Schreibkicks, WG

Schreibkicks – Hitzefrei.

Es ist wieder soweit. Meine Schreibpause hat mir gut getan und ich hoffe, dass ich jetzt wieder voller Ideen durchstarten kann.

Gestern wäre eigentlich der Stichtag für Schreibkicks gewesen, aber da war ich noch nicht so weit. Leider verlassen einige diese schöne Aktion. Frau Vro und Nicole haben sich erstmal zurück gezogen. Deswegen kann ich also bisher nur eine Mitschreiberin verlinken.

Diesesmal dabei:

Corly

Das Thema für den 1. 9. wenn es überhaupt noch stattfindet?

Sollte Schreibkicks einschlafen, muss ich mir dann überlegen ob meine WG überlebt und wie ich dann zu neuen Themen komme. Mal sehen.


Hitzefrei.

„Hitzefrei.“ Schallte es durch die Flure. Während wir anderen uns alle in der Küche versammelten schwebte Amelia durch die Gänge und brüllte ständig: „Hitzefrei.“

„Amelia.“ Brüllte ich zurück und hielt mir ein Kühlbeutel an die Stirn. Das Thermometer zeigte vierzig Grad an. Ich blickte mich nach Frank um. Er wollte eigentlich etwas zu essen machen. Vielleicht würden wir grillen. Oh nein – bei der Hitze, würde mich keiner hinausbekommen. Sehnsüchtig blickte ich zur Kellertür. Dracula hatte dort seine Gemächer. Ich kicherte albern. Ja, das waren bestimmt Gemächer, schließlich war er ja auch Uralt. Dort war es bestimmt angenehm kühl. Aber die Tür blieb verschlossen. Nur Frank hatte einen Schlüssel, wegen des Weins und was er sonst noch so da unten zum Essen lagerte. Ob ich ihn überreden sollte mal aufzuschließen. Ich könnte ja vorgeben einen Wein zu suchen. Ach nein, das würde er mir eh nicht abnehmen. Bei den Temperaturen würde ich höchstens einen sauer gespritzten Apfelwein trinken. So, und schon war es passiert, der Wunsch nach einem eiskalten Sauer gespritzten war geboren. Ich erhob mich stöhnend von dem glitschigen Küchenstuhl und wedelte die Beine der Shorts trocken. Naja, trocken natürlich nicht, aber es gab eine kleine Abkühlung.

Ich schlürfte also zum Kühlschrank und hoffte erwünschtes zu finden. Was ich stattdessen fand, war ein kleiner Herzkasper. „Iigg.“ Quietschte ich, als mir Leon aus dem Kühlschrank entgegenblickte.

Leon war mein imaginärer Freund aus Kindheitstagen, der sich hier im Haus manifestierte und blieb. Ein Chamäleon-Krake. Ich weiß nicht warum ich einen Kraken wollte. Vielleicht weil er mich mit so vielen Armen knuddeln konnte? Jetzt erschrak er mich aber. „Huhu Lissie. Ein bisschen Abkühlung gefällig? Schau mal, meine Arme sind ganz blau. Ich könnte dich schnell mal drücken und du hättest eine angenehme Kühlung. Wie wäre es?“

Ich überlegte kurz und zuckte mit den Schultern. „Warum eigentlich nicht?“ Ich streckte die Arme aus und Leon sprang hinein. Er war sooo kalt, dass ich erst mal tief einatmen musste. Aber dann wurde es richtig angenehm. Ich kühlte sofort ab. „Ahhhh. Danke schön.“ Im Hintergrund konnte man immer noch Amelia „Hitzefrei.“ Brüllen hören. „Das ist doch gerne geschehen. Und jetzt nimm dir heraus was du wolltest und schließe die Tür, sonst wird es ja warm hier drinnen.“ Ich griff nach dem Apfelwein, schenkte mir schnell einen Schluck ein und füllte ihn mit eiskaltem Wasser auf. „Tür zu.“ Flötete Leon. Ich winkte zum Abschied.

Etwas erfrischt ging ich durch die Küche zur Hintertür. Dort sah ich Frank. Ich nahm einen Schluck und genoss das glitzernde Spiel meines Getränkes in dem Glas. Das angenehme Nass an der  äußeren Glasseite, wo das kondensierte Wasser abperlte. Ich war kurz in Versuchung diese Perlen abzulecken. Stattdessen nahm ich noch mal einen herzhaften Schluck.

„Hei Frank. Was machst du denn in der Hitze hier draußen?“ Frank drehe sich schwerfällig um und ich konnte seine rot verbrannte Nase bewundern. „Du hast ja einen Sonnenbrand auf der Nase.“ Lachte ich. Er fasste sich an diese und zuckte leicht. „Au.“ „Was machst du?“ „Essen.“ „Grillst du?“ „Nein.“ Er war nicht gerad der gesprächigste aber eine wahre Seele von  – ja ich erwähnte es schon – Menschenteilen. Außerdem sah er heute besonders witzig aus. Ich liebte ihn einfach. Er hatte ein Hawaiihemd an. Eine kurze Hose, Sandalen und griff jetzt nach einem Sonnenhut. Er sah zum Schiessen aus. Fehlte nur noch der Drink mit dem obligatorischen Strohhalm, den ich dann sogar entdeckte. Im Baum saß Keya, die zu uns an Weihnachten stieß. Als Baumnymphe hatte sie versucht den Weihnachtsbaum zu retten, mit Erfolg. Sie und Frank waren, ich denke man kann es so nennen, ein Paar. Ich winkte ihr zu. Sie sah traumhaft aus. Sie trug luftig leichte Kleidung, die mit zarten Blüten bedeckt war. Oder war sie nur in Blüten gekleidet? Einfach nur traumhaft. So zart. Welch ein Paar.

Ich blickte zu Frank. Er hatte auf einer Metallplatte ganz dünne Fleischscheiben und Eier ausgebreitet, die vor sich hingarten, in der Sonne. Die Sonne war so heiß, dass man keine externe Wärmequelle benötigte, außer vielleicht manchmal einen kleinen Anstoß unserer Haushexe, Minerva, die in einem gewagten Bikini auf der Liege im Schatten lag. Ich war also umgeben von hübschen Frauen und traute mich nicht einen Blick in die Fenster der Terrassentür zu werfen. Ich sah eher wie eine gestresste Mutter von drei Kindern aus. Schweiß stand mir auf der Stirn. Nicht nur auf der Stirn. Mein Tank Top war vorne und hinten verdächtig feucht mit verräterischen nassen Flecken. Ich hoffte, dass wenigstens mein Deo nicht versagte und schnüffelte unauffällig. Meine Haare hatte ich mit einem Gummiband nach oben gebändigt. Es sah wie ein Vogelnest aus. So sah ich aus, wenn es heiß war. Und auch sonst immer.

„Hitzefrei.“ Hörte ich Amelia und rollte mit den Augen. Von der Terrasse konnte man direkt in den anliegenden Garten gehen, der dringend mal einen Gärtner gebraucht hätte. Ich schrieb es auf meine virtuelle To-Do-Liste. Gärtnern, oder einen Gärtner. Mal sehen. Frank hatte sich ein kleines Stück abgesteckt in dem er leckeres Gemüse und Obst gepflanzt hatte. Ich schlenderte zu den Erdbeeren und zupfte paar ab. Hmmmm – so süß.

Wo war eigentlich Richard? Der kühlte sich bestimmt irgendwo ab. Im Freibad vielleicht. Ich schlenderte durch den verwilderten Garten und bemerkte, dass ich gar nicht wollte, dass er hergerichtet werden würde. Er war zauberhaft. Nein, er sollte so bleiben. Vielleicht könnte Minerva ihn etwas zurechtrücken. Oder Keya – sie hatte ja die Gabe zu den Pflanzen zu sprechen. Da ließe sich bestimmt was planen. Auf dem Boden sah ich eine verdächtige weiße Binde. Morphi – unsere Mumie. Ich folgte der aufgewickelten Binde und blieb erschrocken stehen. Dort in dem Mini-Tümpel, von dem ich gar nichts wusste, hatte sich Morphi hineingesetzt. Nackt. Eine nackte Mumie. Bitte lasst mich das nicht erklären, das war schon etwas verstörend. „Äh, hallo Morphi.“ Erschrocken blickte er mich an und suchte nach etwas mit dem er seine Blöße bedecken konnte. Ich drehte meinen Kopf und wartete. „Tschuldige.“ Murmelte er. „Ach kein Problem. Bei dieser Hitze muss man sich ja irgendwie abkühlen.“ Antwortete ich verlegen. Er war als lebender bestimmt eine Augenweide gewesen. Unter der mumifizierten Haut konnte man tatsächlich eine Art Sixpack entdecken. Ja, er war gut ausgestattet. Leicht errötend reichte ich ihm seine Mullbinde und verabschiedete mich. „Bis später.“ „Mhm.“

Ja – wenn es so heiß war, bekam man die skurrilsten Dinge zu sehen. Da war Richard. „Hitzefrei.“

„Richard, hier bist du ja. Was machst du?“ „Ich habe einen Pool gekauft. Ist das nicht toll?“ Skeptisch zog ich die Augenbrauen nach oben. „Einen Pool?“ dabei musste ich an Morphi denken. „Ja, da können wir uns alle abkühlen. Ach Lissie, bei den Temperaturen gibt es nichts besseres, oder?“ „Hm, ja wahrscheinlich.“ „Hitzefrei.“ Richard sah mich fragend an. „Frag mich nicht, das macht sie schon den ganzen Tag, ich weiß nicht woher sie das hat und was sie damit verbindet. Ich hab sie noch nicht gesehen.“ Er nickte und fing an aufzubauen. „Brauchst du Hilfe?“ „Ne – ich glaube nicht. Das sieht einfach aus.“ „Okay, dann gehe ich zurück zu den anderen. Ruf wenn du mich brauchst.“ „Okay.“

Auf dem Rückweg nahm ich mir vor, sobald es kühler war, den Garten zu erkunden. Wer weiß, welche Schätze mich da noch erwarteten. Oder Fallen. Auf keinen Fall alleine gehen, notierte ich mir gedanklich. Als ich auf die Terrasse zurückkam blieb ich abrupt stehen. Dracula war zu uns gestoßen. Ich konnte mich nicht beherrschen und musste laut lachen. Er war das schmalere und blassere Abbild von Frank. Der sonst so adrett gekleidete Gentlemen trug ein Hawaiihemd mit Shorts und Sandalen. Eine Sonnenbrille und ein Mexikanischer Sombrero rundeten die Karikatur ab. Er blickte mich böse an. „Diese Hitze macht sogar mir zu schaffen. Obwohl ich immer Kalt bin, ist mir zu heiß. Also unterlasse bitte blöde Kommentare, klar?“ „Klar.“ Lachte ich. „Aber wie kann es sein, dass du überhaupt rauskannst? Es ist hell und die Sonne scheint.“ „Minerva hat mir geholfen. Sie hat irgendein Schutzschild über mich gezaubert.“ Ich blickte zu der kühlen Schönheit auf der Liege. Sie winkte schwach ab. „Das war doch gar nichts.“ Murmelte sie verschlafen.

„Hitzefrei.“ „Amelia, tauch sofort hier auf.“ Rief ich. Und sie erschien. Sie entschlüpfte der Kühltasche. „Leute, wir haben Hitzefrei.“ „Von was hast du denn Hitzefrei? Weißt du denn was das überhaupt bedeutet?“ Fragte ich sie genervt. „Was meinst du? Hitzefrei ist wenn man frei hat, oder verstehe ich das falsch?“ „Nein, das ist schon nah dran, aber von was hast du Hitzefrei. Man muss arbeiten oder lernen um Hitzefrei zu bekommen.“ Sofort zog sie einen Schmollmund. „Glaubst du herumspuken ist keine Arbeit? Hä. Du bist ganz schön arrogant. Also so was.“ Sie verschränkte die Arme vor der Brust. „Entschuldige, natürlich. Das war wirklich überheblich von mir. Was hast du vor wenn du Hitzefrei hast?“ Schon war sie wieder fröhlich. „Ich will in den Pool springen, den Richard aufbaut.“ Sofort änderte sich ihr Outfit. Sie war in einem Bade – wie soll ich es nennen. Badekleid? gekleidet. So wie man das aus der Vergangenheit kennt. Viel Rüschen und wenig Haut. Es sah entzückend aus.

„Dann würde ich doch sagen wir gehen schnell zu Richard und helfen ihm. Dann können wir alle eintauchen. Amelia, hol doch Morphi aus seinem Pool, er soll zu uns kommen. Richard hat bestimmt noch eine Boxershorts für ihn.“ Meinte ich verschmitzt.

Schnell begaben wir uns zu Richard, der leicht verzweifelt wirkte. „Hier ist die Verstärkung. Kommt Leute, schnell, da muss noch Wasser rein, damit wir endlich ins kühle Nass kommen.“

Minerva schob sich nach vorne. „Richard, ich hoffe ich trete deiner Männlichkeit nicht zu nahe, aber soll ich das nicht schnell erledigen?“ Er blickte sich um und stützte seine Hände in die Hüften. Seine Stirn legte sich in Falten und er überlegte scharf. Der ungeduldige, hoffnungsvolle Blick, dem wir ihm zuwarfen reichte wohl um ihn umzustimmen. Er trat bei Seite und machte eine ausholende Handbewegung. „Bitte schön, es wäre mir eine Freude, wenn das Ding schnell stehen würde.“ Ich flüsterte ihm noch schnell zu, dass er doch für Morphi eine Shorts holen sollte. Schnell schlüpfte er ins Innere um kurz danach eine Shorts in Hawaiimotiven in den Händen wieder aufzutauchen. Was soll das mit dem Hawaiimotiv??

Etwa dreißig Minuten später saßen wir alle im Wasser. Amelia war in der Mitte und tauchte immer wieder unter. Ich glaube für sie zählte einfach nur der Spaß, denn fühlen konnte sie das kühle Nass leider nicht. Wir hatten kleine Bootchen in dem unsere Drinks schwammen und genossen den schönen Sonnenuntergang. Es war einfach herrlich mit seinen Freunden einen so tollen Tag zu teilen.

ENDE

Bisher erschienen:

  1. Schreibkicks – die vererbte Zeitkapsel
  2. Schreibkicks – Weihnachstspezial – Die Sache mit dem Rentier
  3. Mach was…mit einer Festtags-Leckerei
  4. Schreibkicks – Märchen der guten Vorsätze
  5. Schreibkicks – Rückkehr der Freunde
  6. Schreibkicks – Die Welt bei Nacht mit einem Hausschuh.
  7. Schreibkicks – Im Spiegel lauert die Gefahr
  8. Schreibkicks – Mai – Lachen heilt alle Wunden
  9. Schreibkicks 2 in 1 – Auf dem Dach vom Glück gegrüsst. Part 1 v 2
  10. Schreibkicks 2 in 1 – Auf dem Dach vom Glück gegrüsst. Part 2 v 2

17 Gedanken zu „Schreibkicks – Hitzefrei.“

    1. Haha, Danke. Ja Dracula in Hawaii Hemd, das hab ich direkt vor Augen. Hätten eigentlich nur noch weisse Tennissocken gefehlt. Aber das hat er nicht in seiner Gruft😊😊

      Gefällt 1 Person

  1. Juchhu, die MOnster-WG ist wieder da!!! <3 Herrlich, Du weißt ja ich liebe diese Geschichten! Und daher hoffe ich natürich ganz egoistisch, dass Du auch weiter von all den liebenswerten Figuren erzählst! Naja, ich fasse mich mal in Geduld… ;-)
    Liebe Grüße
    Nicole

    Gefällt 1 Person

    1. Huhu. Ich freue mich sehr, dass du noch Spass dran hast. Ich auch. Mal sehen, Sabi hat noch kein neues Thema ausgegeben. Aber es werden leider auch immer weniger Teilnehmer – also überlege ich schon die ganze Zeit, was denn so passieren kann. Ich halte die Augen für neue Ideen offen.

      Liebe Grüsse

      Gefällt 1 Person

      1. Auf jeden Fall!! :D Ja, es war ja zwischendurch schon mal so, dass die Schreibkicks beinahe eingeschlafen sind. Ich hoffe, dass Du trotzdem noch weiter Ideen hast (also falls Du Stichwörter brauchst… gib einfach Bescheid ;-) ) und Dir der Spaß an deiner Gang nicht verloren geht! :D
        Liebe Grüße
        Nicole

        Gefällt 1 Person

  2. Huhu,

    so, ich habe es geschafft. Alle Teile gelesen. Ha, ha. Wie witzig. Dracula war ja der Knüller.. Aber Amelia hat das mit dem Hitzefrei wohl nicht so verstanden. Lustige Idee. Bin gespannt wie es weiter geht.

    LG Corly

    Gefällt 1 Person

Mit Absenden eines Kommentars erklärst Du Dich einverstanden, dass evtl. personenbezogene Daten (z.B. die IP-Adresse etc.) abgespeichert und für Statistiken von Wordpress weiterverarbeitet werden.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.