde er schaffen. Sie mussten dieses Unwetter doch nur aussitzen, oder?

++

Ein heftiger Ruck ließ Martin aufschrecken. Er war wohl selbst eingeschlafen. Das Auto bewegte sich. Verdammt. Ein Blick auf Sam bestätigte, sie schlief noch.  Es war immer noch dunkel und man konnte nichts sehen. Das Licht der Scheinwerfer verpuffte einfach. Er griff nach dem Lenkrad. Ein weiterer Ruck und das Auto löste sich. Der Schweiß brach ihm aus. Seine Hände rutschten am Lenkrad entlang. Er versuchte es gerade zu halten und hoffte auf keinen anderen Wagen zuzusteuern. Soweit er sich erinnerte, war der Strassenverlauf hier recht gerade. Vielleicht hatte er die Chance irgendwie an den Bordstein zu kommen um sich dort festzukeilen.

Vorsichtig lenkte er nach rechts. Er wollte sanft andocken, sonst würde er sich die Achse ruinieren und könnte dann nicht mehr fahren, wenn die Sicht wieder frei wäre. Er schlitterte langsam. Das Auto tanzte, wie nach einem nur für es selbst hörbaren Song, nach rechts, nach links, nach rechts. Dann spürte Martin einen Widerstand. Ein Bordstein. Sie standen. Er atmete tief aus und löste die verkrampften Finger vom Lenkrad.

Vorsichtig ließ er das Fenster herunter. Der Regen schien schwächer geworden zu sein. Es würde nicht mehr lange dauern und sie könnten los fahren.

++

Wieder musste er eingenickt sein. Sein Nacken schmerzte. Der Regen schien aufgehört zu haben. Er drehte sich um und sah wie sich Sam in die Decke gekuschelt hatte. Nur ihr Haarschopf und die Ohren ihres Stoffhasen waren zu sehen.

Es war stockdunkel draußen. Die Laternen waren ausgefallen. Die ganze Stadt war dunkel. Es gab also keinen Strom mehr. Er startete den Motor. Die Straße stand unter Wasser – aber mit seinen Geländewagen war das kein Problem. Seine Reifen verdrängten das Wasser und er glitt durch die Nacht. Er würde zurückfahren um Miriam aus dem Salon abzuholen. Sie war bestimmt bei diesem Wetter dort geblieben. Im Schritttempo bewegte sich das Auto. Bloß nirgends dagegen fahren, das Auto war ihre Sicherheit. Auf der Rückbank bewegte sich Sam. „Papa? Ist es vorbei?“ „Ja Süße. Es ist vorbei. Wir fahren jetzt Mama holen und dann schnell nach Hause. Dann machen wir eine heiße Schokolade und erzählen von unserem Abenteuer. Klingt das gut?“ Sie krabbelte auf den Vordersitz und schnallte sich an. „Oh ja, ich kann ihr erzählen wie gruselig es war. Wie laut der Regen war und dass Hasi ganz viel Angst hatte.“ „Genau.“ Martin verwuschelte Ihr das Haar und kniff ihr in die Wange.

Er war etwas orientierungslos, da durch die fehlende Beleuchtung alles anders aussah. Die Fixpunkte an denen er seinen Weg immer orientierte existierten nicht im Dunkeln. Waren sie überhaupt noch da? Dieses Unwetter hätte bestimmt einiges zerstört. „Da, Papa, da ist der Friseur. Da, die Ecke.“ Martin starrte aus dem Fenster. Die Ecke existierte nicht mehr. Ein LKW hatte die Gewalt über sein Fahrzeug verloren und war in den Laden gefahren. Er hatte ihn einfach eingedrückt. Er trat erschrocken auf die Bremse. Durch das Wasser verlor er etwas die Spur und schlitterte. Gegenlenken, gegenlenken. Ganz ruhig. Dann standen sie. Er öffnete die Tür und stieg aus. Sam kam von ihrer Seite aus zu ihm. „Wo ist der Laden?“ „Hinter dem LKW“. „Und Mama?“ „In Sicherheit.“ Sam schaute zu ihm nach oben. Hoffentlich strahlte er mehr Zuversicht aus, als er fühlte. Langsam bewegte er sich Richtung Laden. „Bleib da stehen, Schatz. Es kann sein, dass noch Teile herunterfallen. Ich gucke mal nach Mami.“ Sam nickte langsam und drückte ihren Hasen noch enger an sich. So verloren sah sie auch. Am liebsten hätte er sie ebenso an sich gedrückt wie sie ihren Hasen.

Aus dem Handschuhfach hatte er eine Taschenlampe entnommen und leuchtete den Eingang ab. Es gab keinen Eingang mehr. Er lief um den LKW herum. Es gab kein hineinkommen. Er bückte sich, vielleicht konnte er von unten dran. Ja, da war eine Lücke. Er konnte unter dem LKW durch hinein. Er legte sich hin und zog sich unter die Achse. Dann drehte er sich auf den Bauch. Die Taschenlampe schob er immer ein Stück vor sich her und robbte dann nach. Überall lag Glas. Er musste aufpassen, dass er sich nicht die Hände zerschnitt. Dann war er durch. Er stand auf und betrachtete die Überreste des Friseursalons. Überall lagen Lockenwickler und Haarklemmen. „Miriam?“ rief er zaghaft. Keine Antwort. „MIRIAM?“ rief er nun lauter. Er kletterte über Geröll und umgestürzte Friseurstühle. Dort hinten, war das eine Hand? Sein Mund wurde trocken. Langsam ging er darauf zu. Die Hand war blutig und ragte unter den Steinen hervor wie ein makabres Kunstwerk.

Er wollte nicht wissen, wer darunter lag. Was wenn sie es war? Zaghaft bückte er sich und räumte die Steine weg. Legte die Hand frei, bis er das Bündchen eines Pullovers erkennen konnte. Er stoppte und atmete tief aus. Miriam hatte sein Jeanshemd gegriffen. Sie war es nicht. Erleichtert ließ er sich auf den Boden nieder. Er brauchte paar Sekunden um seinen Kreislauf wieder in den Griff zu bekommen. Sie war es nicht. Sie war es nicht.

Er musste weiter gehen. Die selbe Situation traf er noch zwei weitere mal an. Jedes Mal war es kein Jeanshemd. Er ging weiter nach hinten. Dort mussten die Lagerräume und Privaträume sein. Dort sah es noch recht gut aus. Die Zerstörung hatte sich auf den Laden beschränkt. Eine Tür war angelehnt. Ein Quietschen entwich ihr als Martin sie aufdrückte. Dort war keiner mehr. Er blickte sich genau um. Auf dem Tisch lag ein Zettel. Von Miriam: Das heutige Datum war vermerkt. Die Uhrzeit 19:25 Uhr. Ein Blick auf seine Uhr zeigte ihm, dass es schon 23:45 war. Sie hatte ihren Plan notiert. Hinterausgang, Hinterhof, Kino. Wenn nicht dort: Gemeindehaus, Kirche, Zu Hause. Gruß Miriam. Man konnte ihr nicht vorwerfen zu ausführlich zu sein. Aber das reichte ihm. Sie lebte und sie war auf der Suche nach ihnen. Schnell stopfte er den Zettel in die Tasche, als er ein Rumpeln vernahm. Er ging in den Laden und sah, dass ein großer Betonblock von einem oberen Stockwerk auf den LKW gefallen war und ihn sofort tiefergelegt hatte. Auf diesen Weg kam er nicht mehr zurück. Aber er wusste ja von dem Hinterausgang. Schnell lief er in die Richtung Flur. Dort hinten vernahm er den Schemen einer Tür. Die Taschenlampe warf beim rennen gruselige Effekte an die Wand. Die Tür öffnete sich leicht und stolpernd bewegte sich Martin hinaus. Welche Richtung? Egal. Nein – dort – links, da standen die Mülltonnen. Dort würde es bestimmt zur Straße gehen.

Fortsetzung

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